Wann eine Brille bei Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit?

Augenarzt mit Patientin
Beim Optiker oder in der Augenarztpraxis werden Ihre Augen genau untersucht und ausgemessen© stock.adobe.com/Andor Bujdoso

Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit betreffen fast jeden Menschen im Lauf des Lebens. Die Korrekturmöglichkeiten sind vielfältig.

  • Kurzsichtige sehen ferne Objekte unscharf

  • Weitsichtige sehen nahe Objekte unscharf

  • Autofahren: Sehtest und wenn nötig Korrektur durch Sehhilfe oder OP

Schätzungen zufolge ist rund ein Viertel der Weltbevölkerung kurzsichtig. Sehstörungen sind bei Kindern zwar seltener als bei Erwachsenen, dennoch haben bis zu 14 Prozent der Vorschulkinder eine leichte Weitsichtigkeit. Mit einer Brille, Kontaktlinsen oder durch eine Laseroperation lassen sich viele Fehlsichtigkeiten korrigieren. Beim Autofahren ist gutes Sehvermögen gesetzlich vorgeschrieben.

Was bedeuten Weit- und Kurzsichtigkeit?

Das menschliche Auge funktioniert im Prinzip wie eine Kamera. Es hat eine Linse, die Lichtstrahlen bricht und auf die Netzhaut (Retina) im hinteren Teil des Auges fokussiert. Manchmal stimmt dieser Fokus jedoch nicht genau und das Bild wird vor oder hinter der Netzhaut projiziert. Das führt zu unscharfem Sehen.

Bei Menschen mit einer Weitsichtigkeit (Hyperopie) werden die Lichtstrahlen so gebrochen, dass das Bild hinter der Netzhaut fokussiert wird. Das bedeutet, dass sie Dinge in der Ferne besser sehen können als in der Nähe. Ein häufiger Grund dafür ist, dass das Auge – genauer gesagt der Augapfel – von vorn nach hinten zu kurz oder die Hornhaut nicht stark genug gekrümmt ist. Eine Brille oder Kontaktlinsen mit sammelnden (positiven) Gläsern können helfen, das Bild richtig auf der Netzhaut zu fokussieren.

Liegt eine Kurzsichtigkeit (Myopie) vor, wird das Bild vor der Netzhaut fokussiert. Betroffene Personen sehen Objekte in der Nähe klar, Dinge in der Ferne erscheinen dagegen unscharf. Außerdem kann es zu Symptomen wie Kopfschmerzen und Schwindel kommen. Häufig kneifen kurzsichtige Personen beim Blick in die Ferne die Augen zusammen. Die Ursache ist oft ein zu langer Augapfel. Ein weiterer Grund ist eine zu stark gekrümmte Linse oder Hornhaut. Sehhilfen mit zerstreuenden (negativen) Gläsern sorgen dafür, dass das Bild richtig auf der Netzhaut dargestellt wird.

Der Grad der Kurz- oder Weitsichtigkeit wird in Dioptrien angegeben: bei Kurzsichtigen im Minusbereich (–), bei Weitsichtigen als positiver Wert (+).

Beide Fehlsichtigkeiten, Myopie und Hyperopie, können genetisch bedingt sein. Wenn also Eltern oder andere Familienmitglieder kurz- oder weitsichtig sind, besteht ein erhöhtes Risiko für die Nachkommen, ebenfalls davon betroffen zu sein. Häufig führt jedoch eine Kombination von genetischen und umweltbedingten Faktoren zur Entwicklung dieser Sehprobleme.

So werden Fehlsichtigkeiten korrigiert

Es gibt unterschiedliche Hilfsmittel und Verfahren, um Fehlsichtigkeiten auszugleichen und das Sehvermögen zu verbessern:

  • Brille: Die Brillengläser für fehlsichtige Menschen brechen das einfallende Licht so, dass es korrekt auf die Netzhaut fokussiert wird. Konvexe, also nach außen gewölbte Gläser, kompensieren eine Weitsichtigkeit. Konkave, das heißt nach innen gewölbte Gläser, die außen dicker sind als in der Mitte, korrigieren eine Kurzsichtigkeit.

  • Kontaktlinsen: Sie sind eine beliebte Alternative zur Brille, besonders für jüngere Menschen oder bei sportlichen Aktivitäten. Genau wie Brillen korrigieren sie den Brechungsfehler des Auges. Es gibt verschiedene Typen von Kontaktlinsen: weiche, harte oder multifokale Linsen. Sie können je nach Bedarf und Augenbeschaffenheit ausgewählt werden. Zur Auswahl stehen Tages-, Wochen- oder Monatslinsen. Sie liegen direkt auf dem Auge und bieten oft ein natürlicheres Sehfeld als Brillen.

Refraktive Chirurgie: Es gibt verschiedene operative Verfahren, die eine dauerhafte Korrektur der Weit- und Kurzsichtigkeit bieten können. Einige dieser Eingriffe, wie Lasik, Lasek oder PRK nutzen einen Laser, um die Form der Hornhaut so zu verändern, dass sie das Licht korrekt auf die Netzhaut lenkt. Andere Verfahren, wie die klare Linsenextraktion, ersetzen die natürliche Linse des Auges durch eine künstliche Linse mit der richtigen optischen Stärke.

Jedes operative Verfahren hat seine Vor- und Nachteile. Die individuell beste Option hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art der Fehlsichtigkeit, die Dicke der Hornhaut und der allgemeine Gesundheitszustand des Auges. In einem ausführlichen Gespräch mit einer Augenärztin oder einem Augenarzt können Sie die am besten geeignete Methode zur Sehkorrektur ermitteln.

Wann ist eine Brille nötig?

Jüngere Personen können ihre Weitsichtigkeit oft für eine gewisse Zeit durch die natürliche Fokussierfähigkeit der Linse ausgleichen, was jedoch zu Augenbelastung führen kann. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Augenlinse ab, sich zu verformen (Akkommodation), was das dauerhafte Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen im Alltag erforderlich machen kann. Bei einer weniger starken Weitsichtigkeit ist es oft ausreichend, die Brille nur für bestimmte Tätigkeiten zu tragen.

Menschen, die viel Zeit am Bildschirm verbringen, können eine Brille oder spezielle Computerbrillen wählen, um Augenbelastung und Müdigkeit zu verringern. Der Augenarzt oder die Augenärztin gibt individuelle Empfehlungen, basierend auf dem Grad der Weitsichtigkeit und den spezifischen Bedürfnissen der betroffenen Person. Zum Beispiel können für manche Menschen Gleitsichtbrillen mit getrennten Bereichen für das nahe und für das ferne Sehen oder spezielle Lesebrillen geeignet sein.

Mit Brille Auto fahren

In Deutschland sind die Anforderungen an das Sehvermögen von Kraftfahrzeugführenden genau geregelt:

  • Pkw, Motorräder, Zugmaschinen (Führerscheinklassen A, A1, A2, B, BE, AM, L und T): Um den Sehtest zu bestehen, muss die Mindestsehschärfe mit oder ohne Sehhilfen 0,7/0,7 betragen. Wer den Sehtest nicht besteht, braucht für den Führerschein eine augenärztliche Untersuchung. Dabei muss unter anderem die Sehschärfe des besseren Auges oder beider Augen zusammen mindestens 0,5 betragen.

  • Lkw, Busse (Führerscheinklassen C, CE, D, DE, C1, C1E, D1, D1E, FzF): Bei diesen Führerscheinklassen ist immer eine ärztliche Untersuchung zum Sehvermögen erforderlich. Es gelten strengere Anforderungen als für Pkw, Motorräder und Zugmaschinen.

  • Schlüsselzahl im Führerschein: Wenn eine Person eine Brille oder Kontaktlinsen zum Fahren benötigt, wird dies im Führerschein vermerkt. Die Schlüsselzahl 01 bedeutet Korrektur des Sehvermögens und/oder Augenschutz (früher: Sehhilfe). Das Fahren ohne Sehhilfe ist dann rechtswidrig.

  • Regelmäßige Untersuchungen: Für einige Führerscheinklassen sind regelmäßige augenärztliche Untersuchungen erforderlich, um sicherzustellen, dass die Anforderungen an das Sehvermögen weiterhin erfüllt werden.

Verkehrsteilnehmer müssen vor Antritt einer Fahrt selbst überprüfen, dass sie den Anforderungen des Straßenverkehrs gewachsen sind, und sicherstellen, dass Sie ein Kraftfahrzeug gefahrlos fahren können (Fahreignung). Führt eine Krankheit oder Verletzung zur Verkehrsuntüchtigkeit, ist das Führen eines Kraftfahrzeugs nicht gestattet.

Ärztliches Fahrverbot ist bindend

Attestiert die Ärztin oder der Arzt eine Fahruntauglichkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen – wenn auch nur zeitweise –, müssen Verkehrsteilnehmende dem nachkommen. Das "ärztliche Fahrverbot" ist nicht gleichzusetzen mit einem vom Gericht oder der Fahrerlaubnisbehörde verhängten Fahrverbot.

Wer jedoch gegen das ärztliche Fahrverbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, wenn er oder sie trotz fehlender Fahrtauglichkeit fährt, und macht sich (z.B. bei einem Unfall) strafbar, wenn andere Personen dadurch gefährdet werden. Bei einem Unfall drohen Geld- und sogar Freiheitsstrafen, wenn jemand verletzt oder im schlimmsten Fall getötet wird. Zudem kann die Kfz-Haftpflichtversicherung bereits an die Unfallgeschädigten ausgezahltes Geld zurückfordern; die Kaskoversicherungen können Leistungen kürzen oder verweigern.

Ein ärztliches Fahrverbot aufgrund von Fehlsichtigkeit kann dann ausgesprochen werden, wenn die jeweiligen Anforderungen an die Tagessehschärfe nicht erfüllt werden und die Sehschwäche auch nicht durch eine Sehhilfe (Brille oder Kontaktlinsen) ausreichend korrigiert werden kann. Andere Sehprobleme wie z.B. Gesichtsfeldausfälle können ebenfalls zu einem ärztlichen Fahrverbot führen.

Sehtest für den Führerschein

Für den Erwerb eines Führerscheins ist ein Sehtest erforderlich und gehört zum Standardverfahren bei der Anmeldung für die Führerscheinprüfung. Der Sehtest ist auch ein Bestandteil der Ersterteilung der Fahrerlaubnis für bestimmte Führerscheinklassen. Dieser Test kann zum Beispiel in der Augenarztpraxis oder beim Optiker durchgeführt werden.

Der Sehtest gilt als bestanden, wenn die zentrale Tagessehschärfe mit oder ohne Sehhilfen mindestens 0,7 (70 Prozent) auf jedem Augen beträgt. Bei Nichtbestehen muss eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Dabei sind Aspekte wie Sehschärfe, Gesichtsfeld, Dämmerungs- und Kontrastsehen, Blendempfindlichkeit, Doppeltsehen und andere Sehstörungen zu berücksichtigen, die das sichere Fahren beeinträchtigen könnten.

Die Kosten für den Sehtest beim Erwerb eines Führerscheins sind vom Antragstellenden selbst zu tragen. Zum Teil ist der Sehtest beim Optiker kostenlos.

Wenn der Sehtest in einer Augenarztpraxis durchgeführt wird, liegen die Kosten meist zwischen 20 und 50 Euro, abhängig von der jeweiligen Arztpraxis und den spezifischen Tests, die gemacht werden. Ein einfacher Sehtest für den Führerschein ist in der Regel nicht von der Krankenversicherung abgedeckt, es sei denn, es besteht eine medizinische Notwendigkeit für weitere augenärztliche Untersuchungen.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Dr. Bernhard Lachenmayr, Facharzt für Augenheilkunde, Sprecher der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft sowie des Berufsverbands der Augenärzte und Mitglied des ADAC Ärztekollegiums.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.