Staubilanz 2021: 346.500 Stunden Stillstand auf deutschen Autobahnen

Stau auf der Autobahn im Sommer
Autofahrende saßen 2021 rund 40 Jahre im Stau – länger als im ersten Corona-Jahr© stock.adobe.com/Sina Ettmer

Stau ohne Ende gab es 2021 auf deutschen Autobahnen, trotz der Corona-Pandemie. Auf welchen Strecken und an welchen Tagen es besonders schlimm war, zeigt die aktuelle ADAC Staubilanz.

  • Ein Drittel mehr Autobahn-Staus als im ersten Corona-Jahr 2020

  • Schneechaos im Februar: 8800 Staus an zwei Tagen

  • Neuer Spitzenreiter bei den staureichsten Fernautobahnen ist die A12

Autofahrerinnen und Autofahrer brauchten auch 2021 Geduld und gute Nerven, wenn sie auf Deutschlands Fernstraßen unterwegs waren. Wie die aktuelle ADAC Staubilanz zeigt, gab es auf Deutschlands Autobahnen rund 685.000 Staus. Das waren etwa ein Drittel mehr als 2020 und drei Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Die Gesamtlänge (rund 850.000 Kilometer) nahm im Vergleich zu 2020 um rund 25 Prozent zu, liegt aber um 40 Prozent unter den Werten aus dem Jahr 2019. Autofahrende mussten 2021 deutlich länger im Stillstand oder stockenden Verkehr ausharren. Die Gesamtdauer der gemeldeten Störungen stieg gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent auf 346.500 Stunden. Im Vergleich zu 2019 war es rund ein Drittel weniger.

2021 gab es zwar wieder annähernd so viele Staumeldungen wie 2019, die gemeldeten Staus waren aber im Schnitt von kürzerer Dauer und Länge.

Deutlich weniger Verkehr wegen Corona

Ursache für die Veränderungen gegenüber den beiden Vorjahren waren die zwischenzeitlich deutlichen Rückgänge der Verkehrsmengen. Eine Folge der Lockdowns. Insgesamt waren 2021 im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 immer noch deutlich weniger Fahrzeuge auf den Autobahnen unterwegs. Im September 2021 erreichte das Verkehrsaufkommen jedoch fast wieder das Niveau der Zeit vor Corona.

Staureichster Monat 2021 war der August

Die größeren Verkehrsmengen spiegeln sich auch im Staugeschehen wider. Mit zunehmendem Verkehr auf den Autobahnen gab es ab Juni 2021 wieder deutlich mehr und längere Staus. Höhepunkt war der August mit rund 83.000 Staus mit einer Gesamtlänge von circa 123.000 Kilometern.

2021 gab es rund 15 Prozent mehr Baustellenmeldungen als 2020 (insbesondere aus Nordrhein-Westfalen), die meisten davon in den Monaten August, September und Oktober. Spitzenwert waren knapp 1000 Baustellen bundesweit im September.

Die meisten Staus gab es 2021 am Montag, 8. Februar, und am Dienstag, 9. Februar. Schuld war ein extremer Wintereinbruch. Damals zählte der ADAC an beiden Tagen insgesamt rund 8800 Staus mit einer Gesamtlänge von 17.700 Kilometern. Viel Geduld mussten die Autofahrer auch am Freitag, 27. August, aufbringen. Damals wurden 6300 Kilometer Stau registriert. Der längste Stau mit 32 Kilometern Länge bildete sich am Samstag, 31. Juli, auf der A8 München Richtung Salzburg zwischen Grabenstätt und dem Grenzübergang Bad Reichenhall.

Wegen Corona weniger Verkehr an Ostern, Pfingsten und Weihnachten

Ostern und Pfingsten zählen normalerweise zu den staureichsten Zeiten des Jahres. Nicht so im ersten Corona-Jahr 2020. Der Reise- und Ausflugsverkehr im Frühjahr blieb lockdownbedingt fast vollständig aus. 2021 legte der Verkehr deutlich zu. Die Staus blieben aber unter Vor-Corona-Niveau, auch an Weihnachten.

Staubilanz 2021: Weitere interessante Fakten

  • Die meisten Staukilometer gab es mittwochs und donnerstags

  • Die wenigsten Staukilometer gab es samstags

  • Durchschnittlich wurden 2021 in einer Kalenderwoche rund 16.250 Staukilometer registriert (2019 rund 27.000 km)

  • 158-mal bildeten sich im vergangenen Jahr Staus mit einer Länge von 20 Kilometern und mehr

  • Spitzenzeiten an den Wochentagen Montag bis Freitag: 6 bis 9 Uhr und 13 bis 18 Uhr

Stau-Spitzenreiter 2021: NRW, Bayern und Baden-Württemberg

Stau-Bundesland Nummer eins ist mit 32 Prozent aller Staus wie in den Vorjahren Nordrhein-Westfalen. Nur halb so viele gab es mit 16 Prozent in Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg mit 9 Prozent. Allerdings musste Bayern den größten Anteil beim Zuwachs der Staukilometer verkraften. Von den 171.000 Staukilometern, die 2021 mehr als 2020 registriert wurden, entfielen 53.000 auf Bayern, 42.600 auf Nordrhein-Westfalen und 15.800 auf Sachsen. In Berlin, Hamburg und Sachsen wurden 2021 auf den Autobahnen sogar mehr Stau-Kilometer erfasst als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Neuer Spitzenreiter bei den Stau-Autobahnen ist die A12

Eine große Überraschung gab es an der Spitze der stauträchtigsten Fernautobahnen: War bisher meist die A3 die Fernautobahn mit den meisten Staukilometern bezogen auf die Autobahnlänge, so wurde sie 2021 erstmals von der A12 abgelöst. Die Strecke zwischen dem Grenzübergang Frankfurt/Oder und dem östlichen Berliner Ring war mit deutlichem Vorsprung vor der A3 und der A8 Stauspitzenreiter. Ursache dafür waren die zahlreichen Staus zwischen dem Grenzübergang und Frankfurt/Oder bei der Einreise nach Deutschland.

Tipps für Autofahrer

Autofahrer, die künftig weniger häufig im Stau stehen und ihre Fahrt individuell planen wollen, können sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Verkehrslage und die Baustellensituation informieren.

Hier erfahren Sie, wie sich Autofahrer im Stau richtig verhalten

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Viele Staus auf der A3 Grenze/Suben – Passau

Bei den besonders betroffenen Autobahnabschnitten änderte sich nicht viel. Auf Platz 1 landete wieder der Abschnitt der A3 zwischen der Bundesgrenze und Passau. Grund waren vor allem die Grenzkontrollen. Das Stauniveau war mit 660 Staukilometer je Kilometer Autobahn deutlich höher als in den beiden Vorjahren.

Auf den Plätzen 2 und 3 landeten zwei Abschnitte im Großraum Köln (A3 Oberhausen – Köln, A4 Köln – Aachen). Erneut waren auch folgende drei Abschnitte in Baden-Württemberg in den Top 10 mit dabei:

  • A5 Karlsruhe – Heidelberg

  • A6 Mannheim – Heilbronn

  • A8 Karlsruhe - Stuttgart

Viele Staus gab es auch auf der wichtigen Fernautobahn A1, besonders auf diesen Abschnitten:

  • Lübeck – Hamburg

  • Bremen – Osnabrück

  • Dortmund – Münster

Nicht viel besser sah es für Autofahrende aus, die auf folgenden Abschnitten unterwegs waren:

  • A3 Würzburg – Nürnberg

  • A7 Hannover – Hamburg – Flensburg

  • A8 München – Salzburg

  • A10 Kreuz Schönefeld – AD Spreeau

  • A12 Frankfurt (Oder) – Berliner Ring

Weitere stauauffällige Autobahnabschnitte waren die Ballungsraumautobahnen in Berlin, im Rhein-Ruhr-Gebiet sowie der Autobahnring um München.

Ausblick und Forderungen des ADAC

Der ADAC rechnet für 2022 mit einer Normalisierung der Verkehrssituation auf den Autobahnen. Allerdings dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen, welchen Einfluss die Ausweitung von Homeoffice-Angeboten in den Unternehmen einerseits und die geringere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel andererseits auf das Verkehrsgeschehen haben werden.

Es muss gelingen, mehr Menschen von der Straße auf die Schiene zu bringen. Dafür müssen der ÖPNV und der Schienenverkehr deutlich attraktiver werden. Engpässe auf chronisch überlasteten Autobahnabschnitten sollten zügig beseitigt werden. Schwierig ist häufig auch das Verkehrs- und Baustellenmanagement, das es weiter zu verbessern gilt. Zudem müssen zahlreiche marode Brücken rechtzeitig durch neue Bauwerke ersetzt werden, um weitere Brückensperrungen zu vermeiden.

ADAC Experte Jürgen Berlitz

Mehr zum Thema: Der ÖPNV der Zukunft

Die Quellen der ADAC Staubilanz

Den ADAC Stauexperten stehen folgende Datenquellen zur Erstellung der Staubilanz zur Verfügung: Fahrzeugflotten mit ihren Positions- und Geschwindigkeitsdaten (Floating Car Data bzw. FCD) in Echtzeit von ca. 300.000 Lkw-Flotten sowie rund 4,5 Millionen Nutzern von Smartphone-Apps.

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Katharina Dümmer
Redakteurin
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