Ölpreise steigen wegen Krieg in Nahost: Tanken wird teurer
Von Katharina Dümmer

Hohe Spritpreise in Deutschland: Der Krieg im Nahen Osten lässt die Ölpreise ansteigen. Die Folgen bekommen nun auch Autofahrer und Autofahrerinnen immer mehr zu spüren, Tanken wird dramatisch teurer.
Spritpreise so hoch wie seit Jahren nicht
Mit der Straße von Hormus ist die wichtigste Handelsroute für Rohöl blockiert
ADAC Fachleute befürchten weiteren Anstieg der Tankkosten
Mit diesen Tipps lässt sich etwas sparen
Wegen der Eskalation im Nahen Osten sind die Ölpreise in den letzten Tagen so hoch gestiegen wie seit Langem nicht mehr. Auch die Benzin- und Dieselpreise an Deutschlands Tankstellen steigen rasant. Da momentan nicht klar ist, wie lange der Irankrieg andauert, dürfte sich die Lage an den Tankstellen vorerst nicht entspannen.
Tanken: Benzin und Diesel steigen langsamer
Der Irankrieg hat das Tanken inzwischen massiv verteuert. Am Freitagmorgen, 6. März, kletterte der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel auf 2,109 Euro pro Liter, gut zwei Cent mehr als am Donnerstagmorgen. Super E10 kostete nach Auswertung des ADAC 2,014 Euro und war damit etwas über einen Cent teurer als 24 Stunden zuvor.
Der Preisanstieg hat sich jedoch mittlerweile verlangsamt. Zu Anfang der Woche hatte es von Montag auf Dienstag bei Diesel einen Preissprung von über zehn Cent gegeben. Die Benzinpreise sind üblicherweise am Morgen am höchsten und geben dann im Laufe des Vormittags wieder etwas nach.
Der bundesweite Tagesdurchschnittspreis für Diesel betrug laut ADAC am Donnerstag 2,042 Euro pro Liter, das war der höchste Wert seit November 2022. Super E10 kostete am Donnerstag im bundesweiten Tagesschnitt 1,949 Euro.
Üblicherweise ist Diesel der billigere Kraftstoff, in dieser Woche seit Dienstag jedoch teurer als Super E10. Eine ähnliche Entwicklung hatte es Ende 2022 während der Corona-Pandemie gegeben, damals kostete Diesel zeitweise über 20 Cent pro Liter mehr als Super E10.
Übrigens: Autofahrer und Autofahrerinnen, die tanken wollen, müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen. Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands, Herbert Rabl, berichtete von einem großen Andrang an den Tankstellen seit Sonntag.
Irankrieg treibt Ölpreise in die Höhe
Weil der Iran eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker, die Straße von Hormus, blockiert, ist der Ölpreis anfangs so dramatisch gestiegen. Allerdings fällt der Preisanstieg am Freitag nicht mehr so hoch aus wie in den Vortagen. Am Vormittag wurde Rohöl der Nordseesorte Brent zu rund 86 US-Dollar je Barrel gehandelt. Am Donnerstagabend, 5. März, lag der Rohölpreis noch bei rund 85 US-Dollar.
Zum Vergleich: Am Freitag, 27. Februar, kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent noch rund 72 US-Dollar.
Spritpreise könnten weiter nach oben gehen
"Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch weiter anhalten", sagt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Mittelfristig gebe es aber – sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte – Hoffnung auf gemäßigtere Preise, da die Opec+ angekündigt hat, die Fördermengen zu erhöhen.
Schnelle Besserung ist aber nicht in Sicht. "Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger", sagt der Experte.
ADAC: Preise an der Zapfsäule sind zu hoch
Der ADAC wirft der Mineralölwirtschaft eine unangemessene Preissetzung an den Tankstellen vor. Der Anstieg des Rohölpreises wird ohne Zeitverzug an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben habe, bevor die höheren Kosten überhaupt angefallen sind. Die Tanklager sind noch voll mit zu niedrigeren Ölpreisen erworbenen Kraftstoffen. Deshalb sei der mit dem Beginn des Irankriegs erfolgte Anstieg der Benzinpreise derzeit unverhältnismäßig.
Positiv sieht der ADAC, dass die Koalitionsfraktionen eine Taskforce zur Entwicklung der Energiepreise eingesetzt haben. Die Politik müsse zeitnah eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen, um die Zusatzbelastungen der Autofahrenden für die Dauer der Krise zu begrenzen. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für ca. 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Gut zu wissen: Spritpreise im Wochenvergleich.
Hohe Spritpreise: Politik schaltet sich ein
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat eine kartellrechtliche Prüfung der Preissprünge an den deutschen Tankstellen infolge des Irankriegs angekündigt. Und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) drohte Mineralölkonzernen mit Konsequenzen, sollten sie versuchen, aus dem Irankrieg und der aktuellen Lage Kapital zu schlagen.
Tanken im Ausland: Nicht immer günstiger
Nicht nur in Deutschland steigen die Kraftstoffpreise. Auch in etlichen anderen Ländern sind die Preise seit dem Irankrieg deutlich gestiegen. Zu den teuren Ländern zählen seit je Dänemark, die Niederlande und die Schweiz. Relativ günstig konnte man normalerweise etwa in Polen, Tschechien, Österreich oder Luxemburg tanken.
Inzwischen gibt es jedoch Medienberichte über Sprit-Engpässe in der Grenzregion zu Deutschland, etwa in Tschechien, weil der Andrang an den Tankstellen zu groß geworden ist.
Kosten sparen: Nicht morgens tanken
Doch auch wenn die Kraftstoffpreise derzeit stark ansteigen, gilt unverändert: Wer beim Tanken sparen möchte, sollte die Preisunterschiede im Tagesverlauf beachten und möglichst die besonders teure Phase zwischen 7 und 8 Uhr meiden. Ansonsten gilt in volatilen Zeiten wie aktuell mehr denn je: Preise vergleichen und gezielt zum Sparen günstige Tankstellen anfahren.
Preiserhöhung an Tankstellen nur einmal am Tag? Warum das Autofahrenden nichts bringt
Weitere Tipps zum Spritsparen
Neben einer spritsparenden Fahrweise helfen auch diese Tipps, die Tankkosten weiter zu reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.
Keine Versorgungsengpässe zu befürchten
"Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff", heißt es vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ein Grund dafür ist, dass Deutschland Rohöl aus rund 30 Ländern beziehe. "Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien."
Zuversichtlich äußerte sich Wirtschaftsministerin Reiche: "Wir sehen keine Knappheiten bei Öl", sagte sie. "Im Gasmarkt sehen wir auch keine physischen Knappheiten."
Heizölpreis steigt schneller
Auch der Preis für Heizöl ist in die Höhe geschossen. Das Portal Heizoel24 meldete am Donnerstagmittag einen Preis von rund 133 Euro für 100 Liter. Das waren rund 5 Euro mehr als am Mittwoch. Noch am Freitag hatte der Preis unter 100 Euro gelegen.
Beim Heizöl ist der aktuelle Ausschlag deutlich stärker als bei den Kraftstoffpreisen. Dass der Anstieg beim Sprit im Verhältnis geringer ausfiel, könnte laut ADAC Experte Laberer auch daran gelegen haben, dass insbesondere Diesel in den letzten Wochen seiner Ansicht nach im Vergleich zum Ölpreis zu teuer war. "Dadurch fiel die aktuelle Erhöhung vielleicht etwas geringer aus."
Mit Material von dpa.