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Kindersitze: Gebraucht oder neu? Wie alt sie sein dürfen

Kleinkind wird von Frau im Kindersitz angeschnallt
Sichere Kindersitze sind unfallfrei, vollständig und in einwandfreiem Zustand ∙ © Shutterstock/TierneyMJ

Gute Kindersitze sind nicht billig, da sind gebrauchte Sitze eine Alternative. Doch Vorsicht: Autositze haben ein Ablaufdatum. Woran man Alter und Haltbarkeit erkennt, haben wir hier zusammengestellt.

  • Ältere Kindersitze müssen noch der aktuell gültigen Prüfnorm entsprechen

  • Bei gebrauchten Sitzen immer Alter und Vorgeschichte erkunden

  • Empfehlung: Nur von vertrauenswürdigen Verkäufern erwerben (Verwandte, Bekannte) 

Gerade die Kleinsten sind bei Autounfällen besonders gefährdet. Deshalb ist ein geeigneter und intakter Kindersitz für die Sicherheit des Kindes unerlässlich. Beim Kauf von gebrauchten Sitzen müssen Sie ganz besonders auf einen tadellosen Zustand achten und sichergehen, dass sie noch den gesetzlichen Vorschriften entsprechen.

Prüfsiegel überprüfen

Der Kindersitz muss unbedingt über ein Prüfsiegel verfügen, es enthält wichtige Informationen über die Gültigkeit des Sitzes. Die Kindersitze mit den alten Normen ECE-R 44/01 und 44/02 dürfen seit April 2008 nicht mehr verwendet werden. Beginnt also die Prüfnummer (5) auf dem Siegel mit "01" oder "02", ist dieser Sitz gesetzlich nicht mehr zugelassen.

© ADAC
PrüfnormZulassungsjahrGültigkeit
UN ECE Reg. 44/01 und 44/021993Seit April 2008 nicht mehr zugelassen
UN ECE Reg. 44/031995Zugelassen, aber nicht zu empfehlen
UN ECE Reg. 44/042005Zugelassen
UN ECE Reg. 129, i-Size2013Zugelassen: Aktuellste Prüfnorm mit höheren Sicherheitsstandards

Nutzungsdauer und Herstellungsdatum beachten

Baby wird von Frau in einen Kindersitz im Auto gesetzt
Kindersitze bestehen größtenteils aus alternden Kunststoffen ∙ © iStock.com/AJ_Watt

Die per Gesetz zugelassenen Kindersitze können schon sehr alt sein, deshalb sollten Sie bei Kauf oder Nutzung eines älteren Sitzes unbedingt die Angaben des Herstellers beachten. In der Bedienungsanleitung wird meist eine Empfehlung zur maximalen Nutzungszeit des Kindersitzes angegeben. Finden Sie sie nicht, versuchen Sie, die Angabe zu recherchieren oder kontaktieren Sie direkt den Hersteller.

Das Alter des Kindersitzes können Sie außerdem anhand des Herstellungsdatums eingrenzen. Das Datum befindet sich auf dem Aufkleber gemeinsam mit oder neben dem Prüfsiegel. Meist ist es auch als kleine Prägung im Kunststoff verarbeitet.

Bedenken Sie, dass bei älteren Kindersitzen durch Materialermüdung und Verschleiß kein optimaler Schutz mehr garantiert werden kann. Kindersitze bestehen zwar größtenteils aus belastbarem Kunststoff. Doch das Material unterliegt einem Alterungsprozess, bei dem es spröde und rissig werden kann. Permanente Nutzung und Belastung, UV-Strahlung und Feuchtigkeit lassen den Kunststoff zusätzlich schneller altern. Damit ist es möglich, dass ein älterer Sitz nicht mehr die gleiche Sicherheit bietet wie ein fabrikneues Exemplar.

Gebrauchte Kindersitze auf Mängel untersuchen

Einen gebrauchten Kindersitz müssen Sie genau unter die Lupe nehmen und überprüfen, ob er sichtbare Beschädigungen aufweist. Sie müssen sicherstellen, dass der Sitz vollständig ist, die Gurte und einzelnen Bauteile funktionieren, die Polsterungen keine Brüche aufweisen und die Bedienungsanleitung vorhanden ist.

Auf keinen Fall sollten Sie einen Kindersitz verwenden, der in einen Unfall verwickelt war: Es könnten sich feine Haarrisse gebildet haben, die für das bloße Auge kaum sichtbar sind. Sie sollten deshalb die Vorgeschichte des gebrauchten Sitzes genau erfragen.

Empfehlung

Gebrauchte Kindersitze nur aus dem Bekanntenkreis erwerben, da hier die tatsächliche Nutzung sowie eventuelle, unübliche Beanspruchung besser hinterfragt werden kann.

Worauf Sie vor dem Kauf oder der Nutzung bereits gebrauchter Kindersitze unbedingt achten sollten:

  • Der Sitzkörper (vorhandenen Bezug abnehmen!) darf keine Risse, Verformungen oder Bruchstellen aufweisen

  • Gurte dürfen keine Risse, deutliche Quetschspuren oder Ausfaserungen an den Rändern haben

  • Bei sitzeigenen Hosenträgergurten müssen die Gurtpolster noch vorhanden sein

  • Die Gurtversteller dürfen sich auch bei sehr starkem Einrucken nicht verändern

  • Das Gurtschloss sowie die Verriegelungssysteme müssen funktionstüchtig einrasten und öffnen und dürfen keine Absplitterungen aufweisen

  • Der Sitz sollte von keiner Rückrufaktion betroffen sein

  • Beachten Sie den ADAC Kindersitztest, der auch Ergebnisse älterer Kindersitze zeigt

Außerdem ist auch bei gebrauchten Sitzen eine Einbauprobe mit Kind und eigenem Fahrzeug zu empfehlen. So kann der Sitz auf seine Funktionalität getestet werden und Ihr Kind vorab probesitzen. In der Anleitung des Sitzes wie auch im Handbuch des Fahrzeugs stehen, ob der Sitz zum Fahrzeug passt.

Tipps zum Kindersitz-Kauf

  • Nehmen Sie das eigene Fahrzeug und das Kind mit zum Geschäft, um die zur Auswahl stehenden Modelle vor dem Kauf ausprobieren zu können.

  • Der Kindersitz muss sich möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen. Vor allem bei älteren Fahrzeugen können z.B. lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil anschnallen lässt.

  • Achten Sie darauf, dass Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen.

  • Besonders bei Babyschalen sollte geprüft werden, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können. Ist der Gurt zu kurz für eine herkömmliche Babyschale, lässt sich eventuell eine Schale mit separater Basis montieren.

  • Bei Sitzerhöhungen mit Rückenstütze kann es vorkommen, dass sich der Gurt nicht mehr selbständig aufrollt, wenn sich das Kind nach vorne beugt. Probieren Sie dann ein anderes Modell aus.

  • Kindersitzmodelle mit semi-universaler Zulassung (z.B. alle Kindersitze mit Stützfuß) können nicht in allen Autos montiert werden. Diesen Produkten liegt eine Typliste bei, mit der man überprüfen kann, ob das Produkt im eigenen Fahrzeug verwendet werden darf.

  • Beachten Sie auch immer die Hinweise und Angaben in der Bedienungsanleitung des Kindersitzes und im Handbuch des Fahrzeugs.

Viele weitere Tipps rund um das Thema Kindersicherung finden Sie beim ADAC Kindersitzberater.