In-Car-Payment: So geht Bezahlen vom Auto aus
Von Jochen Wieler

Das Auto als rollende Geldbörse: Parkticket oder Tankrechnung lassen sich bei vernetzten Modellen oft schon heute via In-Car-Payment vom Bildschirm des Autos aus bezahlen. Wie es funktioniert und was zu beachten ist.
Vom Auto aus bezahlen ohne auszusteigen
Anmeldung über Account nötig
ADAC fordert Sicherheit
Kreditkarten, Paypal oder auch das Bezahlen via Smartphone – das bargeldlose Zahlen ist für viele Menschen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Was die meisten aber nicht wissen: Auch das Auto kann als Geldbörse fungieren.
Was ist In-Car-Payment?

"In-Car-Payment" heißt das Schlagwort. Gemeint ist damit, dass sich bestimmte Dienste bequem vom Bildschirm des Autos aus bezahlen lassen. Über den "Store" des Fahrzeugherstellers können zum Beispiel bestimmte Sonderausstattungen nachträglich gekauft oder freigeschaltet werden (siehe auch Artikel zum Thema: Functions on demand).
Aber auch Dienste von Drittanbietern lassen sich bequem per Fingertipp aktivieren und gleich bezahlen. Parktickets etwa oder auch die Tankrechnung. Vorteil: Nach Kleingeld für den Parkautomaten kramen entfällt, und nach dem Tanken kann man gleich wieder ins Auto einsteigen und weiterfahren. Die Fahrerin oder der Fahrer kann es sich sparen, ins Kassenhäuschen zu gehen.
Voraussetzung ist eine im Auto fest verbaute SIM-Karte, damit Daten über eine Mobilfunkverbindung ausgetauscht werden können und die entsprechende Funktionalität im Fahrzeug. Das ist bei vielen aktuellen Modellen bereits der Fall. In-Car-Payment wird unter anderem von Audi, BMW, Mercedes, Škoda und Volkswagen angeboten.
Um zu erkennen, wer der Zahlungsempfänger ist, übermittelt das Auto seine aktuelle Position, sodass das Hersteller-Backend erkennen kann, an welchem Parkplatz der Wagen steht. Oder an welcher Tankstelle. Die genaue Zapfsäulen-Nummer muss dann in der App des Anbieters (Shell, Aral und Co.) aber von Hand eingegeben werden, denn so genau ist die Ortung nicht.
Noch sind die Anwendungsfälle je nach Hersteller und Anbietern überschaubar. Die üblichen Funktionalitäten sind Parken, Kraftstoff Tanken, Strom laden und Maut bezahlen, manchmal auch Lebensmittel oder Dienstleistungen. Aber die Begehrlichkeiten von Drittanbietern, direkt mit ihren Angeboten auf den Bildschirm des Autos zu gelangen, dürften groß sein.
Wie kann man In-Car-Payment nutzen?
Um das Ganze nutzen zu können, muss zunächst (je nach Anbieter) eine Kreditkarte oder ein Paypal-Konto mit dem Connect-Account des Autos verknüpft werden. Der Registrierungsprozess kann je nach Automarke unterschiedlich ausfallen.
So bezahlt man direkt vom Auto aus
Und wie läuft das eigentliche Bezahlen ab, nachdem man sich registriert und eine Bezahlfunktion hinterlegt hat? Auch hier kann das Prozedere je nach Fahrzeug variieren. Am Beispiel von Škoda sieht es so aus:
Im Mittelbildschirm die Kachel "Shop" anklicken
Dann wird der Zahlungsempfänger (z.B. Tankstelle, Parkhaus) bzw. die ausgewählte Function on Demand (wie Freischaltung Navigation oder Fernlicht-Assistent) erkannt und angezeigt
Škoda-ID (E-Mail-Adresse des zuvor hinterlegten Škoda-Connect-Nutzers) und Passwort eingeben
Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) akzeptieren
Hinterlegte Zahlungsmethode bestätigen
Bezahlvorgang auslösen
Damit der Bezahlvorgang sicher ist, wird zum Abschluss meist eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangt, die in der Regel über das eigene Smartphone stattfindet.
Kosten und Funktionen der Hersteller

Bei Škoda entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten (außer denen, die ggf. grundsätzlich durch Connect-Nutzung entstehen). Volkswagen beschränkt sich derzeit ebenfalls noch auf das In-Car-Payment von We-Connect-Diensten sowie Upgrades (Functions on Demand).
Bei aktuellen Mercedes-C-Klasse- und den -E-Klasse-Modellen seit Herbst 2023 genügt es, den Fingerabdruck der im System hinterlegten Person unten am Mittelbildschirm zu scannen, um einen Bezahlvorgang auszulösen. Damit soll die bisher übliche Zwei-Faktor-Authentifizierung mit Bestätigung auf dem eigenen Smartphone vereinfacht werden. Mercedes treibt In-Car-Payment besonders voran und hat dazu eigene Soft- und Hardware, ebenso ein eigenes Bezahlsystem (und nicht etwa Apple Pay oder Paypal) im Connect-System namens "Mercedes Me".
ADAC: IT-Technik muss sicher sein
Die ständige Mobilfunk-Anbindung moderner Autos kann prinzipiell auch ein Einfallstor für Kriminelle sein, die per Mobilfunk Zugriff auf ein fremdes Auto nehmen und dieses illegal öffnen oder gar wegfahren. Der ADAC fordert die Hersteller deshalb schon seit einigen Jahren auf, die Elektronik im Auto systematisch gegen Manipulation zu schützen.
Hacker, die über das Auto Zugriff auf Bezahlsysteme nehmen wollen, sollten weder das Vermögen der Fahrerinnen und Fahrer noch die Fahrzeugsicherheit gefährden können. Idealerweise wird die IT-Sicherheit mit einer Überprüfung durch neutrale Dritte nachgewiesen, zum Beispiel über die international anerkannte Common Criteria Methode ISO/IEC 15408, die in Deutschland unter anderem durch das Bundesamt für Systemsicherheit in der IT-Technik (BSI) durchgeführt wird.
Die IT-Sicherheit des Autos muss also zeitgemäß gewährleistet sein.
Hersteller sollten klar informieren, wie In-Car-Payment abläuft und abgesichert ist.
Der Verbraucher muss beim Bezahlvorgang sehen, welche Gebühren ggf. für In-Car-Payment anfallen.
In-Car-Payment darf nur im Stand möglich sein, bei abgestelltem Motor und ohne Beeinflussung der Verkehrssicherheit.
Gebrauchtwagen-Verkäufer müssen genau prüfen, ob sie alle Verbindungen zu Zahlungsmitteln und Berechtigungen getrennt haben. Das gleiche gilt für Remote Apps.
Updates zum Erhalt der nachgebuchten Funktionen müssen während der ganzen Lebensdauer des Autos geliefert werden.
Fachliche Beratung: Arnulf Thiemel, ADAC Technik Zentrum
Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.