Mercedes VLE im Fahrbericht: Lädt superschnell und kommt extrem weit

• Lesezeit: 9 Min.

Von Andreas Huber

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Über 700 Kilometer Reichweite, kurze Ladezeiten und modernste Konnektivität: Der neue Mercedes VLE ist technisch vom Feinsten und soll Maßstäbe bei elektrischen Business-Vans setzen. Fahrbericht, Infos und die Preise.

  • Mercedes VLE auf neuer 800-Volt-Plattform

  • Van lädt 355 Kilometer Reichweite in 15 Minuten nach

  • Preise vorerst ab rund 82.000 Euro

Mit dem eVito startete Mercedes-Benz Vans 2017 in das Elektrozeitalter für Nutzfahrzeuge. Für mehr Luxus wurde 2019 dann der EQV als elektrische V-Klasse vorgestellt. Das ist mittlerweile sechs Jahre her – viel Zeit, in der sich die Elektromobilität signifikant weiterentwickelt hat.

Wo damals noch 400-Volt-Technik der Branchenstandard war, zieht der Markt für praktische Fahrzeuge nun ebenfalls nach und setzt zunehmend auf moderne 800-Volt-Architekturen – auch Mercedes. Die Vorteile sind aus dem Pkw-Bereich bekannt: schnelle Ladezeiten und effiziente Antriebe für hohe Reichweiten.

Wie ernst es Mercedes mit der Elektromobilität meint, wird dadurch klar, dass die Schwaben künftig nicht mehr nur Verbrenner-Plattformen mit Elektroantrieben bestücken, sondern ihren Vans eine eigene E-Bodengruppe spendiert haben, die Ausgangsbasis für eine ganze Produktfamilie sein soll.

Den Anfang macht bei Mercedes der VLE, der sich künftig gegen Ford E-Transit, Hyundai Staria Elektro, Renault Trafik E-Tech und den elektrischen VW Transporter behaupten muss.

Mercedes-Stern für die VLE-Haube

Der neue vollelektrische Mercedes-Benz VLE
Die Pixel-Grafik am "Grill" kennt man vom GLC, dort ist sie aber beleuchtet. Bessere Ausstattungsvarianten kommen mit Stern auf der Haube© Mercedes-Benz Group AG

Für einen Van geht Mercedes beim Design des VLE in die Vollen. Die Optik lehnt sich an die kürzlich vorgestellten Elektromodelle der Marke an und macht den Personentransporter überaus edel. Der Stern der Marke ist allgegenwärtig. Die LED-Scheinwerfer tragen ihn in höheren Ausstattungen als Teil der Tagfahrlichtsignatur, optional darf der Stern auch auf der kurzen Fronthaube Platz nehmen – das hat S-Klasse-Flair.

Auf Wunsch sind 22-Zoll-Räder im AMG-Monoblock-Design der 1990er-Jahre erhältlich, die man bereits von der G-Klasse kennt. Unterstatement geht anders. Wer lieber unter dem Radar schwimmt, bleibt bei kleineren Rädern mit massentauglicherem Design.

Das Heck ist das Highlight des Luxus-Transporters. Ein am Rand verlaufendes Leuchtenband rahmt die Schlusspartie ein. Es beinhaltet zudem die Bremslichter und Blinker. Die Heckklappe bleibt auch beim neuen Modell zweigeteilt. Wer also nur schnell etwas in den Kofferraum legen möchte, kann weiterhin einfach die Scheibe öffnen. Bei der schieren Größe der riesigen Klappe ist das von Vorteil, da es deutlich schneller geht.

Galerie: Der neue VLE in Bildern

Abmessungen: Vorerst nur ein Radstand für den VLE

Zum Marktstart bietet Mercedes den neuen VLE vorerst mit nur einem Radstand an. Er ist länger als die bisherige Langversion des EQV, aber nicht ganz so lang wie die extralange Variante des Vorgängers. Später soll es aber auch noch eine verlängerte Version des VLE geben.

Mercedes VLE

Länge

5,31 m

Breite

2,00 m

Höhe

1,93 m

Radstand

3,34 m

Vorsicht ist beim zulässigen Gesamtgewicht des VLE geboten. Je nach Konfiguration erreicht das erlaubte Gesamtgewicht des Vans 3,7 Tonnen, weshalb der klassische Autoführerschein der Klasse B hier dann nicht mehr ausreicht – es ist die Fahrerlaubnis der Klasse C1 erforderlich. Wer seinen Führerschein noch vor 1999 gemacht hat und damit die frühere Klasse 3 besitzt, ist davon zwar nicht betroffen, jüngere Interessierte könnten hier aber ein Problem bekommen. Mercedes verweist im Konfigurator auf die unterschiedlichen Zulassungen, allerdings sind die Hinweise recht klein gehalten.

Cockpit mit bis zu drei Displays, Kühlschrank optional

Der neue vollelektrische Mercedes-Benz VLE
Displaywelt: Auch beim VLE kommt der Dreiklang aus Kombi-, Infotainment- und optionalem Beifahrerdisplay zum Einsatz© Mercedes-Benz Group AG

Das Cockpit spiegelt die neue Welt bei Mercedes wider. Das Armaturenbrett wird von bis zu drei großen Bildschirmen dominiert, die bei den Pkw schon länger Standard sind. Das Kombiinstrument misst immer 10,45 Zoll, das Infotainment- und das Beifahrerdisplay jeweils 14 Zoll. Schön gelöst: Wer keinen Beifahrerbildschirm bestellt, wird nicht mit einer unschönen Fuge im Armaturenbrett bestraft (wie etwa beim CLA), die Fläche ist immer mit einer durchgängigen Scheibe versehen.

Beim Lenkrad wird jetzt auch im VLE auf die Hybridlösung aus Walzen und Touchflächen gesetzt. Die Bedienung sollte damit etwas leichter von der Hand gehen, vollständig auf Tasten zu setzen wäre aber trotz allem besser.

Das Platzangebot ist konzeptbedingt großartig, passend dazu gibt es bequeme Sitze, die bereits beim ersten Treffen mit der Redaktion im Fotostudio einen guten Eindruck gemacht haben und im Zuge des Fahrtermins diesen Eindruck bestätigen konnten. Egal ob luxuriös oder bodenständig ausgestattet, die Langstrecke sollte in der ersten Reihe kein Problem darstellen.

Drei Sitzreihen für bis zu acht Personen

Der neue vollelektrische Mercedes-Benz VLE
Abseits der Luxuskonfiguration gibt es den VLE auch pragmatisch. Die Sitze lassen sich einfach herausnehmen© Mercedes-Benz Group AG

Viel wichtiger als die erste Reihe ist im neuen Van aber der Bereich für die Passagiere. Hier bietet Mercedes verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten an, die von pragmatisch bis edel reichen. Der VLE kann bis zu acht Personen transportieren und setzt im Einstiegsmodell auf ein neues Schienensystem für die Einzelsitze und die Sitzbank. Das Gestühl ist verglichen mit denen des Vorgängers ein gutes Stück leichter und lässt sich dadurch einfacher ausbauen. Sind die Sitze aus dem Auto gehievt, lassen sie sich über integrierte Rollen leicht durch die Garage schieben.

Detail im Mercedes VLE
Kratzer auf dem Aluminium-Profil: Wer im VLE häufiger die Sitze ausbauen möchte, wird ihnen wohl auch begegnen© ADAC

Der Ein- und Ausbau der Sitze geht am VLE aber nicht spurlos vorbei. Mit Blick auf die Sitzschienen eines Präsentationsfahrzeugs sind deutliche Kratzer und Riefen zu sehen, die das Sitzgestell beim Absetzen auf der Schiene hinterlässt. Wer also häufig seinen Innenraum im Fond umbauen möchte, wird mit dem einen oder anderen optischen Makel vermutlich leben müssen.

Kino-Erlebnis auf der Autobahn

Der neue vollelektrische Mercedes-Benz VLE
Gegen Aufpreis wird der Van zum Kinosaal. Das Display ist im Dachhimmel untergebracht und kommt nur auf Wunsch zum Vorschein© Mercedes-Benz Group AG

Besonders luxuriös wird es, wenn man das Kreuzchen bei den mit hellem Leder bezogenen Einzelsitzen macht. Damit wird der Mercedes zur Businessclass auf Rädern. Jeder Sitz ist dann mit einer induktiven Ladeschale für das Smartphone ausgestattet und lässt sich mehrfach verstellen. Aber das ist noch nicht alles an Luxus für den Fond.

Auf Wunsch lässt sich nämlich auch ein Kino-Paket buchen. Ähnlich wie im Vor-Facelift des 7er von BMW fährt dann bei Bedarf ein 31,3 Zoll großer Bildschirm aus dem Dachhimmel. Untermalt von einem Klangspektakel werden die Scheiben zudem durch Rollos verdunkelt, um den VLE für den Filmgenuss vorzubereiten.

Aber der riesige Bildschirm ist nicht nur zum Vergnügen da. Wer möchte, kann parallel zwei Videokonferenzen gleichzeitig starten. Die integrierte Kamera teilt dann ihren Sensor auf und bietet für jeden der beiden Einzelsitze in der zweiten Reihe ein eigenes Bild. Jede Person hat dann quasi seine eigene Kamera. In Europa werden wir wohl wenige VLE mit dieser Ausstattung auf der Straße sehen, der Fokus liegt hier ganz klar auf den Märkten China und Emirate.

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VLE: Zunächst nur zwei Motorisierungen

Zum Markstart wird es den VLE mit zwei Antriebsoptionen geben. Den Anfang macht der VLE 300 mit einer Leistung von 203 kW (276 PS), darüber rangiert dann der VLE 400 4Matic mit 305 kW (415 PS) und Allradantrieb. Hier wird die Hinterachse bei Bedarf über eine Kupplung vom Antrieb abgekoppelt, was die Effizienz des Allrad-VLE steigern soll. Später folgt dann unter anderem auch das Einstiegsmodell VLE 200 mit 180 kW.

Fahren: Der VLE ist bequem und äußerst sparsam

Ein Mercedes VLE fährt auf einer Straße
Großer Stern und beleuchteter Chrom-Grill: Der VLE zieht im Straßenbild die Blicke auf sich© Mercedes

Losgelöst vom Antrieb zeigt sich, dass der Mercedes ein gutes Stück komfortabler als sein Vorgänger geworden ist. Die optionale Luftfederung entkoppelt den Innenraum gekonnt von der Straße und wippt im Komfort-Modus angenehm nach. Wer das nicht möchte, schaltet in den Sport-Modus, denn da bleibt der VLE zwar immer noch bequem, allerdings ist der Kontakt zum Untergrund damit etwas verbindlicher. Grobe Stöße sind aber in beiden Modi noch immer spürbar, hier zeigt sich dann doch die entfernte Verwandtschaft zu klassischen Transportern.

ADAC Redakteur Andreas Huber am Steuer eines Mercedes VLE
Im VLE lässt es sich entspannt reisen: Ist der Akku leer, lädt der Van schnell Strom nach© Mercedes

Neben der Federung tragen auch die angenehm gestalteten Sitze ihren Beitrag zum Komfort beim VLE bei. Bereits die Basis-Sitze mit Stoffbezug machen auf unseren Testrunden einen ordentlichen Eindruck. Gegen Aufpreis sind auch Versionen mit Kunst- und Echtleder erhältlich. Wer im Sommer aber auch mal in kurzen Hosen unterwegs sein möchte, findet sicher Gefallen an den einfacheren Stoffsitzen, an denen die Oberschenkel nicht festkleben. Auch der Geräuschkomfort ist mit Blick auf die Fahrzeugklasse mehr als ordentlich. Zu keiner Zeit fielen bei der ersten Testfahrt unangenehme Geräusche auf, auch auf der Autobahn blieb es angenehm ruhig – die verbaute Akustik-Verglasung hat hier natürlich nachgeholfen. Einzig die Klimaanlage kann hin und wieder wahrgenommen werden. Wer Musik im Auto hört, wird davon aber nichts mitbekommen.

Dank optionaler Hinterachslenkung lässt sich der VLE selbst in kleinen Gassen noch gut manövrieren. Trotz seiner rund 5,30 Meter Länge macht sie den Van angenehm kompakt und wendig. Selbst Umdrehen ist mit dem Mercedes dann kein Problem mehr, der Wendekreis ist auf dem Niveau mancher Kleinwagen.

Heckansicht eines fahrenden Mercedes VLE
Optional ist der VLE mit einer Luftfederung erhältlich, die den Van zu einem komfortablen Reisegefährt macht© Mercedes

Und der Antritt? Der ist sowohl beim Front- als auch beim Allradantrieb mehr als ausreichend. Einzig bei kurvigen Bergstraßen neigt der VLE 300 in engeren Kurven dazu, etwas an Traktion zu verlieren, hier ist der VLE 400 mit zwei angetriebenen Achsen natürlich im Vorteil. Ansonsten kann eine Mehrzahl der Interessierten vermutlich auf den zusätzlichen E-Motor verzichten. Frontgetrieben ist der VLE zudem wirklich sparsam. Auf dem Bordcomputer waren Werte zwischen 15,6 und 20,1 kWh pro 100 Kilometer je nach gefahrener Strecke zu lesen, für die Größe des Stuttgarters respektable Werte, die aber im ADAC Autotest noch gemessen und verifiziert werden müssen.

800 Volt, über 300 kW Schnellladen, 700 km Reichweite

Der neue vollelektrische Mercedes-Benz VLE
Optional gibt es den VLE auch mit einem Panorama-Glasdach. Es wird über ein Rollo im Inneren verdunkelt© Mercedes-Benz Group AG

Unter dem Blech des VLE steckt die neue Van.EA-Plattform von Mercedes-Benz. Die 800-Volt-Elektroplattform erlaubt es dem Transporter, seinen Akku mit mindestens 300 kW am DC-Schnelllader zu füllen, an der normalen Ladesäule sind bis zu 22 kW optional möglich. In 15 Minuten soll der VLE auf der Langstrecke bis zu 355 Kilometer Reichweite nachladen können. Im ADAC Autotest werden wir das aber verifizieren.

Zur Markteinführung verbaut Mercedes einen 115 kWh großen NMC-Akku, der je nach Motorisierung für mehr als 700 Kilometer Fahrstrecke nach WLTP sorgen soll, später soll auch eine kleinere LFP-Batterie mit 80 kWh folgen.

Anders als bei den Pkw-Modellen verzichten die Schwaben auf ein Zweiganggetriebe und setzen den Elektromotor standardmäßig auf die Vorderachse. Erst als Allrad wird eine zusätzliche E-Maschine auf der Hinterachse verbaut. Wer besonderen Wert auf Federungskomfort legt, ordert gegen Aufpreis eine Luftfederung.

Marktstart und Preis: Vorerst ab unter 83.000 Euro

Der neue elektrische Mercedes-Van ist ab sofort bestellbar, die Auslieferung soll ab Sommer 2026 stattfinden. Die Preise starten vorerst bei rund 82.200 Euro für den VLE 300, das Top-Modell VLE 400 4Matic kann aber mit Features wie dem Kinobildschirm locker über 130.000 Euro gebracht werden. Beim späteren Einstiegsmodell VLE 200 sollen die Preise um 68.000 Euro starten, das wäre fast die Hälfte.

Technische Daten des Mercedes VLE

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz VLE 300 3,5t Advanced Plus- und Wartungspaket (5-Sitzer) (ab 06/26)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

203

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

276

Drehmoment (Systemleistung)

400 Nm

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

9,5 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

713 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

18,4 kWh/100 km

Batteriekapazität (Netto) in kWh

115,0

Ladeleistung (kW)

DC:300,0

Kofferraumvolumen normal

795 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

4.078 l

Leergewicht (EU)

2.940 kg

Zuladung

560 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.750 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

5.309 mm x 1.999 mm x 1.943 mm

Grundpreis

82.260 Euro

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