Was ist der beste Sonnenschutz bei Hitze im Auto?

Hitze - ein Thermometer zeigt 40 Grad im Close Up im Hintergrund eine befahrene Stadtstrasse im Sommer
Bei hohen Außentemperaturen und Sonne kann ein Sonnenschutz fürs Auto sinnvoll sein ∙ © iStock.com/Marc Bruxelle

Wer sein Auto im Sommer an einem sonnigen Standort parkt, weiß, wie schnell sich der Innenraum aufheizen kann. Temperaturen von 60 Grad im Auto sind dann keine Seltenheit. Doch was kann man gegen die Aufheizung tun? Das hat der ADAC gecheckt.

  • Sonnenschutzfolien und Halbgaragen reduzieren Temperatur gut

  • Autos mit heller Lackierung heizen sich weniger stark auf

  • Oberflächen im Fahrzeug können ohne Schutz glühend heiß werden

Sonnenschutz-Zubehör fürs Auto verspricht in jedem Fall Abhilfe bei heißen, sommerlichen Temperaturen und hilft, die Hitzeentwicklung im Fahrzeuginneren zu reduzieren. In einer Studie haben die Ingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech überprüft, was am besten gegen den Hitzestau hilft. Dafür wurden sieben Fahrzeuge mit entsprechendem Sonnenschutz-Zubehör ausgestattet, in der Sonne geparkt und die Temperaturentwicklung in der Mittagshitze aufgezeichnet.

Sonnenschutz fürs Auto hilft bei Hitze

Verschiedene Dacia Modelle stehen auf dem Kiesparkplatz bei einem Autohändler im Sommer
Sieben baugleiche Dacia Duster wurden mit unterschiedlichem Sonnenschutz-Zubehör versehen ∙ © ADAC/Test und Technik

Im ADAC Check dabei: Eine Abdeckplane für die Fensterflächen rundum (eine sogenannte Halbgarage), eine reflektierende Sonnenschutzfolie für außen, ein weißes Stofftuch zur Auflage auf das Armaturenbrett und eine reflektierende Sonnenschutzblende für den Innenraum. Zudem wurde ein Fahrzeug mit getönten Seiten- und Heckscheiben untersucht. Aber welches Sonnenschutz-Zubehör bringt am meisten?

Wie die Grafik zeigt, hat sich das Referenzfahrzeug ohne weitere Maßnahmen bei hochsommerlichem Wetter auf 53 Grad aufgeheizt. Die Abdeckplane (Halbgarage) zeigte die beste Wirkung. Mit ihrer Hilfe wurde es nur 43 Grad warm im Innenraum des Testwagens. Die Sonnenschutzfolie außen aufgelegt, stellt eine zufriedenstellende Lösung dar (45 Grad). Innen angebracht haben die Sonnenschutzblende (49 Grad) und das weiße Tuch auf dem Armaturenbrett (50 Grad) am wenigsten Wirkung gezeigt.

Die Halbgarage schützt am besten

Auto nmit Halbgarage bzw. einer Abdeckungsplane
Die Abdeckplane bzw. Halbgarage bietet den besten Hitzeschutz ∙ © ADAC/Test und Technik

Den besten Sonnenschutz für ein in der Sonne abgestelltes Auto bietet die Abdeckplane bzw. die sogenannte Halbgarage, da der Fahrzeuginnenraum rundum vor den Sonnenstrahlen geschützt ist und sich damit nicht so stark aufheizen kann. Bei den ADAC Messungen war die Temperatur im Fahrzeug unter einer Halbgarage um beachtliche 10 Grad geringer als beim Auto ohne Sonnenschutz-Maßnahme.

Auch gut: Die Sonnenschutzfolie außen

Eine Thermomatte zum Sonneschutz auf der Windschutzscheibe eines PKWs außen
Ein effektiver Hitzeschutz ist eine reflektierende Sonnenschutzfolie, die außen auf der Windschutzscheibe angebracht ist ∙ © stock.adobe.com/mhp

Durch das Anbringen einer Sonnenschutzfolie außen auf der Windschutzscheiben werden die Sonnenstrahlen reflektiert. Das verhindert effektiv ein Aufheizen der Sitzbezüge und auch der Armaturen. Immerhin ist die Lufttemperatur im Fahrzeuginneren um acht Grad geringer als ohne Sonnenschutz. Sie ist damit der zweitbeste Schutz vor Hitze im Auto.

Schutzblende innen: Besser als nichts

Reflektierende Folie als Hitzeschutz hinter der Windschutzscheibe eines grauen PKWs
Die Sonnenschutzblende im Innenraum des Autos muss genau passen ∙ © Shutterstock/aapsky

Auch eine Sonnenblende, die im Innenraum des Fahrzeugs angebracht werden kann, reduziert die Wärmeentwicklung im Auto. Allerdings nur um vier Grad gegenüber dem Referenzfahrzeug ohne Sonnenschutz. Eine Wirkung gegen Hitze bietet die Sonnenblende zudem nur, wenn sie exakt der Innenscheibengröße entspricht. Oft ist das nicht der Fall und damit der Effekt noch geringer.

Tönungsfolie: Oberflächen bleiben kühler

Ein Mann klebt verdunkelte Sonnenschutzfolie auf seinen roten PKW
Mit getönten Scheiben wird es auf der Rückbank nicht so heiß ∙ © Shutterstock/Roman Zaiets

Ähnlich verhält es sich mit Scheibentönungen eine Sonderausstattung für die Scheibenflächen ab der B-Säule. Getönte Scheiben verringern die Aufheizung im Innenraum zwar nur um zwei Grad, aber die Oberflächentemperaturen auf der Rücksitzbank zeigen einen deutlichen Effekt. Ohne Scheibentönung herrschen 57 Grad, mit Tönung immerhin nur 48 Grad. Das ist ein spürbarer Unterschied besonders für Kinder und Säuglinge – auch während einer längeren Reise.

So schnell heizt sich ein Auto auf

Wie schnell sich ein Auto in der Mittagssonne aufheizen kann, hat der ADAC bereits in einer Untersuchung 2017 nachgewiesen.

Die Grafik zeigt, dass bereits nach 30 Minuten eine kritische Temperatur von 50 Grad im Fahrzeuginneren erreicht ist. Nach rund 60 Minuten ist die Spitzentemperatur erreicht. Diese steigt dann nur noch langsam weiter an, sodass es im Innenraum eines Autos nach nur 90 Minuten Parken in der Mittagssonne sogar fast 60 Grad heiß werden kann.

Armaturen und Lenkrad immer abdecken

Im Fahrzeuginnenraum unterscheiden sich allerdings Lufttemperatur und Oberflächentemperatur im Fahrzeuginnenraum noch mal erheblich. Ohne Maßnahmen wurden bei der ADAC Studie Lenkrad und Armaturen bis über 70 Grad heiß. Bei diesen Oberflächentemperaturen besteht eine Verbrennungsgefahr für die Haut. Deshalb sollte man bei hohen Außentemperaturen Armaturen und Lenkrad beim Parken immer abdecken. Hier reduziert jedes Sonnenschutz-Zubehör effektiv die Oberflächentemperaturen. Denn damit bleibt insbesondere das Lenkrad um bis zu 26 Grad kühler.

Lackfarbe: Helle Autos heizen sich weniger auf

Ein weisses und ein dunkelgraues Auto stehen vor einer Hecke frontal gegenüber
Weißes vs. schwarzes Auto: Hat die Lackfarbe einen Einfluss auf die Innentemperatur? ∙ © Shutterstock/J. Amphon

In einem Testszenario haben ADAC Ingenieure auch die Lacktemperatur eines weißen und eines schwarzen Autos konkret überprüft. Das Ergebnis: Die Farbe der Fahrzeuglackierung macht einen geringen, aber durchaus spürbaren Unterschied für die Temperatur im Fahrzeuginneren aus. Die Oberfläche des schwarzen Fahrzeugs hat sich in der Mittagshitze mit hochstehender Sonne auf 65 Grad Lacktemperatur erhitzt, die des weißen Autos dagegen auf nur 44 Grad.

Die Lackaußentemperatur überträgt sich zwar viel geringer ins Fahrzeuginnere, der Temperaturunterschied ist aber für den Körper spürbar. Konkret: Die Temperatur im Innenraum des weißen Autos war bei den ADAC Messungen um fünf Grad kühler als im schwarzen Auto.

Woran liegt das? Je mehr Strahlung ein Gegenstand absorbieren kann, desto mehr Energie kann er auch aufnehmen. Diese Energie kann dann in andere Energieformen wie zum Beispiel Wärme umgewandelt werden. Ein schwarzes Auto absorbiert somit viel mehr Strahlung und speichert dadurch viel mehr Energie als ein weißes Auto. Bei gleichen Bedingungen wird also ein schwarzes Auto wärmer als ein weißes. Die gemessene Innentemperatur von 53 Grad beim schwarzen Fahrzeug stellt einen fühlbaren Unterschied zu den gemessenen 48 Grad beim weißen Fahrzeug dar.

Übrigens: Vor allem aufgeheizte dunkle Oberflächen im Innenraum tragen wesentlich zur Erwärmung bei – mehr als die Fahrzeuglackierung selbst.

Was tun bei Hitze im Auto?

  • Niemals Tiere und Kinder im verschlossenen Auto zurücklassen

  • Keine elektronischen Geräte wie Handys im Auto lassen

  • Lenkrad und Armaturen möglichst abdecken, um Verbrennungen zu vermeiden

  • Kindersitze stets mit einem hellen Tuch vor direkter Sonneneinstrahlung schützen

  • Sonnenschutz für Autos im Fachhandel kaufen und sich beraten lassen

  • Vor Fahrtantritt immer gut lüften

Das Fazit der ADAC Untersuchung

Drohnenaufnahme mit sechs schwarzen und einem weissen Dacia beim Hitzetest in Landsberg
Fahrzeuge mit unterschiedlichem Sonnenschutz-Zubehör im ADAC Check ∙ © ADAC/Test und Technik

Zusammenfassend empfiehlt der ADAC die überprüften Sonnenschutz-Artikel sowie auch Scheibentönungen. Denn sie helfen vor allem die Oberflächentemperaturen im Fahrzeuginneren niedrig zu halten – wenn auch unterschiedlich effektiv. Damit gestaltet sich der Fahrtantritt aber in jedem Fall sehr viel angenehmer, und die Klimaanlage kühlt das Fahrzeug schneller auf wohltuende Temperaturen.

Fachliche Beratung: Matthias Zimmermann / ADAC Technikzentrum

Andrea Piechotta
Redakteurin
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