Höhere Steuern mit WLTP

10.1.2019

Seit dem 1. September 2018 werden neue Pkw nur noch zugelassen, wenn Emissionen und Verbrauch nach dem neuen WLTP-Messverfahren ermittelt wurden. Weil die Ergebnisse bei diesem Prüfverfahren realistischer als beim alten NEFZ-Verfahren sind, erhöht sich für viele Modelle die Kfz-Steuer.

Ein Auto steht auf einem Abgasprüfstand

Die Ergebnisse des ADAC Ecotests zeigen seit vielen Jahren, dass der durchschnittliche Spritverbrauch unter realitätsnäheren Fahrbedingungen in der Regel höher liegt als von den Herstellern selbst angegeben.

Nach Expertenansicht hing dieser Unterschied vor allem mit dem veralteten Testzyklus NEFZ zusammen, nach dessen Vorgaben die Messwerte entstanden waren. Seit dem 1. September 2018 ist damit Schluss. Das neue Messverfahren WLTP ist seit diesem Stichtag für alle Neuwagen verpflichtend.

 

Von NEFZ zu WLTC/WLTP

Im Auftrag der EU-Kommission hat die United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) zur Ermittlung der Schadstoff- und CO2-Emissionen sowie des Kraftstoff- bzw. Stromverbrauchs folgendes neu entwickelt:

  • das Messverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure)
  • den Prüfzyklus WLTC (Worldwide harmonized Light Duty Test Cycle)

  • Das Ziel: realistischere Verbrauchsangaben        

WLTP und WLTC lösten am 1. September 2017 den seit 1992 gültigen NEFZ-Zyklus ab. Sie bilden nun die Grundlage der offiziellen Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle. Mit dem 1. September 2018 sind auch Autokäufer von der Änderung betroffen, denn seit diesem Stichtag ist WLTP für die Erstzulassung jedes Neuwagens verbindlich festgeschrieben.

Direkte Auswirkungen haben WLTP und WLTC in drei Bereichen:

  • Kfz-Steuer
  • Kraftstoffverbrauchs- und CO2-Emissionswerte in der EWG-Übereinstimmungs-Bescheinigung (CoC-Papier)
  • Verbraucherinformationen (z.B. CO2-Label etc.)

 

Vorteile von WLTP

Prinzipiell ist die Umstellung gut, die Verbrauchsangaben nach WLTP sind genauer und näher an der Praxis. Denn der neue Prüfzyklus basiert auf realen Fahrdaten aus 14 Ländern. Daraus sind durchschnittliche Fahrprofile entstanden.

WLTP besteht aus Einzelzyklen, die in Abhängigkeit neu eingeführter Fahrzeugklassen angewendet werden. Dauerte der Test beim NEFZ noch 20 Minuten, sind es beim WLTP 30 Minuten. Demzufolge verlängert sich die gefahrene Strecke von 11 auf 23,25 Kilometer.

Außerdem definiert WLTP die Geschwindigkeits- und Lastverhältnisse anspruchsvoller. Weiterhin wird die Prüftemperatur enger als bisher eingegrenzt (23 Grad Celsius und 14 Grad Celsius, Kaltstart).

Des Weiteren wird nicht mehr nur eine Standardversion eines Fahrzeugtyps getestet. Vielmehr sind alle erhältlichen Motor-Getriebe-Kombinationen zu untersuchen – auch Sonderausstattungen, die für den Kunden zur Auswahl stehen.

Darüber hinaus steigen die Anforderungen an die Abgasreinigungssysteme der Fahrzeuge, weil zusätzlich RDE-Tests (Real Drive Emissions; echter Schadstoffausstoß während der Fahrt) auf der Straße Pflicht sind. Schummeln ist damit fast unmöglich. Die bereits für die Typgenehmigung nach NEFZ geltenden Euro-6-Grenzwerte bleiben bestehen.

Wie beeinflusst WLTP die Kfz-Steuer?

Im Rahmen der Umstellung von NEFZ auf WLTP wurde auch das Kfz-Steuergesetz angepasst:

  • Berechnungsgrundlage der Kfz-Steuer ist jetzt der CO2-Wert nach WLTP

Weil die offiziellen Verbrauchsangaben realistischer ausfallen, steigen in der Regel auch die Verbrauchs- und CO2-Werte. Und weil der Verbrauch bzw. der CO2-Ausstoß Teil der Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer ist, erhöht sich diese für neu zugelassene Modelle. 

Die Situation ist kurios: Obwohl die Modelle technisch absolut identisch sind und nur neu gemessen wurden, zahlt derjenige, der sein Auto nach dem 1. September 2018 zugelassen hat, in Einzelfällen zum Teil deutlich mehr Kfz-Steuer als der Altbesitzer. 

Für sogenannte Lagerfahrzeuge (End-of-Series), die nach NEFZ typgenehmigt wurden, konnten die Hersteller beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Mit dieser können Lagerfahrzeuge noch bis 31. August 2019 erstmals zugelassen werden. Für sie ist weiterhin der CO2-Wert nach NEFZ für die Steuerbemessung entscheidend. 

Wie beeinflusst WLTP das CoC-Papier?

Bisher wies die EWG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC-Papier) den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen eines Autos auf Basis von NEFZ aus. 

Das CoC-Papier von Fahrzeugen, die nach der neuen Verordnung auf Basis des WLTP typgenehmigt sind, enthält im Übergangszeitraum bis 31. Dezember 2020 (vorläufiger Stichtag) Angaben für beide Messverfahren. 

Wie beeinflusst der WLTP die Verbraucher-Informationen?

Die Automobilhersteller sind im Rahmen der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) verpflichtet, den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen eines Fahrzeugs im Verkaufsraum und in ihren Werbematerialien anzugeben. Ausstellungsfahrzeuge müssen u.a. mit dem CO2-Label gekennzeichnet werden.

Allerdings hat der Gesetzgeber bis dato noch keine Aktualisierung der Pkw-EnVKV zur Umstellung von NEFZ auf WLTP verabschiedet. Die Angabe der CO2-Emissionen basiert somit weiterhin auf NEFZ-Basis. Derzeit rechnet man aus den gemessenen WLTP-Werten die NEFZ-Werte zurück. Einige Hersteller (z.B. BMW und Volkswagen) geben die WLTP-Werte im Konfigurator zusätzlich (freiwillig) an.