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Sion von Sono Motors: Crowdfunding im Ziel

Gründer von Sono Motors
Haben gut lachen – die Gründer von Sono Motors: Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn ∙ © Sono Motors

Zur Jahreswende drohte Sono Motors und seinem Solar-Elektroauto das Aus. Nun hat das Start-up neue 50 Mio. Euro zum Weitermachen eingesammelt. Alle Informationen über die Innovationen des Sion und das ganze Drama seiner Entwicklung.

  • Der Sion punktet mit vielen Innovationen, zum Beispiel Solarpaneelen an der Karosserie

  • Partnerschaft mit Großinvestoren gescheitert

  • Neues Crowdfunding: mehr als 50 Mio. € erreicht

Das hätte kaum jemand gedacht. Nachdem Sono Motors Ende des Jahres 2019 das Geld auszugehen drohte, kann das Münchner Start-up nun durchatmen. Wie durch ein Wunder kamen beim neuerlichen Crowdfunding mehr als die anvisierten 50 Millionen Euro zum Weitermachen zusammen.

Hintergrund: Anfang Dezember 2019 hatte sich Sono Motors von seinen bisherigen Investoren getrennt. Die Ziele der idealistischen Gründer und die Ziele der Geldgeber waren nicht mehr vereinbar. Eine neue Runde des Crowdfundings begann. Und tatsächlich: Drei Tage bevor das Ultimatum ablief, konnte Sono Motors Vollzug vermelden: "Wir sind sprachlos", bedankte sich das Team bei allen Unterstützern.

Nun muss man abwarten, ob die Zusagen auch eingehalten werden. Insbesondere die 10 Millionen Euro, die von einem nicht namentlich genannten Industriepartner stammen sollen, müssen fließen, damit die nächsten Schritte eingeleitet werden können. Vorerst zumindest scheint das Projekt gerettet. Klar ist aber auch: Es werden weitere größere Summen an Investitionen folgen müssen. Denn das Geld wird allenfalls reichen, um die Serienprototypen zu bauen und die Crashtests in Auftrag zu geben.

Vom Prototyp zum Elektroauto in Serie 

Dabei hatte die Geschichte so schön angefangen. Mit großem Enthusiasmus und unermüdlicher Arbeit sind die drei Gründer von Sono Motors unerwartet weit gekommen. Die Entwicklung des Sion ist abgeschlossen. Gefertigt werden soll der Sion in Schweden. Und zwar in der ehemaligen Saab-Fabrik in Trollhättan. Von 260.000 Fahrzeugen ist die Rede, die Sono Motors produzieren können möchte. Heutiger Eigentümer der Anlagen ist "National Electric Sweden Vehicle" (NEVS)". Die Produktion dort könnte mit 100 Prozent erneuerbarer Energie stattfinden. Was zeigt, wie konsequent Sono Motors an der Vision einer klimafreundlichen Mobilität festhält. Allerdings wird sich der Produktionstermin durch die zwischenzeitliche Finanzlücke erheblich verzögern. Anfang 2022, heißt es jetzt, könne man frühestens die ersten Sion als Serienfahrzeug ausliefern. Die automatisierte Fertigungsstraße ist zur Zeit weder bestellt noch finanziert.

Den Akku soll wie geplant der deutsche Automobil-Zulieferer Elring-Klinger beisteuern. Den elektrischen Antriebsstrang gedenkt Sono Motors vom Zulieferer Continental zu beziehen. Auch Bosch ist als Partner mit an Bord und liefert das Steuergerät für sämtliche Datenverbindungen mit der Außenwelt. 

Schon der Prototyp erschien verblüffend reif beim Fahren. Es knarzte, knirschte oder schleifte nichts. Die Bremswirkung beim Gaswegnehmen wirkte zwar nicht sehr stark, die Rekuperation (Energierückgewinnung) sei aber sehr effizient, beteuerte einer der Entwickler. Der Wendekreis schien erfreulich klein. Nur besonders handlich fühlte sich das Auto nicht an. Der Prototyp zeigte allerdings auch eine eklatante Schwäche: So waren die Solarpaneele an den Befestigungspunkten gesplittert.

Sono Motors Sion: Solarzellen laden die Batterie

Daraufhin hatte Sono Motors die Konstruktion nachgebessert. Mathieu Baudrit, Leiter Forschung und Entwicklung Solar-Integration erklärt: "Im Serienfahrzeug werden vollflächig integrierte Solarzellen zum Einsatz kommen, die in ein strapazierfähiges und unempfindliches Polymer eingebettet sind." 30 bis 35 Kilometer Reichweite sollen über die Solarpaneele pro Tag generiert werden können. Aber natürlich nur, wenn das Sonnenlicht nicht von Wolken verdeckt wird. 

Auch die Abmessungen für die Serienversion sind im Laufe der Entwicklung geändert worden. Der Sion ist in der letzen Entwicklungsstufe ganze 18 Zentimeter länger und vier Zentimeter breiter vorgesehen. Ein zusätzliches hinteres Seitenfenster soll für eine bessere Rundumsicht sorgen. Der Kofferraum soll zwischen 650 und 1250 Liter (umgeklappt) aufnehmen können.

Innovativ: Moos, Solar und Carsharing

Schaltknauf und Klimaeinheit des Prototypen stammten noch aus dem Teileregal des BMW i3. Doch inzwischen sieht das Cockpit ziemlich aufgeräumt aus. Im Mittelpunkt steht ein 10-Zoll-Touchscreen, an dessen Fuß feste Tasten für die Klimaanlage und der Warnblinkschalter angebracht sind. Die Reichweite wie auch die über die Solarpaneele erzeugten Zusatz-Kilometer werden im 7 Zoll großen Display hinter dem Lenkrad angezeigt. Die Besonderheiten des Sion stecken in vielen Details. Als innovatives Feature neben den Solarpaneelen wird die Sharing-App in der Community angesehen. Mit ihr kann man feststellen, wo aktuell ein Sion ungenutzt herumsteht, und ob Besitzer ihn zur Nutzung teilen. "Unser Ziel ist, dass jeder gekaufte Sion zu 90 Prozent ausgelastet ist und nicht wie ein Auto heute oft zu 90 Prozent rumsteht", sagt Mitgründer Jona Christians.

Langfristig wollte Sono Motors nicht vorrangig möglichst viele Autos verkaufen, sondern mit den Sharing-Services Geld verdienen. Dazu gehört außerdem, dass Besitzer ihren Sion als Ladestation anbieten. Dann lässt sich die Ladeklappe per App öffnen und das Auto mit leerem Akku kann laden. Der Ladevorgang soll automatisch funktionieren. Auch an der großen Geschäfts-Vision wollen die Gründer unbedingt festhalten.

Das Moos am Armaturenbrett ist nicht nur ein Designelement, sondern hat auch klimatische Eigenschaften. Und es filtert Reste von Staub und Feinstaub, die der im Pkw obligatorische Papierfilter durchgelassen hat, aus der Innenluft. Das Austauschen des Filters soll der Kunde selbst machen können, die Materialkosten sich sehr in Grenzen halten.

Als eines der ganz wenigen Elektroautos soll der Sion übrigens einen bis zu 750 Kilogramm schweren Anhänger ziehen dürfen. Weiterer Clou: Neben dem Typ 2-Anschluss und dem CCS-Steckanschluss befindet sich zudem eine 230-Volt-Steckdose hinter der Ladeklappe. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät aus dem Haushalt anschließen möchte. Vorbereitet ist der Sion auch für bidirektionales Laden, sodass das Stromnetz stabilisiert werden kann.

Die Sharing-Community entscheidet mit

Während des Entwicklungsprozesses konnte die Community bei vielen Details mitreden. So einigte man sich etwa auf serienmäßige Voll-LED-Scheinwerfer. Da es kein Händlernetz gibt und auch kein eigenes aufgebaut werden kann, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden. Besitzer mit handwerklichem Geschick könnten sogar selbst Hand anlegen, meint Firmengründer Laurin Hahn. Dafür öffnet Sono Motors das technische Handbuch. Ersatzteile werden per Kurier ins Haus geschickt.

Ursprünglich geplant war, den Akku für 4000 Euro an den Kunden weitergeben zu können. Der Gesamtpreis für den Sion hätte dann bei 20.000 Euro gelegen. Der Preis ließ sich aber nicht realisieren. Sono Motors musste den Verkaufspreis für den Akku auf 9500 € anheben. Mit einem Gesamtpreis von 25.500 Euro steht das Angebot im Konkurrenzvergleich weniger gut da. Da erhält man nicht nur den eGo life der Hochschule Aachen günstiger, sondern für voraussichtlich etwa 30.000 € ein Elektroauto aus der Großserie von Volkswagen: den ID.3.

Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)Sono Sion
Antrieb120 kW (163 PS) Dreiphasen-Synchronmotor, Lithium-Ionen-Batterie mit 35 kWh, Einganggetriebe, Rekuperation
Fahrleistungenca. 9 s auf 100 km/h, 140 km/h Spitze
Leergewichtca. 1400 kg
Reichweite255 km (nach WLTP)
MaßeL 4,29 / B 1,83 / H 1,67 m
Innenraum2+3 Sitze, Kofferraum 650–1250 Liter
Preis16.000 € plus Batteriemiete oder Kauf für 9500 €