Sommer-Staubilanz 2021: Drastischer Stauanstieg trotz Corona

Stau auf der a7 zwischen Kiel und Flensburg
Die Staus auf Deutschlands Autobahnen haben sich im Sommer 2021 mehr als verdoppelt ∙ © Shutterstock/Wirestock Creators

Der Reisesommer 2021 war der zweite in der Corona-Krise. Diese hatte
großen Einfluss auf das Reiseverhalten und die Stausituation auf deutschen Autobahnen: Das zeigt die ADAC Sommer-Staubilanz der 13 Ferienwochenenden.

  • Anzahl der Staus weit über Vor-Corona-Niveau

  • A7 am stärksten belastete Ferienautobahn an den Wochenenden

  • Schlimmstes Wochenende 3. bis 5. September

  • Mehr Campingfahrzeuge und Baustellen

  • Zahlreiche Staus wegen der Flutkatastrophe


An den 13 Wochenenden der Sommerferien (18. Juni bis 12. September, jeweils Freitag bis Sonntag) zählte der ADAC auf Deutschlands Autobahnen insgesamt 92.079 Staus. Gegenüber dem Vorjahr (58.442) ist dies ein drastischer Anstieg um 58 Prozent. Im Sommerreiseverkehr 2019, also noch vor der Pandemie, waren es 60.057 Staus und damit 35 Prozent weniger als 2021.

Staus übertreffen Vorkrisenniveau weit

Noch deutlicher zeigt sich dieser Effekt bei der Intensität der Staus. 2021 summierte sich die Länge der registrierten Staus an den 13 Ferienwochenenden auf insgesamt 151.803 Kilometer, im Vorjahr waren es noch 98.357 Kilometer. Dies entspricht einem Zuwachs von 54 Prozent. Im Vorkrisensommer 2019 kamen insgesamt 131.771 Staukilometer zusammen.

Freitags gab es die meisten Staus

Der mit Abstand staureichste Wochenendtag war – wie bereits 2020 und in den Jahren zuvor – der Freitag. Auf diesen Tag entfielen rund 46 Prozent aller Wochenendstaus (2020: 51 Prozent). Samstag und Sonntag halten sich inzwischen fast die Waage (circa 27 Prozent, im Vorjahr 24 bzw. 25 Prozent).

Die schlimmsten Stauwochenenden

Bezogen auf die einzelnen Wochenenden registrierten die ADAC Verkehrsexperten die meisten Staus am Wochenende 3./5. September. Hier standen Autofahrer insgesamt 8263-mal im Stau. Ferien gab es da zwar nur noch in Bayern und Baden-Württemberg, doch waren wegen des in ganz Deutschland spätsommerlichen Wetters viele Wochenend- und Tagesausflügler sowie Urlauber unterwegs, die nicht an Ferientermine gebunden sind.

Auch der Berufsverkehr verlief in weiten Teilen Deutschlands wieder normal. Das Wochenende 27./29. August war mit 8091 Staus fast genauso schlimm für Autofahrer. In dieser Zeit endeten in sieben deutschen Bundesländern und einigen Nachbarländern die Ferien. Am mittleren August-Wochenende (13./15. August) bildeten sich 7976 Staus. In diesen Zeitraum fällt die Überschwemmungskatastrophe in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern. Etliche Autobahnen wurden überflutet und mussten gesperrt werden.

Pech hatten Autofahrerinnen und -fahrer, die am Wochenende 30. Juli/1. August in den Urlaub starteten oder zurückkehrten, als die erste Urlaubswelle aus Baden-Württemberg und Bayern rollte und damit ganz Deutschland in oder noch in Ferien war. An diesen drei Tagen wurden 7846 Staus gezählt.

Die am stärksten belasteten Autobahnen

Das Negativranking der Stauautobahnen führte die A7 (Flensburg – Füssen/Reutte) mit 7792 Staus an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die A1 (Heiligenhafen – Saarbrücken) mit 6831 Staus und die A3 (Arnheim – Passau) mit 6470 Staus. Die Ränge vier bis sechs belegen die Autobahnen A8 (Karlsruhe – Salzburg), A5 (Hattenbacher Dreieck – Weil am Rhein) und A9 (Berlin – München).

Sommer-Staubilanz 2021: Weitere interessante Fakten

  • Der längste Stau, den Autofahrer über sich ergehen lassen mussten, bildete sich am Samstag, 31. Juli, auf der A8 München in Richtung Salzburg zwischen Grabenstätt und dem Grenzübergang bei Bad Reichenhall. Der Stau war 32 Kilometer lang.

  • Der staureichste Tag der Sommerferien war der 27. August. Allein an diesem Freitag gab es 3646 Staus mit einer Gesamtlänge von 6356 Kilometern.

  • Insgesamt steckten Autofahrer an den Ferienwochenenden 50.522 Stunden (5,8 Jahre) auf den Straßen fest.

Häufigste Stauursache: Baustellen

Stauursache waren überwiegend Baustellen, vor allem, wenn deshalb eine Fahrspur wegfiel. In den diesjährigen Sommerferien gab es auf den Autobahnen rund zwölf Prozent mehr Baustellen als im Vorjahr. Unfälle und defekte Fahrzeuge fielen weniger ins Gewicht. Der Verkehr auf den klassischen Ferienautobahnen A9, A8, A7 und A3 war besonders geplagt von Dauerbaustellen.

Sommerreise 2021: Kurzfristig und mit eigenem Auto

Das Bedürfnis nach einer Auszeit auch jenseits der Heimatregion war in diesem Sommer besonders hoch. Deutlich mehr Menschen reisten im Vergleich zum Vorjahr in den Urlaub. Das Verkehrsaufkommen in Deutschland war daher in den Sommermonaten Juli und August sogar höher als vor Ausbruch der Pandemie. Gleichzeitig blieb Corona sehr wichtig bei der Wahl der Urlaubsform und der Anreise.

Der ADAC macht bei Reisen folgende Trends aus: Buchungen wurden deutlich kurzfristiger getätigt. Eine ADAC Umfrage hat ergeben, dass rund die Hälfte der Befragten ihren Haupturlaub knapp vor dem Reiseantritt oder gar nicht vorab buchen wollte. Die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug wurde gegenüber Flug und Bahn deutlich bevorzugt, das schlägt sich auch in den Stauzahlen nieder. Reisen innerhalb Deutschlands oder ins europäische Ausland waren überdurchschnittlich beliebt.

Deutschland Reiseziel Nummer eins im Sommer 2021

Konkret haben Urlauber in diesem Sommer besonders häufig Deutschland als Reiseziel gewählt. Nach einer Auswertung von knapp 380.000 ADAC Urlaubs-Routenplanungen bleibt Deutschland mit 26,1 Prozent das beliebteste Reiseziel im Jahr 2021. Es verliert aber gegenüber 2020 (–4,8 Prozent). Italien belegt mit 18,3 Prozent Platz zwei und konnte unter anderem wegen des mäßigen Wetters in Teilen von Deutschland und wegen der aufgehobenen Beschränkungen deutlich zulegen (+4,5 Prozent). Es hat als Reisedestination fast die Bedeutung erreicht, die es vor der Pandemie hatte.

Deutlich mehr Menschen besuchten in diesem Sommer die Türkei, die mit 7,5 Prozent Zuwachs im Ranking den dritten Platz belegt (15,7 Prozent). Kroatien, das 2020 stark gewachsen war, liegt mit 14,1 Prozent auf Rang 4 (Vorjahr: 16,2 Prozent).

Mehr Details zum Thema: Beliebteste Reiseziele im Sommer 2021

Trend zum Campingurlaub setzt sich fort

Hohe Zuwachsraten erfährt der Campingurlaub, das belegen die Aufrufzahlen des ADAC Campingportals Pincamp*, die sich im Vergleich zum Jahr 2019 verdreifacht haben. Der Trend zum Campingurlaub deutete sich aber schon vor der Pandemie an.

Tipps für Autofahrer

Autofahrer, die künftig weniger häufig im Stau stehen und ihre Fahrt individuell planen wollen, können sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Verkehrslage und die Baustellensituation informieren.

Hier erfahren Sie, wie sich Autofahrer im Stau richtig verhalten

Tipps für eine entspannte Autofahrt mit Kindern

So haben die ADAC Stauexperten untersucht

Den ADAC Stauexperten stehen folgende Datenquellen zur Erstellung der Staubilanz zur Verfügung: Fahrzeugflotten mit ihren Positions- und Geschwindigkeitsdaten (Floating Car Data bzw. FCD) in Echtzeit von ca. 300.000 Lkw-Flotten sowie rund 4,5 Millionen Nutzern von Smartphone-Apps.

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Katharina Dümmer
Redakteurin
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