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Staubilanz 2019 – So lange standen die Deutschen im Stau

Stau auf einer Autobahn
2019 mussten Autofahrer noch länger im Stau ausharren als in den Vorjahren ∙ © iStock.com/alexandragl1

Die ADAC Staubilanz 2019 zeigt: Es gab zwar weniger Staus, sie dauerten aber länger als im Vorjahr. Insgesamt zählten die Experten rund 708.500 Staus.

  • Gesamtlänge aller Staus reicht 35,5-mal um die Erde

  • A3, A1 und A8 sind die schlimmsten Fernautobahnen

  • 20 Prozent mehr Baustellen

  • Schlechter Reisetag: Mittwoch

Wie die Analyse der ADAC Staudatenbank zeigt, bildeten sich 2019 auf Deutschlands Autobahnen rund 708.500 Staus – etwa 5 Prozent weniger als 2018. Ihre Gesamtlänge (rund 1.423.000 Kilometer) nahm im Vergleich zu 2018 um 7 Prozent ab. Dafür mussten die Autofahrer aber deutlich länger im Stillstand ausharren. Die Gesamtdauer der gemeldeten Störungen stieg um knapp 14 Prozent auf 521.000 Stunden.

Um die Auswirkung all dieser Staus auf den Verkehr besser zu beschreiben, führt der ADAC in diesem Jahr eine neue Kennzahl ein: die Staubelastung. Sie ist etwa zehn Prozent höher als im Vorjahr. Ihr Wert ergibt sich aus dem Produkt von Staulänge und Staudauer. Durch die Kombination dieser beiden Werte wird die Intensität eines Staus besser erfasst als durch die Angabe der Einzelwerte "Länge" oder "Dauer".

Schließlich macht es für Autofahrer einen großen Unterschied, ob ein zwei Kilometer langer Stau 20 Minuten oder zwei Stunden dauert oder ob ein fünf Kilometer langer Stau nur von kurzer Dauer ist oder wegen einer Vollsperrung vier Stunden besteht.

Mehr Baustellen und gestiegene Kfz-Fahrleistung

Dass die Zwangsaufenthalte der Autofahrer im Stau noch länger als im Vorjahr dauerten, dürfte auch an der um gut ein Prozent gestiegenen Kfz-Fahrleistung – errechnet von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) – sowie an der gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegenen Zahl der Baustellen gelegen haben.

Staureichste Bundesländer: NRW, Bayern und Baden-Württemberg

Wie in den Vorjahren entfielen auf Nordrhein-Westfalen (32 Prozent), Bayern (19 Prozent) und Baden-Württemberg (11 Prozent) knapp zwei Drittel aller Staus. Bei den Staukilometern lag Nordrhein-Westfalen ebenfalls vorn mit insgesamt rund 453.000 Kilometern. Es folgten Bayern mit 267.000 und Baden-Württemberg mit rund 191.000 Kilometern. 62 Prozent aller Staustunden entfielen auf diese drei Bundesländer.

Werden die Staulängen ins Verhältnis zur Länge des jeweiligen Autobahnnetzes gesetzt, führen die Stadtstaaten Berlin und Hamburg das Ranking an. Bei den Flächenländern stehen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen an der Spitze. Bayern, Bremen, Hessen und Niedersachsen liegen im Mittelfeld.

Jetzt lesen: Die detaillierten Staubilanzen für NRW und Niedersachen/ Sachsen-Anhalt.

Staureichste Fernautobahnen

Um einschätzen zu können, wie stark einzelne Autobahnen 2019 von Staus betroffen waren, setzten die Experten des Clubs die gesamte Staulänge auf der jeweiligen Fernstraße ins Verhältnis zu ihrer Gesamtlänge. Ein Beispiel: Die gesamte A3 vom niederländischen Grenzübergang bei Elten bis zum österreichischen Grenzübergang Suben hat eine Länge von 769 Kilometern. Die Länge aller gemeldeten Staus auf dieser Autobahn summiert sich im Jahr 2019 auf 158.114 Kilometer. Daraus ergeben sich im Durchschnitt 206 Staukilometer pro Kilometer Autobahn. Die schlimmsten Staustrecken sind:

  • A3 (Elten – Frankfurt – Suben) mit 206 Kilometern Stau pro Autobahnkilometer

  • A8 (Salzburg – München – Karlsruhe) mit 187 Kilometern Stau pro Autobahnkilometer

  • A1 (Lübeck – Hamburg – Köln) mit 175 Kilometern Stau pro Autobahnkilometer

  • A5 (Basel – Karlsruhe – Frankfurt) mit 164 Kilometern Stau pro Autobahnkilometer

  • A10 Berliner Ring mit 128 Kilometern Stau pro Autobahnkilometer

Einzelne Autobahnabschnitte waren besonders belastet. Dazu zählten unter anderem die A3 zwischen Oberhausen und Köln sowie die A5 von Heidelberg nach Karlsruhe.


Ein Sonderfall ist der 16 km lange A3-Abschnitt zwischen dem deutsch-österreichischen Grenzübergang Suben und Passau-Süd. Dort zeigten sich die Folgen der verschärften Grenzkontrollen (Kontrollen auf deutscher Seite in Höhe Parkplatz Sulzbach): Die Länge aller Staus summierte sich auf 9750 Kilometer. Daraus ergeben sich 598 Staukilometer pro Autobahnkilometer.

Staureichster Wochentag und Monat

In der Hitliste der stauträchtigsten Wochentage hat der Mittwoch seine Spitzenposition verteidigt. Im Durchschnitt summierten sich die Staukilometer an diesem Wochentag auf eine Länge von rund 5100 Kilometern, die Zahl der Staus lag bei rund 2600. Ähnlich schlechte Reisetage waren Donnerstag und Freitag. Wer an den Wochenenden unterwegs war, kam in der Regel besser voran.

Die staureichsten Tage des Jahres waren Freitag, 2. August, Mittwoch, 29. Mai (Tag vor Christi Himmelfahrt), Gründonnerstag, 18. April, und Mittwoch, 2. Oktober – also am Tag vor dem Feiertag.

An diesen Tagen vermengten sich Berufs- und Reiseverkehr. Die staureichsten Monate waren Juli, August und Oktober.

Tipps für Autofahrer

Forderungen des ADAC

Der ADAC spricht sich für den weiteren Ausbau des ÖPNV zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit aus, um vor allem im Berufsverkehr Entlastung zu schaffen. Auch die Modernisierung der Schienensysteme im Nah- und Fernverkehr muss konsequent vorangetrieben werden, um so die Kapazitäten und die Zuverlässigkeit zu steigern mit dem Ziel, mehr Autofahrer zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen.

So haben die Stau-Experten untersucht

Wie jedes Jahr untersuchten die Verkehrsexperten die Anzahl der Staus, die Längen der Staus und die Dauer der Staus. Gezählt wurde jede Verkehrsmeldung, die „Stau (Durchschnittsgeschwindigkeit kleiner als 20 km/h) oder „Stockenden Verkehr“ (Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 20 und 40 km/h) beinhaltete. Dabei wurde jeder Stau nur einmal gezählt, auch wenn ggf. eine Stunde später für den gleichen Streckenabschnitt eine Meldung mit veränderter Länge im System erschien.

Die Datenquellen: Landesmeldestellen der Polizei und Live-Daten aus Navigationsgeräten und Smartphone-Apps (Floating Car Data), d.h. Geschwindigkeitsinformationen und Positionsdaten von circa 300.000 Fahrzeugen. Weitere Daten senden rund 4,5 Millionen Nutzer über Online-Navigationsgeräte und Smartphone-Apps.

Um die Bundesländer besser miteinander vergleichen zu können, müssen die Staulängen im Verhältnis zur Länge des jeweiligen Autobahnnetzes betrachtet werden. Der daraus resultierende Staulängen-Index besagt, ob die Staubelastung eines Bundeslandes hoch oder niedrig ist. Der Bundesdurchschnitt lag 2019 bei 108. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg war der Staulängen-Index am höchsten.

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Katharina Dümmer
Redakteurin
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