Reisemängel für Buchungen bis 30.6.2018

Schmutz im Pool, Ungeziefer im Hotelzimmer, Baulärm oder Flugverspätung – bei Reisemängeln steht bei Pauschalreisen eine Reisepreisminderung im Raum. Wichtig: Für Buchungen ab 1.7. 2018 gilt das neue Pauschalreiserecht. Wurde die Pauschalreise bis zum 30.6.18 gebucht, richten sich die Ansprüche nach der alten Rechtslage. Dabei ist unerheblich, wann die Reise tatsächlich angetreten wird.

Reisemängel: so können Sie diese anzeigen und den Reisepreis mindern
Reisemängel: Ausgleich durch eine Minderung des Reisepreises
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BGH Urteil: Pauschalurlauber bekommen Kosten für selbst organisierten Rückflug erstattet

Mit Urteil vom 3.7.2018 (Az: X ZR 96/17) hat der BGH entschieden, dass Reisende vom Reiseveranstalter die Mehrkosten für einen Ersatzflug verlangen können, wenn der ursprünglich gebuchte Flug verschoben wird und die Reisenden daraufhin in Eigenregie einen Alternativflug buchen.

Darum ging es

Die Klägerin buchte bei der beklagten Reiseveranstalterin für sich, ihren Ehemann und ihre zwei Kinder eine Pauschalreise in die Türkei für 4.874 €. Der Rückflug von Antalya nach Frankfurt war um 20:05 Uhr vorgesehen. Bei Abreise wurde der Klägerin am Flughafen mitgeteilt, dass sich der Rückflug aufgrund eines technischen Problems auf 22:40 Uhr verschiebt. Als neuer Zielort des Rückflugs wurde Köln angegeben, von dort aus wurde ein Bustransfer nach Frankfurt angeboten. Die Ankunftsverspätung betrug ca. 6,5 Stunden. 

Die Klägerin buchte daraufhin in Eigenregie und ohne vorherige Kontaktaufnahme mit der Beklagten bei einer anderen Fluggesellschaft einen Ersatzflug für denselben Abend nach Frankfurt. Die Klägerin meldete gut fünf Monate nach der Rückkehr Ersatzansprüche bei der Beklagten an und verlangte Zahlung der durch den Ersatzflug entstandenen Mehrkosten in Höhe von 1.235 €. Die Vorinstanzen lehnten eine Erstattungspflicht des Reiseveranstalters ab. 

So entschied der BGH

Der BGH bejahte einen Anspruch des Reisenden. Grund hierfür ist nach Ansicht des Gerichts der unterbliebene Hinweis durch den Reiseveranstalter, dass Mängel durch den Reisenden grundsätzlich angezeigt werden müssen. Ob vorliegend eine Fristsetzung durch den Reisenden erforderlich war, hat das Gericht offen gelassen.

Tipp

Es ist empfehlenswert, dem Reiseveranstalter bei der Verschiebung oder Annullierung von Flügen zunächst den Mangel (schriftlich) anzuzeigen und ein Abhilfeverlangen zu stellen. Bietet der Reiseveranstalter keine Alternativbeförderung an, kann der Reisende sich selbst einen Flug buchen und die Kosten vom Veranstalter ersetzt verlangen.

Mängel bei der Pauschalreise - die ADAC Clubjuristen erklären die richtige Vorgehensweise gegenüber dem Reiseveranstalter.

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Ansprüche gegen Reiseveranstalter

Voraussetzung für Ansprüche auf Minderung des Reisepreises gegenüber einem Reiseveranstalter ist, dass es sich bei der gebuchten Reise um eine Pauschalreise handelt. 

Unterscheidung Pauschal- oder Individualreise

Unter
Pauschalreise ist ein "Leistungspaket" zu verstehen, das in der Regel die Anreise, die Übernachtung/Verpflegung und/oder weitere Reiseleistungen (z.B. Besichtigungstouren, Sportprogramme) umfasst. Diese Leistungen werden von einem Reiseveranstalter gebündelt organisiert und zu einem einheitlichen Gesamtpreis erbracht. Es gilt das sog. Reisevertragsrecht.  Anspruchsgegner für sämtliche Ansprüche ist der Reiseveranstalter.

Bei der Individualreise hingegen schließt der Reisende auf eigene Faust Beförderungs- und Beherbergungsverträge mit Hotellerie und Verkehrsunternehmen. Der Individualreisende muss seine Ansprüche direkt gegenüber dem jeweiligen Vertragspartner durchsetzen. Bei der direkten Buchung im Ausland kann die Durchsetzung von Ansprüchen problematisch sein, da in diesen Fällen das Recht des jeweiligen Reiselandes anzuwenden ist. 

Rechtliche Stellung des Reiseveranstalters

Bei einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter Vertragspartner und Anspruchsgegner des Reisenden für sämtliche Minderungs- oder Schadensersatzansprüche. Das Reisebüro vermittelt in der Regel lediglich zwischen den Vertragspartnern.

Rechtliche Stellung des Reisebüros

Das Reisebüro tritt regelmäßig nur als Vermittler zwischen Kunden und Reiseveranstalter auf. Es haftet für Fehlleistungen aus dem Vermittlungsvertrag, also z.B. wenn versehentlich ein falscher Flug gebucht wurde. Rechtsansprüche wegen Reisemängeln müssen daher in der Regel direkt gegen den Reiseveranstalter gestellt werden. Das Reisebüro kann Anspruchsanmeldungen und Beschwerden nur entgegennehmen und an den Veranstalter weitergeben.

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Was ist ein Reisemangel?

Bei einer Pauschalreise liegt ein Mangel vor, wenn die vom Veranstalter versprochenen Leistungen nicht geboten werden und die Reise mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Nutzen deutlich mindern. 

Aber liegt im Einzelfall wirklich ein Mangel oder doch nur eine Unannehmlichkeit vor? Folgendes ist entscheidend:

  • Ein Reisemangel ist in der Regel gegeben, wenn die Reiseleistungen des Veranstalters von den Vereinbarungen im Reisevertrag abweichen. 
  • Bei der Feststellung eines Reisemangels sind insbesondere die Prospektbeschreibung, die Reisebestätigung, verbindliche Zusatzvereinbarungen und die Informationspflichten des Reiseveranstalters zu berücksichtigen. Der Charakter der Reise (z.B. Sportreise, Jagdreise, Bildungsreise) kann bei der Beurteilung, ob ein Mangel vorliegt, eine Rolle spielen, da sich hieraus konkrete Abweichungen vom vertraglich vorausgesetzten Nutzen der Reise ergeben können. 
  • Handelt es sich um bloße Unannehmlichkeiten, landesübliche Gegebenheiten oder allgemeines Lebensrisiko liegt in der Regel kein Reisemangel vor. So stellt z.B. die Wartezeit bis zur Zimmerzuweisung im Hotel eine bloße Unannehmlichkeit dar, Insekten in tropischen Ländern sind eine landesübliche Gegebenheit.


Es gibt unzählige Urteile zu den verschiedensten Mängeln. Die Clubjuristen haben die bundesweite Rechtsprechung zum Reiserecht der letzten zehn Jahre ausgewertet und eine aktuelle Übersicht erstellt. Die Reisepreisminderungstabelle gibt einen Überblick zur Reisepreisminderung bei den häufigsten Reisemängeln:

ADAC Tabelle zur Reisepreisminderung (PDF-Download883,49 KB)

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Vor Ort Mängel rügen, Abhilfe verlangen und Beweise sichern

Der Reisemangel muss zunächst direkt am Urlaubsort gerügt und Abhilfe verlangt werden. Wenn Sie im Urlaub ein Reisemangel feststellen, wenden Sie sich noch am Urlaubsort umgehend an die Reiseleitung – nicht an die Rezeption des Hotels! – und schildern die festgestellten Mängel, damit möglichst sofort Abhilfe geschafft werden kann. 

Formular der Clubjuristen für die Mängelanzeige vor Ort

Musterschreiben Mängelanzeige (PDF-Download40,4 KB)

Außerdem sollten Sie versuchen, Beweise zu beschaffen, die Sie im Fall eines Rechtsstreits vorlegen können. Machen Sie möglichst Fotos z.B. vom verschmutzten Swimmingpool, holen Sie bei einer Flugverspätung eine Bestätigung der Fluggesellschaft ein oder sammeln Sie Anschriften von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.

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Nach der Rückkehr Ansprüche anmelden

Um Ihre Ansprüche auf Reisepreisminderung gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen, müssen Sie folgendes beachten:

  • Sie müssen spätestens einen Monat nach Rückkehr aus dem Urlaub eine schriftliche Beschwerde an den Reiseveranstalter richten.
  • Ansprechgegner ist der Reiseveranstalter, nicht Ihr Reisebüro!
  • Beschreiben Sie in dem Beschwerdeschreiben den Reisemangel möglichst genau und fordern Sie eine Reisepreisminderung.
  • Schicken Sie das Schreiben am besten per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter

Musterschreiben der Clubjuristen zur Anzeige von Reisemängel 

Musterschreiben Reisemängelanzeige beim Reiseveranstalter (PDF-Download61,09 KB)

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Reisepreisminderung

Wie hoch ist die Reisepreisminderung?

Wie hoch die Reisepreisminderung ist, die Sie bei einem Reisemangel beim Veranstalter geltend machen können, hängt vom Einzelfall ab. Der ADAC hat für Sie die bundesweite Rechtsprechung der letzten Jahre zum Reiserecht ausgewertet und eine aktuelle Übersicht zur Höhe der Reisepreisminderung bei den häufigsten Minderungsgründen erstellt. 


Reisepreisminderungstabelle des ADAC als Orientierungshilfe

ADAC Tabelle zur Reisepreisminderung (PDF-Download883,49 KB)

Reisegutschein statt Auszahlung der Minderung?  

Wenn Sie berechtigterweise eine Preisminderung wegen eines Reisemangels fordern, haben Sie Anspruch auf Auszahlung der Preisminderung. In der Regel übersendet der Veranstalter einen Verrechnungsscheck, wenn er den Reisemangel anerkennt. Auf einen Reisegutschein zur Abgeltung der Reisepreisminderung müssen Sie sich nicht einlassen. 

Scheck annehmen - Vorsicht Vergleich!

Wer Mängelansprüche anmeldet und daraufhin vom Reiseveranstalter einen Scheck erhält, verliert weitergehende Ansprüche, wenn er diesen Scheck widerspruchslos einlöst! In diesem Fall gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen (außergerichtlichen) Vergleich als angenommen. Nehmen Sie den vom Reiseveranstalter angebotenen Scheck also nicht an, wenn Sie mit der Höhe der Reisepreisminderung nicht einverstanden sind und weitere Rechtsansprüche geltend machen wollen.

Zahlung verweigert – Mahnverfahren!

Zahlt der Reiseveranstalter trotz Zahlungsfrist und Mahnung die geforderte Reisepreisminderung nicht, so muss nicht immer ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Gerade bei kleineren Geldforderungen bittet es sich an, mit einem Mahnbescheid gegen den Reiseveranstalter vorzugehen. Wie das geht erfahren Sie hier.