Sprit im Ausland: Benzinpreise in Europa weiter hoch

• Lesezeit: 8 Min.

Von Regina Ammel, Katharina Dümmer

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Viele Autos aus Deutschland an einer Tschechischen Tankstelle
Lange Warteschlangen in Tschechien: Hier war der Sprit trotz des Irankriegs zuletzt billiger als in Deutschland© imago images/Bernd März

Reisende, die jetzt mit dem Auto ins Ausland fahren oder auf dem Heimweg sind, können trotz der derzeit sehr hohen Kraftstoffpreise je nach Reiseland Geld sparen. Warum Tanken in anderen Ländern immer noch günstiger ist.

  • Immer mehr Länder deckeln Spritpreise

  • Tanktourismus nicht immer ratsam

  • Auch im Ausland regionale Unterschiede

Wer zu einer Autofahrt ins Ausland startet, tankt häufig hinter der Grenze billiger. Insbesondere wenn es in Richtung Osten oder Südosten geht, sind die Spritpreise fast immer deutlich niedriger als in Deutschland. Dies geht aus Daten der EU-Kommission hervor. Dieser Trend setzt sich derzeit auch trotz des Irankriegs fort. Allerdings sind die Unterschiede nicht mehr ganz so groß wie zu Beginn der Krise.

Auch im Ausland sind die Benzinpreise dynamisch

Reisende sollten beachten, dass die Kraftstoffpreisentwicklung dieser Tage sehr dynamisch ist. Es ist weiter keine Entspannung an den Tankstellen zu erkennen.

Laut der ADAC Preiserhebung von Sonntag, 12. April, kostet Diesel 2,293 Euro und Super E10 2,100 Euro je Liter. Auch in den anderen europäischen Ländern sind die Kraftstoffpreise weiterhin hoch. Einige Länder haben darauf mit Steuersenkungen oder Preisbremsen reagiert. Die Bundesregierung in Deutschland hat sich am Montag, 13. April, für Entlastungsmaßnahmen entschieden und die Senkung der Energiesteuer sowie eine Entlastungsprämie verkündet.

Es gibt – nicht nur wegen der aktuellen Maßnahmen – Länder, in denen man sein Fahrzeug günstiger als in Deutschland betanken kann. Dazu gehören grundsätzlich meist Luxemburg, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien.

In Luxemburg beispielsweise kostet derzeit (Stand 11. April) 1 Liter Super E10 1,721 Euro und 1 Liter Diesel
2,007 Euro.

Polen setzt Preisgrenze

Weil das Tanken auch in Polen teurer geworden ist, gibt es seitens der Regierung Entlastungen. Die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel wurde von 23 auf 8 Prozent gesenkt und das Energieministerium wird täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe festlegen. Die Regierung rechnet damit, dass die Preise für Benzin und Diesel um umgerechnet 28 Cent pro Liter sinken.

Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf sind nicht geplant. Allerdings will die polnische Regierung den Markt im Hinblick auf ein mögliches Auftreten von Tanktourismus beobachten. Sollte dieser zunehmen, sei die Einführung zusätzlicher Gegenmaßnahmen möglich, kündigte Ministerpräsident Donald Tusk an.

Slowenien: Günstig tanken mit Deckelung

Derzeit ist Sprit in Slowenien vergleichsweise günstig, da der Preis gedeckelt wird. Benzin kostet 1,653 Euro (an Autobahnen 1,846 Euro), Diesel 1,894 Euro (an Autobahnen 2,079 Euro) pro Liter. Die Regierung hat die Verordnung zur Begrenzung der maximal verkauften Kraftstoffmenge, die Ende März in Kraft getreten wäre, zurückgenommen.

Tschechien deckelt Spritpreise

Tschechien deckelt nun auch die Spritpreise an den Tankstellen. Das Finanzministerium in Prag veröffentlichte erstmals zulässige Höchstpreise, die ab Mittwoch, 8. April, gelten. Die Vorgaben sollen täglich aktualisiert werden. Die Regierung in Prag hatte beschlossen, die Margen der Mineralölunternehmen zu begrenzen und die Verbrauchsteuer auf Dieselkraftstoff zu verringern. Die Spritpreis-Deckelung dürfte sich nach Angaben von Beobachtern insbesondere in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen auswirken, wo in der Regel die höchsten Preise gezahlt werden.

Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise

Auch Kroatien hat abseits von Autobahnen und Schnellstraßen staatlich regulierte Höchstpreise, die üblicherweise unter den deutschen Durchschnittspreisen liegen. Die Preise an den Autobahnen sind höher und lagen am Dienstagmorgen, 7. April, für Super E10 bei etwa 1,71 Euro und für Diesel bei 2,01 Euro.

Spritpreisbremse in Österreich

Nach Informationen des ÖAMTC ist im März der Preis für Diesel um rund 70 Cent, für Benzin um 40 Cent pro Liter gestiegen, im Monatsdurchschnitt war Diesel um 46,3 Cent, Super um 28,2 Cent teurer als im Februar. In den letzten März-Tagen kostete der Liter Diesel im Schnitt knapp unter 2,25 Euro – ein neuer Höchstwert in Österreich. Damit liegen die aktuellen Dieselpreise nominell höher als zu Beginn des Ukrainekrieges (auch aufgrund der mittlerweile geltenden CO₂-Bepreisung).

Sollten die Preise weiter derart rasch steigen, könnte die zum 1. April in Kraft getretene Spritpreisbremse diese Entwicklung bestenfalls verlangsamen, so die Einschätzung der ÖAMTC-Experten. Mit der Spritpreisbremse sollen die Preise für Benzin und Diesel insgesamt um zehn Cent je Liter sinken.

Schon jetzt ist die Mineralölsteuer in Österreich niedriger als in Deutschland. Dadurch ist Sprit generell etwas günstiger. Im Gegensatz zu Deutschland sind Preiserhöhungen obendrein an Tankstellen zumindest bis Mitte April nur dreimal die Woche erlaubt. Ein Senken der Preise ist jederzeit möglich.

Italien senkt die Kraftstoffpreise per Dekret

Derzeit tankt man auch in Italien deutlich günstiger als bislang. Die italienische Regierung hat eine Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel beschlossen und umgesetzt. Damit werden die Kraftstoffpreise um 25 Cent pro Liter gesenkt. Mit dieser Maßnahme reagiert Italien auf die stark gestiegenen Preise an den Zapfsäulen. Die Regelung galt vorerst bis Mittwoch, 8. April und wurde zuletzt bis 1. Mai verlängert.

Frankreich: Temporäre Engpässe

In Frankreich gibt es offenbar temporäre Engpässe an Tankstellen. Laut Energieministerin Maud Bregeon fehlte am Dienstagmorgen, 7. April, an etwa jeder fünften Tankstelle im Land eine Kraftstoffsorte. Der Grund: Die vom französischen Ölkonzern TotalEnergies eingeführte Obergrenze für Benzin und Diesel liege unter den Preisen anderer Marken. Das habe an einigen Tankstellen zu Lieferengpässen geführt, sagte Bregeon in einem Interview. Ein generelles Versorgungsproblem gebe es aber nicht.

Spritpreise: Obergrenze in Ungarn

Auch Ungarn reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem Preisdeckel. Zudem gibt die Regierung staatliche Öl-Reserven frei.

Wichtig für Reisende: Laut der Deutschen Presse-Agentur gelten die maximalen Treibstoffpreise "nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen". Urlauber und Urlauberinnen profitieren demnach nicht von den gedeckelten Preisen und müssen teurer tanken.

Slowakei: Wer aus dem Ausland kommt, zahlt mehr

Der Tanktourismus in die Slowakei hat zu Engpässen an den Tankstellen geführt. Jetzt hat die slowakische Regierung darauf reagiert. Ab sofort gelten für Reisende aus dem Ausland höhere Spritpreise als für Inländer. Der Preis, den ausländische Autofahrer und Autofahrerinnen bezahlen müssen, setzt sich aus dem ermittelten Durchschnittspreis der Länder Österreich, Tschechien und Polen zusammen.

Darüber hinaus gilt eine Beschränkung des Kraftstoffverkaufs bis Mitte April. Diese sieht vor:

  • Verkauf von Treibstoff nur bis 400 Euro pro Fahrzeug

  • Mitnahme von mehr als 10 Litern in Kanistern verboten

  • Treibstoffverkäufe ins Ausland werden zusätzlich begrenzt. Inwieweit, steht noch nicht fest.

Gewinndeckelung in Griechenland

Die griechische Regierung vermutet Wucher hinter den drastisch gestiegenen Spritpreisen und hat deshalb eine Gewinndeckelung verfügt. Raffinerien dürfen ab sofort höchstens 5 Cent pro Liter Kraftstoff Gewinn machen. Tankstellen haben eine Gewinnspanne von 12 Cent.

Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen. Die Verordnung gilt bis zum 30. Juni 2026. Auch in Griechenland sind seit Beginn des Irankriegs die Preise drastisch gestiegen.

Neu: Wer in Griechenland Anspruch hat, kann jetzt bis zu 60 Euro Zuschuss für Spritkosten beantragen. Die Regelung gilt im April und Mai – abhängig von Einkommen und Wohnort, aber nicht für ausländische Reisende.

Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist

Selbst wenn der Literpreis aufgrund des Irankriegs in vielen Ländern Europas deutlich steigt, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern deutlich geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.

Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.

Teurer als in Deutschland war der Diesel meistens in der Schweiz. Aktuell liegt der Preis im landesweiten Durchschnitt bei 2,43 Euro. Die Niederlande und Dänemark haben sehr oft höhere Kraftstoffpreise als Deutschland. Dort lohnt sich der Tankstopp meist nicht.

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Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam

Viele Autofahrer und Autofahrerinnen überlegen, ins benachbarte Ausland zum Tanken zu fahren. In Tschechien führte dies bereits zu langen Warteschlangen an den Zapfsäulen. In der Slowakei wurde der Kraftstoff knapp.

Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien lösten in der Vergangenheit eine Art Tanktourismus aus. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.

Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.

Auch im Ausland regionale Unterschiede

Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.

Mit Material von dpa.