Tiere sicher im Auto transportieren

3.7.2018

Wer mit seinem Haustier verreist, wählt häufig das Auto als Transportmittel. Was aber mancher Autourlauber nicht weiß: Auch für Vierbeiner gibt es eine Sicherungspflicht. Hier erfahren Sie, was Sie beachten müssen und bekommen einen Überblick über verschiedene Sicherungssysteme für Ihr Tier.

Weißer Schäferhund steht im offenen Kofferraum eines Autos
Ein ungesicherter Hund im Auto kann extrem gefährlich werden.

In Paragraf 23 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es: „Wer als Fahrzeugführer vor Fahrtantritt nicht dafür gesorgt hat, dass eine Beeinträchtigung seiner Sicht oder seines Gehörs durch Tiere ausgeschlossen ist, muss mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 10 Euro rechnen.“

Wer sein Tier ungesichert mitnimmt, begeht außerdem einen Verstoß gegen die Sicherungspflicht von Ladung (§ 22 Abs. 1 StVO). Verstöße gegen diese Sicherungspflicht stellen ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit dar und werden mit 35 Euro Verwarnungsgeld geahndet, bei Gefährdung sogar mit 60 Euro und einem Punkt. Sie sind also dafür verantwortlich, dass Sie als Fahrzeugführer und Beifahrer nicht durch frei bewegliche Tiere gestört oder verletzt werden können. Was Sie auch bedenken sollten: Im Falle eines Unfalls könnte auch die Versicherung Schwierigkeiten machen.

Gefahren durch nicht gesicherte Vierbeiner

Hund oder Katze, die nicht gesichert sind, stören nicht nur den Fahrer. Bei einem Unfall, wenn der Vierbeiner durch den Innenraum geschleudert wird, ist nicht nur das Tier, sondern auch der Mensch extrem gefährdet. Das Verletzungsrisiko für Insassen durch das Tier ist extrem hoch: Schon bei einem Aufprall mit 50 km/h kann im Pkw das Dreißigfache des Eigengewichts auf einen Körper wirken. Ein mittelgroßer Hund, der 20 Kilogramm wiegt, entwickelt bei einem Unfall die Durchschlagskraft von einer halben Tonne (ca. 600 Kilogramm). Aber nicht nur für den Tierhalter wird die Fahrt gefährlich, auch der Hund selbst kann schwerste Verletzungen davontragen.

Um seinen Liebling während der Fahrt zu sichern, gibt es im verschiedene Transportsysteme. Doch nicht alle sind empfehlenswert. Wir haben die unterschiedlichen Tiersicherungssysteme getestet. 

Hunde-Sicherheitsgurt

Vorteile:

  • Die Verletzungsgefahr für Insassen kann zumindest bei Geschirren mit hoher Festigkeit reduziert werden (z.B. breite Gurte mit Metallverschlüssen, crashtestgeprüft).
  • Das Tier kann nur so weit nach vorne geschleudert werden, wie die Gurtlänge es zulässt. Von Vorteil ist eine möglichst kurze und beidseitige Fixierung (z.B. Isofix-Haken, Firma EHV, Firma Doggy-Protect).
  • Leichte Handhabung
  • Breitere und gepolsterte Gurte reduzieren die Belastungen auf den Brustkorb des Tieres.

 
Nachteile:

  • Bei Fixierung am Sicherheitsgurt: Ein großer Bewegungsfreiraum kann Spitzenbelastungen auf den Körper des Tieres bewirken
  • Bei schweren Kollisionen Verletzungsgefahr für das Tier und die Person auf dem Vordersitz bei  Aufprall auf die Vordersitzlehnen
  • Geschirre mit ungenügender Festigkeit (schmale Gurte und Kunststoffverschlüsse) können reißen
  • Tier kann bei großem Bewegungsfreiraum Fahrer stören

Transportboxen

Es gibt unterschiedlich große Transportboxen aus Kunststoff oder Metall, die teilweise auch daheim für den Hund als Schlafplatz verwendbar sind. Es ist jedoch wichtig, dass sich das Tier vor der Fahrt an die Box gewöhnt. Kosten ca. 40 bis 400 Euro.

Vorteile:

  • Gute Sicherheit für das Tier, wenn Box (inklusive Tier) quer zur Fahrtrichtung direkt hinter der Rücksitzlehne (z.B. im Kombi) positioniert wird. Große Boxen müssen aber zusätzlich gesichert werden, da besonders bei älteren Fahrzeugen die Festigkeit der Sitzlehnen nicht ausreicht. Hierfür eignet sich ein stabiles Laderaumtrenngitter, -trennnetz oder das Festspannen mit Gurten. Tipp: Sicherheitsgurte der Rücksitze schließen, auch wenn niemand auf dem Rücksitz sitzt. Das erhöht ebenfalls die Stabilität der Lehne
  • Kleinere Boxen können auch sicher im Fußraum hinter den Vordersitzen untergebracht werden
  • Das Tier befindet sich in seiner gewohnten „Schlafhöhle“ und ist von gewissen Fahreinflüssen von außen gut abgeschirmt (keine Nervosität beim Tier).
  • Tier kann Fahrer nicht stören und (im Falle eines Unfalls) die Rettungskräfte nicht behindern

Nachteile:

  • Umständliche Handhabung (nur bei schweren Boxen)
  • Gewisse Eingewöhnungsphase für das Tier
  • Eigenstabilität der Boxen bei Sicherung ohne vordere Abstützung (z.B. auf dem Rücksitz) unzureichend

Abtrennung im Fahrzeuginnenraum

Die Firma Kleinmetall hat im Anschluss an Crashtests eine spezielle "raumhohe" Sicherheitsabtrennung entwickelt, die aus einem Geflecht flexibler Gurtbänder besteht. Sie wird unmittelbar hinter den Fahrzeugsitzen (z.B. hinter Fahrer-/Beifahrersitz) mit Hilfe der Sicherheitsgurte verankert. Das Tier sitzt hier frei beweglich auf der Rücksitzbank. Auch für Limousinen einsetzbar. Kosten bis ca. 350 Euro.

Vorteile: 

  • Stabiles Netzgitter, ein Vorschleudern des Tieres wird verhindert
  • Verletzungsrisiko für das Tier ist gering
  • Verwendbar auch in Pkw mit separatem Kofferraum


Nachteile: 

  • Aufwändige Montage/Demontage
  • Sitzplätze hinter der Abtrennung für Passagiere nicht mehr verwendbar

Trennnetz oder Trenngitter für den Laderaum

Häufig werden Tiere hinter einer Laderaumbegrenzung in Kombis bzw. Schräghecklimousinen platziert. Leider ist jedoch bei vielen älteren Fahrzeugen die Stabilität der Rücksitzlehnen (vor allem geteilter Lehnen) noch nicht ausreichend. Aus diesem Grund sollten vorwiegend stabile Laderaumtrenngitter nach DIN (75410-2) verwendet werden, die vom Dachbereich bis zum Ladeboden reichen und eine stabile Verankerung aufweisen. Viele Fahrzeughersteller bieten ebenfalls eine Laderaumtrennung an. Für Fahrzeuge mit umlegbarer Rücksitzlehne, ca. 170 bis 350 Euro.

Vorteile:

  • Bei stabilem Laderaumbegrenzungsgitter ist eine zusätzliche Verletzungsgefährdung der Insassen nicht zu erwarten
  • Tier kann Fahrer nicht stören und Rettungspersonal nicht behindern
  • Zusätzlicher Ladungssicherungsschutz


Nachteile:

  • Bei größerem Kofferraum (große Distanz zwischen Tier und Laderaumgitter) kann es zu einer Spitzenbelastung auf das Tier beim Aufschlag kommen
  • Netze und Gitter, die nicht stabil im Fahrzeug verankert sind, können das Durchschlagen von größeren Tieren nicht verhindern

Tiersicherheitssitz Doggy Safe

Die Firma DoggySafe hat einen crashtestgeprüften Tiersicherheitssitz in der Bauweise eines Koffers entwickelt, der mit dem Sicherheitsgurt, aber auch sehr praktisch an den Isofix-Verankerungen auf dem Rücksitz des Autos befestigt werden kann. Das Tier (bis ca. 9 Kilogramm) wird darauf durch ein Geschirr beidseitig gesichert. Preis ca. 150 - 200 Euro.

Vorteile: 

  • Große Sicherheit für Insassen und Tier, da der Hund nicht durch das Auto geschleudert werden kann
  • Tier kann Fahrer nicht stören
  • System dient auch als Schlafplatz für das Tier in der Urlaubs-Unterkunft
  • Fahrzeugverschmutzung gering
  • Gute Abstützung für das Tier bei Fahrmanövern durch Kunststoffhalbschale
  • Sehr einfache und feste Montage mit Isofix-Befestigung

Nachteile:

  • Etwas umständliche Befestigung im Fahrzeug mit Sicherheitsgurt
  • Tier muss an Geschirr und geringen Bewegungsraum gewöhnt werden

Was ist mit der im Handel erhältlichen Schutzdecke? 

Die Schutzdecke, die für den Transport des Tieres auf der Rücksitzbank meist an den vorderen Kopfstützen fixiert wird, dient weniger der Sicherheit. Sie schützt allenfalls vor Verschmutzungen des Fahrzeuginnenraums. 

Eigensicherung des Tieres

Gesetzliche Prüfvorschriften zu Sicherungssystemen für Tiere existieren nicht. Es ist aber bei der Auswahl von Produkten sinnvoll, auf Crashtests oder DIN-Prüfungen (DIN75410-2) zu achten. In neueren Fahrzeugen können auch Systeme zum Einsatz kommen, die zur Befestigung nicht die Sicherheitsgurte, sondern die serienmäßig vorhandenen Verankerungen für „Isofix“-Kindersitze nutzen.

Ergebnisse aus dem ADAC Crashtest

Unsere Technik-Experten haben die verschiedenen Systeme ebenfalls getestet. Das Ergebnis: Die sicherste Möglichkeit, Tiere im Auto zu befördern, sind Transportboxen im Fußraum der Rücksitze oder im Laderaum direkt hinter den Sitzlehnen, kombiniert mit einem Trenngitter oder Trennnetz. Unsere Experten raten von der Fixierung am Rücksitz mit einem Haltegeschirr, das nicht stabil ausgeführt ist und zu viel Vorverlagerung erlaubt, ab. Im Test brach der Karabinerverschluss, der Tier-Dummy schlug in die Lehne des Vordersitzes ein.