Abgas- und Dieselproblematik

Rückrufaktionen

Reparatur des Autos in der Werkstatt

Die Rückrufaktion der Vierzylinder-Dieselmotoren vom Motorentyp EA189 läuft. Bislang wurden für alle Motorvarianten die Updates freigegeben und können in den Fahrzeugen aufgespielt werden. Nach aktuellem Stand (Juli 2017) wurden über 75% der 2,6 Millionen in Deutschland betroffenen Fahrzeuge der VW-Gruppe umgerüstet.

Zudem ruft Porsche aktuell in Deutschland 6000 Fahrzeuge (in Europa insgesamt 21500) vom Typ Cayenne mit Sechszylinder-Dieselmotoren zurück. Bei diesen Fahrzeugen wurde eine illegale Abschalteinrichtung verwendet. Der Rückruf startet voraussichtlich im Herbst 2017. 

Außerdem bietet Audi für die Sechszylinder- und Achtzylinder-Dieselmotoren eine freiwillige Servicemaßnahme an, um den Schadstoffausstoß dieser Motoren im realen Fahrbetrieb zu verbessern.

Die offizielle Stellungnahmen der betroffenen Hersteller zu den Rückrufaktionen bzw. Servicemaßnahmen finden Sie auf deren Internetseiten.

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Rechte im Rahmen der Nachrüstaktion

Müssen betroffene Fahrzeugbesitzer jetzt selbst aktiv werden?

Nein. VW schreibt die betroffenen Fahrzeugbesitzer an. Die Adressen erhält VW direkt vom Kraftfahrtbundesamt (KBA). 

Sollten Fahrzeugbesitzer unsicher sein, ob vielleicht auch ihr Fahrzeug von der Softwaremanipulation betroffen ist, so kann man dies unter Eingabe der Fahrgestellnummer auf den Internetseiten der Hersteller Audi, Seat, Skoda und VW abfragen. Alternativ gibt auch der Händler Auskunft.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

  • Prüfen Sie auf der VW-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist. 

Kundenabfrage für VW-Modelle
Zusätzlich zur Onlineabfrage hat VW auch eine Hotline eingerichtet. Diese ist unter der Nummer 0800 - 86 55 79 24 36 erreichbar. Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-17 Uhr.
 
  • Prüfen Sie auf der Audi-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist.
      
 
Unter dem AUDI-Servicetelefon 0800 - 23 347 378 423 können AUDI-Besitzer telefonisch anfragen, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.
 
  • Prüfen Sie auf der Skoda-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist. 

 

  • Prüfen Sie auf der Seat-Website ob Ihr Fahrzeug betroffen ist. 

 

Kann man die Werkstatt für die Durchführung der Rückrufaktion frei wählen?

Es muss sich um eine Vertragswerkstatt handeln – nur dort kann die vom Hersteller bereitgestellte Software eingespielt und, soweit erforderlich,  sonstige ergänzende Maßnahmen durchgeführt werden. Nach Auskunft von VW kann die Vertragswerkstatt jedoch frei gewählt werden.

Wie lange dauern die Arbeiten und kann ich ein Ersatzfahrzeug verlangen? 

Nach Auskunft von VW beträgt der geschätzte Arbeitsumfang je nach Aufwand zwischen 30 Minuten und einer Stunde für die aktuell bereits angeschriebenen Amorak-Kunden. Bei Bedarf plant VW eine angemessene und kostenfreie Ersatzmobilität zur Verfügung zu stellen.

Ich plane eines der betroffenen Fahrzeuge demnächst zu kaufen. Wie kann ich feststellen, ob die Rückrufaktion auch tatsächlich durchgeführt wurde?

Nach erfolgter Nachbesserung soll ein Aufkleber im Bereich der Reserveradmulde angebracht werden. Außerdem kann das Softwareupdate in der elektronischen Fahrzeughistorie ausgelesen werden. Nach Auskunft von VW erfolgt zudem ein Eintrag im Serviceheft des Fahrzeugs.

Wer trägt die Kosten der Nachbesserung?

Das Kraftfahrtbundesamt hat im VW-Fall eine Kostentragungspflicht angeordnet, die VW unwidersprochen hingenommen hat. Es besteht somit ein Anspruch, dass der Hersteller die angekündigten Maßnahmen für den Kunden in seinem Vertragswerkstättennetz kostenlos durchführt.

Was passiert mit Fahrzeugen, die über ein Chip-Tuning verfügen?

Der Hersteller Audi nennt uns bei derartigen Fällen folgende Vorgehensweise. VW, Seat und Skoda haben sich dazu noch nicht geäußert, werden aber vermutlich ähnlich vorgehen:
 
Der Händler sollte vor dem Softwareupdate fragen, ob ein Chip-Tuning vorliegt und erläutern, dass ein vorhandenes Tuning nachher unwirksam ist und auch evtl. eine Schädigung des Motorsteuergerätes möglich sein könnte. 
 
Sie sollten mit dem Tuner vorab klären wie eine Aktualisierung des getunten Steuergerätes möglich ist. Wenn nach dem Softwareupdate Kosten für ein neues Tuning anfallen, hat der Händler unter den nachfolgenden Voraussetzungen und Nachweisen die Möglichkeit diese zu erstatten. 
 
Voraussetzungen

  • Chip-Tuning ist in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 vor dem 31.01.2016 eingetragen
  • In Systemanwendung wird unter „Fahrzeugindividuelle Hinweise“ das Gewährleistungskennzeichen für Chip-Tuning angezeigt. Ggf. Nachmeldung mittels entsprechendem Formular.


Nachweise

  • Zulassungsbescheinigung Teil 1 mit Eintrag vor dem 31.01.2016
  • Original-Rechnung über Zusatzaufwand

 
Nach Recherchen des Handelsblatts scheint die Frage der Kostenübernahme nun aber geklärt. Wie VW-Konzernsprecher Nicolai Laude dem Handelsblatt erklärte, übernimmt das Unternehmen alle Kosten. Dies beinhalte auch die etwaigen Kosten für eine erneute TÜV-Abnahme. Die Fahrzeughalter von getunten Autos sollten beim Vertragshändler vorstellig werden, so Konzernsprecher Laude. Dort würde ein legales Tuning auch kostenlos wiederhergestellt – und zwar bezogen auf alle Arbeitsschritte, die dafür notwendig sind. Auch Ausgaben für die TÜV-Abnahme, das Beantragen einer neuen Betriebserlaubnis sowie für das etwaige Einschalten einer Tuning-Werkstatt könnten die Kunden an die Händler weiterreichen. Die Händler erhielten dann ihre Aufwendungen wiederum vom Konzern erstattet, so der VW-Konzernsprecher.

Weitere Informationen zu Fahrzeugen, die über ein Chip-Tuning verfügen

Chip-Tuning stellt eine nachträgliche Veränderung des Fahrzeuges dar. Bei den bisher bekannten Updates von Motor-Software wurde ein Chip-Tuning nicht wieder hergestellt, da dadurch in der Regel auch die vom Fahrzeug-Hersteller gewünschten Änderungen rückgängig gemacht würden.
 
Insofern ist also dem Fahrzeugbesitzer anzuraten, das Chip-Tuning ggf. "sichern" zu lassen und anschließend wieder aufzuspielen. Hierbei muss gewährleistet sein, dass das Chip-Tuning wieder in die Fahrzeugpapiere eingetragen wird, um die Betriebserlaubnis nicht zu verlieren. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass durch das Wiederaufspielen des Chip-Tunings die durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) vorgeschriebenen Maßnahmen nicht beeinflusst werden. Bitte beachten Sie, dass auch nach "Ausbau" eines Chiptunings die vormalige Betriebserlaubnis des unveränderten Fahrzeugs nicht automatisch wieder "auflebt".
 
Die Kosten für die Sicherung bzw. das erneute Chip-Tuning beim Tuning-Betrieb werden regelmäßig dem Verkäufer des Fahrzeugs nicht in Rechnung gestellt werden können. Diesen trifft nach bisherigen Erkenntnissen kein Verschulden am Vorliegen der unzulässigen Abschalteinrichtung, die die Herstellermaßnahmen erforderlich machen. Daher sind die Mehrkosten, die nur im Wege des Schadenersatzes eingefordert werden können, gegenüber dem Verkäufer nicht erstattungsfähig.
 
Gegen den Hersteller ist ein Schadenersatzanspruch – etwa wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung – nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Es ist aber bislang ungeklärt, ob die Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt sind und die Mehrkosten für Chip-Tuning als schadenersatzfähige Position zu werten sind. Hierzu muss die zukünftige Rechtsprechung abgewartet werden. Angesichts der dreijährigen Verjährungsfrist bei derartigen Schadenersatzansprüchen, die aufgrund des Bekanntwerden des Abgasskandals erst mit Ende des Jahres 2015 zu laufen beginnen, kann man hier die Entwicklung abwarten.
 

Sind Spätfolgen durch möglicherweise erhöhte Bauteilbelastung nach dem Softwareupdate auszuschließen? 

Es ist in Einzelfällen nie auszuschließen, dass sich plötzlich Änderungen im Laufverhalten zeigen. Hintergrund kann sein, dass durch modifizierte Einspritzung z. B. Einspritzinjektoren neu  angelernt werden und innerhalb der ersten 100 km Fahrstrecke Anpassungsprobleme auftauchen. 

Sollten allerdings nachweisbar im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Softwareupdate Bauteilschäden oder signifikante Veränderungen im Laufverhalten auftreten, so hat der Hersteller auch die  Beseitigung und Kostenübernahme signalisiert. Der Hersteller hat für den Händler in solchen Fällen ein Meldesystem installiert, in dem die Reklamationen erfasst und analysiert werden sollen.

Der ADAC beobachtet neben den Fällen, die ihn von seinen Mitgliedern dazu erreichen, auch die zahlreichen, nachgerüsteten Fahrzeuge in seinem Fuhrpark. Das ermöglicht dann auch Langzeitaussagen. Grundsätzlich hat der Hersteller nach eigener Aussage die ursprünglichen Auslegungsgrenzen mit den Softwareänderungen nicht verlassen und die Langzeithaltbarkeit nicht angetastet.
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Vorher-Nachher-Tests des ADAC

Wir hatten beim Triebwerk 2.0 TDI (Golf und A4 (Partnerclubs)) - Vorher-Nachher-Tests durchgeführt und zu allen Fällen in der Motorwelt Ausgabe 7/8 2016, sowie im Internet ausführlich zu den Ergebnissen berichtet. 

Sowohl Leistung/Drehmoment, als auch Verbrauch waren im Rahmen der Messunsicherheit unverändert. Beim strengeren WLTC-Fahrzyklus und höherem Tempo waren die NOx-Werte sogar deutlich niedriger als vorher.

Auch die Punkt Motorgeräusche und Laufverhalten wurden genau überprüft. Eine Veränderung der akustischen Eigenschaften und des Laufverhaltens des Motors konnten wir an den getesteten Fahrzeugen nicht feststellen. 
 
Die Ergebnisse des anschließend gemessenen 1,2 TDI-Motors im Polo bewegen sich auf vergleichbarem Niveau zu den 2.0 TDI-Werten im Golf, also nahezu unverändert und auch hier waren die NOx-Werte im WLTC-Zyklus um etwa ein Drittel deutlich reduziert.

Der untersuchte 1.6 TDI mit 105 PS (77kW) in einem Golf Variant schließt sich den vorangegangenen Tests an. Er zeigte nach dem Software-Update ein gleiches Ansprechverhalten, mit etwas verbesserten Beschleunigungs- und Durchzugsvermögen. Die Nox-Werte haben sich im Zulassungszyklus (NEFZ)  verbessert und außerhalb - im erweiterten „Weltzyklus“ (WLTC) und Autobahnzyklus nach ADAC EcoTest -  kam es sogar zu einer Verbesserung um über 50%! Die CO²-Messwerte und damit der Verbrauch änderten sich vor und nach dem Update wenig. Es war lediglich eine leichte Erhöhung im Prozentbereich beim Autobahnzyklus festzustellen.

Ergebnisse des Vorher-Nachher-Tests VW 2.0 TDI

Ergebnisse des Vorher-Nachher-Tests VW 1.2 TDI

Ergebnisse des Vorher-Nachher-Tests VW 1.6 TDI