Unfall in Kroatien: Das müssen Sie wissen

15.7.2019

Wann die Polizei kommt, wie der Schaden reguliert wird, ob die Grüne Karte erforderlich ist und wie der ADAC Mitgliedern hilft: Wir geben Antworten auf wichtige Fragen nach einem Unfall in Kroatien sowie Tipps der ADAC Juristen.

ADAC Auslandsunfall Kroatien
Foto: ©ADAC Motorwelt

Was tun bei einem Unfall in Kroatien?

Nach einem Unfall müssen Sie sofort anhalten, die Warnweste anlegen, die Unfallstelle sichern und Verletzten helfen. Bei Personenschäden ist immer die Polizei bzw. die Rettung zu rufen (s. wichtige Telefonnummern). Bei kleinen Blechschäden kommt die Polizei nicht, aber bei größeren Schäden oder Streit mit Unfallbeteiligten sollten Sie die Polizei einschalten. Sie sollten sich von der Polizei eine Unfallbestätigung (Potvrda) ausstellen lassen. Notieren Sie außerdem Kennzeichen, Name und Anschrift von Fahrer und Halter der beteiligen Fahrzeuge sowie deren Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer. Suchen Sie möglichst neutrale Zeugen und fotografieren Sie die Unfallstelle. 

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem mehrsprachigen Europäischen Unfallbericht. Unterzeichnen Sie auf keinen Fall Schriftstücke, die Sie nicht verstehen. Beim Organisieren eines Abschleppdienstes sowie der Werkstattsuche können sich Plus-Clubmitglieder nach Unfällen an die ADAC Notrufzentrale (s. wichtige Telefonnummern) wenden. Das Mitführen der Grünen Karte ist zwar nicht mehr vorgeschrieben. Sie kann jedoch trotzdem bei der Verständigung am Unfallort und zur einfacheren Schadenabwicklung beitragen.

Tipp Icon

Wichtige Telefonnummern 

Polizei in Kroatien 92
Rettungskräfte in Kroatien 94
Abschleppdienst des ADAC +49 89 22 22 22
Zentralruf der Autoversicherer 0800 2 50 26 00 (aus Deutschland)
+49 403 00 33 03 00 (aus dem Ausland)

Warndreieck, im Hintergrund ein Unfall

Wer zahlt den Schaden?

Schadenersatzansprüche müssen Sie direkt bei der gegnerischen Versicherung in Kroatien anmelden oder zu Hause über den Regulierungsbeauftragten der kroatischen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Über den Zentralruf der Autoversicherer erfährt man, wer der Regulierungsbeauftragte ist (s. wichtige Telefonnummern). Stichwort Kfz-Haftpflicht: Die eigene Versicherung muss nur informiert werden, wenn Ansprüche des Unfallgegners denkbar sind.
Verjährung: In Kroatien verjähren Schadenersatzansprüche innerhalb von drei Jahren nach  Eintritt des Unfalls. Die kroatische Versicherung und der Regulierungsbeauftragte in Deutschland wiederum müssen den Fall spätestens drei Monate nach Meldung bearbeiten. Andernfalls müssen sie eine begründete Antwort erteilen, wenn die Abwicklung nicht erfolgen kann. 

Antwortet die Versicherung nicht fristgemäß, können Sie die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe*  einschalten, die der Sache nachgeht und unter bestimmten Voraussetzungen selbst reguliert. Kommt es dennoch zum Streitfall, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass über die Haftungsfrage oder die Schadenhöhe die gegnerische Versicherung nicht nur im Ausland, sondern auch im Wohnsitzland des Geschädigten verklagt werden kann.
 

Wie helfen wir?

Exklusiv und kostenlos ist für Mitglieder die ADAC Rechtsberatung. Daneben gibt es für Mitglieder online oder in allen ADAC Geschäftsstellen eine Liste mit deutschsprachigen ADAC Vertrauensanwälten. Vor allem bei hohen Sach- und bei Personenschäden empfiehlt sich ein Vertrauensanwalt, der gegebenenfalls vor Ort klagen kann. Für ADAC Plus-Mitglieder gilt: Für eine Erstberatung durch einen ausländischen Vertrauensanwalt kann ein Zuschuss von bis zu 52 Euro gewährt werden. Die Clubjuristen können zudem prüfen, ob im geeigneten Einzelfall die Unfall-Rechtshilfe AUSLAND in Betracht kommt.

Welche Sachschäden werden nach einem Unfall in Kroatien ersetzt?

Da der Unfall in Kroatien passiert, findet kroatisches Recht Anwendung. 

Ersetzt werden:

  • Reparaturkosten: einer deutschen Werkstätte in voller Rechnungshöhe nur dann, wenn Übereinstimmung mit der Schadensbeschreibung auf der polizeilichen Unfallbestätigung (Potvrda) oder der Schadensschätzung einer dortigen Versicherung besteht. In Bagatellfällen kann aufgrund eines Kostenvoranschlags abgerechnet werden. Bei Abwicklung auf Gutachtenbasis wird meist die Mehrwertsteuer nicht übernommen.
  • Totalschaden: der durch ein Sachverständigengutachten nachgewiesene Zeitwert des Fahrzeugs abzüglich Restwert.
  • Mietwagenkosten: wenn ein Mietfahrzeug beruflich unbedingt benötigt wird, für die technisch notwendige Reparaturdauer bzw. im Totalschadensfall für die durchschnittliche Wiederbeschaffungsdauer. Von den Mietwagenkosten werden bis zu 20% als Eigenersparnis abgezogen
  • Abschleppkosten: bei nicht mehr fahrbereiten Kfz bis zur nächsten Werkstätte gegen Rechnung.
  • Gutachterkosten: wenn der Schaden nicht anderweitig nachgewiesen werden kann oder die gegnerische Versicherung ein Gutachten verlangt.
  • Wertminderung: nur in geringer Höhe bei schwerer beschädigten, neueren Fahrzeugen mit geringer Laufleistung.
  • Kaskoselbstbeteiligung: gegen Vorlage einer Abrechnung der Vollkaskoversicherung.
  • Übernachtung/Verpflegung: nur ausnahmsweise gegen Nachweis und wenn sie notwendig waren.
  • Anwaltskosten: die außergerichtlichen Anwaltskosten werden (außer bei Vorliegen einer Verkehrsrechtsschutzversicherung) nur selten und nur bei unstrittiger Erforderlichkeit erstattet. Bei Obsiegen im Prozess werden Anwaltskosten erstattet. 

Nicht ersetzt werden:

  • Nutzungsausfallentschädigung
  • Entschädigung für Urlaubsunterbrechung und Urlaubsbeeinträchtigung
  • allgemeine Unkostenpauschale

 

Was wird bei Personenschäden nach einem Unfall in Italien erstattet? 

  • Arzt-, Heil- und Pflegekosten: soweit sie nicht durch die eigene Krankenkasse erstattet werden.
  • Verdienstausfall: gegen Nachweis
  • Schmerzensgeld: abgestuft je nach Schwere der Verletzung und deutlich niedriger als in Deutschland.

 

Infos bei Unfall in anderen europäischen Ländern oder den USA oder Russland

Text: Juristische Zentrale

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