Der BYD Sealion 7 protzt mit Leistung und Komfort. Dafür fehlt Feinschliff im Detail. Alle Stärken und Schwächen des Luxus-SUV aus China im ADAC Autotest. Sealion 7 Basismodell ab 50.000 Euro Getestete Version kostet 61.000 Euro Antrieb und Ausstattung sind top Autos der oberen Mittelklasse sind in der Regel extrem teuer, zumal für vieles an Ausstattungsdetails noch ein Aufpreis veranschlagt wird. Dass das nicht so sein muss, beweist der BYD Sealion 7, der in Top-Version nur rund 61.000 Euro kostet und damit zu den attraktivsten Modellen unter den Elektro-SUV gezählt werden kann. Grund genug, sich den Chinesen mal genauer anzuschauen. Im Test tritt der Sealion 7 bestens ausstaffiert, mit Allradantrieb und 390 kW/530 PS Gesamtleistung an. Lesen Sie, wie die ADAC Testingenieure seine Qualitäten bewerten. BYD Sealion 7: Top-Optik, Top-Antrieb Ganz egal, um welche Marke es sich handelt – wer sich für ein Auto interessiert, tut das in erster Linie, weil ihm das Modell optisch zusagt. Design ist eines der wichtigsten Kriterien bei der Entscheidung. Ein Auto kann technisch also noch so perfekt sein – wenn es optisch nicht gefällt, kommt es nicht infrage. In diesem Punkt hat der BYD Sealion zweifellos gute Karten. Die Karosserie sieht aus jeder Perspektive sehr gefällig aus. Ein Verdienst von Wolfgang Egger, der 2017 von Audi zu BYD gewechselt ist und bei den Chinesen die Funktion des Chefdesigners übernommen hat. Äußerst attraktiv ist freilich auch der flüsterleise Antrieb, den die Entwickler dem Sealion 7 mitgegeben haben. Die unbändige Kraft von 690 Nm Drehmoment ist praktisch in jeder Sekunde spürbar. Die Motoren an Vorder- und Hinterachse befähigen das knapp 2,5 Tonnen schwere SUV zu überlegenen Fahrleistungen. Die Höchstgeschwindigkeit wird erst bei 215 km/h begrenzt und liegt damit für ein Elektroauto recht hoch. Den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h absolviert der Chinese in nur 4,5 Sekunden. Als müsste man das auch allen anderen Verkehrsteilnehmern demonstrieren, findet sich der Wert in Chrom-Lettern unterhalb der Modellbezeichnung am Heck als "4.5 s" wieder. BYD Sealion: Stark beim Laden, hoher Verbrauch Dass der Antrieb so kraftvoll und geschmeidig agiert, hat jedoch aufseiten des Energieverbrauchs einen gravierenden Nachteil. Denn bei den ADAC Messungen zeigte sich, dass der Sealion 7 für seine Dienste gut und gern 24,1 kWh Strom pro 100 Kilometer verlang (inkl. Ladeverluste). An Reichweite sind mit einer Akkufüllung (91 kWh) so allenfalls 430 Kilometer erzielbar. Damit verpatzt sich der Sealion 7 die für Elektroautos übliche Höchstwertung in der ADAC Umweltbewertung von 5 Sternen. Den Patzer zumindest etwas wettmachen kann der Sealion 7 mit seiner Performance an der Schnellladesäule. Bei annähernd leerem Akku beginnt das Auto nämlich sehr schnell mit 226 kW zu laden und die Leistung sinkt über die Zeit nur langsam ab. Durchschnittlich hält der Wagen die Ladeleistung bis 80 Prozent bei 173,1 kW aufrecht – ein guter Wert. Um auch bei niedrigen Außentemperaturen ein möglichst schnelles Nachladen zu gewährleisten, ist das Akkupaket beheizbar. Die Batterie-Heizung kann manuell im Infotainment oder im Stand über die BYD-App aktiviert werden. Hoher Komfort, Bedienung über Bildschirm Wer es sich hinter dem Steuer gemütlich macht, bemerkt als Erstes die gute Verarbeitung und freut sich über die hochwertigen Materialien. Außerdem hatte der Testwagen all jene Details serienmäßig an Bord, für die man bei der deutschen Konkurrenz enorme Aufpreise verlangt. Man lümmelt sich in Sitze aus gestepptem Nappaleder, genießt den Sound eines Dynaudio-Systems mit 12 Lautsprechern, nutzt Online-Radio oder Freisprecheinrichtung, verlässt sich auf das Navigationssystem mit Echtzeitverkehr und Laderoutenplanung und wird von einer Armada an Assistenzsystemen beschützt. Auch ein Head-up-Display ist serienmäßig an Bord. Der Abstandsregeltempomat funktioniert bis 150 km/h, und im Zusammenspiel mit der aktiven Spurführung kann der Sealion 7 die Längs- und Querführung übernehmen (Autobahnassistent). Diese sehr gute Serienausstattung hat der BYD Sealion 7 den Konkurrenten von Audi bis Mercedes und Volvo eindeutig voraus. In Sachen Bedienbarkeit gibt der BYD Sealion 7 insofern sein Bestes, als der zentrale Touchscreen mit einer kontrastreichen Darstellung und einer schnellen Reaktionszeit glänzt. Dass der Screen sich auf Wunsch vertikal oder horizontal einstellen lässt, nimmt man gern mit, lässt am Ende aber keinen wirklichen Mehrwert erkennen. Gut: Für die Einstellung von Lenkrad, Sitzen und Außenspiegeln verbaut BYD konventionelle Bedienelemente, die ein schnelles und intuitives Justieren erlauben. Außerdem gibt es für die Lautstärke eine Drehwalze am Lenkrad und eine zweite auf der Mittelkonsole neben dem Gangwahlhebel. Die induktive Ladeschale für das Handy hat eine Kühlfunktion. Innen- und Kofferraum: Hinten wird es knapp In Sachen Raumangebot haben es die vorn Sitzenden besser. Denn hinten wird es für Mitfahrerinnen und Mitfahrer ab 1,75 Meter Körperlänge knapp: Die Kopffreiheit lässt zu wünschen übrig. Die großzügige Beinfreiheit bis zu den Vordersitzen nützt ihnen da nur bedingt. Der Kofferraum fällt mit 385 Liter nutzbarem Volumen für ein Fließheck-SUV nur durchschnittlich groß aus. Dazu gibt es unter dem Ladeboden noch eine Transporthöhle von 45 Liter zusätzlichem Volumen sowie unter der Fronthaube einen Frunk mit 55 Liter für das Ladekabel oder kleinere Taschen. Ebenfalls nur mittelprächtig schneidet der Sealion 7 im Kapitel Licht und Sicht ab. So ist das Licht des LED-Scheinwerfersystems etwas inhomogen. Die eingeschränkte Rundumsicht kann das Kamerasystem beim Einparken oder Rangieren nicht vollständig kompensieren. Im normalen Fahrbetrieb fehlt es vor allem nach schräg hinten an Durchblick. Fazit: Elektro-SUV mit Spaß und Komfort Der getestete Sealion 7 Excellence AWD erzielt mit der Techniknote 2,0 kein hervorragendes, aber ein beachtlich gutes Ergebnis. Dass man für ein voll ausgestattetes 500-PS-SUV nur 61.000 Euro ausgeben muss, dürfte manchen, der sich für ein Modell in diesem Segment interessiert, ins Grübeln bringen. Was im Test gefallen hat: gute Ladeperformance, souveräne Fahrleistungen, gute Materialqualität, umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung Was im Test nicht gefallen hat: geringe Zuladung, Scheinwerferlicht inhomogen, teils ablenkungsintensive Bedienung, schlechte Rundumsicht BYD Sealion 7: Daten & Preise Hier finden Sie Daten und Preise aller Versionen des BYD Sealion 7 ADAC Messwerte ADAC Testurteil Hier finden Sie noch viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.