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Peking, Rom | 28.02.2020

Coronavirus: Das sollten Reisende jetzt wissen

Ärztin vollzieht in China auf der Straße an einer Frau einen Fieber-Check zur Prävention der Verbreitung des Corona Virus
Der Coronavirus breitet sich weiter aus: Die Folge sind vielerorts Fieberkontrollen

Die Zahl der Coronavirus-Fälle ist weltweit auf über 81.000 gestiegen. Mehr als 2700 Personen sind bisher gestorben. Die meisten Neuinfektionen gibt es weiterhin in der chinesischen Provinz Hubei. In Europa weist Italien die häufigsten Krankheitsfälle auf.

Das Robert-Koch-Institut (RKI)* erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Es rechnet mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland. Was die Ausbreitung des Virus in Europa und weltweit betrifft, nehmen das European Center for Disease Control and Prevention* und die WHO* regelmäßig aktuelle Einschätzungen vor. Nach Bewertung der WHO handelt es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern Epidemien in einzelnen Ländern.

Die Lage in Deutschland

Die meisten Erkrankungen in Deutschland meldet derzeit Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Die Gesundheitsbehörden rechnen aber damit, dass sich das Virus über ganz Deutschland verbreiten wird. Bislang sei es zwar weitgehend gelungen, Menschen, die mit dem Covid-19-Virus infiziert sind, zu isolieren und zu behandeln, die in den letzten Tagen neu aufgetretenen Fälle hätten allerdings eine neue Qualität, so Bundesgesundheitsminister Spahn.

Um bei Bedarf rasch reagieren zu können, wurde deshalb ein Krisenstab eingerichtet. Im schlimmsten Fall könnten die jeweiligen Gesundheitsämter vor Ort häusliche oder zentrale Quarantänen anordnen.

Grenzschließungen plant die Bundesregierung derzeit nicht. Flugreisende, die aus Italien, China, Südkorea, Japan und dem Iran nach Deutschland zurückkehren, müssen bei der Einreise eine sogenannte Aussteigekarte ausfüllen. Diese wird bereits im Flugzeug verteilt und soll dabei helfen, mögliche Infektionswege nachzuvollziehen und gegebenenfalls festzustellen, wer mit einer infizierten Person zusammen gereist ist. Die Aussteigekarten werden bei den Gesundheitsämtern aufbewahrt.

Coronavirus in Italien

Zentrum der Corona-Erkrankungen in Italien sind die Regionen Lombardei (Provinz Lodi) und Venetien (Provinz Padua). Für mehrere Orte haben die Behörden ein Ein- und Ausreiseverbot verhängt. Viele Großveranstaltungen (u.a. auch Aufführungen der Mailänder Oper) wurden abgesagt. Kinos, Museen, Universitäten und Schulen bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Angesichts dieser Lage rät das Auswärtige Amt* von nicht notwendigen Reisen in die Privinz Lodi und die Stadt Vo Euganeo in der Provinz Parma ab.

Infektionen werden auch aus weiteren Regionen Italiens gemeldet, doch handelt es sich hier bislang eher um Einzelfälle. Das italienische Gesundheitsministerium hat unter der Telefonnummer + 39 1500 eine Hotline eingerichtet. Die Region Lombardei informiert unter der Telefonnummer 800 894545.

Die Flughäfen, Häfen und Bahnhöfe Italiens sind regulär in Betrieb. Der zwischenzeitlich eingestellte Bahnverkehr über die österreichisch-italienische Brenner-Route wurde wieder aufgenommen. Auch die Fähren zwischen Italien und Griechenland laufen planmäßig aus. Reisende müssen sich aber auf Gesundheitskontrollen einstellen.

Wie der italienische Premierminister Conte am mitteilte, ist derzeit nicht vorgesehen, das Schengen-Abkommen auszusetzen und wegen der Coronavirus-Fälle wieder Grenzkontrollen einzuführen. Auch die Nachbarstaaten Italiens (Frankreich, Schweiz, Österreich und Slowenien) planen bislang keine Einschränkungen im Grenzverkehr.

Informationen zur aktuellen Situation in Italien erhalten Sie auch hier.

China: Teilreisewarnung für Wuhan und die Provinz Hubei

Das Auswärtige Amt hat eine Teilreisewarnung für die chinesische Provinz Hubei* ausgesprochen. Zudem empfiehlt es, nicht notwendige Reisen nach China zu verschieben. Wer sich in gefährdeten Regionen aufhält, sollte sich zur eigenen Sicherheit in die Krisenvorsorgeliste* eintragen.

Um die Ausbreitung zu verhindern, haben die chinesischen Behörden die Millionenstadt Wuhan und die Provinz Hubei, in der die Krankheit ihren Anfang nahm, weitgehend abgeriegelt. Die An- und Abreise mit Zug, Flug, Bus und Fähre ist derzeit nicht möglich. Wer sich immer noch dort aufhält, sollte sich unbedingt an die Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte halten.

Auch andere Städte in der Volksrepublik haben Überlandverbindungen mit Bussen ausgesetzt sowie Flüge und Züge reduziert. Die Metropole Wenzhou – mehr als 800 Kilometer östlich von Wuhan – hat praktisch eine Ausgangssperre für die neun Millionen Einwohner verhängt.

Darüber hinaus hat China seinen Staatsbürgern generell von Reisen ins Ausland abgeraten und bekämpft die Ausbreitung im Land mit radikalen Maßnahmen. In der Krisenregion in Zentralchina wurden 45 Millionen Menschen in mehreren Städten abgeschottet, indem die Verkehrsverbindungen gekappt wurden.

Coronavirus in weiteren Ländern

Das Virus ist inzwischen auch in zahlreichen anderen Ländern angekommen. In Europa sind neben Deutschland und Italien auch Spanien (u.a. Teneriffa, Mallorca, La Gomera), Kroatien, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Österreich, die Schweiz, Skandinavien und das Baltikum betroffen. Im Touristenort Adeje auf Teneriffa wurde nach einem Krankheitsfall ein Hotel mit etwa 1000 Urlaubern unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind auch Deutsche.

Weltweit häufen sich die Fälle in den USA, Australien, Thailand, Hongkong, Singapur, Malaysia, Nepal, Vietnam, Japan und Südkorea. Häufig handelt es sich bei den Erkrankten um Reisende, die aus China stammen, von dort zurückgekehrt sind, oder engen Kontakt zu Menschen aus diesen Gruppen hatten. Reisewarnungen wegen des Coronavirus gibt es für diese Länder aber nicht.

Details über die aktuelle Situation und eventuellen Reisebeschränkungen in den einzelnen Ländern sind beim Auswärtigen Amt* erhältlich.

Mehrere Staaten verhängen Einreiseverbote aus China

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 30. Januar eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" erklärt hatte, riefen die USA einen eigenen "Public Health Emergency" aus. Ausländische Reisende aus China werden seit Anfang Februar wegen des Ansteckungsrisikos nicht mehr ins Land gelassen – mit Ausnahme von Angehörigen von US-Staatsbürgern.

Singapur hat nach Angaben der Lufthansa eine Einreiserestriktion für Passagiere* erlassen, die in den vergangenen 14 Tagen in Festland-China waren. Die seit 1. Februar geltende Beschränkung betrifft zudem alle Passagiere mit einem Pass der Volksrepublik China.

Auch andere Länder wie zum Beispiel ItalienNeuseelandAustralien und die Philippinen folgten dem Beispiel.

Bei Reisen: Kostenfreie Stornierung möglich?

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Flugzeuge auf dem Rollfeld am Flughafen
Viele Fluggesellschaften haben ihre Flüge nach China vorerst eingestellt

Pauschalreisende können von ihrer Reise kostenfrei zurücktreten, wenn wesentliche Reiseleistungen ausfallen. Dies ist z.B. der Fall, wenn speziell ein Venedig-Reisepaket mit Programmpunkten (z.B. Besuch der Oper La Fenice) gebucht wurde, die jetzt gecancelt werden müssen. Sagt der Veranstalter die Reise ab, bekommen Sie Ihr Geld zurück. Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude können Sie aber wegen der außergewöhnlichen Umstände nicht verlangen. Kontaktieren Sie Ihren Reiseveranstalter und erkundigen Sie sich gegebenenfalls auch nach der Möglichkeit, kostenfrei umzubuchen.

Fällt Ihr individuell gebuchter Flug wegen einer behördlichen Quarantäne aus, erhalten Sie Ihr Geld zurück. Ein zusätzlicher Anspruch gegen die Airline auf Ausgleichszahlung besteht nicht, da außergewöhnliche Umstände vorliegen. Kann die Airline Ihren Flug – trotz der Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes – durchführen, können Sie ihn nicht aus Angst vor Ansteckung kostenfrei stornieren. Sie können aber bei der Airline nach einer Kulanzlösung (zum Beispiel kostenfreien Umbuchung) fragen. Die Rechte von Individualreisenden sind nicht die gleichen wie die Rechte von Pauschalurlaubern. Hier gibt es Informationen zur Stornierung von Flügen.

Viele europäische und internationale Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach China eingestellt. Neue Buchungen sind bei der Lufthansa bis Ende Februar gestoppt. Peking und Shanghai werden bis zum 29. Februar nicht angeflogen. Flüge nach Nanjing, Shenyang und Qingdao sind bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März ausgesetzt. Hongkong wird allerdings weiterhin angeboten. Fragen Sie bei Ihrer Airline nach dem aktuellen Stand. Hier finden Lufthansa-Kunden alle wichtigen Informationen*.

Da ein schnelles Ende der Corona-Virus-Epidemie nicht zu erwarten ist, bieten viele China-Veranstalter inzwischen auch für Reisen mit späterem Abreisetermin kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an. Einige Unternehmen haben ihre China-Reisen über Monate im Voraus abgesagt (z.B. Studiosus bis mindestens 15. April). Die Sonderwirtschaftszone Hongkong wird aber weiter angeflogen.

Die Verbotene Stadt in Peking (der ehemalige Kaiserpalast) und Teile der Großen Mauer sind derzeit für Touristen nicht zugänglich. Wenn Sie solche Hauptattraktionen im Rahmen Ihrer Pauschalreise mitgebucht haben und der Besuch wegen der Quarantänemaßnahmen nicht stattfinden kann, können Sie wegen einer erheblichen Beeinträchtigung der Reise vom Vertrag zurücktreten.

Ist der Besuch der Sehenswürdigkeit ein eher unbedeutender Teil der Reise, der nicht durchgeführt werden kann, können Sie von Ihrem Veranstalter eine Minderung des Reisepreises verlangen. Mehr Informationen zu Ihren Rechten bei Reisemängeln lesen Sie hier.

Coronavirus und Kreuzfahrten

Auch Menschen, die eine Kreuzfahrt Richtung Asien gebucht haben, sollten sich vorsichtshalber bei ihrem Reiseveranstalter über mögliche Planänderungen informieren.

Internationale Kreuzfahrt-Reedereien, die im Verband CLIA (Cruise Lines International Association) organisiert sind, lassen derzeit keine Passagiere oder Besatzungsmitglieder an Bord, die in den vergangenen 14 Tagen auf dem chinesischen Festland unterwegs waren. Zur CLIA gehören alle großen Reedereien wie MSC, Carnival, Costa, Royal Carribean, Norwegian Cruise Line und die deutsche Aida Cruises.

Zudem können wegen des Coronavirus Reisen und Routen in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und der Weltgesundheitsorganisation WHO gegebenenfalls verändert oder gestrichen werden.

So hat Aida vorsorglich alle bis April geplanten Kreuzfahrten in Asien abgesagt. Betroffene Passagiere können den Reisepreis zurückverlangen. Teilweise werden Medienberichten zufolge auch kostenfreie Umbuchungen angeboten.

Weitergehende Schadenersatzansprüche kommen nur in Betracht, wenn die Reise nicht unmittelbar aufgrund von außerplanmäßigen, vom Veranstalter nicht beherrschbaren Umständen abgesagt wird, sondern auf anderen Gründen beruht, die der Veranstalter zu vertreten hat.

So helfen die ADAC Reiseversicherungen

Eine Reiserücktritts-Versicherung greift nur im Falle einer Erkrankung des Versicherten. Sind Sie also krank und können die gebuchte Reise nicht antreten, werden die vertraglich geschuldeten Stornokosten von der ADAC Reiserücktritts-Versicherung übernommen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie die Versicherung vor der Erkrankung abgeschlossen haben.

Erkranken Sie während des Urlaubs erstattet der ADAC Auslandskrankenschutz Ihre Behandlungs- und Medikamentenkosten. Die ADAC Plus-Mitgliedschaft und eine gesetzliche Krankenversicherung reichen hier nicht aus. Die Versicherung muss vor Reisebeginn abgeschlossen worden sein.

Kann die gebuchte Rückreise beispielsweise wegen einer Virus-Erkrankung nicht angetreten werden, erstattet die ADAC Reiserücktritts-Versicherung die anfallenden Mehrkosten (z.B. Umbuchung) und die notwendigen zusätzlichen Rückreise- und Unterkunftskosten.

ADAC Mitglieder, die im Urlaub in Not geraten und Hilfe benötigen, können sich an den ADAC Auslandsnotruf (Tel.: +49 89 22 22 22) wenden.

Tipp Icon

Das rät Dr. Christoph Pölcher, Arzt des ADAC Ambulanz-Service 

  • Waschen Sie Ihre Hände häufig und gründlich*
  • Verzichten Sie auf die gewohnte Etikette des Händeschüttelns
  • Versuchen Sie, sich möglichst nicht ins Gesicht zu fassen, um Übertragungsmöglichkeiten zu minimieren 
  • Vermeiden Sie den Kontakt zu kranken Personen und Tieren
  • Nicht zwingend erforderliche Reisen in die Risikoregionen sollten überdacht werden 
  • Meiden Sie große Menschenansammlungen in den Risikoregionen
  • Suchen Sie umgehend einen Arzt auf, falls Sie Fieber entwickeln
  • Halten Sie beim Husten oder Niesen mindestens einen Meter Abstand von anderen Personen und drehen Sie sich weg
  • Benutzen Sie Einwegtaschentücher. Verwenden Sie diese nur einmal und entsorgen Sie sie anschließend in einem Mülleimer mit Deckel. Wird ein Stofftaschentuch benutzt, sollte dies anschließend bei 60 Grad gewaschen werden

Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt zwischen einem und zwölf Tagen. Allerdings halten Forscher auch eine längere Inkubationszeit von bis zu 24 Tagen für möglich. Symptome sind Fieber, Husten, Atemnot. Derzeit wird davon ausgegangen, dass Erkrankte bereits während der Inkubationszeit ansteckend sind.

Das Tragen eines Mundschutzes in Risikogebieten kann zwar nicht komplett vor Ansteckung schützen, reduziert aber vermutlich die Aufnahme des Virus über die Atemwege.

Auf Anfrage kann der ADAC seinen Mitgliedern weltweit Kliniken mit englischsprachigem Personal nennen. Wer sich nach einem Auslandsaufenthalt oder nach engerem Kontakt zu Menschen aus den Risikogebieten krank fühlt, sollte seinen Hausarzt oder einen Reisemediziner kontaktieren.

Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts gibt es Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Coronavirus*: angefangen vom Ausbruch der Krankheit über die Symptome, Schutzmaßnahmen bis hin zur Meldepflicht von Verdachts- oder Krankheitsfällen.

Verunsicherte Bürgerinnen und Bürger können sich unter der Telefonnummer 09131 68 08 51 01 auch an die Hotline des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wenden.

ADAC Mitglieder, die im Ausland in Not geraten sind, steht generell auch der ADAC Auslandsnotruf (+49 22 22 22) mit Rat und Tat zur Seite. 

Grippe/Influenza kann zu Verwechslungen führen

Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes weist zudem darauf hin, dass jetzt die sogenannte Grippesaison bereits begonnen hat. Die Influenzaviren rufen ähnliche Symptome wie das Coronavirus hervor. Eine Grippe-Impfung trägt laut Auswärtigem Amt zur Vermeidung unnötiger Verdachtsfälle bei. Es empfiehlt sich deshalb, sich vor Reisen rechtzeitig gegen Influenza impfen zu lassen. 

Die außergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 hat beispielsweise nach Schätzungen rund 25.100 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Auch in dieser Grippesaison ist mit vielen Infektionen zu rechnen. Laut Tagesschau haben sich seit Oktober 2019 rund 13.000 Menschen infiziert; 32 Patienten starben.

Virus stammt ursprünglich von Tieren

Vermutlich wurde das Virus zuerst von einem Tier auf den Menschen übertragen. Die anfänglichen Infektionen wurden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch wilde Tiere verkauft wurden. Coronaviren verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen – allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers dazu.

 

Text: Regina Ammel, Norbert Prack, Georg Zähringer und Katharina Dümmer. Nachrichtenquelle: dpa. Foto: ddp/Tan Kaixing.

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