Die 3er-Reihe wird elektrisch: Alles Wichtige zum neuen BMW i3

• Lesezeit: 7 Min.

Von Andreas Huber

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Mehr als 50 Jahre bietet BMW mit dem 3er ein sportliches Mittelklasse-Modell an. Nun wird das Erfolgsmodell elektrisch. Beim BMW i3 setzen die Münchner auf 800-Volt-Technik und damit auf kurze Ladezeiten. Alle Infos, Bilder und der erste Sitzeindruck.

  • Erste BMW-Limousine der Neuen Klasse

  • Bis zu 900 Kilometer Reichweite nach WLTP

  • Preise vermutlich günstiger als beim iX3

Der BMW 3er wird als i3 elektrisch, Verbrenner bleiben

Heck und Seitenansicht einer stehenden BMW i3 Limousine
Der BMW i3 kommt mit breiten Heckleuchten© BMW

Seit 1975 ist der BMW 3er der Markenkern der Münchner. Kein anderes Modell im Konzern vollführt den Spagat zwischen Sportlichkeit und Eleganz im Alltag so gekonnt wie das Mittelklasse-Modell. Nach mehr als 50 Jahren Modellgeschichte kommt 2026 nun erstmals eine neue Antriebsform in den 3er: Künftig gibt es die 3er-Reihe auch elektrisch, als BMW i3.

Der Name ist zwar ein alter Bekannter. Mit dem ersten elektrischen BMW i3, der bereits 2013 auf den Markt kam und viele Jahre als Pionier der E-Mobilität in Deutschland galt, hat der Neue aber nichts gemein. Statt um einen Kleinwagen handelt es sich nun um die BMW-Mittelklasse: Der elektrische 3er löst perspektivisch den BMW i4 ab und soll gegen die kommende elektrische Mercedes C-Klasse und den Audi A4 e-tron antreten.

Verbrenner-Fans brauchen sich aber keine Sorgen zu machen, die Elektrolimousine ist nur eine Modellvariante des 3er, der auch weiterhin mit Benzin- und Dieselmotoren angeboten wird – wenn auch vorerst noch im alten Gewand.

Technik: BMW i3 Limousine mit kurzen Ladezeiten

Damit das Elektro-Debüt des 3er klappt, bekommt er alles an Technik spendiert, was BMW bis dato zu bieten hat. Dabei ist der SUV-Bruder iX3 so etwas wie die Blaupause des i3, der konzeptbedingt aber mehr Vorteile aus der Technik ziehen kann. Die 800-Volt-Architektur erlaubt auch der Limousine kurze Ladezeiten und eine Spitzenladeleistung von bis zu 400 kW am Schnelllader.

400 Kilometer Reichweite sollen somit in 10 Minuten wieder nachgeladen werden können. Den Ladehub von 10 auf 80 Prozent gibt BMW zwar nicht an, der iX3 schafft diesen bei gleicher Spitzenleistung auf dem Papier aber in 21 Minuten. Der i3 sollte sich hiervon nur geringfügig unterscheiden.

Galerie: Der BMW i3 in Bildern

900 km Reichweite mit großem Akku

Auch an öffentlichen AC-Säulen kann der Ladevorgang optional mit 22 kW verhältnismäßig zügig vonstattengehen. Zu den Akkugrößen hält sich BMW noch bedeckt, der i3 soll aber laut WLTP mit einer Akkuladung bis zu 900 Kilometer weit kommen – je nach Modellausführung, versteht sich. Reichweitenangst sollte es beim i3 also in keinem Fall geben.

Auch hier lohnt sich der Blick auf die technischen Daten des SUV iX3. In diesem verbaut BMW einen 108 kWh großen NMC-Akku. Sollten die Münchner nicht signifikant an der Zellchemie getüftelt haben, kann man diese Kapazität auch beim Stufenheck erwarten.

Neue Klasse: So sieht die i3-Limousine aus

Front einer BMW i3 Limousine
Die schwarze Maske macht den Wagen bullig. Die Tagfahrlichtsignatur zitiert die typische BMW-Niere© BMW

Die Neue Klasse führt auch eine neue Designphilosophie bei BMW ein. Mit dem i3 wird erstmals deutlich, was das für kommende Stufenheck-Modelle bedeutet. Auch der elektrische 3er bekommt die breite schwarze Maske an der Front, die hier aber nicht durch kleine Doppelnieren, sondern durch einen Bereich in Wagenfarbe unterbrochen wird – die Sicke nennt BMW das "Valley".

Die traditionelle Niere findet sich aber als Teil der Lichtsignatur wieder. Diese wird auch durch die beiden vertikalen Tagfahrleuchten in den Scheinwerfern bestimmt. Betrachtet man die Limousine von der Seite, fällt auf, dass der i3 mit deutlich kürzeren Überhängen und einer kürzeren Haube im Vergleich zur bisherigen 3er-Limousine etwas gedrungen wirkt.

Heckansicht einer BMW i3 Limousine
Die schmalen Rückleuchten werden im Grunde nur durch das Markenlogo voneinander separiert© BMW

Das Heck führt das Design der Front mit dem mittigen "Valley" fort. Die Rückleuchten sind anders als beim iX3-SUV ausgeführt und völlig eigenständig gestaltet. Sie sind schmal, gehen zu den Enden hin etwas auf und zitieren die BMW-typische L-Form der Lichter am Heck. Zum Kofferraumvolumen äußert sich BMW noch nicht. Der bisherige BMW 3er mit Verbrennungsmotoren hat hier 480 Liter Volumen.

Abmessungen: Länger als der bisherige 3er

So unterscheiden sich die Abmessungen im Vergleich zur 3er-Limousine mit Verbrennungsmotor:

BMW i3 LimousineBMW 3er Limousine

Länge in m

4,76

4,71

Breite in m

1,87

1,83

Höhe in m

1,48

1,44

Radstand in m

2,90

2,85

Panoramic iDrive auch beim elektrischen BMW 3er

Das Cockpit des neuen BMW i3 ist auf den ersten Blick identisch mit dem des SUV. Auch der neue 3er kommt in den Genuss des neuen Panoramic iDrive, das sich über die gesamte Breite der Windschutzscheibe erstreckt. Im unteren Rand befindet sich hier eine Infoleiste, die das Kombiinstrument und weitere individuell gestaltbare Anzeigen bereithält. Ein weiteres Display für das Infotainment thront auf dem Armaturenbrett und misst 17,9 Zoll. Es ist als Parallelogramm ausgeführt, wodurch die Person am Steuer wichtige Funktionen schnell erreichen kann.

ADAC Redakteur Andreas Huber am Steuer einer BMW i3 Limousine
Gewohnter Arbeitsplatz: Das Cockpit ist beinahe identisch mit dem des iX3© BMW

Das Lenkrad ist mit dem des iX3 ebenfalls identisch. In der Basis kommt es mit zwei Spangen, die aber nicht horizontal, sondern vertikal angeordnet sind. Das ist erst mal gewöhnungsbedürftig, soll aber die Ergonomie verbessern. Die Bedienflächen an den Seiten des Lenkrads sind unterschiedlich hoch und sollen die Navigation mit den Fingern erleichtern. BMW meint, dass Funktionen und Bedienfelder einfach zu ertasten sind.

Beim SUV hat sich aber bereits gezeigt, dass die Topografie der Tasten zwar ein Erfühlen ermöglicht. Welche Funktion sich aber dann hinter dem erfühlten Bereich befindet, muss man wissen.

Das Raumgefühl ist im i3 dagegen durchweg ordentlich. Zwar gibt sich der Fahrgastraum weniger luftig als beim SUV, das war konzeptbedingt aber zu erwarten. Das reduzierte Raumkonzept funktioniert auch in der Limousine gut.

Fond: Ordentlich Platz, aber unbequem für die Knie

ADAC Redakteur Andreas Huber auf der Rückbank einer BMW i3 Limousine
Für die Knie ist genug Platz, diese sind aber stark angewinkelt© BMW

In der zweiten Reihe sitzen die Passagiere auf einer bequemen Sitzbank. Personen mit 1,80 Meter kommen hier gut unter, über 1,90 könnte es um den Kopf herum aber etwas enger werden. Auch die Knie haben nach vorne hin gut Platz, sind dafür aber leider stark angewinkelt – vor allem im Vergleich zum iX3.

Hier zeigt sich eine der alten Schwächen von Cell-to-Pack-Akkus, wie BMW sie bei der neuen Klasse verbaut, vor allem bei Fahrzeugen mit niedrigeren Dachlinien – zu denen eben auch eine Limousine gehört. Sie nehmen Platz im Unterboden weg, der sonst für die Füße zur Verfügung steht.

Daraus resultiert auch, dass die Füße wenig Platz unter den Vordersitzen haben, zumindest wenn die Insassen in der ersten Reihe tief sitzen. Beim höheren SUV iX3 gibt es hier kein Problem.

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BMW i3 50 xDrive mit 345 kW Leistung

Mit der Einführung der Neuen Klasse präsentierte BMW die sechste Generation seines E-Drive-Antriebs. Auch beim i3 bedeutet das einen elektrisch erregten Synchronmotor (ESM) an der Hinterachse. Für die xDrive-Versionen (Allrad) erweitert BMW das Antriebskonzept durch einen neu entwickelten Asynchronmotor (ASM) an der Vorderachse.

Zum Marktstart bieten die Bayern den i3 als 50 xDrive an. Er leistet analog zum SUV 345 kW (469 PS), beide E-Motoren erzeugen zusammen ein maximales Drehmoment von bis zu 645 Nm. Später soll ein Einstiegsmodell mit Heckantrieb folgen.

Supercomputer für Fahrdynamik und Infotainment

Frontdetail einer BMW i3 Limousine
Unter der Haube des i3 arbeiten keine einzelnen Steuergeräte, sondern vier Supercomputer© BMW

In BMWs neuer Elektro-Limousine übernehmen vier Supercomputer sämtliche Aufgaben des Fahrzeugs. Anders als bei herkömmlichen Fahrzeugkonzepten, die auf zahlreiche vernetzte Steuergeräte setzen, garantiert das zentrale System eine deutlich schnellere Reaktionsfähigkeit. Die Zentralisierung der Aufgaben sorgt hier für mehr Effizienz und Geschwindigkeit.

Diese vier Rechenzentren kommen in der neuen i3 Limousine zum Einsatz:

Heart of Joy
Der Name verrät es bereits: Dieser Computer kontrolliert die Fahrdynamik und den Antrieb. Das System steuert alle Fahreigenschaften – vom Stillstand bis zum dynamischen Limit. Zu seinen Aufgaben zählen der Antrieb, das Bremssystem, das Laden und die Rekuperation sowie bestimmte Funktionen der Lenkung.

Superbrain of Automated Driving
Der Name steht für eine hochentwickelte Schaltzentrale, die Fahrtrouten berechnet und die Signale zahlreicher Fahrzeugsensoren verarbeitet. Im i3 werden Assistenzfunktionen bereitgestellt, die bereits aus dem BMW 5er bekannt sind, wie Spurführung und Fahrfunktionen gemäß Level 2+. Diese Funktionen sollen bei allen Fahrzeugen der Neuen Klasse weiter optimiert und erweitert werden.

Infotainment
Das Infotainment-System erhält ebenfalls einen eigenen Zentralrechner. Das ist nachvollziehbar, denn die Limousine ist im Vergleich zu früheren BMW-Modellen deutlich digitaler ausgestattet. Um die komplexen Anwendungen und Sprachsteuerungen zuverlässig im Alltag nutzen zu können, wird eine leistungsstarke Rechnerbasis benötigt.

Basisfunktionen
Die elektrischen Fensterheber oder die elektrische Heckklappe sind Basisfunktionen, die in einem eigenen System zusammengefasst werden.

Marktstart und Preis: Ab Sommer 2026 beim Händler

Im Sommer 2026 soll die neue BMW-i3-Limousine beim Händler stehen. Wie es um einen Touring, also den Kombi des elektrischen 3ers, steht, bleibt abzuwarten. Die Preise kommuniziert BMW aktuell noch nicht. Wirft man aber einen Blick auf die Preisliste des iX3-SUV, ist davon auszugehen, dass das Stufenheck etwas günstiger eingepreist wird. Als 50 xDrive startet der iX3 ab 68.900 Euro. Traditionell ist die Limousine günstiger, sodass 66.000 Euro ein realistischer Wert sein könnten.

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