Unfall mit Kindern – wer haftet?

Zwei Mädchen laufen beim Spiel mit einem Ball über eine Straße
Bei spielenden Kindern müssen Autofahrer besonders vorsichtig und aufmerksam sein ∙ © dpa/Felix Vogel

Wer haftet bei einem Unfall mit Kindern? Wichtig ist das Alter des Kindes und wo sich der Unfall ereignet. Das sollten Sie wissen.

  • Bis zum vollendeten siebten Lebensjahr haften Kinder nicht

  • Aber Aufsichtspflichtige wie Eltern können haften

  • Ab dem zehnten Lebensjahr richtet sich die Haftung nach der Einsichtsfähigkeit

Kinder sind erfahrungsgemäß frühestens ab dem zehnten Lebensjahr in der Lage, die Gefahren des fließenden Verkehrs zu erkennen und sich auch entsprechend zu verhalten. Daher können sie bis zu dieser Altersgrenze in der Regel nicht für Schäden im fließenden Verkehr verantwortlich gemacht werden. Im ruhenden Verkehr, wenn etwa ein Kind mit seinem Rad ein parkendes Auto anfährt, gilt eine Altersgrenze von sieben Jahren. Ob die Haftung einer aufsichtspflichtigen Person in Frage kommt, hängt vom Einzelfall ab.

Welche Rolle spielt das Alter von Kindern?

Unter sieben Jahren haften Kinder nicht. Zwischen dem siebten und dem zehnten Lebensjahr haften Kinder bei Unfällen oder Schäden im fließenden Verkehr mit einem Kraftfahrzeug nur, wenn das Kind vorsätzlich gehandelt hat: wenn das Kind weiß, was es tut.

Im ruhenden Verkehr haften Kinder bei Unfällen bereits ab dem siebten Lebensjahr. Ab dem zehnten Lebensjahr richtet sich die Haftung des Kindes nach dessen Einsichtsfähigkeit.

Was bedeutet Aufsichtspflichtverletzung?

Sind Kinder unter zehn Jahren unterwegs und kommt es zu einem Unfall im fließenden Verkehr, kann eine Haftung der aufsichtspflichtigen Person eintreten. Das können die Eltern, aber auch Lehrer auf einem Schulausflug sein.

Der Umfang der Aufsichtspflicht richtet sich individuell nach Lebensalter, Entwicklungsstand, nach dem bisherigen Verhalten des Kindes und nach der jeweiligen Situation. Jeder Einzelfall ist gesondert zu betrachten und zu bewerten.

Grundsätzlich kommen Aufsichtspflichtverletzungen nicht in Betracht, wenn Kinder auf eingeübten Wegen, zum Beispiel zur Schule, unterwegs sind und diese mit den Verkehrsregeln geübt wurden.

Urteil: achtjähriges Kind bei einem Unfall mit Fußgänger

Urteil: achtjähriges Kind bei einem Fahrradunfall am Zebrastreifen

Was gilt vor Schulen oder Kindergärten?

Die Anforderungen an Autofahrer gegenüber Kindern im Straßenverkehr sind sehr hoch: Vor Kindergärten und Schulen müssen sie besonders vorsichtig und unter Umständen mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Mehrere Kinder mit Schulranzen überqueren eine Straße in München auf dem Weg zur Schule
Kinder auf dem Weg zur Schule ∙ © ADAC/Stefanie Aumiller

Denn gerade Kinder zwischen sieben und zehn Jahren können unvorsichtig und unvorhersehbar handeln. Ab zehn Jahren können sie Verkehrssituationen aber einschätzen und haften bei einem Unfall mit.

Befindet sich vor der Schule eine Schulbushaltestelle, muss der Schulbus Schrittgeschwindigkeit fahren. Drängeln Kinder stark und steigt somit die Unfallgefahr an der Haltestelle, können Kinder ab sieben Jahren bei einem Unfall mithaften.

Informationen zu "Sicherer Schulweg zu Fuß: So machen Sie Ihr Kind fit dafür"

Informationen zu "Sichtbarkeit von Kindern im Straßenverkehr"

Was ist bei spielenden Kindern zu beachten?

Spielende Kinder sind oft in ihr Spiel vertieft und achten nicht auf den Straßenverkehr. Daher sollten Autofahrer hier besonders vorsichtig sein. Wenn also ein Fußball auf die Straße rollt, kommt das Kind oft hinterher.

Spielen größere Kinder auf einem Gehweg, muss der Autofahrer aber nicht unbedingt damit rechnen, dass diese überraschend auf die Fahrbahn laufen.

Tipp der ADAC Clubjuristen

Gerade bei Personenschäden empfiehlt es sich, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Dieser kann die betroffene Familie umfassend beraten und prüft die aktuelle Rechtsprechung und Rechtslage im jeweiligen Einzelfall.

Martin Wehrl
Fach-Autor
Kontakt
Jutta Wittlief
Fach-Autorin
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?