"Anlieger frei“ – wer darf durch?

Wer kein Anlieger ist und dennoch einfährt, dessen Schleichweg kann teuer werden ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC/David Klein/Shutterstock

Fast jeder hat das Zusatzzeichen "Anlieger frei" in Verbindung mit einem Durchfahrtsverbot-Schild schon gesehen. Die Zufahrt ist hier nur Anliegern erlaubt.

  • Ob "Anlieger frei" oder "Anwohner frei" – es gelten dieselben Regelungen

  • Wer die Straße als Schleichweg nutzt, dem droht ein Verwarnungsgeld

  • Wer parkt, ohne Anlieger zu sein, riskiert ein Verwarnungsgeld ab 55 Euro

Wer ist Anlieger?

Das Zusatzzeichen "Anlieger frei" wird häufig in Verbindung mit dem Schild "Durchfahrt verboten" angebracht © adobe stock/Petair

Eine gesetzliche Definition des Begriffs "Anlieger" existiert nicht. Die Rechtsprechung hat jedoch die Bedeutung nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und der Verkehrssitte ermittelt: Anlieger ist, wer ein an der Straße anliegendes Grundstück bewohnt oder zu einer Erledigung aufsuchen muss. Es genügt irgendeine Beziehung zum Anliegergrundstück.

Auch Besucher können Anlieger sein

Auch Personen, die jemanden im Anliegerbereich besuchen wollen, dürfen einfahren. Dabei spielt es keine Rolle, ob derjenige, den man besuchen möchte, zu Hause ist. Es genügt die Absicht, ihn besuchen zu wollen. Selbst unerwünschte Besucher (zum Beispiel ein Gerichtsvollzieher) sind zum Einfahren berechtigt.

Das Zusatzschild "Anlieger frei" erlaubt außerdem nicht nur Anliegern die Durchfahrt. Sondern auch, wie es im Juristendeutsch heißt, Personen, deren "Anliegereigenschaft" auf einer rechtlichen Beziehung zu den Grundstücken basiert – das können zum Beispiel Eigentümer oder Pächter des Schrebergartens sein.

Ein Bauunternehmer oder ein Handwerker, der vom Anlieger beauftragt worden ist, auf dessen Grundstück zu arbeiten, darf ebenfalls in die Sperrzone einfahren.

Auch Fahrradstraßen können freigegeben werden

Auch in Fahrradstraßen kann das Zusatzzeichen "Anlieger frei" angeordnet werden © imago images/Bernd Friedel

Das Schild "Anlieger frei" unter dem Verkehrszeichen "Fahrradstraße" erlaubt es auch Fahrern von Kraftfahrzeugen, die Fahrradstraße zu befahren. Voraussetzung ist aber wiederum, dass sie ein Anliegen haben, weil sie zum Beispiel jemanden in der Fahrradstraße besuchen wollen. Radfahrende brauchen kein Anliegen. Für sie ergibt sich die Nutzungsberechtigung schon aus der Anordnung der Fahrradstraße.

Das Abholen einer Person im Anliegerbereich zählt als Anliegen

Sie dürfen auch dann eine nur für den Anliegerverkehr freigegebene Straße befahren, wenn Sie dort lediglich jemanden abholen, der in einem dort befindlichen Geschäft eingekauft hat. Sie werden in diesem Fall so beurteilt, als wenn Sie selbst dort Einkäufe beabsichtigen oder tätigen. Das gleiche gilt, wenn Sie eine Person von einem Bahnhof abholen, der im Anliegerbereich liegt.

Vorsicht bei unbebauten Grundstücken

Bei unbebauten Grundstücken, beispielsweise Waldgebiete in freier Natur oder Seen, dürfen Sie die für den Anliegerverkehr freigegebene Zufahrt nur dann befahren, wenn ein Anlieger Ihnen oder der Allgemeinheit ausdrücklich oder stillschweigend die Erlaubnis erteilt hat, sein Grundstück in seiner Abwesenheit zu betreten oder zu benutzen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn an einem See ein Hinweisschild "Baden auf eigene Gefahr erlaubt" angebracht ist.

Teurer Schleichweg: Bußgelder und Strafen

Wer die Anliegerstraße zum Beispiel mit dem Auto unberechtigt befährt, muss mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 50 Euro rechnen, mit dem Fahrrad können 25 Euro verhängt werden. Wer das Fahrzeug parkt, ohne Anlieger zu sein, riskiert ein Verwarnungsgeld ab 55 Euro.

Bastian Metzger
Bastian Metzger
Fach-Autor
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?