Krank in den USA: Wie der ADAC eine Patientin zurückholte

ADAC Blog

Auf dem Weg aus dem US-Krankenhaus nach Hause: Ina M.
Auf dem Weg aus dem US-Krankenhaus nach Hause: Ina M.© Privat

In den USA brach Ina M.s Immunsystem fast zusammen. Wie die Dortmunderin nach langwierigen Behandlungen – von einem ADAC Arzt begleitet – nach Hause kam, erzählt sie hier.

Im Herbst besuchte ich mit meinem Freund die USA. Wir reisten seit über einer Woche durch Kalifornien und hatten San Francisco angeschaut. Wir wollten weiter nach Florida, da bemerkte ich schon die ersten, merkwürdigen Symptome: eine geschwollene Lippe, Übelkeit, Erbrechen. Anfangs dachte ich an eine Allergie. Um mich zu erholen, verbrachte ich einige Tage im Hotel. Dann wollten wir in Florida mein Patenkind besuchen. Wegen Corona habe ich es erst einmal kurz gesehen, dabei ist es schon drei Jahre alt.

In Florida angekommen fuhr ich zum ersten Mal zum Arzt. Ich bekam Medikamente gegen Übelkeit und allergische Reaktionen, die halfen kurzfristig. Aber mein Zustand verschlechterte sich zusehends, ohne dass ich auch nur ahnte, woran es eigentlich lag.

Freund allein geflogen

Einige Tage vor unserem geplanten Rückflug wurde klar, dass ich die Reise nach Hause nicht schaffen würde. Wir entschieden, dass mein Freund wie geplant zurückflog. Ich dagegen buchte um, und wollte mich in der gewonnenen Woche bei meiner Freundin in Florida erholen. Denn ich schleppte die anhaltende Schwäche, Übelkeit, Erbrechen und Darmprobleme nun schon über zehn Tage mit mir herum.

Meine Freundin hatte mir inzwischen einen Arzttermin organisiert, bei dem ich eine Infusion bekommen sollte: Ich war bereits dehydriert und mein Zustand verschlechterte sich weiter.
Der Arzt überwies mich umgehend in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses: Meine Augen hatten inzwischen einen Gelbton angenommen, mein Blut zeigte alarmierende Werte, ich hielt mich gerade noch auf den Beinen.

Im Krankenhaus untersucht

Bei den im Krankenhaus folgenden Untersuchungen fanden sich fortgeschrittene Entzündungen: Ich war septisch, also mit Krankheitserregern verseucht. Das erklärte die schlechten Blut- und Leberwerte, ich stand vor einer gefährlichen Blutvergiftung. Dazu fanden sich auffallend wenig weiße Blutkörperchen, die für die Immunabwehr wichtig sind. Gleichzeitig hatte ich unspezifische Symptome wie Halsschmerzen. Immerhin schied Corona schnell aus.

Ich bin gerade 32 Jahre alt, bisher gesund gewesen und sportlich. Eine Ursache für diese Entwicklung fiel mir nicht ein. Daher begannen eine Unzahl von Untersuchungen, bis hin zu MRT und CT. Das kostet in Amerika ein Vermögen.

Mysteriöse Erkrankung

Zuerst wiesen die Ärzte Streptokokken nach. Diese Diagnose erklärte aber nicht den Mangel an Blutkörperchen. Als Nächstes fanden sich in meinem Körper Bakterien, die eigentlich nur im Wasser vorkommen, und mir wohl einen Teil der schwer auszuhaltenden Symptome bescherten: Es ist bis heute völlig rätselhaft, wie ich in Kontakt mit diesen Bakterien gekommen bin.

Nach einigen Tagen in der stationären Versorgung verbesserte sich mein Zustand langsam. Aber es blieb mysteriös, warum ich so wenig weiße Blutkörperchen hatte. Außerdem erholte ich mich viel zu langsam.

San Francisco war der erste Stopp auf der Reise von Ina M. © Shutterstock/TierneyMJ

In diesen Tagen hatte ich viel Kontakt mit meinem Freund und meiner Familie in Deutschland. Mein Bruder erinnerte sich daran, dass ich seit einer Teenager-Reise nach Australien beim ADAC versichert war: Er schlug vor, beim Club zu fragen, inwieweit der mir helfen könne.

Mein Freund suchte daraufhin die Unterlagen heraus. Dann wählte ich die Notruf-Nummer.
Der Kontakt zum ADAC Ambulanz-Service kam sofort zu Stande. Die spürbar erfahrenen Ärzte erfragten genau meinen Zustand und baten mich um meine Blutwerte: An der Reaktion merkte ich, dass sie ahnten und wussten, worum es bei mir geht. Das war sehr erleichternd.

Rätsel gelöst

Es waren auch die ADAC Ärzte, die das Rätsel meiner fehlenden Leukozyten lösten. Ich hatte vor dem Urlaub ein Medikament bekommen, bei dem reduzierte Blutkörperchen eine Nebenwirkung sein können. Zwar passiert das so gut wie nie, aber bei mir trat sie eben doch auf.

Durch diese extrem reduzierten weißen Blutkörperchen, worunter auch Menschen leiden, die eine Chemotherapie bekamen, ist man infektanfällig, es kann zu Bläschen an der Mundschleimhaut, Übelkeit, Schwäche und weiteren Symptomen kommen. Deshalb hatte die Streptokokken-Infektion so große Auswirkungen.

Ich hatte zwar bei der Anamnese in Amerika das Medikament angegeben. Es ist aber in den USA nicht zugelassen und damit relativ unbekannt. Erst die Kollegen vom ADAC machten die Amerikaner darauf aufmerksam. Damit konnte auch das angegangen werden.

Als Nächstes kümmerten sich die Münchner ADAC Profis um die Heimholung. Sie sprachen mit mir und den Ärzten im amerikanischen Krankenhaus, klärten, ob ein regulärer Flug in Frage käme oder doch der ADAC Ambulanz-Jet abheben sollte. Am Ende lief es auf einen von einem Arzt begleiteten Linienflug hinaus.

Begleitet ins Flugzeug

Nach zehn Tagen im Krankenhaus in Florida wurde ich entlassen. Ich erholte mich im Haus meiner Freundin eine weitere Woche. Inzwischen organisierte der ADAC die gut zweieinhalbstündige Krankenwagenfahrt zum Airport nach Orlando.

Dort wartete ein deutscher Arzt, half mir in den Rollstuhl, checkte ein, hatte die Dosierung meiner Medikamente im Auge und kümmerte sich eigentlich um alles. Während des gut achtstündigen Flugs überwachte er meine Vitalwerte – wenn ich nicht gerade schlief, denn ich war immer noch erschöpft. Das war sehr gut, jemanden an meiner Seite zu wissen, der sich auskennt und um alles kümmert. Allein hätte ich mir diesen Rückflug nicht zugetraut.

In Frankfurt erwarteten mich wieder Rollstuhl und ein Krankenwagen, der mich bis nach Hause nach Dortmund brachte. Diese Rückholung war vom ersten Telefonat an unglaublich eingespielt, bis hin zum Haustür-zu-Haustür-Transport. Allein hätten wir das gar nicht leisten können. Ich fühlte mich gut beraten, freute mich über die regelmäßigen Nachfragen und die nette Betreuung.

Beratung aus der Heimat

Jetzt treffen die Rechnungen aus den USA ein, sie summieren sich auf über 100.000 Euro. Da bin ich froh, dass die ADAC Ärzte mir während des Aufenthaltes im US-Krankenhaus von der ein oder anderen Untersuchungen abgeraten haben. Zudem übernimmt der ADAC ja einen Teil der Kosten.

Jetzt erhole ich mich endgültig von den Strapazen. Im Moment sieht es danach aus, dass ich sogar vor Weihnachten noch eine Woche arbeiten kann.