Fahrradtrends: Wie sieht die Pedelec-Zukunft aus?

• Lesezeit: 6 Min.

Von Redaktion

Feedback

Eine Frau fährt auf einem Hepha Urban x Pedelec
Ist das die Pedelec-Zukunft? Das Konzept-Bike Urban X des Herstellers Hepha wurde als Studie erstmals vorgestellt© Hepha/Martin Erd

Auch im Fahrradjahr 2027 wird es ganz bestimmt nicht langweilig: Pedelecs und E-Bikes werden immer alltagstauglicher und schlauer, Hersteller feilen weiter an der Software. Die wichtigsten Trends im Überblick.

  • Neuer Bosch-Motor für 80 Kilometer Reichweite

  • Größere Reifen als Trend zu beobachten

  • Eines für alle: Unisex-Räder im Kommen

1. Neuer Bosch-Motor

In Kombination mit dem Gates-Riemen ist die Zweigangschaltung von Utgear
Leicht und kräftig: Der Hecknabenmotor namens Hub Line liefert ein Drehmoment von 45 Nm© ADAC/Rudolf Huber

Bosch, der Antriebs-Marktführer aus Deutschland, engagiert sich jetzt in einem Geschäftsfeld, das er bisher anderen Herstellern überlassen hatte. Mit dem Hub Line bringen die Schwaben einen nagelneuen Nabenmotor fürs Hinterrad auf den Markt. Der etwa 2 Kilo schwere Antrieb liefert die EU-konformen 250 Watt Dauerleistung und in der Spitze bis zu 400 Watt. Das Drehmoment gibt Bosch mit maximal 45 Nm an – das ist in dieser Sparte ein üblicher Wert.

Angesteuert werden die Modi über eine neue Remote links am Lenker, neu ist auch das schwarz-weiß ausgeführte Display. Und natürlich ist der Motor ins komplette Betriebssystem von Bosch eingebunden – inklusive Software-Updates per Flow App.

Exakt auf den Einsatzzweck des neuen Antriebs vorwiegend in der Stadt ist auch der nur knapp über 2 Kilo schwere neue Akku mit 360 Wh abgestimmt. Er soll für rund 80 Kilometer Reichweite reichen. Wer zwischendurch mehr braucht, kann den schon bekannten Range Extender mit 250 Watt dazupacken. Oder gleich die 550-Wh-Batterie ordern.

Gleich nach der ersten Vorstellung haben zahlreiche Hersteller den Einsatz des Hub-Line-Antriebs angekündigt. Die Preise werden sich wohl deutlich unter denen für Räder mit Bosch-Mittelmotoren einpendeln. Marktexperten gehen von um die 2000 Euro aus.

2. Zwei Gänge reichen

Der Hecknabenmotor namens Hub Line liefert 45 Newtonmeter
Neuzugang: In Kombination mit dem Gates-Riemen ist die Zweigangschaltung von Utgear nahezu wartungsfrei© ADAC/Rudolf Huber

Die nächste Neuheit passt wie maßgeschneidert zum neuen Bosch-Antrieb fürs Hinterrad. Denn neben den lässt sich sehr einfach eine runde Box mit einer neuen Zweigangschaltung von Universal Transmissions (UT) schrauben. Bei der Entwicklung hatten die Schaltungs-Spezialisten mit Bosch und den Antriebsriemen-Profis von Gates kooperiert. Herausgekommen ist eine strapazierfähige Lösung für alle, die mit einem Ein-Gang-Fahrrad (Singlespeed) nicht klarkommen, weil sie auch mal kräftigere Steigungen bewältigen müssen, die aber auch nicht die volle 7- bis 30-Gänge-Auswahl benötigen.

Damit ist die neue Utgear-H2-Schaltung eine alltagstaugliche Neuheit. Das damit ausgestattete City-Pedelec startet aus dem Stand im ersten Gang gut durch und ermöglicht bei höherem Tempo im zweiten Gang eine angenehme Trittfrequenz. Geschaltet wird mit den üblichen Hebeln (Trigger Shifter) rechts am Lenker.

3. Klappbare Fahrradanhänger

Der neue Lykke Kid von Croozer lässt sich auf 40 Zentimeter zusammenschieben
Der neue Fahrradanhänger Lykke Kid von Croozer lässt sich auf 40 Zentimeter zusammenklappen © Croozer.de

Fahrradanhänger zur Mitnahme von Kindern sind eine praktische Sache. Und doch machen sie häufig Probleme. Wo soll man sie bloß abstellen, wenn sie nicht gebraucht werden? Enge Flure in Mietshäusern sind dafür jedenfalls nicht geeignet. Und der Stress mit den Mitbewohnern ist vorprogrammiert. Muss nicht sein, sagte man sich bei Croozer und entwickelte den Fahrradanhänger Kid Lykke.

Durch einen ausgeklügelten Faltmechanismus ähnlich dem von Rollstühlen oder Rollatoren lässt sich der geräumige Zweisitzer mit wenigen Handgriffen auf eine Breite von nur 40 Zentimeter zusammenklappen. Auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike bekam der Fahrradanhänger Kid Lykke von Croozer dafür den Gold Award 2026.

4. Inklusion per Software

Das neue HP Velotech M410 HD mobilisiert Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen
Das neue HP Velotech M410 HD mobilisiert Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen© hpvelotechnik.com

Mit einem begehrten Eurobike-Award kann sich auch ein Produkt von HP Velotech schmücken. Denn dessen aktuelle Version des Pedelec-Dreirads Delta tx ermöglicht Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen nicht nur grundsätzlich das Radfahren. Es macht es sogar extrem einfach. Beim Zustieg und beim Fahren hilft der höhenverstellbare Obenlenker mit Kardangelenk.

Die Software des neuen Bafang-Motors namens M410 HD trägt ebenfalls ihren Teil bei. Denn damit lässt sich der Antrieb von natürlich anmutender Drehmoment- auf Rotationssteuerung umstellen. Die treibt das Delta tx schon bei leichtem Mittreten voran, wenn der Mensch im Sattel dazu zeitweise oder dauerhaft nicht in der Lage ist. Die Antriebskraft wird dabei per Daumenhebel abgerufen. Billig ist das Gefährt nicht – der Einstiegspreis liegt bei knapp 7700 Euro.

5. Reifen werden immer größer

32-Zöller machen bisher nur auf Bio-Bikes Eindruck – 2027 sind die ersten E-MTBs dran
Ganz schön groß: 32-Zöller machen bisher nur auf Bio-Bikes Eindruck – 2027 sind die ersten E-MTBs dran© Tobias Stahl

Groß, größer, 32 Zoll: Der Trend zu immer umfangreicheren Laufrädern ist offenbar nicht aufzuhalten. Und er sorgt für kontroverse Diskussionen. Sind die bisher am weitesten verbreiteten 29-Zoll-Fahrräder nicht wirklich ausreichend auch für sportliche und sehr sportliche Pedelecs? Müssen es wirklich noch mal 3 Zoll mehr sein?

Fans der Großreifen führen ins Feld, dass diese Hindernisse besser überrollen und mehr Grip in Kurven bieten. Zudem ist die Traktion beim Bremsen besser. Und: Die Maxi-Reifen sehen ziemlich cool aus. Allerdings wiegen sie etwas mehr als die kleineren Reifengrößen und sind etwas träger beim Beschleunigen – aber diese Unterschiede dürften tatsächlich nur echte Profis spüren. Aktuell spielen die 32-Zöller noch eine Nebenrolle im Bio-Bike-Bereich. Doch Experten rechnen für die Saison 2027 mit ihrem Durchbruch auch bei den E-MTBs.

6. Mehr Technik und Komfort beim Lastenrad

as CSX250 Vario von Ca Go bietet drei verschiedene Transportbereiche
Vielfältig: Das CSX250 Vario von Ca Go bietet drei verschiedene Transportbereiche © Ca go/Jakab Rokob

Lastenräder sind zwar in erster Linie nützlich und praktisch. Aber sie können durchaus auch Spaß machen und eine Menge Technik und Komfort bieten. Wer nicht die Versionen mit großem Kinder- und Kofferraum vorne präferiert, kann wie beim CSX250 Vario von Ca Go auch Konstruktionen mit drei Transportbereichen wählen. Gepäckträger vorne und hinten und ein Verstaufach für Getränkekisten direkt unter dem Lenker samt Transporttasche machen Lastenräder noch flexibler.

Dazu kommen eine Vollfederung, der kräftige Bosch-Cargo-Antrieb mit 120 Nm und eine elektronische 3x3-Nabenschaltung. Der Spaß mit dem CSX250 Vario ist allerdings nicht gerade billig – beim Spitzenmodell müssen Interessenten mit deutlich über 8000 Euro rechnen.

7. Vielseitige Kompakt-Pedelecs

Kompaktbikes wie das i:sy Skyfly E5 ZR liefern Pedelec-Spaß im Kleinformat
Angesagt: Kompaktbikes wie das i:sy Skyfly E5 ZR liefern Pedelec-Spaß im Kleinformat© isy.de

Der Trend ist nicht zu stoppen: Speziell in Städten machen sich die Kompakt-Pedelecs breit, denn die bringen Eigenschaften mit sich, die hier besonders hilfreich sind. Wie etwa das neue Skyfly E5 ZR F PX von I:sy. Das kann sich nämlich bei Bedarf richtig schlank machen – dank Faltpedalen und eindrehbarem Lenker ist es gerade mal 30 Zentimeter breit.

Dicke Ballonreifen erhöhen den Fahrkomfort, der Performance-Line-PX-Antrieb von Bosch schiebt mit bis zu 90 Nm an, der Akku mit 545 Wh sorgt für eine gute Reichweite. Die Besonderheit: Rahmen und Gabel des Skyfly sind aus leichtem Carbon. Das reduziert das Gesamtgewicht des vielseitigen E-Flitzers auf etwas unter 20 Kilo, treibt aber den Preis auf knapp 5800 Euro.

8. Unisex auf dem Vormarsch

Gerade bei Citybikes macht sich der Wegfall des Oberrohrs positiv bemerkbar
Tiefeinsteiger: Gerade bei Citybikes macht sich der Wegfall des Oberrohrs positiv bemerkbar © Pressedienst Fahrrad/Florian Schuh

Damenrad oder Herrenrad? Diese Frage stellt sich für immer mehr Radfahrende oft gar nicht mehr. Unisex-Modelle bzw. Tiefeinsteiger sind auf dem Vormarsch. Gerade bei City-Pedelecs bringt der Verzicht aufs hohe Oberrohr spürbar mehr Komfort bei jedem Auf- und Absteigen. Wer dann sein Rad wie etwa beim neuen G1 Upstreet 7.10 von Flyer noch mit einem Touren-Paket mit gefederter Sattelstütze und kräftig profilierten Reifen ordert, hat einen fahrbaren Untersatz für alle Einsatz-Szenarien. Das Spektrum reicht von Einkaufsfahrten übers Pendeln bis zum ausgedehnten Wochenend-Ausflug auch mal auf Schotterstraßen.

Für den eingebauten Rückenwind sorgen der nur 2,9 Kilo schwere Panasonic GX Ultimate Pro Fit mit 95 Nm Drehmoment und ein 630- oder 750-Wh-Akku. Preislich liegt das G1 bei mindestens rund 5400 Euro.

9. Pedelec-Zukunft

Eine Frau fährt auf einem Hepha Urban x Pedelec
Das neue Urban X von Hepha soll erst 2028 auf den Markt kommen© Hepha/Martin Erd

Als "radikal und revolutionär" bezeichnet der deutsche Pedelec-Hersteller Hepha sein Konzept-Bike namens Urban X. Die auf der Eurobike 2026 erstmals enthüllte Studie bricht nicht nur beim Design mit bisherigen Zweirädern, sondern auch beim Antrieb. Das Bike aus Bayern benötigt laut Hersteller keine Schaltung, keine Unterstützungsmodi und kein klassisches Bremsen.

Gesteuert wird die Fortbewegung einzig durchs Treten. Die Verzögerung erfolgt elektrisch, dabei rekuperiert der Motor Energie. Hepha verspricht ultraschnelles Laden, das Ladegerät ist fest eingebaut. 2028 soll der Marktstart erfolgen. Beim Preis peilt der Hersteller einen Einstieg unter 4000 Euro an.

Text: Rudolf Huber

Lesen Sie auch: Alles zu Fahrrad, E-Bikes und Pedelecs. Tests und Neuheiten