Auto überbrücken: So geben Sie richtig Starthilfe – Schritt für Schritt

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Von Redaktion

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Fast jedes Auto kann Starthilfe geben – nur einige Hybrid- und Elektroautos sind dazu nicht geeignet. Doch welches ist die richtige Reihenfolge beim Überbrücken: Plus- oder Minuspol zuerst? Schwarzes oder rotes Kabel? Eine Starthilfe-Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Anleitung: Auto überbrücken in elf Schritten

  1. Warndreieck aufstellen und Warnweste anziehen

  2. Rotes Kabel anschließen

  3. Schwarzes Kabel anschließen

  4. Motor des Spenderautos starten

  5. Pannenauto starten

  6. Beide Autos laufen lassen

  7. Verbraucher beim Pannenauto anschalten

  8. Kabel entfernen

  9. Verbraucher wieder ausschalten

  10. Vorsichtig weiterfahren

  11. Batterie laden

1. Warndreieck aufstellen und Warnweste anziehen

Steht das liegen gebliebene Fahrzeug an einer befahrenen Straße oder an einer unübersichtlichen Stelle? Dann sichern Sie den Platz mit dem Warndreieck ab und ziehen Sie eine Warnweste an, während Sie an den Fahrzeugen arbeiten.

2. Rotes Kabel anschließen

Verbinden Sie zunächst das rote Kabel mit dem Pluspol des Pannenautos. Danach klemmen Sie das andere Ende an den Pluspol der Batterie des Spenderautos.

Plus- und Minuspol nicht verwechseln

Achtung, dieser Fehler kann kostspielig werden: Wer bei der Starthilfe Plus- und Minuspol verwechselt, riskiert teure Schäden an der Fahrzeugelektrik. Die entsprechenden Zeichen sind im Umfeld der Pole in den Kunststoff eingegossen, vereinzelt auch direkt in die Pole eingeschlagen. Ist die Kennzeichnung nur schwer zu finden oder sind Sie sich mit der Polarität im Spender- oder Empfängerfahrzeug nicht sicher, nicht einfach ausprobieren. Lieber einen Fachmann rufen! Auch ein Blick in die Bedienungsanleitung hilft meist weiter.

3. Schwarzes Kabel anschließen

Das schwarze Kabel verbinden Sie nun mit dem Minuspol der Batterie des Spenderautos bzw. mit dem vorgegebenen Massepunkt. Das andere Ende kommt an den vorgegebenen Masseanschluss/Massepunkt des Pannenautos (siehe Betriebsanleitung) oder eine freie metallische Stelle am Motorblock. Das schwarze Kabel beim Pannenauto nicht an dessen Batterie anschließen – sonst droht Funkenflug!

4. Motor des Spenderautos starten

5. Pannenauto starten

Nach einigen Minuten versuchen Sie, das Pannenauto kurz zu starten. Falls es nicht klappt, nach einer Minute erneut probieren. Vorsicht: Nach mehreren erfolglosen Startversuchen kann es zu Schäden kommen. Spätestens nach dem dritten erfolglosen Versuch besser professionelle Hilfe holen.

6. Beide Autos laufen lassen

Ist das Pannenauto angesprungen, beide Fahrzeuge noch einige Minuten laufen lassen. Falls es nicht geklappt hat, bei beiden Autos Zündung ausschalten und fachkundige Hilfe rufen.

7. Verbraucher beim Pannenauto anschalten

Wenn der Motor läuft, im Empfängerauto größere Verbraucher wie Gebläse, Lüftung und Licht einschalten, um Spannungsspitzen zu vermeiden und so die Bordelektronik zu schützen.

8. Kabel entfernen

Nun zuerst das schwarze Kabel vom Pannenauto, dann vom Spenderauto trennen. Danach das rote Kabel entfernen.

9. Verbraucher wieder ausschalten

Lassen Sie den Motor des Pannenautos laufen. Schalten Sie die nicht benötigten Verbraucher nun wieder aus.

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10. Vorsichtig weiterfahren

Achten Sie auf Fehlermeldungen des Fahrzeugs. Bei Fehlfunktionen anhalten und fachkundige Hilfe rufen. Achtung: Bei Problemen kann die elektrische Unterstützung von Fahrfunktionen wie etwa die Servolenkung ausfallen.

11. Batterie laden

Laden Sie die Batterie mit einem geeigneten Ladegerät an einer Haushaltssteckdose. Dafür genügen oft auch kleine Ladegeräte, die über Nacht angeschlossen werden können. Wenn Sie die Batterie nicht extern anschließen können, fahren Sie längere Zeit auf möglichst freien Strecken, um die Autobatterie wieder aufzuladen.

Sollte das Problem erneut auftreten, kann es sein, dass Ihre Batterie kaputt oder einfach zu alt ist. Die Gelben Engel der ADAC Straßenwacht helfen schnell und unkompliziert. Die geschulten Spezialisten leisten Fehlersuche, geben Starthilfe oder tauschen auf Wunsch des Mitglieds die Batterie an Ort und Stelle gegebenenfalls durch eine neue aus, falls die alte nicht mehr zu retten ist.

Starthilfe für Elektroautos

Auch E-Fahrzeuge sind mit einer klassischen 12-Volt-Starterbatterie ausgestattet, um das Hochvoltsystem zu aktivieren. Leere oder defekte Starterbatterien sind deshalb auch bei dieser Fahrzeugkategorie möglich. Die Starthilfe funktioniert im Grunde genommen genauso wie bei jedem Benziner oder Diesel.

Starthilfe zu empfangen ist bei Elektroautos meist erlaubt, Starthilfe geben hingegen meistens vom Hersteller aus nicht. Vorsicht ist deshalb geboten, und die Betriebsanleitung ist immer ausschlaggebend.

Elektrofahrzeuge sind üblicherweise mit kleineren Starterbatterien ausgestattet. Deswegen könnte es bei einem Strom spendenden Elektroauto im schlimmsten Fall zu Schäden an der Spenderbatterie oder den elektrischen Bordnetzen kommen.

Besonderheiten bei Diesel- und Start-Stopp-Fahrzeugen

Bei Fahrzeugen mit Dieselmotor sind aufgrund der höheren Startströme besonders leistungsfähige Starthilfekabel erforderlich. Entscheidend sind hier vor allem eine ausreichende Kabeldicke sowie qualitativ hochwertige Polklemmen. Zudem sollte die Spenderbatterie möglichst gut geladen und idealerweise ausreichend dimensioniert sein.

Bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-System ist zu beachten, dass die Minusleitung nicht direkt am Batteriepol angeschlossen werden darf. Stattdessen ist immer ein dafür vorgesehener Massepunkt im Motorraum zu verwenden, da ansonsten der Batteriesensor beschädigt werden kann.

Das richtige Starthilfekabel erkennen

Zu schwache Überbrückungskabel taugen nichts. Zu dünne oder billige Kabel können auch Ursache für misslungene Starthilfe sein.

Ein gutes Starthilfekabel

  • entspricht DIN 72.553 oder ISO 6722

  • ist auch bei Kälte flexibel

  • ist mindestens 2 Meter lang

  • besitzt vollisolierte Polklemmen (nur die Kontaktflächen aus Metall)

  • hat einen Kabelquerschnitt von mindestens 25 Millimeter

Warum eine Autobatterie leer wird

Die häufigste Ursache für eine entladene Autobatterie sind altersbedingte Verschleißerscheinungen. Mit zunehmender Nutzungsdauer verliert die Batterie an Leistungsfähigkeit und versagt häufig bei niedrigen Temperaturen – typischerweise an den ersten kalten Tagen im Winter.

Ein weiterer häufiger Grund sind lange Standzeiten sowie überwiegender Kurzstreckenbetrieb, bei dem die Batterie nicht ausreichend nachgeladen wird.

Tipps zur Vorbeugung

Wichtig ist daher, frühzeitig auf Warnsignale zu achten. Wirkt der Startvorgang träge oder bricht die Bordspannung (z.B. die Beleuchtung) beim Starten deutlich ein, sollte die Batterie in einer Fachwerkstatt überprüft und bei Bedarf nachgeladen oder ersetzt werden.

Auf die Betriebsanleitung achten

Werfen Sie zuerst einen Blick in die Betriebsanleitungen beider Autos, sie geben Hinweise zu den speziellen Anforderungen für das jeweilige Fahrzeug. Halten Sie die dort beschriebene Reihenfolge unbedingt ein, im Extremfall könnten die Batterie oder ein Steuergerät zerstört und die Helfer durch austretende Batteriesäure gefährdet werden.

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