Sono Motors Sion: Mit Börsengeld einen Schritt weiter

Sono Motors Sion wird aufgeladen
Der Sion von Sono Motors: Rundum mit Solarzellen bestückt ∙ © Sono Motors

Das deutsche Start-up Sono Motors hat den Sprung an die Börse geschafft. Die Serienproduktion des Sion wird damit deutlich realistischer. Alles über den Anspruch des innovativen Elektroautos sowie über die Höhen und Tiefen seiner Entwicklung.

  • Idee des Sion: ein geräumiges Elektroauto zum Teilen

  • Innovationen: Solarzellen, bidirektionales Laden, Sharing-App

  • Geplanter Produktionsstart: Anfang 2023

Gerade noch schien die Zukunft von Sono Motors wieder einmal reichlich unsicher, da kommt die Nachricht, dass der Sprung an die US-Börse geschafft ist. "Durch den Börsengang wird Sono Motors voraussichtlich netto rund 135 Million Dollar erlösen", sagte der Gründer und Vorstandschef Laurin Hahn der deutschen Presseagentur (DPA) am 17. November. "Die Erlöse helfen uns, unser Fortbestehen zu sichern und helfen uns, zusätzliche Investitionen für die Serienproduktion zu tätigen." Die Worte klingen wenig euphorisch. Aber die Verantwortlichen und Mitarbeiter des Münchener Start-ups dürften erst einmal sehr erleichtert sein.

Erhoffter Börsen-Erlös: 135 Millionen Dollar

Sono Motors platzierte 10 Millionen Stammaktien für 15 Dollar je Aktie. DPA meldet weiter, dass die Sono-Motors-Aktie nach dem Start zu Kursen um 27 Dollar gehandelt wurde. Das Start-up-Unternehmen käme damit theoretisch auf einen Börsenwert von etwa zwei Milliarden Dollar (1,77 Mrd Euro). Laurin Hahn: "Wir sind jetzt einen großen Schritt weiter, den Sion an unsere Community auszuliefern und unsere Mission zu verwirklichen, jedes Fahrzeug mit Solarzellen auszustatten."

Damit haben sich die Turbulenzen um Sono Motors erst einmal beruhigt. Jedenfalls bis die nächste Finanzierungsrunde nötig wird. Denn der Erlös aus dem Börsengang wird zwar für die Fertigstellung der nächsten Prototypen-Generation ausreichen, aber wohl kaum darüber hinaus. Das wissen auch die Macher. Und sie wähnen sich auf die Situation vorbereitet, wie sie dem ADAC schon im März 2020 erklärten.

Jetzt ist zu hoffen, dass die Fragezeichen hinter dem geplanten Produktionsstandort in Schweden zügig beseitigt werden können. (Der chinesische Eigentümer der ehemaligen Saab-Fabrik in Trollhättan will den Standort verkaufen.) Und dass eine weitere Preiserhöhung für den Sion ausgeschlossen werden kann. Der Preis für das Solar-Elektroauto war von Anfang an sehr ambitioniert und von Anfang einer der wichtigsten Kaufgründe. Aktuell wird der Sion mit einem Vorbesteller-Preis von 28.500 Euro angeboten

Von der Idee her soll der Sion ein Elektroauto für die ganze Familie sein: geräumig, relativ leicht bezahlbar und trotzdem mit technischen Innovationen gesegnet. Die Batterie wird eine Energiekapazität von 54 kWh haben. Die bisherigen Prototypen mussten sich mit einem 35-kWh-Akku und einer WLTP-Reichweite von 255 Kilometern begnügen. Der neue Akku soll dem Serien-Sion zu einer Reichweite von 305 Kilometern verhelfen. Als Lieferant der Batterie fungiert das deutsche Unternehmen Elring Klinger.

Das Besondere an der neuen Batterie ist nicht nur der größere Energieinhalt, sondern auch, dass die kritischen Materialien Kobalt, Mangan und Nickel nicht vonnöten sind. Der Akku nutzt die als besonders robust und sicher geltende Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Seine Lebensdauer wird vom Hersteller mit bis zu 3000 Ladezyklen oder bis zu 900.000 Kilometer Fahrbetrieb angegeben. Die maximale Ladeleistung beträgt statt 50 nun 75 Kilowatt.

Der Sion in Bildern: Solarpaneele und vieles mehr

Dazu kommt die von Solarpaneelen am Auto erzeugte Energie. Was laut Sono Motors einer zusätzlichen Reichweite von 112 Kilometern pro Woche entspräche. Möglich sei das bei Wetterverhältnissen, wie sie laut Statistik in Süddeutschland üblich sind. Bei konstanter Sonneneinstrahlung seien sogar bis 245 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Woche drin, so das Unternehmen.

Die Solarmodule sind deutlich leichter als die einer Photovoltaik-Anlage fürs Haus und im Gegensatz zu denen auch flexibel. Waren die ersten Solarpaneele bei den Prototypen noch aufgeklebt und etwas fragil, sind sie inzwischen in die Kunststoffbeplankung des Autos integriert worden. Damit ist ein technischer Meilenstein geschafft.

Sono Motors hat die Solartechnik gemeinsam mit dem finnischen PV-Zellen-Spezialisten Valoe entwickelt und hält Patente darauf. Wie viel an Energie damit erzeugt wird, lässt sich am Mitteldisplay im Auto verfolgen. Entwicklungschef Markus Volmer erklärte bei einer Testrunde, die wir mit ihm absolvierten: "Die Gesamtleistung der 248 Solarzellen beträgt theoretisch bis zu 1000 Watt. Aber ein Teil der Module liegt immer im Schatten. Das lässt sich leider nicht verhindern." Der tatsächliche Wert schwankte bei strahlend blauem Himmel zwischen 250 und 300 Watt.

Investoren und Partner helfen Sono Motors

Produktionshalle von Sono Motors
Der Sion wird in einer ehemaligen Fabrik von Saab in Schweden gebaut ∙ © Sono Motors

An der Seite von Sono Motors befinden sich weitere starke Partner. Den elektrischen Antriebsstrang bekommt Sono Motors von Continental, und auch Bosch ist als Partner an Bord. Damit sind zwei der weltbesten Zulieferer im Boot. Außerdem besteht eine Entwicklungspartnerschaft mit Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. Sein Team Rosberg Engineering (TRE) übernahm für Sono Motors die Entwicklung des Fahrwerks. Die Partnerschaften bürgen für Qualität.

Bezahlbares Elektroauto mit vielen Innovationen

Um einen niedrigen Preis zu ermöglichen, nutzt Sono, wo möglich, Regalbauteile von Zulieferern. Beispiel Anhängerkupplung, mit der die Kunden einen bis zu 750 Kilogramm schweren Anhänger ziehen können. Gleiches gilt für viele weitere Teile, zum Beispiel die Lenkstockhebel, das Lenkrad oder die Airbags. Alles bewährte Teile von der Stange. Ein Navigationssystem gibt es aus Kostengründen gar nicht: Wer Sion fährt, soll und kann sein Handy nutzen, um sich den Weg weisen zu lassen.

Andererseits bietet der Sion Dinge, die der Käufer sonst eher nicht bekommt: Hinter der Ladeklappe, neben dem Typ-2- und dem CCS-Anschluss, befindet sich zum Beispiel eine 230-Volt-Steckdose. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät anschließen möchte. Die Funktion des Luftfilters für die Innenraumluft übernimmt ein Vlies aus Moos. Und ganz wichtig im Gesamtkonzept des Sion: Serienmäßig bekommt jeder Käufer eine Sharing-App, mit der das Auto oder dessen Strom geteilt oder auch eine Mitfahrgelegenheit organisiert werden kann.

In der Entwicklung befindet sich zudem eine bidirektionale Wallbox, die besonders günstig in der Anschaffung sein soll, weil sie mit Wechselstrom (AC) statt mit Gleichstrom (DC) funktioniert. "Mit der Sono-Wallbox kann der Sion seinen Strom auch an das Gebäude abgeben. Wir sprechen dann von sogenannten Vehicle-to-X-Anwendungen" sagt der Projektverantwortliche Julius Tillmann von Sono Motors. 

Sono Sharing-App: Ab 2022 für alle

Eine Frau bedient die Sono Motors App
Sono-App macht's möglich: Privates Carsharing für alle ∙ © Sono Motors

Vor kurzem hatte das Start-up zudem entschieden, die Sono-App vorab für alle Autofahrer zugänglich zu machen, die ihr Fahrzeug mit anderen Menschen teilen wollen – egal, ob es ein Elektroauto oder irgendein Fahrzeug mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor ist. Das App-Angebot sei ab 2022 abrufbar und ziele darauf ab, das Potenzial von Millionen von Autos zu aktivieren, die jeden Tag ungenutzt bleiben. In Pilotprojekten in und um München wurde die Fahrzeugauslastung um bis zu 150 Prozent gesteigert. Die monatlichen Autokosten konnten in einem Fall um bis zu 85 Prozent gesenkt werden.

Allerdings funktioniere diese Art des Carsharings nur in dem unmittelbaren Umfeld des zu teilenden Fahrzeugs. Sprich: in der städtischen Nachbarschaft oder zum Beispiel einer kleinen dörflichen Gemeinde. Also dort, wo man das Auto fußläufig abholen kann und nach Beendigung der gebuchten Fahrt auch wieder dorthin zurückbringt. Wichtig sei auch ein gewisses Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Mitnutzer, betonen die Verantwortlichen bei Sono Motors.

Die App selbst soll die User nichts kosten. Zu welchem Preis das Auto verliehen wird, kann jeder Besitzer selbst festlegen. Sono Motors verdient an jedem Sharing-Vorgang geringfügig mit und bietet im Gegenzug einen gesonderten Versicherungsschutz sowie die automatische Zahlungsabwicklung. Zum Start des App-Angebots ist noch eine physische Übergabe des Autoschlüssels notwendig. Später soll man das jeweilige Auto auch über die App öffnen, starten und wieder abschließen können.

Die Community entscheidet mit

Im Laufe des Entwicklungsprozesses konnte die Community übrigens mitreden. Auch das ist ziemlich einzigartig. So einigten sich die Kaufinteressierten auf serienmäßige Voll-LED-Scheinwerfer. Oder auf die Farbe Schwarz, die als einzige Option angeboten wird. Da es kein Händlernetz geben wird, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden. Ersatzteile kommen per Kurier.

Ursprünglich war geplant, dass der Sion Ende des Jahres 2019, Anfang 2020 auf den Markt kommt – drei Jahre früher als es jetzt der Fall sein soll. Der Tiefpunkt des Start-ups war das Jahresende 2019, als ein chinesischer Großinvestor verloren ging. Anschließend war es über die Community wie durch ein Wunder gelungen, neues Geld in Höhe von über 50 Millionen Euro aufzutreiben.

Technische Daten Sono Motors Sion

Technische Daten (Herstellerangaben)

Sono Motors Sion

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

120

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

163

Drehmoment (Systemleistung)

270 Nm

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

9,0 s

Höchstgeschwindigkeit

140 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

305 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

16,0 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

54,0

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-11,0 DC:75,0

Kofferraumvolumen normal

650 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.250 l

Leergewicht (EU)

1.730 kg

Zuladung

450 kg

Anhängelast ungebremst

n.b.

Anhängelast gebremst 12%

n.b.

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre oder 100.000 km

Grundpreis

28.500 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.470 mm x 1.830 mm x 1.660 mm

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