Schimmel entfernen: Anleitung, Hausmittel und Profi-Tipps
Von Christoph Henn , André Gieße

Schimmel in der Wohnung oder im Haus kann gesundheitliche Folgen für Sie haben und die Substanz des Gebäudes angreifen. Das können Sie dagegen tun und ihn dauerhaft loswerden.
Wie Sie verschiedene Schimmelarten zu Hause erkennen
Wie Sie Schimmel an der Wand entfernen − mit effektiven Hausmitteln
Wer bei Schimmelbefall haftet und in der Regel bezahlen muss
Schimmel ist gefährlich für die Gesundheit
Schwarze Pünktchen oder Flecken rund um Fensterrahmen und an Wänden: Schimmel sollten Sie schon bei ersten Anzeigen durch eine gründliche Reinigung der betroffenen Flächen entfernen. Denn er ist eine Gefahr für Ihre Gesundheit – vor allem im Schlafzimmer oder in Wohnräumen.
Schimmelpilze können allergische Reaktionen (laufende Nase, Augenreizung, Niesen) auslösen. Wer in einer schimmligen Wohnung lebt, hat nach Angaben des Umweltbundesamtes auch ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen und -infektionen (Asthma, Husten, Bronchitis).
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Schimmel zu Hause effektiv beseitigen.
Schimmel in der Wohnung und im Haus erkennen
Wie entsteht Schimmel?

Schimmel in Wohnungen und Häusern entsteht vor allem durch zu hohe Feuchtigkeit an Wänden oder in der Luft, oft verursacht durch falsches Lüften und Heizen oder bauliche Mängel.
Wenn Feuchtigkeit auf einen Nährstoff wie Tapeten, Holz oder Staub trifft und über einen längeren Zeitraum nicht abtrocknet, können darauf die Schimmelpilze wachsen. Feuchte Luft kondensiert häufig an kalten Außenwänden oder an schlecht belüfteten und wenig beheizten Stellen hinter Möbeln.
Wie schnell bildet sich Schimmel?
Schimmel kann sich bei optimalen Bedingungen (hohe Feuchtigkeit über 70 Prozent und Wärme) bereits innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf Wänden bilden. Erste Anzeichen sind oft schon nach wenigen Tagen sichtbar, während sich hartnäckige Schäden meist über Wochen oder Monate durch dauerhaft feuchte Bedingungen entwickeln.
Wie sieht Schimmel aus?
Wenn Schimmelpilze wachsen, ergeben ihre Sporen farbige Flecken. Sie sind oft braun oder schwarz und finden sich an Wänden und Decken, in Ecken und Nischen oder an Möbeln. Neben dem bekannten schwarzen Schimmel kann weißer, gelber, roter und grüner Schimmel auftreten.
Schwarzer, weißer oder gelber Schimmel?
Es gibt unterschiedliche Arten von Schimmel, die sich in ihrer Farbe unterscheiden:
Schwarzer Schimmel wächst bevorzugt an feuchten, schlecht belüfteten Orten mit organischer Substanz, häufig in Bad, Keller oder an kalten Außenwänden.
Weißer Schimmel bleibt zunächst oft unbemerkt, weil er erst nach einiger Zeit die Farbe ändert und sichtbar wird, vor allem in Ecken.
Gelber Schimmel wiederum ist in Wohnräumen eher ockerfarben oder braun und tritt oft in Polstermöbeln, Baumwollstoffen und feuchten Ecken auf.
Roter Schimmel wächst nur auf Zellulose, also besonders auf Papiertapeten.
Grüner Schimmel entsteht häufig auf Lebensmitteln, er kann sich aber auch auf Decken und Wänden ausbreiten.
Kann Schimmel an der Wand von selbst verschwinden?
Nein. Wer Schimmel in den eigenen vier Wänden entdeckt, muss handeln. Wenn Sie zur Miete wohnen, sind Sie verpflichtet, den Vermieter zu informieren. Außerdem ist es wichtig, die Ursachen zu beseitigen, damit das Problem sich nicht ausbreitet. Das gilt beispielsweise, wenn ein Wasserleck vorliegt.
Schimmel an der Wand – was tun?
Ergreifen Sie folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn Sie Schimmelflecken entdeckt haben:
Um die eigene Gesundheit zu schützen, sollten Sie die betroffenen Räume gut lüften.
Kontrollieren Sie alle Räume im Haus oder in der Wohnung gründlich nach möglichen Schimmelherden und -flecken, insbesondere an Außenwänden und hinter Möbeln.
Größere Stellen können Sie mit einer Folie und Klebeband abkleben, damit sich die Sporen dort nicht weiter ausbreiten.
Nach der Inspektion Ihres Zuhauses und der Eingrenzung des Schimmels geht es ans Entfernen.
Welches Hausmittel hilft gegen Schimmel?
Alle Oberflächen und Materialien, auf denen Schimmelpilz wächst, sollten Sie mit Hausmitteln wie Haushaltsreinigern und Brennspiritus abwischen. Der hohe Alkoholgehalt der Hausmittel tötet die Schimmelpilze ab.
Bei schimmeligen Stellen von bis zu einem halben Quadratmeter funktioniert das meist problemlos. Tragen Sie dabei Handschuhe, FFP2-Maske und Schutzbrille.
Anti-Schimmel-Sprays sind nicht zu empfehlen. Sie enthalten oft Chlor und andere Wirkstoffe, die gesundheitsschädlich sein können. Auch häufig empfohlene Essiglösungen eignen sich nicht zur Schimmelbekämpfung, da ihre organischen Nährstoffe das Pilzwachstum sogar noch fördern können.
Vorsicht: Wer allergisch auf Schimmelpilze reagiert, an chronischen Atemwegserkrankungen leidet oder ein geschwächtes Immunsystem hat, sollte die Finger von Anti-Schimmel-Sprays lassen.
Schimmel an Wand, auf Möbeln und Textilen entfernen
Wie genau Sie bei der Schimmelbekämpfung vorgehen und welche Mittel sich eignen, hängt davon ab, welche Oberflächen und Materialien befallen sind. Diese Maßnahmen (pdf) empfiehlt das Umweltbundesamt.
Glatte Flächen (Fliesen, Keramik, Glas, Metall, Fugen)
Mit Wasser und normalem Haushaltsreiniger feucht abwischen/abwaschen (nicht trocken abbürsten). Bei Bedarf anschließend 70 bis 80 Prozent Ethylalkohol (Ethanol) mit Tuch aufwischen (nicht sprühen). Silikonfugen mit Schimmelbefall austauschen.
Poröse Flächen (Tapeten, Putz, poröses Mauerwerk, Gipskarton)
Poröse Materialien sind schwer bis gar nicht von Schimmel zu reinigen, weil der Befall in die Tiefe gehen kann – häufig ist Ausbau und Entfernung (zum Beispiel Gipskarton, leichte Trennwände) die bessere Lösung. Dasselbe gilt für Tapeten. Verputzte oder gemalerte Wände können Sie mit einem alkoholischen Reiniger oder Brennspiritus in kleinen Mengen behandeln.
Holz und Holzmöbel
Befallene Möbelstücke mit geschlossener Oberfläche (Stühle, Schränke) feucht abwischen, trocknen und gegebenenfalls mit Ethylalkohol (70 bis 80 Prozent) desinfizieren. Aktiv von Schimmel befallenes Holz ist aufgrund eines Feuchteschadens ist hingegen schwer zu sanieren und lässt sich meist nur entsorgen. Manchmal kann oberflächliches Abschleifen helfen.
Polster und Polstermöbel
Stark befallene Polstermöbel (Sofa/Sessel) sind meist nicht sinnvoll zu reinigen und sollten im Normalfall entsorgt werden. Wenn Polstermöbel zwar nicht selbst befallen sind, aber in einem Bereich mit Schimmel stehen, sollten Sie sie mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter reinigen.
Textilien (Teppiche, Vorhänge, Kleidung)
Decken, Vorhänge oder Kleidungsstücke mit Schimmelbefall sollten Sie vorsichtig abnehmen und sie chemisch oder in der Waschmaschine reinigen. Wenn Schimmelflecken oder Gerüche dabei nicht verschwinden, bleibt nur noch, die Textilien zu entsorgen.
Hinweise des Umweltbundesamtes
Keine Essiglösungen zur Schimmelbekämpfung auf Baustoffen – sie sind häufig unwirksam und können durch neue Nährstoffe das Pilzwachstum sogar fördern.
Bei Einsatz von Alkohol: nur kleine Mengen, gut lüften, nicht rauchen, kein offenes Feuer; zudem Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille benutzen (Brand-/Explosionsgefahr).
Von chemischen Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden) rät das Umweltbundesamt ab, weil sie in Innenräumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohner gefährden können.
Wann braucht es professionelle Hilfe gegen Schimmel?

Sobald Flächen ab einem halben Quadratmeter von Schimmel befallen sind, müssen sich Fachbetriebe für Schimmelsanierung um das Problem kümmern. Sie kennen die damit verbundenen Gefahren und Schutzmaßnahmen.
Die professionelle Schimmelentfernung kostet im Durchschnitt etwa 120 bis 160 Euro pro Quadratmeter. Kleine Befälle kosten oft einige Hundert Euro, während großflächige Sanierungen mit Putzentfernung mehrere Tausend Euro erreichen können. Die Gesamtkosten hängen stark vom Ausmaß, der Ursache und den erforderlichen Folgemaßnahmen ab.
Mitminderung wegen Schimmel in der Wohnung?
Schimmel in der Wohnung ist meistens ein Mietmangel, der je nach Ursache eine Mietminderung rechtfertigen kann. Das gilt in jedem Fall, wenn die Ursache in einer lückenhaften Wärmedämmung oder anderen Mängeln in der Bausubstanz liegt.
Dann ist der Vermieter auch dafür verantwortlich, den Schimmel zu beseitigen. Ist der Schimmel jedoch durch falsches Lüften oder Heizen des Mieters selbst verursacht, besteht kein Minderungsrecht.
Die Höhe der Mietminderung richtet sich nach der Nutzungsbeeinträchtigung. Es gibt unterschiedlichste Gerichtsurteile dazu mit Quoten von 5 bis 100 Prozent. Die Schuld zweifelsfrei nachzuweisen ist für Betroffene allerdings oft schwierig.
Betroffene können sich etwa beim Deutschen Mieterbund rechtlich beraten lassen. Außerdem empfiehlt es sich, Schimmelschäden mit Fotos zu dokumentieren und die Schritte zu protokollieren, die Mieter und Vermieter unternommen oder unterlassen haben. Unter Umständen müssen Mieter Sachverständige oder Gutachter bezahlen, um Vermieter zum Nachbessern zu bewegen.
Schimmel dauerhaft entfernen und vorbeugen
Auch gründliche Schimmelbeseitigung hilft wenig, wenn die Ursachen weiter bestehen. Sie müssen also herausfinden, woher das Problem kommt. Gründe sind oft zu hohe Luftfeuchtigkeit, Kälte oder große Temperaturunterschiede zwischen den Räumen.
Richtig lüften und heizen gegen Schimmel
Lüften Sie Räume, in denen viel Feuchtigkeit entsteht, insbesondere Küche und Bad, aber auch das Schlafzimmer, mehrmals täglich für mehrere Minuten. Besonders wichtig ist das nach dem Kochen, Duschen und Baden und morgens im Schlafzimmer.
Vermeiden Sie zu hohe Temperatur-Unterschiede zwischen den Wohnräumen und dauerhaft niedrige Temperaturen unter 15 Grad. Thermostate und Heizkörper sollten nicht von Vorhängen oder großflächig von Möbeln verdeckt sein. Außerdem können Sie durch smartes Heizen dafür sorgen, dass die Räume ausreichend warm bleiben.
Stellen Sie Möbel mit ausreichend Abstand (5 bis 10 Zentimeter) zu Außenwänden auf, sodass Luft auch hier ausreichend zirkuliert und sich keine Feuchtigkeit anstauen kann.
Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?
Achten Sie darauf, dass die relative Luftfeuchtigkeit im Raum nicht dauerhaft über 60 Prozent liegt, da das Schimmel verursachen kann. Ideal sind konstante Temperaturen von 20 bis 22 Grad und 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit.
Ein Hygrometer zum Messen der Luftfeuchtigkeit, elektrische oder analoge Luftentfeuchter und regelmäßiges Querlüften zwischen den Räumen helfen. Sie sollten vermeiden, Wäsche in Wohnräumen zum Trocknen aufzuhängen.
FAQ: Häufige Fragen zum Thema Schimmel entfernen
Kleine, oberflächliche Stellen von schwarzem Schimmel können Sie mit Alkohol oder Brennspiritus (70–80 Prozent) und einem Mikrofasertuch entfernen. Tragen Sie dabei Handschuhe, FFP2‑Maske und Schutzbrille und vermeiden Sie es, Schimmelsporen durch trockenes Wischen aufzuwirbeln. Bei größeren Flächen oder gesundheitlichen Problemen sollte immer ein Fachbetrieb die Schimmelentfernung übernehmen.
Reinigen Sie die befallene Wandfläche gründlich und beseitigen Sie die Ursache für die Feuchtigkeit. Glatte Oberflächen lassen sich mit Wasser und Reinigungsmittel abwischen, poröse Wände mit Alkohol behandeln. Tapeten mit Schimmelflecken müssen entfernt und erneuert werden.
Schimmelsprays aus Drogerien oder Baumärkten wirken oft nur oberflächlich und enthalten häufig Chlor oder andere chemische Stoffe, die die Atemwege reizen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Schimmel mit geeigneten Hausmitteln wie Alkohol zu entfernen.