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Der ADAC

Studie: So gefährlich ist Ablenkung im Straßenverkehr

Scooterfahrer telefoniert während des Fahrens
Beim Fahren telefonieren oder whatsappen? Ein Unfall ist programmiert ∙ © ADAC/Rasmus Kaessmann

Auf dem Smartphone Nachrichten lesen, das Navi bedienen: Eine Studie von ADAC und ÖAMTC zeigt, welche fatalen Folgen solche Ablenkungen für Auto-, Rad- und E-Scooter-Fahrer haben können. Die wichtigsten Ergebnisse.

  • Handynutzung & Co. gehen zu Lasten der Verkehrssicherheit

  • Autofahrern droht im Ernstfall ein tödlicher Frontalzusammenstoß

  • Abgelenkte E-Scooter-Fahrer riskieren gefährliche Stürze

Was genau sind die Konsequenzen, wenn man beim Auto-, Rad- oder E-Scooter-Fahren nach einer Flasche Wasser greift oder eine Nachricht auf dem Smartphone liest? Das wollten ADAC und ÖAMTC in einer im Fahrtechnikzentrum des ÖAMTC durchgeführten Studie herausfinden. Dafür absolvierten 45 Teilnehmer mit dem Auto, per Fahrrad oder auf einem E-Scooter jeweils drei Runden auf speziellen Teststrecken – ohne zuvor über das Untersuchungsziel aufgeklärt worden zu sein.

Bei der ersten Runde mussten die Probanden lediglich auf die ausgeschilderten Tempolimits und Verkehrszeichen achten. Während der zweiten und dritten Runde erhielten sie dann per Funk ablenkende Aufgaben: Etwa eine Whatsapp-Nachricht lesen und beantworten. Anschließend wurden die Unterschiede im Fahrverhalten zwischen der ersten Runde und den zwei "Ablenkungsrunden" verglichen.

Das passiert, wenn Autofahrer abgelenkt sind

Mann holt ein Taschentuch aus einer Packung, während des Fahrens.
Dem Mitfahrer ein Taschentuch zu geben ist nett, aber gefährlich ∙ © OEAMTC/Wilhelm Bauer

Eine Aufgabe der Autofahrer bestand darin, eine Packung Taschentücher aus dem Handschuhfach zu holen, eines zu entnehmen, an einen Mitfahrer auf dem Rücksitz weiterzureichen und die Packung auf dem Beifahrersitz zu legen. Zwei Drittel der Fahrzeuglenker gerieten dabei für 1,5 bis 2,6 Sekunden auf die Gegenfahrbahn. Außerdem wendeten die Probanden den Blick durchschnittlich drei Sekunden von der Fahrbahn ab und legten dadurch rund 35 Meter im Blindflug zurück.

Ähnlich waren die Folgen, als die Fahrer eine Wasserflasche aus dem Seitentürfach nehmen, sie öffnen, daraus trinken, sie wieder schließen und zurück stellen sollten. Auch dabei war der Blick im Durchschnitt drei Sekunden von der Straße abgewendet und wurden über zwei Reisebus-Längen im Blindflug absolviert. 82 Prozent der Teilnehmer nahmen zudem über eine Strecke von 80 bis 100 Metern beide Hände vom Lenkrad. Gleichzeitig sank die Geschwindigkeit erheblich, und ein Proband geriet bei 60 km/h auf 22 Metern Länge in den – in diesem Fall virtuellen – Gegenverkehr.

Als die Autofahrer auf Anweisung ihr Smartphone vom Beifahrersitz nahmen und eine Whatsapp-Nachricht lasen und beantworteten, wurde ihr Fahrstil bedeutend unruhiger. Beim Tempolimit gab es viele Abweichungen – sowohl nach oben, als auch nach unten. Im Durchschnitt ging der Blick 14-mal weg von der Straße aufs Handy, das summierte sich zu 140 blind gefahrenen Metern. Ein Drittel der Teilnehmer überfuhr die Mittellinie und blieb teilweise für 3,5 bis vier Sekunden bzw. 35 Meter auf der falschen Straßenseite.

Schließlich sollten die Testpersonen in der Adresszeile des Navis den Straßennamen eingeben, in diesem Moment tauchte ein Hindernis auf. 87 Prozent von ihnen wären im Ernstfall mit durchschnittlich 43 km/h aufgeprallt, weil sie nicht rechtzeitig hätten anhalten können. Nur ein Drittel der Lenker führte eine Vollbremsung durch. Im Mittel fehlte für sechs Sekunden bzw. auf 100 Metern Strecke der Blick auf das Verkehrsgeschehen.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Martin Hangen

Diese Folgen hat Ablenkung für Radfahrer

Frau trinkt während des Fahrradfahrens aus einer Flasche
Keine gute Idee: Ohne anzuhalten während des Radfahrens trinken ∙ © OEAMTC

Rad- und E-Scooter-Fahrer waren auf einem separaten Parcours unterwegs und mit Helm, Handschuhen und Sicherheitsjacken gut geschützt. Den Radlern wurden während ihrer zwei Ablenkungsrunden unvermittelt sechs Aufgaben gestellt – mit teils gravierenden Folgen:

Die Fahrradfahrer mussten das Licht einschalten, wobei doppelt so viele ein Stoppschild überfuhren wie in der Vergleichsrunde, also ohne diese Ablenkung. Während die Radler auf dem Smartphone eine Whatsapp-Nachricht lasen, wurden sie erheblich langsamer.

An der Aufgabe, sich nach einem Baum umzudrehen und daran Gegenstände zu erkennen, scheiterte ein Drittel der Probanden. Ein am Lenker angehängtes Objekt abzunehmen und in die Jacke zu stecken, empfanden drei Viertel der Testradler als die schwierigste Aufgabe. Sie wurden dabei auch erheblich langsamer. Eine Wasserflasche aus der Halterung zu nehmen, daraus zu trinken und sie zurückzustellen verringerte das Tempo ebenfalls.

Im Ziel punktgenau anzuhalten gelang in der ersten Runde allen Radlern, nach den Ablenkungsrunden nur neun von zehn Probanden. Sehr oft gaben die abgelenkten Radfahrer beim Abbiegen kein Handzeichen.

Das sind die Risiken für abgelenkte E-Scooter-Fahrer

Frau auf mit einem Scooter macht ein Selfie mit dem handy
Besser bleiben lassen: Auf dem Scooter das Smartphone bedienen ∙ © OEAMTC/Wilhelm Bauer

Fahrer von E-Scootern hatten ähnliche Aufgaben auszuführen wie Radler, mit teils gleichen Konsequenzen. Auch sie verringerten ihr Tempo beim Lichteinschalten und beim Lesen der Whatsapp-Nachricht deutlich. Beim Whatsappen wurde ihr Fahrstil zudem merklich unsicherer.

Sich während der Fahrt umzudrehen verursachte den Fahrern große Balance- und Lenkschwierigkeiten, obwohl der Parcours keine Unebenheiten oder Mängel aufwies. Statt einen Gegenstand vom Lenker abzunehmen, mussten sie abwechselnd kurz das eine, dann das andere Bein anheben. Dabei fuhren sie langsamer und ruppiger.

Die Wasserflasche sollten E-Scooter-Fahrer in die Hand nehmen und kurz über den Kopf halten. Dabei wurden sie deutlich langsamer, beschleunigten dann stark und führten den Scooter instabiler.

Generell machten E-Scooter-Fahrer unter Ablenkung mehr Fehler als diejenigen, die auf den Verkehr fokussiert waren. Dazu zählten zu wenige Sicherungsblicke, fehlende Handzeichen beim Abbiegen, Überfahren von Stoppschildern und nicht rechts fahren. Als besonders riskant erwiesen sich Ablenkungen auch deshalb, weil das scheinbar einfache Rollerfahren an sich schon mit einer gewissen Instabilität verbunden ist: Es kam zu drei Stürzen.

Wie gefährlich es ist, die Risiken beim E-Scooter-Fahren zu unterschätzen, beweisen die ersten gesicherten Unfallzahlen zu E-Scootern auf deutschen Straßen: Von Januar bis März 2020 registrierte die Polizei in Deutschland insgesamt 251 Unfälle mit E-Scootern, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) starb ein E-Scooter-Nutzer, 39 wurden schwer verletzt und 182 leicht.

So ist die Rechtslage

Frau tippt im Auto in ein Navi
Bitte nur vor der Fahrt: Das Ziel ins Navi eintippen ∙ © iStock.com/nito100

Ablenkung an Steuer und Lenker ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch teuer werden. Im Straßenverkehr ist das Telefonieren mit dem Handy am Ohr nach §23 Absatz 1a der StVO verboten.

Auch sämtliche andere Funktionen von Mobil- oder Autotelefonen darf man als Fahrer nicht verwenden. Also zum Beispiel keine Textnachrichten schreiben oder lesen, Anrufe ablehnen oder einfach nur auf dem Display nach der Uhrzeit schauen. Das gilt für alle elektronischen Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen. Damit sind in erster Linie Tablets, E-Books, Navigationsgeräte, Diktiergeräte oder i-Pods gemeint. Das Verbot gilt auch für Fahrradfahrer.

Ohne Ablenkung sicher fahren

Egal wie fit und leistungsbereit die einzelnen Teilnehmer zum Testzeitpunkt waren und wie scheinbar trivial die Nebenaufgaben – sie führten zu großen Schwierigkeiten mit unkalkulierbaren Risiken. Niemand ist in der Lage, alles gleichzeitig zu erfassen. Jeder
ist sich selbst der beste Schutzengel, indem er Gefahren meidet und nicht
darauf vertraut, diese bewältigen zu können.

Smartphone, Tablet & Co. dürfen Sie nur während der Fahrt benutzen, wenn Sie sie nicht in der Hand halten, sondern diese sich in einer Halterung befinden oder fest eingebaut sind. Aber auch dann ist Vorsicht geboten: Sie dürfen nur kurz zum Gerät hin- und vom Verkehrsgeschehen wegblicken, und das nur, soweit es die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnisse erlauben. Andernfalls droht ein Bußgeld.

Das Bußgeld für Telefonieren am Steuer beträgt 100 Euro, außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg. Wer andere gefährdet, etwa weil er mit Handy am Ohr Schlangenlinien fährt, zahlt 150 Euro. Bei Sachbeschädigung sind es sogar 200 Euro. Dazu kommen je zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Teuer ist es auch für Radfahrer mit Handy in der Hand: Das Bußgeld liegt bei 55 Euro.

Ablenkung im Straßenverkehr (ADAC Standpunkt)
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