WLTP: Kfz-Steuer wird teurer

17.8.2018

Ab 1.9.2018 werden neue Pkw nur noch zugelassen, wenn Emissionen und Verbrauch nach dem WLTP-Messverfahren ermittelt wurden. Weil diese gegenüber der alten NEFZ-Prüfung höher sind, wird die Kfz-Steuer teurer.

Ein Auto steht auf einem Abgasprüfstand
  • Für den Verbrauch neuer Autos gilt künftig das realitätsnahe WLTP-Messverfahren
  • Der Verbrauch vieler Pkw fällt auf dem Papier höher aus, die Kfz-Steuer steigt bis zu 70 %
  • Für bereits zugelassene Fahrzeuge ändert sich an der Kfz-Steuer nichts

 

Lieferschwierigkeiten, der Wegfall beliebter Modelle und jetzt das: Weil die Autohersteller nur noch Modelle verkaufen können, die mit dem WLTP-Messverfahren (nach-)zertifiziert sind, kann es passieren, dass die Kfz-Steuer für ein und dasselbe neue Auto um über 70 Prozent steigt. Wie kann das sein? Wir berichten über die Hintergründe – und haben bei einigen Modellen von BMW bis VW nachgerechnet.

Was hat sich durch das WLTP-Verfahren geändert?

Um realitätsnähere Verbrauchsangaben zu erhalten, hat die Europäische Union zur Ermittlung der Schadstoff- und CO2-Emissionen sowie des Kraftstoff- bzw. Stromverbrauchs das neue Messverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light-Duty Test Procedure) entwickelt.

Es löste bereits vor einem Jahr den NEFZ-Zyklus (Neuer Europäischer Fahrzyklus) als Grundlage der offiziellen Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle durch den Hersteller ab. Doch jetzt wird es auch für alle Autokäufer ernst: Ab 1. September 2018 ist der WLTP für jede Erstzulassung eines Neuwagens auf den Käufer verbindlich festgeschrieben.

Was bringt der neue WLTP-Zyklus?

Prinzipiell ist die Umstellung gut, denn für die Autofahrer sind die Verbrauchsangaben in Zukunft genauer und realistischer. Im Vergleich zum bisher gültigen NEFZ- fährt der neue WLTP-Zyklus längere Strecken, und definiert die Geschwindigkeits- sowie Lastverhältnisse anspruchsvoller. Außerdem werden nicht mehr nur eine Standardversion eines Fahrzeugtyps, sondern alle erhältlichen Motor-Getriebe-Kombinationen getestet. Sonderausstattungen, die als Optionen für den Kunden zur Auswahl stehen, sind ebenfalls berücksichtigt.

Darüber hinaus steigen die Anforderungen an die Abgasreinigungssysteme der Fahrzeuge, weil zusätzlich RDE-Tests (Real Drive Emissions) auf der Straße Pflicht sind – Schummeln wird damit fast unmöglich. Die bereits für die Typgenehmigung nach NEFZ geltenden Euro 6-Grenzwerte bleiben bestehen.

Peugeot 508
Satte Steuererhöhung: Durch den WLTP-Zyklus steigt die Kfz-Steuer beim Peugeot 508 um fast 74 %

Der Nachteil für den Verbraucher: Weil die offiziellen Verbrauchsangaben jetzt realistischer ausfallen, sind die Werte höher. Und weil der Verbrauch bzw. der CO2-Ausstoß Teil der Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer ist, erhöht sich für neuzugelassene Modelle auch die.

Die Situation ist kurios: Obwohl die Modelle technisch absolut identisch sind und nur neu gemessen wurden, zahlt der, der sein Auto nach dem 1. September zugelassen hat, bis zu gut 70 Prozent mehr Kfz-Steuer als der Altbesitzer.

VW Up GTI
Kleiner Flitzer mit neuer Kfz-Steuer: Der VW Up! GTI verteuert sich um 72 %

Wie berechnet sich eigentlich die Kfz-Steuer?

Schon seit Juli 2009 wird bei der Erstzulassung neuer Pkw zur Berechnung der Kfz-Steuer neben dem Motor-Hubraum auch der CO2-Wert herangezogen, aus dem sich der Spritverbrauch ergibt. Zum hubraumbezogenen "Sockelbetrag" (Ottomotor: 2,00 € je angefangene 100 cm³ Hubraum, Dieselmotor: 9,50 € je angefangene 100 cm³ Hubraum) kommt der CO2-abhängige Steuerbetrag hinzu (2,00 € je Gramm CO2 pro km oberhalb eines steuerfreien Grenzwertes von 95 g/km).

Basis für die Berechnung ist der in den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld V.7) eingetragene CO2-Wert (g/km).

Wie beeinflusst der WLTP die Kfz-Steuer?

Das Kfz-Steuergesetz wurde angepasst: Jetzt wird der CO2-Wert nach WLTP bei der Berechnung der Kfz-Steuer zu Grunde gelegt. Da er in der Regel höher ist als der NEFZ-Wert des gleichen Modells, wird auch die Kfz-Steuer steigen.

Für Lagerfahrzeuge (End-of-Series), die nach NEFZ typgenehmigt wurden, kann der Hersteller beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Wird diese genehmigt, wird weiterhin der CO2-Wert nach NEFZ für die Steuerbemessung verwendet. Wie viele Hersteller diese Ausnahmegenehmigung in Anspruch nehmen, ist noch nicht absehbar.

So verändert der WLTP die Kfz-Steuer

Modell
CO2-Wert
NEFZ/WLTP
(g/km)
Kfz-
Steuer
ALT
(Euro)
Kfz-
Steuer
NEU
(Euro)
Veränderung
BMW 218d Active Tourer Adv. (DKG) 119/146 238 
292 + 22,7 %
BMW 218i Active Tourer Sport L. (DKG) 132/158 104 156 + 50,0 %
BMW X1 sDrive 18d xL. (DKG) 121/152 242 304 + 25,6 %
Dacia Duster Sce 115 Ess. 2WD 149/176 140 194  + 38,6 %
Dacia Sandero Stepway Tce 90 St. Cel. 127/150 82 128 + 56,1 %
Opel Grandland X 2.0 Diesel St. In. (Aut.)
128/171 256 342  + 33,6 %
Peugeot 508 1.6 Pure Tech 180 All. EAT8
125/159 92 160 + 73,9 %
Subaru Outback 2.5i Sp. Lin. 166/193 192 246 + 28,1 %
Suzuki Swift Sport 1.4 Boosterjet 125/135 88 108 + 22,7 %
Volvo V60 D4 Inscription Geartronic 125/154 250 308 + 23,2 %
Volvo V90 D4 Mom. AWD (Aut.) 139/174 278 348 + 25,2 %
Volvo XC40 D4 Mom. AWD Geartronic 135/172 270 344 + 27,4 %
Volvo XC40 T5 R-D. AWD Geartronic 168/194 186 238 + 28,0 %
VW Touareg 3.0 V6 TDI El. 4Motion Tip.
182/229 459 553 + 20,5 %
VW up! GTI 110/128 50 86 + 72,0 %


Bei den genannten Fahrzeugen konnten sowohl der CO2-Wert nach WLTP (im Kfz-Schein: Feld V.7) als auch der korrelierende CO2-Wert nach NEFZ (Feld 22) konkret der jeweils vorliegenden Zulassungsbescheinigung Teil I entnommen und auf deren Basis die Kfz-Steuer berechnet werden.

Alle in der Tabelle aufgeführten Modelle sind von einer Erhöhung der Kfz-Steuer betroffen – die neuen Peugeot 508 und VW up! GTI werden gleich über 70 Prozent teurer!

Subaru Outback
Auch der Subaru Outback ist von einer Steuererhöhung um 28,1 % betroffen

Welche Abgasnormen sind noch zulassungsfähig?

Ab dem 1. September 2018 sind nur noch Pkw mit Abgasnorm Euro 6c mit OBD-Norm 6-2 (Emissionsschlüsselnummer 36AD), Euro 6d-TEMP (36 AG), Euro 6d-TEMP-EVAP (36BG) und Euro 6d (36AJ) zulassungsfähig.

Lagerfahrzeuge der Hersteller (End-of-Series), die noch nach NEFZ geprüft sind, und eine Ausnahmegenehmigung des KBA bekommen haben, dürfen noch bis 30. August 2019 erstmalig zugelassen werden.

Wie unterscheiden sich die Normen?

Wesentlicher Unterschied zwischen Euro 6c (mit OBD-Norm 6-2) und Euro 6d-TEMP ist, dass bei Euro 6d-TEMP der RDE-Übereinstimmungsfaktor (CF, Conformity Factor) für Stickoxidemissionen NOX von 2,1 nachgewiesen werden muss (mit der Euro 6d-TEMP-EVAP kommt lediglich ein überarbeitetes Prüfverfahren für Verdunstungsemissionen hinzu). Im Rahmen der Euro 6d gilt dann der RDE-Übereinstimmungsfaktor von 1,5.

 

Hier finden Sie weitere Informationen über das Kfz-Steuersystem auf CO2-Basis.

(acfo)