Der Sion von Sono Motors: Endlich auf der Zielgeraden

Der Sion von Sono Motors bei der Vorstellung seines finalen Designs Ende Juli
Der Sion von Sono Motors bei der Vorstellung seines finalen Designs Ende Juli© Sono Motors

Sono Motors scheint durchzustarten: Die Serienproduktion des Sion ist in Sichtweite. Das parallele Geschäft mit Solartechnik trägt Früchte. Alles über den Anspruch des innovativen Elektroautos sowie über den Stand der Entwicklung.

  • Idee des Sion: Ein geräumiges Elektroauto zum Teilen

  • Innovationen: Solarzellen, bidirektionales Laden, Sharing-App

  • Geplanter Produktionsstart: Mitte bis Ende 2023 in Finnland

Die Zukunft von Sono Motors und der Serienstart des innovativen Solar-Elektroautos namens Sion scheint endlich gesichert. Das finale Design des Fahrzeugs steht, die Fabrik zur Serienproduktion in Finnland wird eingerichtet. Es könnte tatsächlich etwas werden mit dem Start der Produktion im dritten oder vierten Quartal 2023. Das ist zwar deutlich später, als ursprünglich geplant – aber immerhin.

Denn wer hätte das gedacht, nach all den Höhen und Tiefen, die das Start-up aus München und seine Gründer durchlebt haben? Immer wieder drohte das Geld auszugehen, immer wieder ergaben sich neue Probleme: auf der Ebene der Technik, der Batterie, der Zulieferer. Im Bereich Produktion, weil die sicher geglaubte Fabrik in Schweden dann plötzlich doch nicht zur Verfügung stand. Im Bereich Finanzen, weil wieder irgendein Kostenfaktor teurer wurde. Aber man hat sich durchgebissen. CEO Laurin Hahn zeigte sich nach dem erfolgten Börsenstart im November 2021 sehr erleichtert: "Wir sind damit einen großen Schritt weiter, den Sion an unsere Community auszuliefern."

Sono Motors: Drei-Säulen-Geschäft

Nun geht es mit großen Schritten voran. Im Sommer 2022 wurde nicht nur das finale Design des Sion präsentiert, auch das parallele Geschäft mit Solartechnologie für das Transportgewerbe trägt erste Früchte. Damit zeigt sich: Die beiden Gründer, Laurin Hahn und Jona Christians, haben es verstanden, die Zukunft von Sono Motors über drei Standbeine abzusichern: Produktion und Vertrieb des Sion sind das eine Standbein, das freilich heute noch nicht steht. Die entwickelte Solartechnologie an Dritte zu verkaufen, ist Standbein zwei und hat offenbar festen Grund gefunden. Standbein drei ist das Angebot einer Sharing-App, deren Verbreitung jetzt ins Laufen kommen muss.

Der Sion: ein Solar-Elektroauto zum Teilen

Aber zurück zum Auto, auf das die ersten Vorbesteller nun schon eine ganze Weile warten. Von der Idee her soll der Sion ein Elektroauto für die ganze Familie sein: geräumig, relativ leicht bezahlbar und trotzdem mit technischen Innovationen gesegnet. Die Batterie hat eine Energiekapazität von 54 kWh und soll dem Serien-Sion zu einer WLTP-Reichweite von 305 Kilometern verhelfen. Das Besondere an der Batterie ist, dass die kritischen Materialien Kobalt, Mangan und Nickel nicht vonnöten sind. Der Akku nutzt die als besonders robust und sicher geltende Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Seine Lebensdauer wird vom Hersteller mit bis zu 3000 Ladezyklen oder bis zu 900.000 Kilometer Fahrbetrieb angegeben. Die maximale Ladeleistung beträgt 75 Kilowatt.

Das finale Design des Sion in Bildern

Zusätzliche Energie aus Solarpaneelen

Dazu kommt die von Solarpaneelen am Auto erzeugte Energie. Was laut Sono Motors einer zusätzlichen Reichweite von 112 Kilometern pro Woche entspräche. Möglich sei das bei Wetterverhältnissen, wie sie laut Statistik in Süddeutschland üblich sind. Bei konstanter Sonneneinstrahlung seien sogar bis 245 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Woche drin, so das Unternehmen.

Die Solarmodule sind deutlich leichter als die einer Photovoltaik-Anlage fürs Haus und im Gegensatz zu denen auch flexibel. Waren die ersten Solarpaneele bei den Prototypen noch aufgeklebt und etwas fragil, sind sie inzwischen in die Kunststoffbeplankung des Autos integriert worden. Damit ist ein technischer Meilenstein geschafft.

Sono Motors hat die Solartechnik gemeinsam mit dem finnischen PV-Zellen-Spezialisten Valoe entwickelt und hält Patente darauf. Wie viel an Energie damit erzeugt wird, lässt sich am Mitteldisplay im Auto verfolgen. Entwicklungschef Markus Volmer erklärte bei einer Testrunde, die wir mit ihm absolvierten: "Die Gesamtleistung der 248 Solarzellen beträgt theoretisch bis zu 1000 Watt. Aber ein Teil der Module liegt immer im Schatten. Das lässt sich leider nicht verhindern." Der tatsächliche Wert schwankte bei strahlend blauem Himmel zwischen 250 und 300 Watt. Die Effizienz der PV-Module soll bei 22 Prozent liegen.

Die Änderungen im Detail

Das überarbeitete Außendesign des Sion umfasst neue Scheinwerfer und Rückleuchten, eine neu gestaltete Seitenlinie, neue Türgriffe, ein klar strukturiertes Heck mit Kamera und 3-D-Linien sowie eine neue Ladeklappe. Im Inneren gibt es neu gestaltete Vorder- und Rücksitze sowie ein neues Lenkrad. Neue Farben und Materialien im Innenraum runden das Produktionsdesign ab, heißt es. Im Laufe des Entwicklungsprozesses für den Sion konnte die Community übrigens mitreden. So einigten sich die Kaufinteressierten auf serienmäßige Voll-LED-Scheinwerfer. Oder auf die Außenfarbe Schwarz, die als einzige Option angeboten wird.

Bezahlbares Elektroauto mit vielen Innovationen

Um einen niedrigen Preis zu ermöglichen, nutzt Sono, wo möglich, Regalbauteile von Zulieferern. Andererseits bietet der Sion Dinge, die der Käufer sonst eher nicht bekommt: Hinter der Ladeklappe, neben dem Typ-2- und dem CCS-Anschluss, befindet sich zum Beispiel eine 230-Volt-Steckdose. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät anschließen möchte. Die Funktion des Luftfilters für die Innenraumluft übernimmt ein Vlies aus Moos. In der Entwicklung befindet sich zudem eine bidirektionale Wallbox, die besonders günstig in der Anschaffung sein soll, weil sie mit Wechselstrom (AC) statt mit Gleichstrom (DC) funktioniert.  

Da es kein Händlernetz geben wird, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden. Ersatzteile kommen per Kurier. Auch das ist bisher einzigartig, muss sich in der Praxis – wie die Zuverlässigkeit der gesamten Fahrzeugtechnik – aber erst noch bewähren.

Sono-Sharing-App: Ab sofort für alle

Sono-App macht's möglich: Privates Carsharing für alle © Sono Motors

Eine weitere Besonderheit ist die Sono Sharing App, die nicht nur für Vorbesteller des Sion, sondern für alle Autofahrer in den App-Stores zugänglich ist. Für Menschen, die ihr Fahrzeug mit anderen Menschen teilen wollen – egal, ob es ein Elektroauto oder irgendein Fahrzeug mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor ist. Das App-Angebot zielt darauf ab, das Potenzial von Millionen von Autos zu aktivieren, die jeden Tag ungenutzt bleiben. In Pilotprojekten von Sono Motors in und um München wurde die Fahrzeugauslastung um bis zu 150 Prozent gesteigert. Die monatlichen Autokosten konnten in einem Fall um bis zu 85 Prozent gesenkt werden.

Allerdings funktioniert diese Art des Carsharings nur im unmittelbaren Umfeld des zu teilenden Fahrzeugs. Sprich: in der städtischen Nachbarschaft oder zum Beispiel einer kleinen dörflichen Gemeinde. Also dort, wo man das Auto fußläufig abholen kann und nach Beendigung der gebuchten Fahrt auch wieder dorthin zurückbringt. Wichtig sei auch ein gewisses Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Mitnutzer, betonen die Verantwortlichen bei Sono Motors.

Zu welchem Preis das Auto verliehen wird, kann jeder Besitzer selbst festlegen. Sono Motors verdient an jedem Sharing-Vorgang geringfügig mit und bietet im Gegenzug einen gesonderten Versicherungsschutz sowie die automatische Zahlungsabwicklung. Bei dieser ersten, aktuell schon verfügbaren Sharing-App ist noch eine physische Übergabe des Autoschlüssels notwendig. Mit der späteren Sion-App kann das Auto auch über die App geöffnet, gestartet und wieder abgeschlossen werden.

Der Tiefpunkt des Start-ups

Der Tiefpunkt des Start-ups war das Jahresende 2019, als ein chinesischer Großinvestor verloren ging. Anschließend war es über die Community wie durch ein Wunder gelungen, neues Geld in Höhe von über 50 Millionen Euro aufzutreiben.

Das zweite Standbein: Solar Kits für alle

Solarpanels für alle: Elektro-Pkw, Liefer- und Kühltransporter, ÖPNV-Dieselbusse bis hin zum 40-Tonnen-Lkw © Sono Motors

Geld verdient Sono Motors inzwischen dadurch, dass die Firma Fahrzeuge von Transport-unternehmen mit Solarpaneelen ausrüstet. Es existieren Vereinbarungen mit verschiedensten Unternehmen, zum Beispiel dem Lkw-Hersteller MAN, dem französischen Kühlfahrzeughersteller Chereau oder dem Logistik-Spezialisten Rhenus in Westfalen.
Mit dem "Solar Bus Kit" bietet das Startup eine Nachrüstlösung für Diesel- und Elektro-Busse der 12-Meter-Klasse an. Das zielt auf die riesige Flotte der Busse, die im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Erster Kunde ist die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG.

Heizung, Lüftung und Klimaanlage der Busse können so mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Die Fläche an Solarmodulen beträgt rund acht Quadratmeter. Durch den Energieertrag würden bis zu 1.500 Liter Diesel und bis zu vier Tonnen CO₂ pro Bus und Jahr eingespart, rechnet Sono Motors vor. Betreiber von Busflotten können laut Sono Motors nach etwa drei bis vier Jahren mit Rentabilität rechnen.

Technische Daten Sono Motors Sion

Technische Daten (Herstellerangaben)

Sono Motors Sion (ab 07/23)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

120

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

163

Drehmoment (Systemleistung)

270 Nm

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

9,0 s

Höchstgeschwindigkeit

140 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

305 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

16,0 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

54,0

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-11,0 DC:75,0

Kofferraumvolumen normal

650 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.250 l

Leergewicht (EU)

1.730 kg

Zuladung

450 kg

Anhängelast ungebremst

n.b.

Anhängelast gebremst 12%

n.b.

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.470 mm x 1.830 mm x 1.660 mm

Grundpreis

29.900 Euro

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.