Waldbrände in Südfrankreich und Andalusien: So ist die aktuelle Lage

In Südfrankreich kämpfen Einsatzkräfte weiterhin gegen mehrere Waldbrände. Die Flammen wüten auch in anderen Urlaubsregionen wie Andalusien in Südspanien. Campingplätze sind bedroht und Straßen gesperrt. Die aktuelle Lage.
Update: Verheerender Waldbrand mit vielen Toten in Almería in Andalusien
Waldbr ände in Südfrankreich lodern weiter
Große Hitze in der Region Paris und im Westen des Landes
Diese Rechte haben Reisende
Die Hitzewelle in Frankreich hat weite Teile des Landes fest im Griff, die Waldbrandsituation ist weiter angespannt – auch in beliebten Ferienregionen am Mittelmeer oder in der Bretagne. Und auch in Spanien kommt es aktuell zu teils verheerenden Feuern. Besonders betroffen ist dort Andalusien. Von den Waldbränden sind immer wieder auch touristische Einrichtungen wie Campingplätze bedroht. Heftige Winde und die ausgeprägte Dürre verschärfen die Lage.
Gesundheitsrisiko Hitze: So schützen Sie sich
Südfrankreich: Noch keine Entwarnung in der Urlaubsregion Perpignan
Im Departement Pyrénées-Orientales im Südosten Frankreichs wurden am Montag, 6. Juli, mehrere Tausend Menschen aus Ortschaften in einem Gebirgsmassiv westlich von Perpignan evakuiert. Die Flammen sind noch nicht gelöscht, breiten sich derzeit aber nicht weiter aus. Angespannt ist die Lage auch in der Region Hérault bei Carlencas-et-Levas. Auf der Urlaubsinsel Korsika lodert ebenfalls ein größerer Buschbrand. Gefahr für die Bevölkerung besteht derzeit aber nicht.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez sprach zuletzt von rund 20 laufenden Bränden, darunter mehrere größere und kritische Brandherde. Die Waldbrände seien etwa zwei bis drei Wochen früher als gewöhnlich im Jahr aufgetreten, sagte Premierminister Sébastien Lecornu in Marseille. Die Lage sei angespannt. Die Feuerwehren befürchten eine extrem lange Brandsaison.

Nahe Perpignan mussten Ende letzter Woche aufgrund eines Brandes fast 3000 Menschen evakuiert werden, darunter Bewohnerinnen und Bewohner dreier Campingplätze. Auch nördlich der Hafenstadt Marseille brachen zwei Waldbrände aus. Gebrannt hatte es zudem in der Region von Lançon-Provence, wo Hunderte Menschen ihre Häuser verlassen mussten.
Die Autobahn A9, die zu den wichtigsten Urlaubsrouten an die Mittelmeerküste und nach Spanien gehört, musste infolge der Waldbrände bereits mehrfach gesperrt werden.
Frankreich: Hitzewelle und Waldbrandgefahr in Urlaubsregionen
Der staatliche Wetterdienst Météo France geht davon aus, dass die Hitzewelle – inzwischen die dritte in weniger als zwei Monaten – bis mindestens Mittwoch, 15. Juli, andauern wird. Die Region Pays de la Loire (im Westen Frankreichs mit der Hauptstadt Nantes) und vier angrenzende Departements werden ab Freitag Mittag, 10. Juli, in die höchste Warnstufe (Rot) eingestuft, während für 76 Departements (gegenüber 72 am Donnerstag) die Warnstufe Orange gilt. Von den Extremtemperaturen betroffen sind derzeit auch die Region Paris und die Bretagne.
Lediglich Korsika, die Côte d'Azur, der Norden Frankreichs und einige Bergregionen bleiben von den extremen Temperaturen verschont. Am Samstag, 11. Juli, dürfte sich die Lage weiter verschlimmern.
Am Donnerstag, 9. Juli, wurde die höchste Temperatur in Narbonne (Aude) mit 41,2 Grad gemessen, und auch in der Bretagne wurden Temperaturen von 36,8 Grad (in Vannes) registriert.
Frankreich aktiviert Hitze-Notfallplan
Angesichts der heftigen Hitzewelle hat die französische Regierung einen bisher einmaligen Notfallplan für Hitze in Gang gesetzt. Der Plan sieht unter anderem die Einrichtung von Abkühlungszentren für gefährdete Menschen vor, etwa Ältere und Obdachlose. In den klimatisierten Zentren könnten sich die Menschen für einige Stunden aufhalten oder auch übernachten, erklärte der Direktor des französischen Zivilschutzes, Julien Marion, gegenüber Medien. Der Plan gilt für Departements mit der höchsten Hitzewarnstufe.
Spanien: Verheerender Großbrand in Andalusien
Auch andere Länder leiden unter Hitze und Waldbränden. Besonders angespannt ist die Lage momentan in der Region Almería in der Urlaubsregion Andalusien. Nach Behördenangaben sind in den Gemeinden Los Gallardos und Bédar bei einem Inferno mindestens elf Menschen ums Leben gekommen, etliche Personen werden noch vermisst. Einige der Opfer – darunter vermutlich auch Ausländer – seien in ihren Fahrzeugen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt. Rund 150 Feuerwehrleute seien im Einsatz, um die Flammen zu löschen, wie der andalusische Rettungsdienst am Freitagmorgen mitteilte. Der regionale Minister für Gesundheit und Notfälle, Antonio Sanz, sprach von einer "beispiellosen Tragödie" und dem "bisher verheerendsten Brand in unserer Region". Als Ursache des Brandes wird der Einsturz einer Stromleitung vermutet.
Das Feuer erreichte auch Straßen: So musste ein Abschnitt der wichtigen Autobahn 7 gesperrt werden. Mehr als 1000 Menschen mehrerer Ortschaften wurden evakuiert und in Notzelte in benachbarten Orten wie Mojácar gebracht. Auch ein Campingplatz, der bislang von den Flammen verschont geblieben war, wurde vorsorglich geräumt. 400 Menschen, darunter viele Ältere, seien mit Hilfe des Rettungsdienstes an sichere Orte gebracht worden.
In Spanien lodert derzeit eine ganze Reihe von Waldbränden. Seit Jahresbeginn haben dort großflächige Feuer bereits mehr als 50.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.
Tipps für Reisende in Südfrankreich und Spanien
Reisende in Waldbrandregionen müssen mit Evakuierungen, gesperrten Straßen (vor allem Landstraßen, mitunter auch Autobahnen wie etwa die wichtige französische Urlauberautobahn A9 in Richtung Spanien), Sichtbeeinträchtigung durch Rauchentwicklung, Einschränkungen im touristischen Angebot und unterbrochenen Bahnverbindungen rechnen.
So wurde nach Angaben der französischen Bahngesellschaft SNCF in den vergangenen Tagen der Verkehr auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Paris sowie West- und Südwestfrankreich durch einen Waldbrand nahe der Gemeinde Marcoussis südlich von Paris beeinträchtigt.
Es ist möglich, dass Campingplätze oder andere Unterkünfte vorübergehend geschlossen werden müssen. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass Campingplätze zerstört sind und ein Aufenthalt dort nicht wie geplant stattfinden kann. Wer fürchtet, betroffen zu sein, sollte vor Reisebeginn mit der Unterkunft Kontakt aufnehmen und sich über die Situation vor Ort erkundigen.
Den Empfehlungen und Anweisungen der Behörden ist unbedingt Folge zu leisten. Die Lage in Waldbrandgebieten kann sich sehr schnell ändern.
Hier finden Sie aktuelle Verkehrsinfos zu Frankreich. Aktuelle Verkehrsmeldungen aus Spanien bietet die Website des spanischen Verkehrsministeriums DGT.
ADAC Mitglieder, die in ihrem Urlaub in Not geraten und Hilfe benötigen, können sich an den ADAC Auslandsnotruf (Tel. +49 89 22 22 22 ) wenden. Weitere Kontaktmöglichkeiten zum ADAC finden Sie hier.
Verhaltensregeln bei Waldbränden
In den besonders betroffenen Waldbrandregionen sollten Reisende besonders vorsichtig sein. Nicht selten werden Waldbrände auch durch Unachtsamkeit ausgelöst.
Naturkatastrophen: Diese Rechte haben Reisende
Pauschalurlauberinnen und -urlauber können kostenlos stornieren, wenn am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Reise erheblich beeinträchtigen.
Waldbrände können solche außergewöhnlichen Umstände sein, allerdings muss die gebuchte Reise auch konkret oder zumindest mit hinreichender Wahrscheinlichkeit von diesen Bränden bzw. den Folgen, wie Rauch in der Luft, betroffen sein. Urlauber können sich hierauf nur berufen, wenn die Reise zeitnah bevorsteht und es in eine Region gehen soll, in der die Waldbrände unmittelbar stattfinden.
Anders sieht es aus, wenn die Reise nicht in Kürze beginnt. Schließlich kann man nicht immer vorhersagen, wann Brände gelöscht sein könnten. Somit lässt sich auch nicht Wochen oder Monate vor Beginn der Reise abschätzen, ob diese erheblich beeinträchtigt wird. Ein kostenloses Storno wäre dann also nicht möglich. Brennt es irgendwo anders im Land, ist dies ebenfalls kein Grund, kostenfrei zurückzutreten. Es empfiehlt sich bei nicht unmittelbar bevorstehenden Reisen, die Entwicklung der Lage im Einzelfall vor Ort weiter zu beobachten.
Hitze oder Angst vor Waldbränden kein Stornogrund
Extreme Hitze allein genügt übrigens nicht, um eine Reise kostenlos zu stornieren. Wird die Reise aus bloßer Angst oder wegen Bedenken abgesagt, muss damit gerechnet werden, dass der Veranstalter Stornokosten verlangt.
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Feuer treten während des Urlaubs auf – was tun?
Treten im Pauschalurlaub die Probleme erst während der Reise auf, kann man den Vertrag unter gewissen Voraussetzungen kündigen und die Heimreise antreten. Hierzu muss aber belegt werden, dass die Reise durch außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird. Muss der Reiseveranstalter aufgrund der vorzeitigen Kündigung der Reisenden Leistungen nicht mehr erbringen, kann er hierfür auch keine Kosten verlangen. Außerdem muss er die Rückreise der Reisenden sicherstellen, wenn diese Teil des Reisevertrags ist. Mögliche Mehrkosten sind vom Reiseveranstalter zu tragen.
Ist die Rückreise wegen außergewöhnlicher Umstände nicht möglich und müssen Reisende länger bleiben, ist der Veranstalter verpflichtet, eine Unterkunft für einen Zeitraum von maximal drei Tagen zu bezahlen. Wer seine Reise fortsetzt, kann den Reisepreis gegenüber dem Reiseveranstalter mindern, wenn ein (nicht unerheblicher) Reisemangel vorliegt, zum Beispiel weil vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erbracht werden.
Waldbrände: Das gilt für Individualreisende
Nach deutschem Recht müssen auch Individualreisende bereits gebuchte Leistungen wie Flug und Unterkunft nicht zahlen, wenn diese nicht erbracht werden. Das kann der Fall sein, wenn die Urlaubsregion, in der sich das Hotel befindet, gesperrt ist. Ist die Unterkunft jedoch zugänglich, ohne dass Reisende sich in Gefahr begeben, sind diese auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Reisende bekommen auch dann ihr Geld zurück, wenn ein kostenfreies Rücktrittsrecht vertraglich vereinbart wurde.
Mit Material von dpa.