Welches Winterzubehör Autofahrer wirklich brauchen

Scheibenkratzen muss sein – aber nicht unbedingt mit einem beheizbaren Kratzer
Scheibenkratzen muss sein – aber nicht unbedingt mit einem beheizbaren Kratzer© iStock.com/ViktorCap

Vereiste Scheiben, kalte Sitze, feuchter Innenraum: Der Winter ist für Autofahrer mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Immer neues Zubehör verspricht Hilfe. Aber nützt es auch?

  • Vorsicht beim Einsatz von Heizlüftern

  • Hoher Aufwand bei heizbaren Lenkradbezügen

  • Frontscheibenabdeckungen können hilfreich sein

Heizlüfter, Trocknungssäckchen oder elektrische Eiskratzer: Bei Discountern und im Internet werden zahlreiche Gadgets für Autos im Winter angeboten. Ob sie wirklich hilfreich sind, zeigt ein Systemvergleich der ADAC Experten und Expertinnen. Vieles, was im Netz oder auf bunten Ständern angeboten wird, erweist sich schon beim ersten Ausprobieren als überflüssig.

Winterzubehör für den Innenraum

Heizlüfter, die eine beschlagene Windschutzscheibe frei blasen, ein beheizbares Lenkrad, das die klammen Finger wärmt – Innenraum-Gadgets zum Heizen gibt es zahlreiche. Aber nicht alle Zubehörteile sind wirkungsvoll und praktikabel. Außerdem müssen solche Gadgets an die 12-Volt-Steckdose angeschlossen werden – und das belastet die Starterbatterie

Heizkissen

Heizkissen © ADAC Test und Technik/Arnulf Thiemel

Heizkissen sind oft nur schlecht auf dem Sitz zu befestigen, meist ist auch die Haltekraft des Oberflächenmaterials nicht ausreichend. So besteht beim starken Bremsen oder bei einem Unfall die Gefahr des Durchrutschens unter dem Gurt. Außerdem fehlt den meisten Modellen ein Stufenschalter.

Heizbare Sitzauflage

Heizbare Sitzauflage © ADAC Test und Technik/Arnulf Thiemel

Die Auflage muss gut zu befestigen sein, sonst rutscht man wie bei den Heizkissen bei einer scharfen Bremsung unter dem Gurt durch. Wenn in der Betriebsanleitung nichts anderes steht, dürfen Modelle mit Heizdrähten nicht geknickt werden, sonst droht ein Schmorbrand. Ein Stufenschalter und eine Kontrollleuchte fürs Ausschalten beim Aussteigen sind empfehlenswert. Noch besser ist es, sich beim Autosattler oder in der Werkstatt nach einer festen Nachrüstung unter dem Sitzbezug zu erkundigen.

Heizlüfter

Heizlüfter © ADAC Test und Technik/Arnulf Thiemel

Mit 150 Watt haben Heizlüfter nur eine sehr schwache Leistung und machen die Windschutzscheibe nur punktuell frei. Besser wirkt eine Standheizung mit ihren 4000 bis 5000 Watt. Und Vorsicht bei der Befestigung des Lüfters: Wer ihn am Armaturenbrett mit den mitgelieferten Schrauben fixiert, riskiert einen Schaden.

Heizbarer Lenkradbezug

Heizbarer Lenkradbezug © ADAC Test und Technik/Arnulf Thiemel

Immer weniger Autos sind mit 12-V-Steckdosen ausgestattet, die auch ohne Zündung Strom führen. Und falls vorhanden, sind diese Steckdosen oft mit Smartphone, Sitzheizung, mobilem Navi und anderen Verbrauchern (über)belegt. Da kann die Starterbatterie schon mal zu stark entladen werden. Der Aufwand für einen beheizten Lenkradbezug ist sehr hoch, auch weil er schon eine Weile vor der Fahrt an- und unmittelbar vor dem Start wieder abgesteckt werden muss. Der Nutzen steht dazu in keinem Verhältnis.

Zudem verleitet das Produkt zur verbotenen Nutzung während der Fahrt, was wegen des dabei entstehenden Kabelsalats eine große Gefahrenquelle darstellt. Besser ist es, man fragt wegen einer Nachrüstung des Original-Lenkrads mit integrierter Beheizung in der Werkstatt nach. Für einige Modelle gibt es fahrzeugspezifische Kabelsätze.

Winterzubehör für den Schutz der Karosserie

Auch beim Zubehör für die Karosserie gilt die grundsätzliche Frage: Wie sinnvoll und effektiv sind solche Winterhelfer wirklich? Oder bergen sie nicht im Gegenteil sogar Gefahren, weil sie schlecht verarbeitet sind?

Außenspiegelüberzug

Außenspiegelüberzug © ADAC Test und Technik / Arnulf Thiemel

Schutzbezüge für den Außenspiegel bieten nur einen punktuellen Schutz und müssen vor bzw. nach jeder Fahrt ab- bzw. draufgezogen werden. Viele neuere Autos haben heute ohnehin Spiegelheizungen, die sich bei niedrigen Temperaturen automatisch oder zusammen mit der Heckscheibenheizung anschalten. Das ist meist an gewellten Linien am Spiegel-Verstellschalter zu erkennen – oder steht in der Bedienungsanleitung.

Elektrischer Eiskratzer

Elektrischer Eiskratzer © ADAC Test und Technik/Arnulf Thiemel

Beheizt wird bei dem vom ADAC ausprobierten elektrischen Eiskratzer nur ein kurzes Metallstück, das keinen Kontakt zur Kratzerkante hat. Sie sind wenig effektiv, weil sie es kaum schaffen, auch nur dünnes Eis anzuschmelzen und dann wegzukratzen. Außerdem drohen Spannungsrisse in der Scheibe oder Schmorbrand, wenn der eingeschaltete Kratzer auf dem Sitz abgelegt wird.

Frontscheibenabdeckung

Frontscheibenabdeckung © ADAC Test und Technik / Arnulf Thiemel

Prinzipiell erweisen sich Frontscheibenabdeckungen als wirkungsvoll. Voraussetzungen sind aber eine gute Qualität und Verarbeitung. Ideal sind Modelle mit Magneten an der Unterseite beider Längskanten, die eine Fixierung an der Motorhaube bzw. dem Autodach erlauben. Leichte Papp- oder Kunststoffabdeckungen blähen sich auf oder wehen weg.

Weitere Winter-Hilfsmittel

Viele andere Hilfsmittel sind Spielereien, die bei einer ordentlichen Wintervorbereitung überflüssig sind – mit einer Ausnahme.

Anfahrhilfe

Anfahrhilfe © ADAC Test und Technik / Arnulf Thiemel

Die Oberflächen von Anfahrhilfen zeigen sich im Praxisversuch oft als relativ glatt und meist zu kurz, um effektiv aus der Schneeglätte herauszuhelfen. Schneeketten sind hier eindeutig die bessere Wahl.

Scheibenschaber

Scheibenschaber © ADAC Test und Technik / Arnulf Thiemel

Der bei einigen Discountern angebotene Scheibenschaber mit einer runden, aber glatten Schabekante kommt einer vereisten Scheibe nicht bei, ist höchstens bei Raureif wirkungsvoll. Und die Kegelform erfasst die Ecken der Scheiben nicht.

Trocknungssäcke

Trocknungssack © ADAC Test und Technik / Arnulf Thiemel

Trocknungssäcke werden meist paarweise angeboten und nehmen laut Hersteller pro Sack bis zu 500 Gramm Feuchtigkeit auf. Prinzipiell sind solche Säcke in Ordnung. Allerdings besteht die Gefahr, dass die vollgesaugten, dann je ein Kilogramm schweren Säckchen zum Geschoss werden. Sie müssen ordentlich, zum Beispiel im hinteren Fußraum, verstaut werden.

Außerdem sollte man vor dem Einsteigen möglichst viel Schnee von den Füßen klopfen, damit er gar nicht erst im Auto taut. Wenn die Scheiben von innen auch ohne viel Schnee im Wagen beschlagen, kann das an Verschmutzung zum Beispiel durch Nikotin an der Innenseite liegen. Dann hilft Putzen gegen die Feuchtigkeit im Auto – aber nicht mit rückfettendem Haushalts-Scheibenreiniger, sondern mit einem geeigneten Produkt.

Wasserkocher

Wasserkocher © ADAC Test und Technik / Arnulf Thiemel

Mobile Wasserkocher sind kleine Thermobehälter, die per Bordspannung beheizt werden, aber in der Mittelkonsole nicht fixiert werden können. Bei starkem Bremsen besteht die Gefahr des Verbrühens. Außerdem kann der Behälter zum Geschoss werden. Ohnehin lenkt die Tee- oder Kaffeebereitung während der Fahrt ab.

Fazit der ADAC Experten

Vieles von dem, was auf den ersten Blick hilfreich scheint, erweist sich beim näheren Hinsehen als wirkungslos oder zumindest wenig praktikabel. Generell sollte man überlegen, ob der Fall, für den das Zubehör entwickelt wurde, wirklich eintritt – und sich dann gegebenenfalls vom Fachhändler beraten lassen bzw. das Hilfsmittel dort ausprobieren.

Viele Zubehörteile sind überflüssig, wenn das Auto auf herkömmlichem Weg winterfest gemacht wird. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Scheibenfrostschutz checken

  • Türdichtungen mit Gummi-Pflegemitteln behandeln

  • Türschlösser mit Universalspray behandeln

  • Stabilen Eiskratzer und Besen einpacken

Im Winter, der dunklen Jahreszeit, kann man nie genug Licht haben. Viele Autos lassen sich inzwischen legal mit hellem LED-Licht nachrüsten.

Diese Dinge gehören im Winter ins Auto

  • Handfeger

  • Eiskratzer

  • Abschleppseil

  • Decke

  • Abdeckfolie für die Windschutzscheibe

  • Ersatz-Scheibenwaschzusatz für den Winter

  • 12-V-Ladegerät für das Mobiltelefon
    (Akkus entleeren sich bei niedrigen Temperaturen schneller)

  • Handschuhe

  • Taschenlampe

  • In alpinen Gegenden zusätzlich Schneeketten, Klappspaten, etwas Streusplit

Katja Legner
Katja Legner
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