Waldbrände in Südfrankreich: So ist die aktuelle Lage
Von Kati Thielitz

In Südfrankreich kämpfen Einsatzkräfte gegen mehrere große Waldbrände. Menschen müssen ihre Häuser verlassen, Campingplätze werden evakuiert. Trockenheit und teils heftiger Wind verschlimmern die Situation.
A9-Sperre aufgehoben
Sehr hohe Waldbrandgefahr
Diese Rechte haben Reisende
Nach der extremen Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen haben sich im Süden Frankreichs mehrere Waldbrände ausgebreitet. Das größte Feuer wütet seit Mittwoch, 1. Juli, in den Départements Aude und Hérault, wo bis zu 800 Feuerwehrleute und 150 Fahrzeuge gegen die Flammen im Einsatz waren, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Bereits 900 Hektar Land wurden zerstört.
Gesundheitsrisiko Hitze: So schützen Sie sich
Waldbrände in Südfrankreich: Campingplätze evakuiert

Nahe Perpignan mussten aufgrund eines Brandes fast 3000 Menschen evakuiert werden, darunter Bewohnerinnen und Bewohner dreier Campingplätze in Canet-en-Roussillon und Sainte-Marie-la-Mer sowie Mitarbeitende des Hafens von Canet-en-Roussillon. Hunderte Feuerwehrleute wurden mobilisiert, mehrere Löschhubschrauber waren im Einsatz.
Auch nördlich der Hafenstadt Marseille brachen zwei Waldbrände aus. In der Nähe von Rognac brannten 50 Hektar ab, der Brand ist inzwischen unter Kontrolle. In der Nähe von Lançon-Provence wurden bereits 260 Hektar durch Flammen zerstört. Bislang wurde niemand verletzt, aber 600 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Südfrankreich: Autobahn A9 teilweise gesperrt
Am Donnerstag, 2. Juli, brach auch in Roquemaure, etwa 15 Kilometer nördlich von Avignon, ein Großbrand aus. Laut der Regionalzeitung Midi Libri breitete sich das Feuer entlang der Autobahn A9 aus, die zu den wichtigsten Urlaubsrouten an die Mittelmeerküste und nach Spanien gehört. Die Autobahn musste in beide Richtungen mehrere Stunden gesperrt werden. Die Sperre ist mittlerweile wieder aufgehoben.
Mittelmeerküste: Sehr hohe Waldbrandgefahr
Die Brände seien etwa zwei bis drei Wochen früher als gewöhnlich im Jahr aufgetreten, sagte Premierminister Sébastien Lecornu in Marseille. Lecornu zufolge brachen seit Beginn der Saison rund 7000 Feuer aus, 8700 Hektar Land seien verbrannt. Die Lage sei angespannt.
Am Freitag, 3. Juli, sind laut offizieller Waldbrandprognose des französischen Wetterdienstes sechs Départements im Süden Frankreichs von "sehr hoher" Waldbrandgefahr betroffen: Pyrénées-Orientales, Aude, Hérault, Gard, Vaucluse und Bouches-du-Rhône. Am Samstag, 4. Juli, gilt die höchste Warnstufe immerhin noch für Pyrénées-Orientales, Aude und Gard.
ADAC Mitglieder, die in ihrem Urlaub in Not geraten und Hilfe benötigen, können sich an den ADAC Auslandsnotruf (Tel. +49 89 22 22 22 ) wenden. Weitere Kontaktmöglichkeiten zum ADAC finden Sie hier.
Naturkatastrophen: Diese Rechte haben Reisende
Pauschalurlauberinnen und -urlauber können kostenlos stornieren, wenn am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Reise erheblich beeinträchtigen.
Waldbrände können solche außergewöhnlichen Umstände sein, allerdings muss die gebuchte Reise auch konkret oder zumindest mit hinreichender Wahrscheinlichkeit von diesen Bränden bzw. den Folgen wie Rauch in der Luft betroffen sein. Urlauber können sich hierauf nur berufen, wenn die Reise zeitnah bevorsteht und es in eine Region gehen soll, in der die Waldbrände unmittelbar stattfinden.
Anders sieht es aus, wenn die Reise nicht in Kürze beginnt. Schließlich kann man nicht immer vorhersagen, wann Brände gelöscht sein könnten. Somit lässt sich auch nicht Wochen oder Monate vor Reisebeginn abschätzen, ob diese erheblich beeinträchtigt wird. Ein kostenloses Storno wäre dann also nicht möglich. Brennt es irgendwo anders im Land, ist dies ebenfalls kein Grund, kostenfrei zurückzutreten. Es empfiehlt sich bei nicht unmittelbar bevorstehenden Reisen, die Entwicklung der Lage im Einzelfall vor Ort weiter zu beobachten.
Hitze oder Angst vor Waldbränden kein Stornogrund
Extreme Hitze allein genügt übrigens nicht, um eine Reise kostenlos zu stornieren. Wird die Reise aus bloßer Angst oder wegen Bedenken abgesagt, muss damit gerechnet werden, dass der Veranstalter Stornokosten verlangt.
Gesundheitsrisiko Hitze: Wie Sie sich schützen
Feuer treten während des Urlaubs auf – was tun?
Treten im Pauschalurlaub die Probleme erst während der Reise auf, kann man den Vertrag unter gewissen Voraussetzungen kündigen und die Heimreise antreten. Hierzu muss aber belegt werden, dass die Reise durch außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird. Muss der Reiseveranstalter aufgrund der vorzeitigen Kündigung der Reisenden Leistungen nicht mehr erbringen, kann er hierfür auch keine Kosten verlangen. Außerdem muss er die Rückreise der Reisenden sicherstellen, wenn diese Teil des Reisevertrags ist. Mögliche Mehrkosten sind vom Reiseveranstalter zu tragen.
Ist die Rückreise wegen außergewöhnlicher Umstände nicht möglich und müssen Reisende länger bleiben, ist der Veranstalter verpflichtet, eine Unterkunft für einen Zeitraum von maximal drei Tagen zu bezahlen. Wer seine Reise fortführt, kann den Reisepreis gegenüber dem Reiseveranstalter mindern, wenn ein (nicht unerheblicher) Reisemangel vorliegt, weil z.B. vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erbracht werden.
Waldbrände: Das gilt für Individualreisende
Nach deutschem Recht müssen auch Individualreisende die bereits gebuchten Leistungen wie Flug und Unterkunft nicht zahlen, wenn diese nicht erbracht werden. Das kann der Fall sein, wenn die Urlaubsregion, in der sich das Hotel befindet, gesperrt ist. Ist die Unterkunft jedoch zugänglich, ohne dass Reisende sich in Gefahr begeben, sind diese auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Reisende bekommen auch dann ihr Geld zurück, wenn ein kostenfreies Rücktrittsrecht vertraglich vereinbart wurde.
Mit Material von dpa.