Unfall in Österreich: Das müssen Sie wissen

15.7.2019

Wann die Polizei kommt, wie der Schaden reguliert wird, ob die Grüne Karte erforderlich ist und wie der ADAC Mitgliedern hilft: Antworten auf wichtige Fragen nach einem Unfall in Österreich sowie Tipps der ADAC Juristen.

ADAC Auslandsunfall Österreich
Foto: ©ADAC Motorwelt

Was tun bei einem Unfall in Österreich?

Nach einem Unfall müssen Sie sofort anhalten, die Warnweste anlegen, die Unfallstelle sichern und Verletzten helfen. Bei Personenschäden ist immer die Polizei bzw. die Rettung zu rufen (s. wichtige Telefonnummern). Bei kleinen Blechschäden kommt die Polizei nicht, aber bei größeren Schäden oder Streit mit Unfallbeteiligten sollten Sie die Polizei einschalten. Notieren Sie Kennzeichen, Name und Anschrift von Fahrer und Halter der beteiligen Fahrzeuge sowie deren Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer. Suchen Sie möglichst neutrale Zeugen und fotografieren Sie die Unfallstelle. 

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem mehrsprachigen Europäischen Unfallbericht. Unterzeichnen Sie auf keinen Fall Schriftstücke, die Sie nicht verstehen. Beim Organisieren eines Abschleppdienstes sowie der Werkstattsuche können sich Plus-Clubmitglieder nach Unfällen an die ADAC Notrufzentrale (s. wichtige Telefonnummern) wenden. Das Mitführen der Grünen Karte ist zwar nicht mehr vorgeschrieben. Sie kann jedoch trotzdem bei der Verständigung am Unfallort und zur einfacheren Schadenabwicklung beitragen.

Tipp Icon

Wichtige Telefonnummern 

Polizei in Österreich 133
Rettungskräfte in Österreich 112
Abschleppdienst des ADAC +49 89 22 22 22
Zentralruf der Autoversicherer 0800 2 50 26 00 (aus Deutschland)
+49 403 00 33 03 00 (aus dem Ausland)

Wer zahlt den Schaden?

Schadenersatzansprüche müssen Sie direkt bei der gegnerischen Versicherung in Österreich anmelden oder zu Hause über den Regulierungsbeauftragten der österreichischen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Über den Zentralruf der Autoversicherer erfährt man, wer der Regulierungsbeauftragte ist (s. wichtige Telefonnummern). Stichwort Kfz-Haftpflicht: Die eigene Versicherung muss nur informiert werden, wenn Ansprüche des Unfallgegners denkbar sind.

Vorsicht vor Verjährung: In Österreich verjähren Schadenersatzansprüche nach drei Jahren. Die österreichische Versicherung und der Regulierungsbeauftragte in Deutschland wiederum müssen den Fall spätestens drei Monate nach Meldung bearbeiten. Andernfalls müssen sie eine begründete Antwort erteilen, wenn die Abwicklung nicht erfolgen kann. 

Antwortet die Versicherung nicht fristgemäß, können Sie die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe*  einschalten, die der Sache nachgeht und unter bestimmten Voraussetzungen selbst reguliert. Kommt es dennoch zum Streitfall, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass über die Haftungsfrage oder die Schadenhöhe die gegnerische Versicherung nicht nur im Ausland, sondern auch im Wohnsitzland des Geschädigten verklagt werden kann.
 

Wie helfen wir?

Exklusiv und kostenlos ist für Mitglieder die ADAC Rechtsberatung. Daneben gibt es für Mitglieder online oder in allen ADAC Geschäftsstellen eine Liste mit  deutschsprachigen ADAC Vertrauensanwälten. Vor allem bei hohen Sach- und bei Personenschäden empfiehlt sich ein Vertrauensanwalt, der gegebenenfalls vor Ort klagen kann. Für ADAC Plus-Mitglieder gilt: Für eine Erstberatung durch einen ausländischen Vertrauensanwalt kann ein Zuschuss von bis zu 52 Euro gewährt werden. Die Clubjuristen können zudem prüfen, ob im geeigneten Einzelfall die Unfall-Rechtshilfe AUSLAND in Betracht kommt.

Welche Sachschäden werden nach einem Unfall in Österreich ersetzt?

Da der Unfall in Österreich passiert, findet österreichisches Recht Anwendung.

Ersetzt werden:

  • Reparaturkosten: gegen Vorlage einer Werkstattrechnung oder eines Sachverständigengutachtens, bei Bagatellschäden auch mittels Kostenvoranschlag. Der gegnerischen Versicherung sollte vorab die Besichtigung des Fahrzeugs ermöglicht werden. Der Ersatz fiktiver Reparaturkosten wird durch die objektive Wertminderung begrenzt, d.h. auf die Differenz zwischen Zeitwert des Kfz in unbeschädigtem und beschädigtem Zustand.
  • Totalschaden: der durch ein Gutachten nachgewiesene Zeitwert des Fahrzeugs abzüglich Restwert.
  • Mietwagenkosten: auch für private Nutzung des Fahrzeugs während der Reparaturdauer. Abzug 10–15% wegen Eigenersparnis. Bei Totalschaden werden Mietwagenkosten für maximal zwei bis drei Wochen erstattet.
  • Abschleppkosten: bei nicht mehr fahrbereiten Kfz bis zur nächsten Werkstätte. Nachweis der Kosten per Rechnung. 
  • Gutachterkosten: werden grundsätzlich erstattet, sofern der Schaden nicht durch die österreichische Versicherung besichtigt wurde (der dies vorab ermöglicht werden sollte).
  • Wertminderung: wird nach österreichischen Formeln ermittelt und für höchstens zwei bis drei Jahre alte Fahrzeuge ohne Vorschäden gezahlt.
  • Kaskoselbstbeteiligung: gegen Vorlage einer Abrechnung der Vollkaskoversicherung.
  • Übernachtung/Verpflegung: nur Kosten, die unmittelbar mit dem Unfall zu tun haben unter Abzug der Eigenersparnis.
  • Anwaltskosten: außergerichtliche und gerichtliche Anwaltskosten werden meist übernommen. 
  • Schadensfinanzierungskosten: sofern die Versicherung unter Fristsetzung erfolglos zur Vorschussleistung aufgefordert wurde.
  • Post- und Telefongebühren: gegen Nachweis

Nicht ersetzt werden: 

  • Nutzungsausfall
  • Entschädigung für Beeinträchtigung des Urlaubs (allenfalls: nachweisbarer materieller Schaden).

 

Was wird bei Personenschäden nach einem Unfall in Österreich erstattet?

  • Arzt-, Heil- und Pflegekosten: soweit sie nicht durch die eigene Krankenkasse erstattet werden.
  • Verdienstausfall: durch Nachweis des tatsächlich erlittenen Schadens mittels Bestätigung des Arbeitgebers bzw. bei Freiberuflern durch Vorlage von Steuerbelegen
  • Schmerzensgeld: Tagessätze werden nach Schmerzperioden und Schmerzstufen bestimmt.

Infos bei Unfall in anderen europäischen Ländern oder den USA oder Russland

Text: Juristische Zentrale

*Durch Anklicken der Links werden Sie auf externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.