Sion von Sono Motors: Neuer Investor, neue Serienprototypen

Produktionshalle von Sono Motors
Die Produktion des Sion soll im ehemaligen Saab-Werk in Schweden stattfinden ∙ © Sono Motors

Ende 2019 drohte Sono Motors und seinem Solar-Elektroauto das Aus. Doch dann wurden neue Investoren und Partner gefunden. Alle Informationen über den Sion und das ganze Drama seiner Entwicklung.

  • Sion mit vielen Innovationen, zum Beispiel Solarpaneelen an der Karosserie

  • Neue Finanzquellen von rund 100 Millionen Euro erschlossen

  • Vorstellung der Serienprototypen auf der CES in Las Vegas

Das Münchner Start-up Sono Motors schafft den nächsten Schritt mit dem Sion – ein wichtiger Schritt in die eigene Zukunft. Ein neuer Hauptinvestor, Swedbank Robur, unterstützt die weitere Entwicklung des Solar-Elektroautos mit 43 Millionen Euro. Beim Crowdfunding zur Jahreswende 2019/2020 waren schon 53 Millionen Euro zusammen gekommen. Das neue Geld sorgt dafür, dass die Serienprototypen gefertigt werden können. Zu sehen sind die erstmals auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas.

Außerdem wurde eine neue Entwicklungspartnerschaft bekannt gegeben. Kein Geringerer als Ex-Formel-Weltmeister Nico Rosberg und sein Team Rosberg Engineering (TRE) übernehmen für Sono Motors die Entwicklung des Fahrwerks. Die Fortschritte sind als Riesenerfolg zu werten.

Die neuesten Fotos des Sion

Danach, dass das innovative Start-up weitermachen könnte, sah es eine Zeitlang überhaupt nicht aus: Anfang Dezember 2019 hatte sich Sono Motors nämlich von seinem damaligen Großinvestor getrennt. Die Ziele der idealistischen Gründer und die Ziele der Geldgeber waren nicht mehr vereinbar. Eine neue Runde des Crowdfundings begann. Und tatsächlich: Drei Tage bevor das Ultimatum ablief, konnte Sono Motors Erfolg vermelden.

Interview mit Sono Motors: "Aufgeben ist keine Option"

Die Gründer von Sono Motors erklären, warum sie sich von ihrem Großinvestor trennten, wie sie es schafften, das finanzielle Aus abzuwenden und warum sie glauben, dass sie den Sion tatsächlich auf die Straße bringen

Vom Prototyp zum Elektroauto in Serie 

Fertigung des neuen Prototyps des Sono Motors Sion
Fortschritt: Foto vom neuen Serienprototypen ∙ © Sono Motors

Mit großem Enthusiasmus und unermüdlicher Arbeit sind die drei Gründer von Sono Motors bis heute unerwartet weit gekommen. Gefertigt werden soll der Sion in Schweden. Und zwar in der ehemaligen Saab-Fabrik in Trollhättan. Von 260.000 Fahrzeugen ist die Rede, die Sono Motors produzieren können möchte. Heutiger Eigentümer der Anlagen ist "National Electric Sweden Vehicle" (NEVS)". Die Produktion dort könnte mit 100 Prozent erneuerbarer Energie stattfinden. Was zeigt, wie konsequent Sono Motors an der Vision einer klimafreundlichen Mobilität festhält. Allerdings wird sich der Produktionstermin durch Corona und die zwischenzeitliche Finanzlücke erheblich verzögern. Erst im vierten Quartal 2022 ist mit dem Produktionsbeginn des Serienfahrzeug zu rechnen, erklärt Sono Motors aktuell zum Zeitplan.

Den Akku soll wie geplant der deutsche Automobil-Zulieferer Elring-Klinger beisteuern. Den elektrischen Antriebsstrang gedenkt Sono Motors vom Zulieferer Continental zu beziehen. Auch Bosch ist als Partner mit an Bord und liefert das Steuergerät für sämtliche Datenverbindungen mit der Außenwelt. 

Schon der erste fahrfertige Prototyp erschien verblüffend reif beim Fahren. Es knarzte, knirschte oder schleifte nichts. Die Bremswirkung beim Gaswegnehmen wirkte zwar nicht sehr stark, die Rekuperation (Energierückgewinnung) sei aber sehr effizient, beteuerte einer der Entwickler. Der Wendekreis schien erfreulich klein. Nur besonders handlich fühlte sich das Auto nicht an. Der Prototyp zeigte allerdings auch eine eklatante Schwäche: So waren die Solarpaneele an den Befestigungspunkten gesplittert.

Sono Motors Sion: Die Sonne lädt die Batterie

schwarzer Sono Sion faehrt an Park vorbei
Der Sion soll eine Reichweite von etwa 250 Kilometer schaffen ∙ © Sono Motors

Daraufhin hatte Sono Motors die Konstruktion nachgebessert. Mathieu Baudrit, Leiter Forschung und Entwicklung Solar-Integration: "Im Serienfahrzeug werden vollflächig integrierte Solarzellen zum Einsatz kommen, die in ein strapazierfähiges und unempfindliches Polymer eingebettet sind." 30 bis 35 Kilometer Reichweite sollen über die Solarpaneele pro Tag generiert werden können. Aber natürlich nur, wenn das Sonnenlicht nicht von Wolken verdeckt wird.

Elektroauto mit Moos, Solarzellen und Sharingdiensten

Cockpit eines Sono Sion
Reduzierter Sion-Innenraum mit elegantem Touchscreen – und Moosfilter ∙ © Sono Motors

Die Besonderheiten des Sion stecken in vielen Details. Als innovatives Feature neben den Solarpaneelen wird die Sharing-App in der Community angesehen. Mit ihr kann man feststellen, wo aktuell ein Sion ungenutzt herumsteht, und ob Besitzer ihn zur Nutzung teilen. "Unser Ziel ist, dass jeder gekaufte Sion zu 90 Prozent ausgelastet ist und nicht wie ein Auto heute oft zu 90 Prozent rumsteht", sagt Mitgründer Jona Christians.

Langfristig will Sono Motors nicht vorrangig möglichst viele Autos verkaufen, sondern mit den Sharing-Services Geld verdienen. Dazu gehört außerdem, dass Besitzer ihren Sion als Ladestation anbieten. Dann lässt sich die Ladeklappe per App öffnen und das Auto mit leerem Akku kann laden. Der Ladevorgang soll automatisch funktionieren. An der Geschäfts-Vision mit einer Sharing-Community wollen die Gründer festhalten.

Das Moos am Armaturenbrett ist nicht nur ein Designelement, sondern hat auch klimatische Eigenschaften. Und es filtert Reste von Staub und Feinstaub, die der im Pkw obligatorische Papierfilter durchgelassen hat, aus der Innenluft. Das Austauschen des Filters soll der Kunde selbst machen können, die Materialkosten sich sehr in Grenzen halten.

Der Sion soll zudem einen bis zu 750 Kilogramm schweren Anhänger ziehen können. Weiterer Clou: Neben dem Typ 2-Anschluss und dem CCS-Steckanschluss befindet sich zudem eine 230-Volt-Steckdose hinter der Ladeklappe. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät aus dem Haushalt anschließen möchte. Vorbereitet ist der Sion auch für bidirektionales Laden, sodass das Stromnetz stabilisiert werden kann.

Die Sharing-Community entscheidet mit

Speichergehause eines Elektomotors von Elringklinger
Beim Preis für den Akku hatte Sono Motors sich verkalkuliert: Er wird teurer ∙ © Elringklinger

Am Anfang des Entwicklungsprozesses konnte die Community bei vielen Details mitreden. So einigte man sich etwa auf serienmäßige Voll-LED-Scheinwerfer. Da es kein Händlernetz geben wird, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden. Besitzer mit handwerklichem Geschick könnten sogar selbst Hand anlegen, meint Firmengründer Laurin Hahn. Dafür öffnet Sono Motors das technische Handbuch. Ersatzteile werden per Kurier ins Haus geschickt.

Ursprünglich geplant war, dass der Sion schon 2019/2020 auf den Markt kommen und nicht mehr als 20.000 Euro kosten sollte. Der zu dem Zeitpunkt wahrhaft sensationelle Preis ließ sich nicht realisieren. Mit einem zuletzt kalkulierten Gesamtpreis von etwa 25.500 Euro steht das Angebot im Konkurrenzvergleich heute weniger gut da. Zumal die Konkurrenz – besonders die Modelle aus dem übermächtigen VW-Konzern – stetig größer wird. Und so stellt sich die Frage nach dem Durchhaltevermögen nach wie vor.

Das innovative Gesamtkonzept mit Sharing-Services, die vorhandenen Patente auf die Solarpaneele sowie der unerschütterliche Glaube an die Sache, ein umweltfreundliches Elektroauto auf die Räder stellen zu können, scheinen immer wieder neue Investoren zu überzeugen. Ein wichtiges Argument für Kunden wie Investoren dürfte sein, dass der Sion das insgesamt günstigste Elektroauto in Anschaffung und Unterhalt (Total Cost of Ownership, TCO) werden soll.

Sono Motors Sion: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Sono Sion

Antrieb

Dreiphasen-Synchronmotor mit 120 kW (163 PS), 270 Nm Drehmoment, Batterie mit 35 kWh, Frontantrieb

Fahrleistungen

ca. 9 s auf 100 km/h, 140 km/h Spitze

Leergewicht

ca. 1400 kg

Reichweite

255 km (nach WLTP)

Solar-Reichweite

bis 34 km pro Tag

AC-Laden

bis zu 11 kW

DC-Laden

bis zu 50 kW

Maße

L 4,29 / B 1,83 / H 1,67 m

Anhängelast

750 kg

Innenraum

2+3 Sitze, Kofferraum 650–1250 Liter

Preis

voraussichtlich 25.500 € (ab 2022)