Test Toyota Supra: Die Sportwagen-Legende lebt

Heißer Feger: Der Toyota Supra weckt Emotionen ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC

Mit dem Toyota Supra haben die Japaner einen echten Sportwagen im Angebot: Mit extravagantem Design und kraftvollem BMW-Sechszylinder. Wie schlägt er sich im ADAC Test? Daten, Technik, Preise

  • Sportlicher Hinterradantrieb mit 340 PS und 500 Nm

  • Die Technik des Toyota Supra kommt vom BMW Z4 

  • Preise: ab 62.900 Euro. Konkurrenz: Renault Alpine, Nissan 370 Z 

Satte 17 Jahre mussten die Supra-Fan-Clubs auf der ganzen Welt warten, bis Toyota endlich wieder einen Nachfolger des 2002 eingestellten Sportwagens präsentierte. In der Zwischenzeit boten die Japaner immerhin den GT86 als Sportersatz, dessen Produktion aber im Frühjahr 2020 eingestellt wurde und der in Kürze in Gestalt des GR86 wiederbelebt werden soll. Doch so richtig warm war die eingeschworene Fangemeinde mit dem flachen Coupé nie geworden. Ob's daran lag, dass sich der GT86 mit dem Subaru BRZ Plattform und Motoren teilte?

Auch beim Supra vertraut Toyota auf einen Partner. Doch in diesem Fall ist es BMW – ein Deal, den noch der damalige BMW-Entwicklungsvorstand und heutige VW-Chef Herbert Diess eingefädelt hatte. Die Kinder dieser Partnerschaft sind der BMW Z4 als Cabrio-Roadster und der Toyota Supra als Coupé mit festem Dach. Unser Test lässt keine Zweifel: Der heutige VW-Chef hätte ein BMW-Derivat wie den Supra sicher auch gern in seinem Konzern.

Das Design: Extravagant und dynamisch

Sportwagen pur: Erst die Haube – dann lange nichts © Toyota

Das bauliche Grundkonzept ist bei Z4 und Supra im Prinzip gleich: kompakte Karosserie mit lang gestreckter Motorhaube, zweisitziger Innenraum sowie kurzer Achsabstand mit großen Rädern und breiter Spur. Doch während das bei BMW optisch eher belanglos wirkt, überzeugt der Toyota mit selbstbewusster Sportlichkeit. Vorne beeindrucken zwei große Lufteinlässe, charakteristische Scheinwerfer mit Sechs-Linsen-LED nah an der Fahrzeugnase und breite Kotflügel. Das Design-Element des "Double-Bubble"-Dachs zitiert nicht nur die Sportwagen-Historie, sondern senkt mit seinen zwei Auswölbungen auch den Luftwiderstand und erweitert die Kopffreiheit von Fahrer und Beifahrer. 

In der Seitenansicht spannt sich die niedrige Motorhaube in einer dynamischen Linie bis zum Heck. Schwarze Säulen betonen das kompakte Bild der nach hinten geneigten Fahrgastzelle zusätzlich. Und im Heckbereich wirkt ein bogenförmiger Spoiler dem Auftrieb entgegen, während der Stoßfänger trapezförmig nach unten zeigt. Mit diesem Design macht der Supra klar: Hier fahre ich – kraftvoll und fest verzahnt mit der Fahrbahn.

Toyota Supra: Performance eines Sportwagens

Das Heck-Design vermittelt beste Bodenhaftung © Toyota

Tatsächlich hält der Toyota Supra, was sein Aussehen verspricht – auch und vor allem durch seinen Motor. Der 3-Liter-Reihensechszylinder aus dem BMW-Regal setzt mit einer Leistung von 250 kW/340 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment auch in diesem Segment Maßstäbe. Das Aggregat geht so kraftvoll, geschmeidig und drehfreudig ans Werk, dass es eine Freude ist.

Im ADAC Test wurde ein Durchschnittsverbrauch von 8,1 Litern auf 100 Kilometer gemessen. Das ist absolut gesehen ein hoher Wert. Bezieht man die mögliche Fahrdynamik mit ein, fällt das Urteil allerdings milder aus. Dank Ottopartikelfilter bekommt der Supra für seine Abgasreinigung die volle Punktzahl von 50 Zählern. Die insgesamt im ADAC Ecotest erreichten 59 Punkte reichen immerhin für drei von fünf möglichen Sternen.

Dass Toyota für den sportorientierten Supra kein manuelles Getriebe anbietet, ist kein Manko: Die Acht-Gang-Automatik von ZF überzeugt durch sehr schnelle Wechsel der Schaltstufen und eine kurze Übersetzung in den unteren Gängen. Das Schaltverhalten kann mit Hilfe der Fahrmodi "Normal" und "Sport" angepasst werden, die zusätzlich den Sound, das Ansprechverhalten sowie die Dämpfer-, Lenkungs- und Differenzialeinstellungen verändern. Denn in Europa kommt der Supra auch mit einem aktiven Differenzial, das sowohl beim Beschleunigen, als auch beim Abbremsen die Kräfte blitzschnell zwischen den Antriebsrädern verteilt – von null bis 100 Prozent. 

Fahrdynamik steht an erster Stelle

Der Supra fährt sich alles andere als langweilig. Die Ingenieure von Toyota haben das Fahrwerk so abgestimmt, dass er mit der perfekten Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse und der absolut direkten Lenkung in flott angaloppierten Kurven zum Übersteuern neigt und so eindrucksvoll demonstriert, dass er zu den reinrassigen Hecktrieblern mit Frontmotor zählt. Fahrer, die im Kurvenausgang gern "mit dem Gasfuß lenken", dürfen sich freuen.

Zumindest solange die Fahrbahn trocken ist. Auf nassem bzw. wechselhaftem Untergrund ist etwas Vorsicht geboten, da das elektronische Stabilitätsprogramm dem Fahrer ein paar Freiheiten zugesteht, dies bei ungeübten Fahrern aber auch schnell zu entsprechenden Schrecksituationen führen kann.

Fahrdynamisch liegt der Supra sehr gut auf der Straße und vermittelt dem Fahrer einen ausgezeichneten Fahrbahnkontakt. Allerdings geht das zu Lasten des Komforts. Denn Einzelhindernisse und Querfugen dringen trotz der adaptiven Dämpferverstellung kräftig zu den Insassen durch. Auch grobe Unebenheiten kann die Federung nur bedingt filtern und bei entsprechender Anregung neigt der Supra etwas zum Stuckern.

Bei der aktiven Sicherheit lässt sich Toyota nicht lumpen. Serienmäßig sind unter anderem eine Kollisionswarnung samt City-Bremsfunktion, die Geschwindigkeitsregelanlage mit
Abstandsregelung, ein Spurhalte- und ein Spurwechselassistent eingebaut.

Außen Toyota, innen BMW

Die Innenraum-Elemente stammen von BMW © Toyota

So eigenständig und exaltiert sich der Toyota von außen zeigt, so bodenständig präsentiert sich der Innenraum. Und das ist auch gut so: Das komplette Paket wurde aus der bewährten BMW-Schmiede geholt. Wäre da nicht das Lenkrad mit dem Toyota-Emblem, dann hätten die Insassen kaum einen Hinweis, dass sie nicht im Z4 sitzen. Sogar der BMW-iDrive-Knopf auf der Mittelkonsole wurde nicht vergessen.

Das Raumgefühl auf den gut ausgeformten Sitzen ist großzügig. Kopf- und Beinfreiheit reichen für Personen bis zu einer Größe von knapp 1,95 Metern. Der Ein- und Ausstieg ist allerdings etwas beschwerlich: Die Sportsitze befinden sich nur rund 30 Zentimeter über dem Boden, zudem schränken die voluminösen Schweller sowie die flache Dachlinie den Einstiegsbereich stark ein. Darüber hinaus fehlen am Dach Haltegriffe, die das Ein- und Aussteigen zumindest etwas erleichtern könnten.

Unpraktisch hohe Ladekante

Der Kofferraum fällt mit 290 Litern Volumen zwar nicht üppig aus, lässt sich aber durch seine glatte Ausformung gut nutzen. Baut man die Abdeckung aus, passen bis zur Heckscheibe immerhin 435 Liter hinein. Die hohe Ladekante (85 cm über der Fahrbahn, 33 cm über dem Kofferraumboden) ist im Alltag allerdings unpraktisch. Weil das Heckabteil nach vorne offen und nur durch eine Stufe vom Passagierraum getrennt ist, lassen sich kleinere Gegenstände leicht von vorne im Gepäckraum verstauen.

62.900 Euro verlangt Toyota für die gut ausgestattete fünfte Generation des Supra mit Sechszylinder und liegt damit sogar unter dem Preis für einen vergleichbaren BMW Z4, der im Gegensatz zum Toyota auch keine drei Jahre Garantie bietet. Das optionale Premium-Paket empfiehlt sich, da der Aufpreis von 2000 Euro in Relation zum Umfang (Head-up-Display, induktive Ladeschale, Soundsystem, Lederausstattung) angemessen ist.

Wer preislich und leistungsmäßig etwas niedriger einsteigen will, kann den Supra auch mit Zweiliter-Vierzylinder mit 190 kW/258 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm ordern. Das Basismodell ist ab 48.900 Euro als Supra Pure zu haben, der feiner ausgestattete Supra Dynamic ab 53.400 Euro und die Version Fuji Speedway Limited Edition ab 55.900 Euro.

Toyota Supra: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Toyota GR Supra 3.0 Legend Automatik (ab 06/20)

Motorart

Otto

Hubraum (Verbrennungsmotor)

2.998 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

250

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

340

Drehmoment (Systemleistung)

500 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

6.500 U/min

Antriebsart

Heck

Beschleunigung 0-100km/h

4,3 s

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

183 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

8,1 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

7,5 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

290 l

Leergewicht (EU)

1.570 kg

Zuladung

245 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.379 mm x 1.854 mm x 1.292 mm

Grundpreis

66.300 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Toyota Supra 3.0 Automatik

Überholvorgang 60-100 km/h

2,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

32,1 m

Wendekreis

11,4 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

8,1 l Super/100 km, 222 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

640 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1520 / 295 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

290 / – / 435 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Toyota Supra 3.0 Automatik

Karosserie/Kofferraum

3,3

Innenraum

2,3

Komfort

2,5

Motor/Antrieb

1,2

Fahreigenschaften

1,7

Sicherheit

1,4

Umwelt/Ecotest

3,1

Gesamtnote

2,2

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt/Ecotest werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Überzeugende Längs- und Querdynamik, gute Verarbeitungs- und Materialqualität, tolle Motor-Getriebe-Kombination

Das hat uns nicht gefallen: Mäßige Übersicht, unbequemer Ein-/Ausstieg, keine Taste zum Öffnen an der Heckklappe, hoher Verbrauch

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