Insolvenz von Airline oder Reiseveranstalter - Geld zurück?

10.10.2019

Airline und Reiseveranstalter pleite - leider kein Einzelfall. Aktuelles Beispiel ist die Insolvenz des britischen Veranstalters Thomas Cook, zu dem unter anderem die deutschen Töchter Condor und Neckermann gehören. Nur Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, sind abgesichert. ADAC Juristen geben Tipps, wie Sie Ihr Geld noch zurückbekommen.

Leere Sitze im Wartesaal am Flughafen
Wenn die Airline zahlungsunfähig ist, bleiben Passagiere häufig auf den Kosten sitzen (Foto: iStock.com/alexsl)
  • Der britische Veranstalter Thomas Cook hat am 23.9.2019 Insolvenz angemeldet.
  • Pauschalreisende sind durch einen Sicherungsschein abgesichert.
  • Fluggäste, die direkt gebucht haben, haben es schwer, den Ticketpreis zurückzubekommen.

 

Aktuell: Thomas Cook-Insolvenz trifft auch deutsche Reiseveranstalter

Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook hat am 23.9.2019 Insolvenz angemeldet. Am 25.9.2019 hat auch die deutsche Gesellschaft von Thomas Cook einen Insolvenzantrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb ist eingestellt. Davon betroffen sind die Tochterunternehmen Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen, Air Marin und Thomas Cook International.

Alle bei diesen Veranstaltern gebuchte Reisen mit Abreisedatum bis einschließlich 31.12.2019 sind abgesagt. Für Reisen mit Abreisedatum ab dem 1.1.2020 wird die weitere Vorgehensweise geprüft. Für Pauschalurlauber, die derzeit unterwegs sind, sind die Hotelaufenthalte, Transfers und Rückflüge gesichert.

Der Ferienflieger Condor führt alle Flüge mit einer DE Flugnummer planmäßig durch. Pauschalreisende, die bei einem der insolventen Veranstalter gebucht haben, werden aber nicht mitgenommen. Der Rückflug für Thomas Cook-Pauschalreisende ist dagegen gesichert. 

Vorsicht Betrugsmails:  
Verbraucher erhalten derzeit eine E-Mail mit dem Betreff: ‚Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise.‘ Damit sollen z.B. Pass- und Kreditkartendaten abgefragt werden. Thomas Cook informiert auf seiner Website, keine E-Mails dieser Art an Kunden verschickt zu haben und rät dazu, die E-Mail zu ignorieren und zu löschen.

Wichtige Tipps und Hilfe für betroffene Reisende finden Sie hier.

 

Aktuell: Adria Airways geht in die Insolvenz

Die slowenische Fluggesellschaft Adria Airways hat am 30.9.2019 Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb ist seit 23.9.2019 eingestellt.

Betroffene Pauschalreisende sollten sich an den im Reisesicherungsschein genannten Insolvenzabsicherer wenden. 
Bei Nur-Flug-Buchungen können betroffene Fluggäste ihre Kosten nur im Rahmen des Insolvenzverfahrens geltend machen. Einen gesetzlichen Insolvenzschutz gibt es für sie nicht. 

Pauschalreise, Reiseveranstalter pleite – Urlauber abgesichert 

Reiseveranstalter pleite

Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, können bei der Insolvenz des Reiseveranstalters auf Sicherheiten zurückgreifen. Der Reiseveranstalter muss sicherstellen, dass Sie bei einer Insolvenz den Reisepreis zurückbekommen und vom Urlaubsort zurückbefördert werden. Hierzu sind alle Reiseveranstalter innerhalb der EU verpflichtet.

Der Reiseveranstalter muss die Absicherung durch einen Sicherungsschein nachweisen.

Sie müssen den Reisepreis erst bezahlen, wenn Ihnen der Reiseveranstalter den Sicherungsschein übergeben und die Kontaktdaten des Absicherers genannt hat. Im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters können Sie Ihre Ansprüche direkt beim Absicherer geltend machen.

Geht der Reiseveranstalter pleite, kann der Absicherer entscheiden, ob er die Durchführung der weiteren Reise anbietet oder die Rückreise organisiert. Verlangen Sie als Reisender eine Erstattung des Reisepreises, muss der Absicherer unverzüglich zahlen.

 

Pauschalreise gebucht - Airline pleite

Pauschalurlauber brauchen sich bei einer Insolvenz der Airline keine Sorgen zu machen.

Der Reiseveranstalter muss Ihnen kostenfrei eine Alternative (z.B. die Beförderung mit einer anderen Fluggesellschaft) zur Verfügung stellen. Kommt es deswegen zu erheblichen Verzögerungen, können Sie eine Reisepreisminderung geltend machen.

Eine kostenfreie Stornierung der Reise wegen Insolvenz der Airline ist nicht möglich.

Mehr Informationen zu Problemen bei der Pauschalreise lesen Sie hier.

Flug gebucht, Airline insolvent – das sind Ihre Rechte

Bei „Nur-Flug-Buchungen“ braucht die Airline die eigene Insolvenz nicht abzusichern. Da die Airline schon vor dem Flug die Bezahlung des Tickets fordern kann, trägt der Fluggast das Risiko, dass der Flug nicht (mehr) stattfindet.
 
Mit der Buchung des Fluges hat der Passagier Anspruch auf die Durchführung des Fluges oder die Rückerstattung des Ticketpreises. Ist die Airline jedoch pleite, bleibt nur die Anmeldung seiner Forderungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens.

 

Am Urlaubsort gestrandet – wie komme ich nach Hause?

Setzen Sie sich wegen der Rückreise mit dem Insolvenzverwalter in Verbindung. In der Regel versuchen Insolvenzverwalter vor allem bereits angetretene Flugreisen noch durchzuführen.

Entstehen Ihnen für die Rückreise zusätzliche Kosten (z.B. weil der vertraglich vereinbarte Rückflug nicht geht und der Fluggast sich einen Ersatzflug bucht), müssen diese nach der Rückkehr im Rahmen des Insolvenzverfahrens geltend gemacht werden. Ob die Insolvenzmasse für alle betroffenen Passagiere ausreicht, ist aber oft fraglich.

 

Noch zu Hause - kann ich den Vertrag widerrufen? 

Bei Beförderungsverträgen (z.B. Buchung eines Fluges) besteht kein Widerrufsrecht. Dabei ist unwichtig, ob der Vertrag in einem Reisebüro vor Ort oder online gebucht wurde.

Sie können den Flug aber jederzeit stornieren. Die Airline kann dafür aber eine Stornogebühr verlangen, wenn der Flug trotz der Insolvenz dennoch startet.

Tipp: Sie sollten zunächst abwarten, ob der gebuchte Flug trotz der Insolvenz durchgeführt wird. Häufig finden sich bei einer Insolvenz einer Airline Investoren, die schon gebuchte Flüge noch durchführen. Auch der Insolvenzverwalter kann bestimmen, dass bestehende Buchungen noch erfüllt werden.

 

Flug annulliert – was kann ich verlangen? 

Wird Ihr Flug wegen der Insolvenz der Airline annulliert, können Sie zwischen Rücktritt und Ersatzbeförderung wählen. Erstattet werden:

  • Rückerstattung des Ticketpreises oder die Erstattung von Mehrkosten (z.B. Kosten für einen selbst gebuchten Ersatzflug, wenn von der Airline kein Alternativflug angeboten wird).
  • Zusätzliche Kosten, die Ihnen wegen der Annullierung entstehen (z.B. Kosten für die Stornierung eines schon gebuchten Mietwagens).
  • Eine pauschale Ausgleichszahlung, wenn die Airline Sie weniger als 14 Tage vor Abflug über die Annullierung informiert hat.

Achtung: Wenn die Airline schon einen Insolvenzantrag gestellt hat, müssen Sie Ihre Ansprüche zur Tabelle anmelden. Ob Sie Geld zurück bekommen hängt davon ab, ob die Insolvenzmasse zur Begleichung aller Forderungen ausreicht.

 

An wen richte ich meine Ansprüche? 

Ihre Ansprüche können Sie nur gegenüber der Airline stellen, denn diese ist Ihr Vertragspartner. Es ist unerheblich, ob Sie den Flug direkt bei der Airline oder über einen Vermittler (z.B. ein Reisebüro oder ein Online-Portal) gebucht haben.

Wurde bereits das Insolvenzverfahren eröffnet, müssen Ansprüche an den (vorläufigen) Insolvenzverwalter gerichtet werden. Hier erhalten Betroffenen in der Regel ein Schreiben des zuständigen Insolvenzverwalters, der über das weitere Vorgehen informiert. Nur wenn eine sog. Insolvenz in Eigenverwaltung durchgeführt wird, bleibt die Airline Anspruchsgegner.

Schadenersatzansprüche gegen einen Reise-Vermittler sind nur bei einem Verschulden des Vermittlers möglich (z.B. wenn die Insolvenz der Airline bei der Vermittlung bereits absehbar war).

Handelt es sich um einen sog. Vermittler verbundener Reiseleistungen*, sind aber Ansprüche möglich. Der Vermittler verbundener Reiseleistungen muss seine eigene Insolvenz absichern, wenn er eigene Reiseleistungen erbringt, oder wenn er für die vermittelten Reiseleistungen den Zahlungsverkehr organisiert.
 
Der Vermittler verbundener Reiseleistung muss die Rückbeförderung des Kunden sicherstellen, wenn der Flug direkt bei ihm gebucht wurde (z.B. Airline vermittelt bei Flugbuchung zusätzlich eine Übernachtung).

*Definition Vermittler verbundener Reiseleistungen

Bei sog. verbundenen Reiseleistungen bucht der Reisende kein Leistungspaket. Er schließt für eine Reise einzelne Verträge mit verschiedenen Anbietern (z.B. bei der Buchung über die Homepage eines Hotels wird noch ein Mietwagen vermittelt) ab und zahlt alle Leistungen einzeln. Die Buchung erfolgt bei einem Besuch im Reisebüro oder einem Online-Kontakt mit dem Vermittler.

Bucht der Kunde nur eine Reiseleistung (z.B. einen Flug) und bucht innerhalb von 24 Stunden eine weitere, die ihm vom ersten Anbieter bei der Buchung gezielt vermittelt wurde, liegt ebenfalls eine vermittelte verbundene Reiseleistung vor.

Wichtig: Es wird keine Pauschalreise abgeschlossen. Der Reisende kann sich nicht auf die Vorschriften über die Pauschalreise berufen. Er wird aber durch einen Mindestschutz (Informationspflichten durch den Vermittler und Insolvenzabsicherung) abgesichert.

Ablauf eines Insolvenzverfahrens

Unternehmen, die nicht mehr zahlungsfähig oder überschuldet sind, müssen beim zuständigen Amtsgericht (sog. Insolvenzgericht) einen Antrag auf Firmeninsolvenz stellen. Das Gericht prüft, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, um die Insolvenz zu eröffnen.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird ein (vorläufiger) Insolvenzverwalter bestellt, der das Unternehmen entweder liquidiert oder saniert. Nur bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung kann das Unternehmen weiterhin selbst handeln. 

Insolvenzverfahren können sich bis zum vollständigen Abschluss über mehrere Jahre hinziehen.

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Text: Juristische Zentrale