ADAC Kindersitztest 2024: Welche Modelle sind am sichersten?

ADAC Ingenieur Andreas Ratzek erklärt im Video die Ergebnisse des aktuellen Kindersitztests ∙ Bild: © Foto ADAC/Ralph Wagner, Video: © ADAC e.V.

Im aktuellen Kindersitztest hat der ADAC 24 Sitze auf Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffgehalt kritisch geprüft. Gute Modelle gibt es in allen Größen, zwei sind allerdings "mangelhaft". Alle Ergebnisse auf einen Blick.

  • 24 Kindersitze in allen Größen getestet

  • Zwei schadstoffbelastete Sitze sind "mangelhaft"

  • Plus: Alle Ergebnisse früherer Tests

Die Wahl des richtigen Kindersitzes fällt vielen Eltern schwer: Welche Modelle sind sicher, passen zum eigenen Auto, haben das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Der ADAC hat jetzt 24 Kindersitze in allen Größen geprüft und bewertet. Getestet wurden Modelle aus den drei Baugruppen Babyschalen, Sitze für Kleinkinder und Sitzerhöhungen für größere Kinder. Zwei Modelle fielen im aktuellen Kindersitztest durch, 15 Sitze bekamen hingegen das ADAC Urteil "Gut", sieben erhielten ein "Befriedigend".

Zu empfehlen sind die "guten" und "befriedigenden" Modelle des Kindersitztests. Diese Kindersitze übertreffen die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich. Ein Erfolg für den ADAC Verbraucherschutztest, denn die Anforderungen wurden bei der Produktentwicklung berücksichtigt, was die Qualität der Kindersitze noch einmal erhöht hat.

Kindersitztest 2024: Testergebnisse

Zu allen 447 Kindersitz-Tests
Zu allen 447 Kindersitz-Tests

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Der beste Kindersitz im Test mit dem ADAC Urteil 1,6 ist die Babyschale Nuna Pipa Urbn für Kinder bis zu rund einem Jahr. Ebenfalls eine "gute" Bewertung erhielten jeweils mit dem ADAC Urteil 1,8 die Babyschalen Cybex Cloud G i-Size + Base G und Lionelo Astrid i-Size + Astrid i-Size Base für Kinder bis zu rund 18 Monaten.

Nicht zu empfehlen sind die zwei "mangelhaft" bewerteten Kindersitze. Der Bezugsstoff des Silver Cross Discover i-Size enthält den Schadstoff DPHP, der die Schilddrüse und die Hypophyse schädigen kann. In der Kategorie Sicherheit schnitt dieser Sitz nur befriedigend ab, die mangelhafte Bewertung des Schadstoffgehalts erklärt dann das ADAC Urteil 4,8.

Das steckt dahinter: Der ADAC führt die Schadstoffprüfung mit einer sogenannten Mischprobe durch, die aus allen textilen Teilen des Kindersitzes gebildet wird, mit denen das Kind in Berührung kommen kann. Untersucht werden dabei bestimmte chemische Stoffe, die gesundheitsschädlich sein können. Eine mangelhafte Bewertung bei der Schadstoffprüfung kann nicht durch gutes Abschneiden in den anderen drei Kategorien ausgeglichen werden, sie wirkt damit voll auf die Gesamtnote.

Video: Der Peg Perego Viaggio Twist versagt im Crashtest des ADAC ∙ Bild: © ADAC/Test und Technik, Video: © ADAC e.V.

Der zweite "mangelhaft" bewertete Sitz Peg Perego Viaggio Twist + Base Twist versagte im Front-Crash völlig, sodass eine akute Verletzungsgefahr für das Kind besteht: Bei einem Aufprall wird der Sitz durch das Fahrzeug geschleudert! Aufgrund der gravierenden Sicherheitsmängel rät der ADAC in jedem Fall von einer Benutzung des Peg Perego Viaggio Twist + Base Twist ab. Zudem ist auch hier der Bezugsstoff belastet, was das ADAC Urteil 5,5 zur Folge hat. Das dort nachgewiesene Flammschutzmittel TCPP steht in Verdacht, krebserregend zu sein.

Babyschalen

Der Nuna Pipa Urbn im ADAC Kindersitz-Test 2024
Der Kindersitz Nuna Pipa Urbn erhielt im Test die beste Bewertung© ADAC/Ralph Wagner

Babyschalen sind praktisch: Mit integrierten Hosenträgergurten kann das Baby bereits in der Wohnung in der Schale angeschnallt und dann zum Auto getragen werden. Alle getesteten Babyschalen erhielten dieses Mal das ADAC Urteil "Gut". Die beste Bewertung in dieser Kategorie bekam mit der Gesamtnote 1,6 die Babyschale Nuna Pipa Urbn.

Diese leichte Schale wiegt nur 3,5 Kilogramm und ist für Kinder bis zu einem Jahr und bis zu einer Körpergröße von 75 Zentimetern geeignet. Sie kann ausschließlich mit einer Isofix-Halterung im Auto befestigt werden. Der Vorteil von Isofix: Der Sitzeinbau gelingt schneller, und das Risiko einer Fehlbedienung wie das Verwechseln von Becken- und Schultergurt ist ausgeschlossen. Der Sitz kostet rund 330 Euro.

Da der Nuna Pipa Urbn nur für Kinder bis zu einem Jahr verwendet werden kann, sollte im Anschluss ein rückwärtsgerichteter Kindersitz genutzt werden. Praktisch für den Urlaub: Die Babyschale besitzt auch eine Zulassung für die Verwendung in bestimmten Flugzeugen.

Der Cybex Cloud G I Size mit Base Rückwaerts im ADAC Kindersitz-Test 2024
Die Babyschale Cybex Cloud G i-Size + Base G bekam das ADAC Urteil "gut"© ADAC/Ralph Wagner

Die ebenfalls sichere Babyschale Cybex Cloud G i-Size + Base G mit der Gesamtnote 1,8 ist für Kinder bis zu 18 Monaten und bis zu einer Körpergröße von 87 Zentimetern geeignet. Mit Isofix-Basis kostet sie 460 Euro. Die Schale kann auf Sitzplätzen mit "i-Size"-Kennzeichnung und in Fahrzeugen, die in der Typliste des Kindersitzherstellers freigegeben sind, verwendet werden. Um den Komfort für das Baby zu verbessern, kann die Rückenstütze in eine flachere Position gestellt werden. Auch diese Babyschale besitzt eine Zulassung für die Verwendung in bestimmten Flugzeugen.

Die Schale ist Teil eines Modulsystems, bei dem verschiedene Kindersitze auf derselben Isofix-Basis befestigt werden können. Ein Wechsel in den Nachfolgesitz ist erst dann nötig, wenn der Kopf des Kindes den oberen Rand der Babyschale erreicht hat.

Der Lionelo Astrid i-Size + Astrid i-Size Base ist eine sehr sichere und mit 170 Euro preisgünstige Babyschale mit Isofix-Basis. Auf dieser lässt sich der Sitz einfach und stabil montieren. Ist die Isofix-Basis einmal eingebaut, kann sie im Fahrzeug verbleiben. Dieser Sitz erhielt im Test das ADAC Urteil 1,8.

Unpraktisch: Der Tragebügel muss zum Einbau im Fahrzeug umgeklappt werden. Dafür kann aber die Höhe der Hosenträgergurte mit der Kopfstütze mittels eines zentralen Verstellers an das wachsende Kind angepasst werden. Die Schale kann auf Sitzplätzen mit "i-Size"-Kennzeichnung und in Fahrzeugen, die in der Typliste des Kindersitzherstellers freigegeben sind, verwendet werden.

Der Maxi-Cosi Pebble 360 Pro wurde im letzten Kindersitztest im Herbst 2023 aufgrund des Schadstoffgehalts im Bezugsstoff abgewertet. Im Bezugsstoff seines Nachfolgemodells Maxi-Cosi Pebble 360 Pro2 wurden jetzt keine Schadstoffe mehr gefunden, er erhielt sowohl mit als auch ohne die Isofix-Station FamilyFix 360 Pro das ADAC Urteil 2,2.

Sitze für Kleinkinder

Der Cybex Sirona I Size Base G im ADAC Kindersitz-Test 2024
Der Cybex Sirona Gi i-Size erzielt die Gesamtnote 2,2© ADAC/Ralph Wagner

Der sichere Kindersitz Cybex Sirona Gi i-Size schneidet mit der Gesamtnote 2,2 in der Kategorie für Kleinkinder am besten ab. In ihm können Kinder bis etwa vier Jahren und einer Körpergröße bis 105 Zentimeter entgegen der Fahrtrichtung angeschnallt werden. Das bietet einen sehr guten Schutz bei einem möglichen Frontalunfall. Dieser Kindersitz kostet 370 Euro und kann auf Sitzplätzen mit "i-Size"-Kennzeichnung und in Fahrzeugen, die in der Typliste des Kindersitzherstellers freigegeben sind, verwendet werden.

Der Sitz Maxi-Cosi Mica 360 Pro ist ebenfalls für Kleinkinder bis rund vier Jahre mit einer Körpergröße von 40 bis zu 105 Zentimetern geeignet. Auch er erhielt im Test die Gesamtnote 2,2. Dieser Kindersitz ist ein sicherer, aber sehr schwerer Sitz für einen langen Einsatz-Zeitraum und kostet 470 Euro. Er kann auf Sitzplätzen mit "i-Size"-Kennzeichnung und in Fahrzeugen, die in der Typliste des Kindersitzherstellers freigegeben sind, verwendet werden.

Um den Einstieg zu erleichtern, kann der Maxi-Cosi Mica 360 Pro zur Seite gedreht werden. Zudem verfügt der Kindersitz über einen seitlichen Auszug, der das Anschnallen von Kleinkindern erleichtert. Der Kindersitz ist zwar für Neugeborene zugelassen, jedoch kann das Baby nicht wie bei einer Babyschale im Sitz zum Fahrzeug getragen werden.

Sitzerhöhungen für größere Kinder

Der Avova Sora Fix im ADAC Kindersitz-Test 2024
Die beste Bewertung bekommt in der Kategorie Sitzerhöhungen mit der Gesamtnote 2,0 der Avova Sora-Fix © ADAC/Ralph Wagner

Bei den Sitzerhöhungen mit Rückenlehne für Kinder ab vier Jahren bis zu einer Körpergröße von 150 Zentimetern erhielt der Avova Sora-Fix mit der Gesamtnote 2,0 die beste Bewertung. Der Kindersitz kostet 240 Euro und verfügt über eine zusätzliche Befestigungsmöglichkeit an den Isofix-Verankerungen in dafür freigegebenen Fahrzeugen. Isofix erhöht die Seitenstabilität und verhindert das Kippen des Sitzes bei einer Kurvenfahrt. In manchen Fällen steht der Sitz stabiler im Fahrzeug, wenn die Fahrzeugkopfstütze entfernt oder nach hinten gerichtet wieder eingesetzt wird.

Kindersitztest: So wurde getestet

Vorbereitungen für den Front Crash Kindersitze im Frühjahr 2024
ADAC Ingenieur Andreas Ratzek bereitet den Kindersitz von Peg Perego Viaggio auf den Frontalaufpralltest mit Dummy vor© Foto ADAC/Ralph Wagner

Der ADAC testet gemeinsam mit den europäischen Automobilclubs und Verbraucherschutz-Organisationen zweimal jährlich neue Kindersitze. Die Modellauswahl erfolgt gemeinsam mit den beteiligten Automobilclubs und den Verbraucherschutzorganisationen unter folgenden Aspekten: Der Kindersitz ist neu auf den Markt gekommen, hat eine große Marktbedeutung oder wurde seit dem letzten Test überarbeitet. Der Einkauf der Testmodelle erfolgt anonym im Einzel- oder Versandhandel.

Sicherheit

Beim Frontal- und Seitenaufprall-Crash wird die Sicherheit jedes einzelnen Kindersitzes überprüft. Der dabei simulierte Unfall geht sogar über die gesetzlichen Anforderungen an einen Kindersitz hinaus. Diese Kategorie hat einen Anteil von 50 Prozent am ADAC Urteil.

Bedienung

Auch die Bedienung wird getestet, denn nur ein korrekt eingebauter Sitz kann das Kind bei einem Unfall gut schützen. Wichtig dabei ist, dass der Kindersitz intuitiv richtig eingebaut werden kann und dass die Anzahl der Einbauschritte möglichst klein ist. Der Anteil an der Gesamtbewertung beträgt hier 40 Prozent.

Ergonomie

Ebenso berücksichtigt wird die Ergonomie jedes geprüften Sitzes, denn nur in einem passenden Kindersitz sitzt das Kind bequem, entspannt, sicher, und die Gurte und Seitenwangen können ihre volle Schutzwirkung entfalten. Das Prüfkriterium Ergonomie umfasst neben der Sitzposition, dem Platzangebot und dem Komfort für das Kind auch den Platzbedarf des Kindersitzes im Fahrzeug. Diese Kategorie hat einen Anteil von 10 Prozent am ADAC Urteil.

Schadstoffe

Mögliche Schadstoffe überprüft der ADAC mit einer Mischprobe aus allen textilen Teilen des Kindersitzes, mit denen das Kind in Berührung kommt. Diese Mischprobe wird auf den Gehalt von chemischen Stoffen wie PAKs, Phthalaten, Flammschutzmitteln, Weichmachern, phenolischen Verbindungen, Organozinn, Formaldehyd, Schwermetallen und Chlorparaffinen untersucht. Ist die Bewertung des Schadstoffgehalts schlechter als "befriedigend", führt das zu einer gravierenden Abwertung im Gesamturteil.

Tipps und Infos rund ums Fahrzeug. Kostenlos vom ADAC

Alle Modelle im Kindersitztest

Vor dem Kauf eines Kindersitzes sollten sich Eltern umfassend über das Angebot informieren. Dabei helfen die Ergebnisse dieses Kindersitztests und auch die der Vorjahre. Die Ergebnisse seit 2020 sind direkt mit den aktuellen Ergebnissen vergleichbar, alle seit 2015 "sehr gut", "gut" und "befriedigend" bewerteten Sitze können immer noch empfohlen werden.

Zu allen 447 Kindersitz-Tests
Zu allen 447 Kindersitz-Tests

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Tipps zum Kauf und Einbau

  • Für einen Praxis-Check vor dem Kauf sollten Eltern sowohl Kind als auch Auto mit zum Fachhändler nehmen.

  • Der Kindersitz muss sich möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen.

  • Nicht jede Isofix-Basis passt automatisch zum Kindersitz des gleichen Herstellers. Wer sich für ein Sitzmodell entscheidet, sollte darauf achten, dass der Sitz kompatibel und Teil eines Modulsystems ist.

  • Gewicht des Kindersitzes nicht unterschätzen – besonders bei häufigen Autowechseln und Umbau der Kindersitze.

  • Zweigeteilte Kindersitze (Sitzschale plus Isofix-Station) sind aufgrund des geringeren Gewichts und der kleineren Abmessungen oft etwas leichter einzubauen als einteilige Modelle.

  • Praktisch zum leichteren Anschnallen des Kindes sind drehbare Modelle.

  • Immer mehr Funktionen und hilfreiche Einstellmöglichkeiten können aber auch das Risiko von Fehlbedienungen erhöhen.

  • Gurte und Rückenlehne regelmäßig entsprechend des Wachstums nachjustieren, nicht zu früh auf nächstgrößeren Sitz wechseln.

  • Beim Anschnallen Hosenträger- und Fahrzeuggurte straff anziehen, dicke Jacken unter dem Beckengurt hervorziehen und Reißverschluss öffnen. Im Idealfall gilt aber: besser ganz ausziehen während der Autofahrt.

  • Bei Sitzerhöhungen mit Rückenlehne darauf achten, dass sich der Gurt selbstständig aufrollt, wenn sich das Kind nach vorne beugt. Wenn nicht: einen Sitz wählen, dessen Schultergurtführung besser zum Fahrzeug passt.

  • Auf ausreichend Platz zwischen dem Kindersitz auf der Rückbank und dem Vordersitz achten.

Bald Verkaufsverbot älterer Kindersitze

Schon im September 2023 trat in der EU schrittweise ein Verkaufsverbot für Kindersitze mit der älteren UN Reg. 44 Zulassung in Kraft. Deshalb dürfen jetzt entsprechende Produkte nicht mehr hergestellt oder importiert werden, ein Abverkauf von Lagerware ist jedoch noch bis einschließlich August 2024 möglich. Ein Verwendungsverbot von Kindersitzen mit UN Reg. 44 Zulassung ist allerdings nicht geplant, bereits vorhandene Sitze dürfen also weiterhin ohne Einschränkung genutzt werden.

Die alte Norm UN Reg. 44 teilt Kindersitze noch in fest definierte Gewichtsklassen ein. Die neue i-Size Zulassungs-Norm UN ECE Reg. 129 orientiert sich an der Größe des Kindes. Da Kindersitze mit einer Isofix-Befestigung in der Regel die beste Sicherheit bieten, sind mittlerweile fast alle neuen Kindersitzmodelle, die nach der neuen Norm UN ECE Reg. 129 zugelassen sind, mit Isofix ausgestattet.

Fachliche Beratung: Andreas Ratzek, ADAC Technik Zentrum