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Falsch getankt? Das müssen Sie beachten

Zapfsäulen an einer Tankstelle
Das kann teuer werden: Einen Augenblick nicht aufgepasst und aus Versehen den falschen Kraftstoff getankt. ∙ © iStock.com/Franck Boston

Zapfhahn verwechselt? Das andere Auto dabei und statt Benzin Diesel getankt? Falsch tanken ist schnell passiert. Damit dieser Fehler nicht zum teuren Desaster wird: Mit diesen Tipps können Sie das Schlimmste vermeiden. 

  • Bei Fehlbetankung: Nicht den Motor anlassen

  • E10 statt E5 meist unschädlich

  • ADAC fordert besseren Schutz vor Fehlern beim Tanken

Eine Fehlbetankung hat grundsätzlich ungute Folgen. Mindestens bleibt der Motor stehen und bei modernen Dieselfahrzeugen kann auch die empfindliche Einspritzanlage kostspieligen Schaden nehmen. Prinzipiell gilt: In dem Moment, in dem Sie Ihren Irrtum bemerken, sofort den Tankvorgang stoppen. Danach den Motor nicht mehr starten und auch die Zündung auslassen! Bei modernen Autos wird oft bereits beim Öffnen der Fahrzeugtür - spätestens beim Einschalten der Zündung - die  empfindliche Kraftstoffpumpe der Einspritzanlage aktiviert. Es sollte daher auf jeden Fall in der Betriebsanleitung nachgelesen werden, welche konkreten Schritte genau bei Ihrem Fahrzeug zu unternehmen sind.

Hier erfahren Sie, in welchem Fall der Tank leer gepumpt werden muss und wann ein Auffüllen des Tanks mit dem richtige Kraftstoff sowie eine umsichtige Fahrweise ausreichen kann. 

Benzin E10 statt Benzin E5 getankt?

Das ist unbedenklich, wenn Ihr Fahrzeug grundsätzlich für E10 freigegeben ist. Andernfalls kann bereits eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 zu ernsten Schäden führen. Im Falle einer Fehlbetankung mit E10 sollten Sie die Hinweise des Fahrzeugherstellers beachten.

Nach Einschätzung Der ADAC Experten kann es jedoch ausreichen, unverzüglich den Tank mit einer ethanolarmen Kraftstoffsorte (am besten Super Plus) aufzufüllen, um damit wieder ein möglichst unkritisches Ethanol-Mischungsverhältnis zu erreichen. Haben Sie den Tank hingegen randvoll mit E10 aufgefüllt, ist das Abpumpen des Kraftstoffes – je nach Vorgabe des Herstellers – erforderlich.

Benzin statt Diesel getankt?

Wenn Sie weder Motor noch Zündung gestartet haben, genügt unter Umständen das Abpumpen des Benzin-Diesel-Gemisches aus dem Tank. Ist der Motor jedoch schon gelaufen, kann ein Austausch des gesamten Einspritzsystems einschließlich Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und Tank erforderlich sein. Das kann mehrere tausend Euro kosten.

Die Reparatur ist zwingend erforderlich, wenn sich bereits Späne im Kraftstoffsystem gebildet haben. Denn selbst wenn der Motor noch läuft, haben die Teile der Hochdruck-Einspritzanlage bereits Schaden genommen, weil Benzin sofort den dringend benötigten Diesel-Schmierfilm abwischt. Dies zeigt sich danach oft durch einen Pumpen-Totalschaden. Weit verbreitet ist der Irrglaube, etwas Benzin im Diesel schade nicht, vor allem im Winter. Das gilt heute nicht mehr.

Handelt es sich hingegen um ein älteres Dieselfahrzeug (Wirbel- oder Vorkammer-Diesel, nicht Direkteinspritzer), so sind einige wenige Liter Benzin zusammen mit einer Diesel-Restmenge meist nicht schädlich.

Diesel statt Benzin getankt?

Auch bei kleinen getankten Mengen, lassen Sie bitte den Motor gar nicht erst an. Wenn Sie die Fehlbetankung erst während der Fahrt merken, halten Sie nach Möglichkeit sofort an und schalten den Motor aus. Finden Sie keine Hinweise in der Betriebsanleitung, setzten Sie sich mit der Werkstatt des Fahrzeugherstellers in Verbindung. Je nach Motor und Menge des falschen Kraftstoffs können Sie entweder vorsichtig weiter fahren (und immer wieder richtigen Sprit nachtanken) oder aber Sie müssen den Tank leer pumpen lassen. Schäden an Einspritzanlage und Abgas-Nachbehandlung sind nicht auszuschließen.

Normalbenzin statt Super oder Super plus getankt?

Meist können Sie auf ein Abpumpen verzichten, wenn Sie dem Motor keine hohe Leistung abverlangen. Das bedeutet auf Höchstgeschwindigkeit, Bergauffahrt und  Anhängelast erst einmal verzichten und Benzin der richtigen Güte nachtanken.

AdBlue in den Dieseltank gefüllt? 

Dass Dieselkraftstoff versehentlich in den AdBlue-Tank gefüllt wird, ist eher unwahrscheinlich: In den kleinen Einfüllstutzen (19,75 mm Durchmesser) passen die Kraft-Zapfrohre (Diesel 25 mm, Benzin 21 mm Durchmesser) oder die üblichen Rohre von Reservekanistern nicht. 

Das Einfüllen von AdBlue in den Dieseltank ist dagegen bei Fahrzeugen ohne Fehlbetankungsschutz leicht möglich: Etwa bei der Verwendung von handelsüblichen fünf bzw. zehn Liter Kanistern aus dem Bau- oder Supermarkt mit einfachem Einfüllrohr. Doch egal, ob AdBlue in den Dieseltank gefüllt wurde oder umgekehrt: Die Folgeschäden können ähnlich kostenintensiv ausfallen wie eine Fehlbetankung mit Benzin. 

Sollte AdBlue in den Tank gefüllt worden sein und die Zündung noch nicht eingeschaltet wurde, genügt üblicherweise eine intensive Reinigung des Tanks. Wird hingegen die Zündung eingeschaltet, kann AdBlue in das empfindliche Einspritzsystem gelangen. Da AdBlue sehr aggressiv auf Rohre und Schläuche wirkt, kann das zu teuren Schäden führen. Neben der Tankreinigung müssen dann Kraftstoffpumpen, Leitungen und Filter erneuert werden. Gleiches gilt dann für Einspritzdüsen oder Einspritzinjektoren. 

Je nach Hersteller und Modell sind die Empfehlungen nach einer Fehlbetankung allerdings etwas unterschiedlich. Lesen sie deshalb in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs nach oder kontaktieren im Ernstfall Ihre Werkstatt.

Diese Maßnahmen könnten das Risiko erheblich senken

  • Zapfpistolen und -säulen deutlich kennzeichnen 

  • Verschiedene Markenbezeichnungen für Benzin- und Diesel-Produkte einführen 

  • Klare Beschriftung des Tankdeckels und der Tankklappe

  • Technischer Schutz gegen Fehlbetankung

Leider schützen nur wenige Hersteller ihre Kunden vor einer Fehlbetankung durch einen Einfüllstutzen, der das Einführen einer falschen Zapfpistole verhindert. Wir haben mehrere hundert aktuelle Fahrzeugmodelle untersucht und bis auf einige Modelle von Audi, BMW, Ford, LandRover, Peugeot und VW konnten alle Dieselfahrzeuge mit Benzin betankt werden. Auch bei manchen Benzinern konnte man irrtümlich Diesel einfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass Mineralölgesellschaften ihre Kunden durch Fantasie-Sortenbezeichnungen wie Excellium, MaxxMotion, Supreme, Ultimate oder V-Power verwirren.

Im Ausland wird es für Sie als Autofahrer unter Umständen noch schwieriger, die richtige Kraftstoffsorte zu wählen. Dort steht beispielsweise an den Säulen für Dieselkraftstoff Nafta, Mazot oder Gazole. Die EU hat dieses Problem erkannt und eine Verordnung erlassen, nach der überall in Europa Benzin bis zu 5 % Ethanolgehalt als E5 bezeichnet, Diesel bis zu 7 % Fettsäuremethylester-FAME-Gehalt als B7 gekennzeichnet werden muss.

Besondere Vorsicht ist beim Tanken aus Ersatz-Kanistern geboten. Diese haben zumeist kleine Einfüllrüssel, die sowohl in Benzin- als auch Diesel-Tankstutzen passen. In einem solchen Fall sollte man sicher gehen, dass auch wirklich der richtige Treibstoff eingefüllt wird. Im Zweifelsfall lieber einen anderen Kanister benutzen und neu betanken.