Auto richtig abschleppen: So geht's

6.8.2018

Wenn das Auto unterwegs nicht mehr anspringt, bleibt oft nur noch das Abschleppen. Aber auch dafür gibt es bestimmte Regeln. Ob Automatik, Schaltung oder Elektroantrieb: Mit unseren Tipps schleppen Sie sicher ab.

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Beim Abschleppen des Autos müssen Sie einiges beachten.

Grundsätzlich ist es nur erlaubt ein Auto abzuschleppen, wenn das Fahrzeug vor Ort nicht mehr repariert werden kann – wie zum Beispiel bei Defekten in der Elektronik oder auch beim Auslaufen von Kühlflüssigkeit. Spritmangel hingegen rechtfertigt kein Abschleppen.

Behindert ein Fahrzeug den Straßenverkehr oder steht auf der Autobahn, muss zunächst die Gefahrenstelle gesichert werdenKommt ein defektes Auto an den Haken, müssen Sie immer daran denken, den Schlüssel im Zündschloss auf der ersten Stufe stecken zu lassen. Denn sonst kann das Lenkradschloss einrasten. Bei einem Fahrzeug mit Startknopf müssen Sie den Knopf länger drücken, ohne dabei des Bremspedal zu treten.

Das Abschleppseil bzw. die Abschleppstange muss für das Gewicht des Pannenautos ausgelegt sein. Zudem sollte das abzuschleppende Fahrzeug nicht wesentlich größer und schwerer als das Zugfahrzeug sein. Wichtig: Schauen Sie vorab in das Handbuch des abzuschleppenden Fahrzeugs.

Abschleppseil oder Abschleppstange?

Generell ist es einfacher, ein Auto mit einer starren Stange abzuschleppen. Denn die Abschleppstange sorgt stets für einen konstanten Abstand zwischen beiden Fahrzeugen und verhindert, dass der Hintermann versehentlich auffährt. Das kann schneller passieren, als man denkt. Denn bei einem Pannenfahrzeug ist die Bremswirkung deutlich verringert, da bei ausgeschaltetem Motor der Bremskraftverstärker zur Unterstützung fehlt. Dennoch sollten Sie im mit Abschleppstange geschleppten Fahrzeug mitbremsen. Beachten Sie außerdem: Das Auto lässt sich während des Abschleppens schwerer lenken Einziger Nachteil der Abschleppstangen: Sie sind schwerer und meist teurer als ein Seil.

Ob mit Seil oder Stange, generell müssen stets vorher die Abschlepphaken an beiden Autos befestigt und die Haken fest eingedreht werden. Denn neuere Automodelle haben Abschleppösen, die in die Karosserie eingeschraubt werden und nicht angeschweißt sind.

Wer mit Seil abschleppt,  muss das Seil am jeweiligen Abschlepphaken der beiden Fahrzeuge befestigen und zwischen die Autos hängen. Sie dürfen dabei nur Seile verwenden, die zum Abschleppen gekennzeichnet und nicht länger als 5 Meter sind.

Ohne Warnblinker kein Abschleppen

Beide Fahrzeuge müssen beim Abschleppen die Warnblinkanlage und bei Dunkelheit die Beleuchtung einschalten. Bei einem defektem Auto gilt immer: Zündschlüssel auf die erste Stellung drehen, Gang raus und Handbremse lösen. Sofern bei Automatikfahrzeugen die Elektronik noch intakt ist, die Schaltung immer auf „N“ stellen und in jedem Fall langsam anfahren. Bei Autos ohne Zündschloss und mit Startknopf muss meistens ohne Treten der Bremse der Startknopf für ein paar Sekunden gedrückt werden, damit das Lenkradschloss und die Automatik entriegelt werden können.

Weil der Warnblinker während des Abschleppens bei beiden Autos ohne Unterbrechung eingeschaltet bleiben muss, müssen Richtungsänderungen per Handzeichen angezeigt werden. Beim Linksabbiegen ist das einfach. Beim Rechtsabbiegen sollte der Fahrer am besten mit der Hand aus dem linken Seitenfenster heraus über das Autodach nach rechts deuten!

Streikt nach einem Totalausfall der Fahrzeugelektrik der Warnblinker, dürfen Sie das Auto nicht abschleppen. In dem Fall muss das Auto professionell verladen werden.

Nicht über 50 km/h fahren

Eine Höchstgeschwindigkeit gibt es nicht. Es empfiehlt sich aber, langsam zu fahren, denn bei Motorausfall arbeiten Lenk-und Bremshilfe sowie die Getriebekühlung nicht. Bei niedrigem Tempo bleibt dem Fahrer des Pannenautos trotzdem genügend Zeit, um zu reagieren. Wir empfehlen, 50 km/h nicht zu überschreiten.

Abschleppen auf der Autobahn

Auf der Autobahn ist Abschleppen nur dann erlaubt, wenn die Panne auch dort passiert ist. Die Autobahn ist dann sofort an der nächsten Ausfahrt zu verlassen. Wer weiterfährt und kontrolliert wird, zahlt 20 Euro Bußgeld. Auch wer mit einem defekten Auto im Schlepptau auf die Autobahn auffährt, muss mit 20 Euro Geldbuße rechnen.

Automatik macht oft Probleme

Ob und wie weit sich ein Auto abschleppen lässt, hängt vom Getriebe ab. Automatikmodelle sind oftmals empfindlich. Deshalb können Sie ein Automatikfahrzeug auch nur in Stufe N für wenige Kilometer gefahrlos abschleppen, sonst könnte eine starke Wärmeentwicklung erhebliche Schäden verursachen. Einige Automatikmodelle besitzen aber eine Funktion, mit der sich die Verbindung zwischen Antriebsachse und Getriebe entriegeln lässt (siehe Handbuch).

Elektroautos nicht abschleppen

Elektroautos müssen in der Regel verladen und können nicht gefahrlos abgeschleppt werden, denn meist wird über eine Achse noch Energie im Elektromotor erzeugt. Fließt die Energie im e-Motor ohne aktivierte Elektronik, kann es zu hohen Induktionsspannungen kommen, die die Steuerungselektronik schädigen.

Zu guter Letzt: Wer ein Auto abschleppt, sollte es immer auf dem kürzesten Weg zur nächstgelegen Werkstatt bringen.

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