E-Scooter-Unfälle: Kleine Räder, schwere Folgen
Von Tanja Echter
Immer mehr Menschen verunglücken mit E-Scootern. Der ADAC hat untersucht, wie typische Unfälle entstehen, welche Verletzungen dabei häufig auftreten und welche Faktoren das Risiko zusätzlich erhöhen.
Schwere Folgen durch riskantes Verhalten und fehlenden Schutz
Die wichtigsten Verkehrsregeln für E-Scooter im Überblick
Tipps für mehr Sicherheit auf dem E-Scooter
E-Scooter gehören inzwischen zum Stadtbild vieler europäischer Städte. Zugleich steigt die Zahl teils schwerer Unfälle. Der ADAC hat typische Unfallursachen und Verletzungsmuster anhand amtlicher Unfalldaten aus den Jahren 2021 bis 2025 in Deutschland untersucht und Unfallchirurgen zu den gesundheitlichen Folgen sowie zu Möglichkeiten der Prävention befragt.
E-Scooter-Unfälle nehmen deutlich zu
Mit der wachsenden Nutzung steigt auch die Zahl der Stürze und Kollisionen mit E-Scootern. Laut Statistischem Bundesamt wurden für das Jahr 2025 in Deutschland 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert. Das sind rund 38 Prozent mehr als im Vorjahr. 14.936 Verunglückte fuhren selbst, 822 weitere standen verbotenerweise als Mitfahrer auf der Trittfläche.
Der Großteil der E-Scooter-Fahrenden kam mit leichten Verletzungen davon, 1639 wurden schwer verletzt. 38 Menschen starben im vergangenen Jahr bei Unfällen mit E-Scooter-Beteiligung, darunter drei Fußgänger, ein Radfahrer und ein Pkw-Insasse. Und knapp die Hälfte der 33 getöteten E-Scooter-Fahrer starb bei einem Alleinunfall, also ohne einen weiteren Unfallbeteiligten.
Seit 2021 hat sich die Zahl der verunglückten E-Scooter-Nutzenden nahezu verdreifacht, die der Schwerverletzten mehr als verdoppelt. "Während insgesamt die Statistiken einen Rückgang an Schwerverletzten im Straßenverkehr zeigen, stellt uns Unfallchirurgen die Mobilitätswende vor neue Verletzungsmuster und Herausforderungen", sagt Prof. Dr. David Latz, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitglied im ADAC Ärztekollegium.
Junge Erwachsene besonders betroffen
Die Unfallzahlen nehmen über alle Altersgruppen hinweg zu. Schwere Verletzungen betreffen immer mehr Menschen mittleren und höheren Alters. Junge Menschen sind jedoch besonders oft in E-Scooter-Unfälle verwickelt – die Gruppe, die solche Fortbewegungsmittel wohl auch am häufigsten nutzt. 2025 waren 53,6 Prozent der verunglückten Fahrerinnen und Fahrer jünger als 25 Jahre.
Bei den 6- bis 18-Jährigen stieg die Zahl der Unfallopfer gegenüber 2024 um rund 75 Prozent. Insgesamt erlitten 2200 Kinder unter 15 Jahren einen Unfall mit dem E-Scooter, sowohl als Fahrer oder verbotenerweise als Mitfahrer. 211 wurden schwer verletzt, vier starben.
Pkw häufigster Unfallgegner
Bei den meisten E-Scooter-Unfällen mit Personenschaden kam es 2025 zu einem Zusammenstoß, am häufigsten mit einem Pkw. Mehr als die Hälfte der verunglückten Fahrer kam durch solch eine Situation zu Schaden. Knapp jeder dritte Unfall ereignete sich ohne weitere Beteiligte.
Bei Unfällen mit mehreren Verkehrsteilnehmern wurde den E-Scooter-Fahrern in rund 51 Prozent der Fälle die Hauptschuld zugeschrieben. Besonders hoch war dieser Anteil bei Kollisionen mit Fußgängern (89 Prozent) und Radfahrern (74 Prozent).
E-Scooter-Unfälle vor allem nachts in Städten
Auch bei Ort und Zeitpunkt zeichnet sich ein klares Muster ab: Die meisten E-Scooter-Unfälle ereignen sich innerorts, abends oder nachts sowie in der wärmeren Jahreszeit. Mit der steigenden Alltagsnutzung verteilen sie sich jedoch immer stärker über das gesamte Jahr.
Eine Auswertung schwerer E-Scooter-Unfälle aus dem TraumaRegister DGU zeigt außerdem: Von den untersuchten schweren E-Scooter-Unfällen ereigneten sich 54 Prozent zwischen 18 und 6 Uhr; rund die Hälfte fiel auf ein Wochenende.
Was macht das Fahren mit E-Scootern riskant?

Meist kommen bei E-Scooter-Unfällen mehrere Faktoren zusammen. Häufig nutzen Fahrer nicht die vorgesehenen Verkehrswege, stehen unter Alkoholeinfluss oder passen ihre Geschwindigkeit nicht an. Kleine Räder und das aufrechte Stehen auf der schmalen Trittfläche machen die E-Scooter zudem anfällig für Bordsteine, Schlaglöcher und abrupte Lenkbewegungen. Hohes Tempo verlängert den Bremsweg und erhöht bei einem Sturz die Gefahr schwerer Verletzungen.
"Viele Nutzer unterschätzen sowohl die erreichbaren Geschwindigkeiten als auch die erheblichen Kräfte, die bei einem Sturz entstehen", erklärt Unfallchirurg Latz. "Besonders problematisch ist die Kombination aus fehlendem Helm, Alkoholkonsum und Fahren in der Dämmerung oder nachts."
Ungeübte schätzen Bremswege und Kurven oft falsch ein. Wer einhändig fährt, zum Beispiel für eine nicht erlaubte Smartphone-Nutzung, kann schnell aus der Balance kommen. Unerlaubte Mitfahrer und Transportgüter machen E-Scooter ebenfalls schwerer kontrollierbar. Fahrten mit Kindern sind besonders riskant, weil diese Brems- und Fahrmanöver kaum ausgleichen können und bei einem plötzlichen Stopp mit dem Kopf gegen die Lenkstange prallen oder stürzen können.
Kopf und Gesicht sind gefährdet
Medizinische Studien zeigen, dass bei E-Scooter-Unfällen vor allem Kopf und Gesicht sowie Arme und Beine verletzt werden. "Im klinischen Alltag reicht das Spektrum von Bagatellverletzungen bis zu schweren Polytraumen", berichtet Experte David Latz. "Häufig haben die Unfallverletzten keinen Helm getragen."

Hindernisse wie Bordsteine oder Unebenheiten auf der Fahrbahn können das Vorderrad eines E-Scooters abrupt abbremsen und einen Fahrer dabei nach vorn schleudern. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu Schädel-Hirn-Traumata sowie gravierenden Verletzungen des Gesichts und des Brustkorbs. "Daneben sehen wir regelmäßig Knochenbrüche der oberen Extremitäten, insbesondere an Handgelenk, Unterarm, Schlüsselbein oder Schulter", so Latz. "Diese entstehen häufig beim Versuch, den Sturz mit den Armen abzufangen."
Alkohol beeinflusst Reaktion und Sturzverlauf
Während nüchterne Fahrer einen Sturz häufig noch mit den Armen abfangen können, treffen alkoholisierte Personen öfter ungebremst mit Kopf, Gesicht oder Brustkorb auf. Denn Alkohol verlangsamt die Reaktion, beeinträchtigt Aufmerksamkeit und Gleichgewicht. Zudem fördert er die Selbstüberschätzung, was zu riskanten Fahrmanövern führen kann.
Unfallchirurg David Latz kennt das aus dem klinischen Alltag: "Insbesondere nach nächtlichen Unfällen unter Alkoholeinfluss sehen wir immer wieder lebensbedrohliche Kopfverletzungen, die eine sofortige unfallchirurgische und intensivmedizinische Versorgung erforderlich machen."
Obwohl die absolute Zahl alkoholisierter Beteiligter bei E-Scooter-Unfällen von 1080 im Jahr 2021 auf 1692 im Jahr 2025 gestiegen ist, ist ihr Anteil an allen Beteiligten bei Unfällen mit E-Scootern und Personenschaden von 18,4 Prozent im Jahr 2021 auf 10,1 Prozent im Jahr 2025 zurückgegangen. Dennoch spielt Alkohol weiterhin eine auffällige Rolle, besonders bei Fahrern zwischen 25 und 55 Jahren: Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich 101 von 1000 unfallbeteiligten E-Scooter-Fahrern alkoholisiert. Das sind etwa doppelt so viele wie bei Radfahrern und fünfmal so viele bei Pkw-Fahrern.
Welche Alkohol-Grenzwerte gelten?
Für Personen unter 21 Jahren und in der Probezeit gilt für Fahrten mit dem E-Scooter ein absolutes Alkoholverbot. Bereits ab 0,5 Promille drohen Bußgelder und Punkte, ab 1,1 Promille ein Strafverfahren. Bei Ausfallerscheinungen kann auch bei niedrigeren Promillewerten eine Straftat vorliegen. Alkoholfahrten auf dem E-Scooter können außerdem zu Fahrverboten, Führerscheinentzug oder zu einer MPU führen. Wer noch keinen Führerschein besitzt, riskiert Schwierigkeiten beim späteren Erwerb.
Was ist auf dem E-Scooter erlaubt?
E-Scooter dürfen erst ab einem Alter von 14 Jahren gefahren werden, benötigen eine Versicherungsplakette und sind auf eine Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h begrenzt. Sie gelten rechtlich als Kraftfahrzeuge, die Alkoholgrenzen sind deshalb strenger als beim Fahrrad.
Die Novelle der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) bringt schrittweise neue Regeln für E-Scooter. Diese sollen die Verkehrssicherheit verbessern und treten nach einer Übergangsfrist bis März 2027 in Kraft.
| bisher | neu | |
|---|---|---|
Radweg/Radfahrstreifen | Benutzungspflicht | Benutzungspflicht nur bei entsprechender Beschilderung durch blaues Radwegschild |
Fahrbahn | Nutzung nur, wenn kein Radweg vorhanden | Ja, wenn keine Benutzungspflicht eines Radwegs |
Gehweg/Fußgängerzone | verboten; Ausnahme bei Zusatzzeichen "Elektrokleinstfahrzeuge frei" (Schrittgeschwindigkeit, Vorrang für Fußgänger) | verboten; Ausnahme bei Zusatzzeichen "Radverkehr frei" (Schrittgeschwindigkeit, Vorrang für Fußgänger) |
Einbahnstraße entgegen Fahrtrichtung und Bussonderfahrstreifen | nur mit Zusatzzeichen "Elektrokleinstfahrzeuge frei" | nur mit Zusatzzeichen "Radverkehr frei" |
Fahrradstraße | zulässige Verkehrsfläche | zulässig, entsprechend Regelungen für Radverkehr |
So fahren Sie auf Nummer sicher
Halten Sie Abstand und bleiben Sie bremsbereit.
Fahren Sie auf Radwegen, Radfahrstreifen oder der Fahrbahn. Gehwege dürfen nicht befahren werden, wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist.
Steigen Sie allein auf – E-Scooter sind nur für eine Person zugelassen.
Lassen Sie den E-Scooter stehen, wenn Sie Alkohol getrunken haben.
Ein Helm kann das Risiko schwerer Kopfverletzungen senken.
Üben Sie vor der ersten Fahrt. Machen Sie sich mit dem Bremsweg und dem Kurvenverhalten von E-Scootern vertraut. Nutzen Sie Fahrtrainings, um sich auf typische Gefahren vorzubereiten. Entsprechende Angebote für Jugendliche und Erwachsene gibt es bereits bei mehreren ADAC Regionalclubs.
Fazit und Empfehlungen des ADAC

Wer E-Scooter nutzt, kann selbst viel zur eigenen Sicherheit beitragen. Der ADAC empfiehlt, sich mit den besonderen Fahreigenschaften und Risiken der Fahrzeuge vertraut zu machen, Verkehrsregeln konsequent einzuhalten und stets aufmerksam zu fahren. Besonders wichtig sind eine angepasste Geschwindigkeit, vorausschauendes Verhalten sowie der Verzicht auf Alkohol, Drogen und Ablenkung während der Fahrt. Trainingsangebote können dabei helfen, Fahrkompetenz und Gefahrenbewusstsein zu stärken und kritische Situationen besser einzuschätzen.
Darüber hinaus fordert der ADAC den Ausbau einer sicheren Radinfrastruktur ebenso wie technisch gut ausgestattete Fahrzeuge – mit leistungsfähigen Bremsen, guter Beleuchtung und hoher Fahrstabilität. So lassen sich viele Unfälle vermeiden und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden erhöhen.
Digitale Alterskontrollen bei Leihangeboten sowie kurze Wissens- und Reaktionstests könnten helfen, E-Scooter-Nutzer für Regeln und Risiken zu sensibilisieren. Zeitweise Einschränkungen des Leihangebots rund um Volksfeste und Großveranstaltungen können sinnvoll sein, um Fahrten unter Alkoholeinfluss zu minimieren.
Kommunen sollten geeignete Abstellflächen schaffen und E-Scooter stärker in ihre Mobilitätskonzepte einbinden. Geofencing, also die digitale Begrenzung bestimmter Nutzungs- und Abstellbereiche, kann zusätzlich Konflikte in Fußgängerzonen und an Haltestellen reduzieren.
Fachliche Beratung: Jasmin Sieber, ADAC Technik Zentrum
