Keyless-Systeme: Neue Technik gegen Auto-Diebstahl

23.3.2018

Autos mit schlüssellosem Zugangssystem können in Sekundenschnelle gestohlen werden – das hat der ADAC schon vor mehr als zwei Jahren herausgefunden. Jetzt hat zumindest ein Hersteller reagiert: Jaguar Land Rover sichert seine Autos inzwischen besser

Nicht mehr so leicht zu knacken: Autodiebe versuchen sich an einem Land Rover (Szene nachgestellt)

Scheibe einschlagen und kurzschließen war gestern – heute knacken Autodiebe teure Fahrzeuge mit viel eleganteren Mitteln: Das inzwischen in allen Fahrzeugklassen verbreitete schlüssellose Zugangssystem ("Keyless") macht es den Gaunern leicht. Eigentlich ist diese Technik eine praktische Erfindung, schließlich erkennt das Fahrzeug den Schlüssel, wenn er sich in unmittelbarer Nähe, also auch in der Hosentasche des Fahrers befindet. Die Tür lässt sich dann öffnen und der Motor via Startknopf anlassen.

Die Täter hinterlassen keine Spuren

Zoom-In
Das Funksignal kann so weit verlängert werden, dass der Motor startet

Diebe machen sich die Technik zu Nutze und tricksen den Schlüssel mit einfachen Sendern und Empfängern aus, indem sie die Reichweite des Funksignals verlängern. Wird ein Autoschlüssel zum Beispiel direkt hinter der Wohnungstür abgelegt, kann einer der Diebe das Funksignal des Schlüssels abfangen und zum Empfänger seines Komplizen senden, der in der Nähe des Wagens wartet. Das Auto öffnet sich, der Dieb setzt sich rein, kann den Motor starten und spurlos mit dem Auto verschwinden.

Alarmierend: Mit ein bisschen Geschick können sich Hobbyelektroniker die Geräte zur Verlängerung der Funkreichweite mit handelsüblichen Bauteilen für unter 100 Euro selbst bauen. Der ADAC konnte mit dem simplen Trick bislang 180 Fahrzeuge knacken. Kein einziges war sicher.

Jaguar Land Rover macht es den Dieben jetzt schwerer

Zoom-In
So ist es gedacht: Der Motor startet nur mit Original-Schlüssel im Auto

Jaguar Land Rover nimmt das Problem nun als erster Hersteller ernst. Die Briten verbauen ab sofort spezielle Computerchips, die den Auto-Klau verhindern sollen. Sie können die Laufzeit des Funksignals zwischen Auto und Schlüssel sehr genau messen und daraus die Entfernung bestimmen. Ist diese zu groß, wird das Signal also verlängert, reagiert das System nicht mehr.

Ein vom ADAC getesteter Land Rover Discovery des Modelljahres 2018 war bereits mit der Technik ausgestattet und ließ sich mit einem selbst gebauten Funk-Verlängerer weder illegal öffnen noch wegfahren. Neben dem Discovery ist nach den Angaben des Herstellers auch in den Modellen Range Rover, Range Rover Sport (jeweils Modelljahr 2018) und Jaguar E-Pace die gleiche Keyless-Technik verbaut. Auch diese Fahrzeuge sollten folglich besser geschützt sein.

Jaguar Land Rover hat bewiesen: Es ist möglich, Autodieben das Leben zu erschweren. Jetzt sind alle übrigen Hersteller aufgefordert, ihre Fahrzeuge ebenfalls sicherer zu machen. Denn die lassen sich nach wie vor kinderleicht vom Hof fahren.

Weitere Hintergrundinfos zum Keyless-Klau

Text: Jochen Wieler. Fotos: ADAC/Uwe Rattay.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de

Viele weitere Fahrberichte und Autotests finden Sie bei der ADAC Motorwelt.

(acfo)