AdBlue kaufen, tanken und nachfüllen: Tipps des ADAC

• Lesezeit: 6 Min.

Von Thomas Kroher

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Der AdBlue-Tank Ihres Diesels ist leer? Kein Problem: Der ADAC erklärt, was Sie beim Nachfüllen beachten müssen. Plus: AdBlue-Tankstellen, Preise – und mögliche Fehler.

  • Diesel brauchen AdBlue, um Stickoxide umzuwandeln

  • Nachfüllen je nach Modell alle 5000 bis 15.000 Kilometer

  • Die häufigsten Fehler beim Nachfüllen

Was ist AdBlue?

AdBlue ist eine flüssige Harnstofflösung und der vom Verband der Automobilindustrie (VDA) geschützte Handelsname für den Harnstoff AUS 32. Bei Dieselfahrzeugen dient sie dazu, mithilfe eines SCR-Systems Stickoxid-Emissionen (NOx) zu reduzieren. Dazu wird sie vor einem speziellen Katalysator eingespritzt. Dort reagiert sie mit den Schadstoffen und wandelt sie fast vollständig in Wasserdampf und ungefährlichen Stickstoff um.

Bei AdBlue handelt es sich um eine hochreine, wasserklare, synthetisch hergestellte 32,5-prozentige Harnstofflösung (chemische Formel: H₂N-CO-NH₂). Diese ist weder Gefahrenstoff noch Gefahrengut und in die niedrigste Wassergefährdungsklasse 1 eingestuft. Die hohe Reinheit und die gleichbleibende Qualität sind durch die Norm ISO 22241 garantiert.

Wann muss man AdBlue nachfüllen?

Eine saubere Sache. Doch wenn der AdBlue-Zusatztank leer ist, geht gar nichts mehr: Das Dieselfahrzeug lässt sich nicht mehr starten. Die Lösung muss also nachgefüllt werden – und das ist bei manchen Autos ganz schön knifflig.

Die AdBlue-Tanks aktueller Fahrzeuge mit SCR-System haben ein Fassungsvermögen zwischen 8 und 33 Liter. Weil der AdBlue-Verbrauch bei etwa 3 bis 5 Prozent des Kraftstoffverbrauchs liegt, wird ein Auffüllen des AdBlue-Tanks je nach Abstimmung des Abgassystems und den Einsatzbedingungen etwa alle 5000 bis 15.000 Kilometer notwendig.

Der tatsächliche Verbrauch von AdBlue ist von der Fahrweise abhängig und auch von Modell zu Modell verschieden. Im Idealfall ist die im Tank mitgeführte Menge bei Pkw-Modellen jedoch so dimensioniert, dass die regelmäßigen Inspektionsintervalle durch die Werkstatt ausreichen, um AdBlue wieder aufzufüllen. 

Üblicherweise verfügen diese Fahrzeuge über ein Füllstand-Kontrollsystem, das den Fahrer frühzeitig bei zu geringem AdBlue-Vorrat bzw. ab 2400 Kilometer Restreichweite zum Nachfüllen auffordert und die verbleibende Restreichweite anzeigt.

Wird entgegen den Warnhinweisen nicht rechtzeitig nachgefüllt, erlaubt die Motorsteuerung bei vollständig erschöpftem AdBlue-Vorrat keinen Neustart des Motors. Diese Maßnahme ist wegen der gesetzlichen Vorschriften zum Umweltschutz notwendig.

Wo kann man AdBlue kaufen?

Adblue wird in Tank gefüllt
Nachfüllen von AdBlue mit der sogenannten Kruse-Flasche© ADAC/Theo Klein

AdBlue wird in Baumärkten, Kfz-Zubehör-Läden, Tankstellen und Werkstätten angeboten, aber mitunter auch als Postenware bei Discountern. Es gibt verschiedene Gebindegrößen von einer halben Gallone (ca. 2 Liter) bis zu 10 Litern. Aus Umweltgründen (Einwegflaschen) sind diese jedoch kritisch zu sehen.

Manche Werkstätten bieten das AdBlue-Nachfüllen mit einem speziellen Betankungsgerät an, sodass kaum Plastikabfall entsteht. Allerdings ist der Preis eher höher, als wenn der Fahrer selbst aus einem Kanister nachtankt. Dafür gibt es unter anderem von Opel und Volkswagen Befüllschläuche mit Druckausgleich, sodass kein AdBlue danebengeht.

Gibt es auch AdBlue-Tankstellen?

Tatsächlich finden AdBlue-Zapfsäulen der Tankstelle für Pkw eine immer stärkere Verbreitung. Auf einer Internetseite von Clever Tanken gibt es für Dieselfahrer eine Suchfunktion für geeignete AdBlue-Zapfsäulen und Verkaufsstellen von Nachfüllgebinden in der Nähe.

Einige Automobilhersteller geben auch die Betankung an Lkw-AdBlue-Zapfsäulen frei. Hinweise dazu finden Sie in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Aufgrund der deutlich höheren Durchflussgeschwindigkeit an Lkw-AdBlue-Zapfsäulen sollte man hier aber sehr vorsichtig tanken. 

Was kostet AdBlue?

Die Preise sind sehr unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: Größere Gebinde und "lose Ware" in Werkstätten sind günstiger. Rechtzeitiges Auffüllen des Tanks oder ein kleiner Vorrat können sich daher auszahlen. Zur Orientierung: An den Zapfstellen der Tankstellen liegt der Preis bundesweit zwischen 1 und 2 Euro pro Liter.

Kann man AdBlue selbst nachfüllen?

AdBlue in Kanistern
Gibt's oft auch beim Discounter: AdBlue im Kanister© ADAC/Theo Klein

Manche Werkstätten offerieren das AdBlue-Nachfüllen mit einem speziellen Betankungsgerät. Sie können AdBlue allerdings mit ein wenig Geschick auch selbst nachfüllen. Wo sich der AdBlue-Tank in Ihrem Fahrzeug befindet, verrät die Bedienungsanleitung. Bei neueren Fahrzeugen befindet sich der Tankstutzen gut erreichbar neben dem Kraftstoffeinfüllstutzen, bei älteren kann er sich auch woanders, zum Beispiel im Kofferraum, befinden.

AdBlue nachfüllen können Sie etwa über die sogenannte Kruse-Flasche mit 1,89 Litern Inhalt. Aus Umweltgründen ist diese jedoch kritisch zu betrachten, wenn Sie etwa einen Tank mit bis zu 33 Litern über die Einwegflaschen auffüllen müssen. Mit 5- oder 10-Liter-Kanistern geht das Auffüllen entsprechend schneller.

Häufige Fehler beim Nachfüllen von AdBlue

Beim Nachfüllen von AdBlue kann es schnell zu teuren Fehlern kommen. Mit diesen Tipps vermeiden Sie die häufigsten Probleme:

1. AdBlue in den Dieseltank gefüllt

Ein klassischer, aber folgenschwerer Fehler: AdBlue gehört nicht in den Dieseltank! Die Flüssigkeit ist stark korrosiv und kann das gesamte Kraftstoffsystem beschädigen. Sollte das passieren, nicht starten – sondern sofort eine Werkstatt kontaktieren.

2. Verunreinigungen im AdBlue-Tank

AdBlue ist empfindlich gegen Schmutz, Staub und andere Fremdstoffe. Schon kleine Verunreinigungen können die Einspritzdüsen des SCR-Systems verstopfen. Verwenden Sie nur saubere, verschlossene Kanister und füllen Sie möglichst in einer windgeschützten Umgebung nach.

3. Überfüllung des AdBlue-Tanks

Ein zu voller Tank kann überlaufen – das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch schädlich für Lack und Umwelt. Füllen Sie langsam und vorsichtig nach. Viele Fahrzeuge zeigen im Bordcomputer an, wie viel Liter benötigt werden.

4. Warnhinweise ignorieren

Wenn die AdBlue-Warnleuchte aufleuchtet, bleibt oft nur eine begrenzte Restreichweite. Wird der Tank komplett leer, lässt sich das Fahrzeug nicht mehr starten. Reagieren Sie frühzeitig auf Warnmeldungen und planen Sie das Nachfüllen rechtzeitig ein – idealerweise vor längeren Fahrten.

Haltbarkeit: Kann AdBlue schlecht werden?

AdBlue hat ein Haltbarkeitsdatum! Unter guten Lagerbedingungen hält es 12 Monate und länger. Bei falscher Lagerung (z.B. über 30 Grad oder unter minus 11 Grad Celsius) verliert es seine Wirkung. Tipp: Lagern Sie AdBlue kühl, trocken und lichtgeschützt. Achten Sie auf das Herstellungsdatum auf dem Kanister. Überlagertes AdBlue sollte nicht mehr verwendet werden.

Ist AdBlue gefährlich?

AdBlue ist nicht giftig, kann aber auf Augen, Haut und Atemwege reizend wirken. Schutzkleidung ist beim Nachfüllen nicht notwendig. Bei Hautkontakt sollte die Flüssigkeit mit viel Wasser abgespült werden.

Der Harnstoff wirkt korrosiv auf Stahl, Eisen, Nickel und Buntmetalle. Auch Lacke und Kunststoffe können bei längerer Einwirkung von AdBlue geschädigt werden. Kontaminationen sollten daher unverzüglich mit viel Wasser abgespült werden.

Falsch betankt: Was kann man tun?

Adblue Einfüllstutzen
Eigentlich nicht zu verwechseln: Der AdBlue-Stutzen ist blau© ADAC/Theo Klein

Dass Dieselkraftstoff versehentlich in den AdBlue-Tank gefüllt wird, ist eher unwahrscheinlich. In den kleinen Einfüllstutzen (19,75 mm Durchmesser) passen die Kraft-Zapfrohre (Diesel 25 mm, Benzin 21 mm Durchmesser) oder die üblichen Rohre von Reservekanistern nicht.

Das Einfüllen von AdBlue in den Dieseltank ist dagegen bei Fahrzeugen ohne Fehlbetankungsschutz leicht möglich. Etwa bei der Verwendung von handelsüblichen 5- bzw. 10-Liter-Kanistern aus dem Bau- oder Supermarkt mit einfachem Einfüllrohr.

Egal ob AdBlue in den Dieseltank gefüllt wurde oder umgekehrt: Die Folgeschäden können ähnlich kostenintensiv ausfallen wie beispielsweise bei einer Fehlbetankung mit Benzin. 

Was tun, wenn es passiert ist? Solange die Zündung noch nicht eingeschaltet wurde, genügt üblicherweise eine intensive Reinigung des Tanks. 

Wird hingegen die Zündung eingeschaltet, kann AdBlue in das empfindliche Einspritzsystem gelangen. So können durch das korrosive AdBlue teure Schäden ausgelöst werden. Neben der Tankreinigung müssen in diesem Fall Kraftstoffpumpen, Leitungen und Filter erneuert werden. 

Wurde der Motor angelassen oder wurde dies versucht, sind grundsätzlich auch Einspritzdüsen oder Einspritzinjektoren zu erneuern. 

Je nach Hersteller und Modell sind die Empfehlungen nach einer Fehlbetankung allerdings etwas unterschiedlich. Lesen Sie deshalb in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs nach oder kontaktieren Sie im Ernstfall Ihre Werkstatt.