Abgas- und Dieselproblematik

Rückrufaktion infolge Abgasskandal

Betroffene stellen sich die Frage, ob Sie verpflichtet sind, der Aufforderung zur Nachrüstung des betroffenen Fahrzeuges nachkommen zu müssen. Sie befürchten Nachteile sowohl in Bezug auf Ihre Rechtsansprüche, als auch in technischer Hinsicht.

Reparatur des Autos in der Werkstatt
Die Rückrufaktionen bei den betroffenen Fahrzeugen laufen – aber was bedeutet das in technischer und rechtlicher Hinsicht?

Im September 2015 wurde bekannt, dass VW bei weltweit über zehn Millionen PKW mit dem Dieselmotor EA189 eine illegale Software zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes einsetzte. In Deutschland waren etwa 2,6 Millionen Fahrzeuge von VW und der Konzerntöchter VW-Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda betroffen. All diese Fahrzeuge müssen ein verpflichtendes Software-Update bekommen um diese illegale Software zu entfernen. Bei verschiedenen Modellen mit V6- und V8-TDI-Motoren wurde ebenfalls eine illegale Software für die Getriebesteuerung gefunden. Daher müssen etwa 24000 Fahrzeuge von Audi und 7500 Fahrzeuge des Typs Porsche Cayenne verpflichtend zurückgerufen werden. Weiterhin gibt es eine Feldmaßnahme, um den Schadstoffausstoß der V6- und V8-TDI-Motoren im Alltagsbetrieb zu verbessern.

Zurück

Probleme nach Einspielen des Softwareupdates 

Im Zuge der laufenden Aktion gibt es ADAC-Mitgliedermeldungen, die zeitnah nach dem Update über Probleme beim Laufverhalten des Motors (Ruckeln, Rasseln) oder auch über Bauteileschäden (Ausfall von AGR-Ventilen, Kühlern, Partikelfiltern, Injektoren etc.) berichten. Die Händler sind vom Konzern angewiesen, alle Beanstandungen in einem Meldesystem zu verarbeiten, so dass eine gezielte Verfolgung durch den Hersteller möglich ist. Das Softwareupdate kann grundsätzlich nur durchgeführt werden, wenn keine Fehlermeldungen in den Speichern enthalten sind. Betroffene können sich bei Problemen, die nicht mit dem Händler geklärt werden können, an ihren ADAC Regionalclub wenden, damit diese gesammelt und mit dem Hersteller erörtert werden können. 

Hinweis zum AGR-Ventil

Speziell zum AGR-Ventil ist indes zu sagen, dass es sich um ein Verschleißteil handelt, das häufig bereits bei Laufleistungen von unter 100.000 km verschlissen sein kann. Dies ist ein herstellerübergreifendes Problem. Ein AGR-Ventil, das unmittelbar nach dem Update kaputt geht, war höchstwahrscheinlich schon vor dem Update stark verschlissen.

Zurück

Vertrauensbildende Maßnahme von VW

Kommt es nach der Umrüstung dennoch zu Problemen, so verspricht VW sich um Beschwerden zu kümmern, die im Zusammenhang mit der technischen Maßnahme an Fahrzeugen mit Dieselmotoren des Typs EA189 stehen und bestimmte Teile des Motor- und Abgasreinigungssystems betreffen. Dies gilt zwei Jahre lang nach der Umrüstmaßnahme bis zu einer Gesamtlaufleistung des jeweiligen Fahrzeuges von max. 250.000 km (je nachdem, welches Kriterium früher greift). 

Dies gilt für alle Fahrzeuge mit Dieselmotoren des Typs EA189 der Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda und Volkswagen Nutzfahrzeuge, bei denen die technische Maßnahme durchgeführt wurde. Sie umfasst insgesamt 11 Bauteile des Abgasrückführungssystems, des Kraftstoffeinspritzsystems und des Abgasnachbehandlungssystems: Lambdasonde, Temperaturfühler, Umschaltventil Abgasrückführung, Ventil Abgasrückführung, Differenzdrucksensor, Einspritzdüse, Hochdruckpumpe, (Kraftstoff-) Verteilerleiste, Druckregelventil, Drucksensor, Einspritzleitung. 

Sollte VW eine Kostenübernahme für Reparaturen verweigern, liegt es am Autobesitzer, den Beweis zu erbringen, dass die Umrüstung des mit Manipulations-Software ausgestatteten Wagens am Defekt schuld war. Da VW bislang keine Garantie abgegeben hat, liegt die Beweislast im Streitfall beim Autobesitzer.

Zurück

Folgen bei Nichtdurchführung des Rückrufs

Im Verhältnis zwischen Kunde und Hersteller hat die Nichtdurchführung der Servicemaßnahmen zunächst keine direkten Folgen.

• Information über die Weigerung geht an KBA

Bei Nicht-Teilnahme an der Rückrufaktion werden die Halter durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) direkt angeschrieben und zur umgehenden Nachrüstung aufgefordert. Anderenfalls werden die Fälle an die örtlich zuständigen Zulassungsstellen weitergeleitet. 

• Betriebsuntersagung möglich

Bei Nicht-Teilnahme an der Rückrufaktion kann eine Betriebsuntersagung gem. §5 FZV durchgeführt werden. Das KBA kann eine Anordnung erlassen, die eine verpflichtende Umrüstung oder ein Update zwingend vorsieht. In dieser Anordnung werden die betroffenen Fahrzeughalter unter Fristsetzung aufgefordert, den Mangel zu beseitigen. Erst nach fruchtlosem Verstreichen der Frist kann eine Beschränkung oder Untersagung des Betriebs ausgesprochen werden. 

• Probleme bei Hauptuntersuchung

Auch im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) kann die Teilnahme an der Rückrufaktion überprüft und die Plakette gegebenenfalls nicht erteilt werden. Die Prüfplakette für die Hauptuntersuchung soll es nur noch bis maximal 18 Monate nach Erhalt der Aufforderung zur Nachrüstung geben. Wer nach Ablauf dieser Frist zur HU muss, erhält möglicherweise keine Plakette mehr. Die fehlende Nachrüstung stellt einen erheblichen Mangel bei der HU-Prüfung dar, führt aber nicht zwingend  zur sofortigen Stilllegung. Betroffene Autobesitzer erhalten eine Frist zur Nachrüstung und Wiedervorführung.

• Auswirkung auf Kfz-Steuer und Umweltplakette möglich

Es kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass es bei nicht nachgerüsteten Kfz zu Nachteilen bei der Kfz-Steuer und der Umweltplakette kommt. Bei der Berechnung der Kfz-Steuer ist das Hauptzollamt an die Feststellungen der Zulassungsbehörden gebunden. Die Zulassungsbehörden richten sich bei den Eintragungen nach den Angaben in der Übereinstimmungsbescheinigung (COC-Papier). Insoweit kommt eine höhere Kfz-Steuer nur dann in Betracht, wenn eine Korrektur auf der Ebene der Typgenehmigung erfolgt. Dafür liegen jedoch derzeit ebenfalls keine Anhaltspunkte vor. Bisher ist eine Anpassung der Fahrzeugpapiere bzw. einer Erhöhung der Kfz-Steuer nicht erfolgt.

Zurück

FAQs der ADAC Mitglieder

• Müssen betroffene Fahrzeugbesitzer jetzt selbst aktiv werden? 

Nein. VW schreibt die betroffenen Fahrzeugbesitzer an. Die Adressen erhält VW direkt vom Kraftfahrtbundesamt (KBA). 

• Welche Fahrzeuge sind betroffen? 

Sollten Fahrzeugbesitzer unsicher sein, ob vielleicht auch ihr Fahrzeug von der Softwaremanipulation betroffen ist, so kann man dies unter Eingabe der Fahrgestellnummer auf den Internetseiten der Hersteller Audi, Seat, Skoda und VW abfragen. Alternativ gibt auch der Händler Auskunft. 

Prüfen Sie online auf den jeweiligen Herstellerseiten, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist:

Kundenabfrage für VW-Modelle
Kundenabfrage für AUDI-Modelle
Kundenabfrage SKODA-Modelle
Kundenabfrage für SEAT-Modelle

• Kann man die Werkstatt für die Durchführung der Rückrufaktion frei wählen? 

Es muss sich um eine Vertragswerkstatt handeln – nur dort kann die vom Hersteller bereitgestellte Software eingespielt und, soweit erforderlich,  sonstige ergänzende Maßnahmen durchgeführt werden. Nach Auskunft von VW kann die Vertragswerkstatt jedoch frei gewählt werden.

• Wie lange dauern die Arbeiten und kann ich ein Ersatzfahrzeug verlangen?  

Nach Auskunft von VW beträgt der geschätzte Arbeitsumfang je nach Aufwand zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Bei Bedarf soll laut VW eine angemessene und kostenfreie Ersatzmobilität zur Verfügung gestellt werden.

• Wie kann man feststellen, ob die Rückrufaktion tatsächlich durchgeführt wurde? 

Nach erfolgter Nachbesserung soll ein Aufkleber im Bereich der Reserveradmulde angebracht werden. Außerdem kann das Softwareupdate in der elektronischen Fahrzeughistorie ausgelesen werden. Nach Auskunft von VW erfolgt zudem ein Eintrag im Serviceheft des Fahrzeugs.

• Wer trägt die Kosten der Nachbesserung? 

Das Kraftfahrtbundesamt hat im VW-Fall eine Kostentragungspflicht angeordnet, die VW unwidersprochen hingenommen hat. Es besteht somit ein Anspruch, dass der Hersteller die angekündigten Maßnahmen für den Kunden in seinem Vertragswerkstattnetz kostenlos durchführt.

Zurück

Fahrzeuge mit Chip-Tuning

Was passiert mit Fahrzeugen, die über ein Chip-Tuning verfügen? 

Der Hersteller Audi nennt uns bei derartigen Fällen folgende Vorgehensweise. VW, Seat und Skoda gehen ähnlich vor:

Der Händler sollte vor dem Softwareupdate fragen, ob ein Chip-Tuning vorliegt und erläutern, dass ein vorhandenes Tuning nachher unwirksam ist und auch evtl. eine Schädigung des Motorsteuergerätes möglich sein könnte. 

Sie sollten mit dem Tuner vorab klären wie eine Aktualisierung des getunten Steuergerätes möglich ist. Wenn nach dem Softwareupdate Kosten für ein neues Tuning anfallen, hat der Händler unter den nachfolgenden Voraussetzungen und Nachweisen die Möglichkeit diese zu erstatten. 

Voraussetzungen

• Chip-Tuning ist in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 vor dem 31.01.2016 eingetragen.
• In Systemanwendung wird unter „Fahrzeugindividuelle Hinweise“ das Gewährleistungskennzeichen für Chip-Tuning angezeigt. Ggf. Nachmeldung mittels entsprechendem Formular.

Nachweise

• Zulassungsbescheinigung Teil 1 mit Eintrag vor dem 31.01.2016
• Original-Rechnung über Zusatzaufwand

Nach Recherchen des Handelsblatts scheint die Frage der Kostenübernahme nun aber geklärt. Wie VW-Konzernsprecher Nicolai Laude dem Handelsblatt erklärte, übernimmt das Unternehmen alle Kosten. Dies beinhalte auch die etwaigen Kosten für eine erneute TÜV-Abnahme. Die Fahrzeughalter von getunten Autos sollten beim Vertragshändler vorstellig werden, so Konzernsprecher Laude. Dort würde ein legales Tuning auch kostenlos wiederhergestellt – und zwar bezogen auf alle Arbeitsschritte, die dafür notwendig sind. Auch Ausgaben für die TÜV-Abnahme, das Beantragen einer neuen Betriebserlaubnis sowie für das etwaige Einschalten einer Tuning-Werkstatt könnten die Kunden an die Händler weiterreichen. Die Händler erhielten dann ihre Aufwendungen wiederum vom Konzern erstattet, so der VW-Konzernsprecher.

Weitere Informationen zu Fahrzeugen, die über ein Chip-Tuning verfügen

Chip-Tuning stellt eine nachträgliche Veränderung des Fahrzeuges dar. Bei den bisher bekannten Updates von Motor-Software wurde ein Chip-Tuning nicht wieder hergestellt, da dadurch in der Regel auch die vom Fahrzeug-Hersteller gewünschten Änderungen rückgängig gemacht würden.

Insofern ist also dem Fahrzeugbesitzer anzuraten, das Chip-Tuning ggf. "sichern" zu lassen und anschließend wieder aufzuspielen. Hierbei muss gewährleistet sein, dass das Chip-Tuning wieder in die Fahrzeugpapiere eingetragen wird, um die Betriebserlaubnis nicht zu verlieren. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass durch das Wiederaufspielen des Chip-Tunings die durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) vorgeschriebenen Maßnahmen nicht beeinflusst werden. Bitte beachten Sie, dass auch nach "Ausbau" eines Chiptunings die vormalige Betriebserlaubnis des unveränderten Fahrzeugs nicht automatisch wieder "auflebt".

Die Kosten für die Sicherung bzw. das erneute Chip-Tuning beim Tuning-Betrieb werden regelmäßig dem Verkäufer des Fahrzeugs nicht in Rechnung gestellt werden können. Diesen trifft nach bisherigen Erkenntnissen kein Verschulden am Vorliegen der unzulässigen Abschalteinrichtung, die die Herstellermaßnahmen erforderlich machen. Daher sind die Mehrkosten, die nur im Wege des Schadenersatzes eingefordert werden können, gegenüber dem Verkäufer nicht erstattungsfähig.

Gegen den Hersteller ist ein Schadenersatzanspruch – etwa wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung – nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Es ist aber bislang ungeklärt, ob die Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt sind und die Mehrkosten für Chip-Tuning als schadenersatzfähige Position zu werten sind. Hierzu muss die zukünftige Rechtsprechung abgewartet werden. Angesichts der dreijährigen Verjährungsfrist bei derartigen Schadenersatzansprüchen, die aufgrund des Bekanntwerden des Abgasskandals erst mit Ende des Jahres 2015 zu laufen beginnen, kann man hier die Entwicklung abwarten.

Zurück

Vorher-Nachher-Tests des ADAC

Beim Triebwerk 2.0 TDI wurden Vorher-Nachher-Tests durchgeführt und zu allen Fällen in der Motorwelt Ausgabe 7/8 2016, sowie im Internet ausführlich zu den Ergebnissen berichtet. 

Sowohl Leistung/Drehmoment, als auch Verbrauch waren im Rahmen der Messunsicherheit unverändert. Beim strengeren WLTC-Fahrzyklus und höherem Tempo waren die NOx-Werte sogar deutlich niedriger als vorher.

Auch die Punkte Motorgeräusche und Laufverhalten wurden genau überprüft. Eine Veränderung der akustischen Eigenschaften und des Laufverhaltens des Motors konnten wir an den getesteten Fahrzeugen nicht feststellen. 

Die Ergebnisse des anschließend gemessenen 1,2 TDI-Motors im Polo bewegen sich auf vergleichbarem Niveau zu den 2.0 TDI-Werten im Golf. Auch hier waren die NOx-Werte im WLTC-Zyklus um etwa ein Drittel deutlich reduziert.

Der untersuchte 1.6 TDI mit 105 PS (77kW) in einem Golf Variant schließt sich den vorangegangenen Tests an. Er zeigte nach dem Software-Update ein gleiches Ansprechverhalten, mit etwas verbesserten Beschleunigungs- und Durchzugsvermögen. Die NOx-Werte haben sich im Zulassungszyklus (NEFZ)  verbessert und im erweiterten „Weltzyklus“ (WLTC) und Autobahnzyklus nach ADAC EcoTest -  kam es sogar zu einer Verbesserung um über 50%! Die CO2-Messwerte und damit der Verbrauch änderten sich vor und nach dem Update wenig. Es war lediglich eine leichte Erhöhung im Prozentbereich beim Autobahnzyklus festzustellen.

Ergebnisse des Vorher-Nachher-Tests VW 2.0 TDI

Ergebnisse des Vorher-Nachher-Tests VW 1.2 TDI

Ergebnisse des Vorher-Nachher-Tests VW 1.6 TDI