Hitze in Italien: Das müssen Reisende wissen

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Von Lorenzo Walcher, Sabrina Doschek

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Die Sommerhitze hat die Ewige Stadt bereits seit über einer Woche erreicht. Touristen erfrischen sich mit dem Wasser der Brunnen und öffentlichen Trinkbrunnen.
Alarmstufe Rot in vielen Städten: Öffentlich zugängliche Trinkbrunnen sind in der neuen Hitzewelle begehrt© picture alliance / ZUMAPRESS.com

Italien kämpft weiter mit extremer Hitze. Für zahlreiche Städte gilt Alarmstufe Rot, Temperaturen bis fast 40 Grad sind möglich. Die Waldbrandgefahr im Land steigt. Was Reisende jetzt wissen müssen.

  • Hitzewelle: Alarmstufe Rot in vielen Städten Italiens

  • Weiterhin hohe Waldbrandgefahr wegen "afrikanischer Hitze"

  • Niedrigwasser am Lago Maggiore und am Po

  • Hitzewelle: Das sagen ADAC Reiserechts-Fachleute

Italien: Extreme Hitzewelle bis Mitte August

Das afrikanische Hochdruckgebiet ist nach Angaben des italienischen Wetterdienstes ilmeteo.it weiterhin aktiv. Mancherorts stellen Meteorologen Spitzenwerte von mehr als 40 Grad in Aussicht. Mit einer Abkühlung ist erst in der Woche von Ferragosto (Mariä Himmelfahrt) zu rechnen. Bis dahin bleibt es in weiten Teilen Italiens heiß und schwül.

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Legende zu den Warnstufen: Grün = kein Risiko, Gelb = Vorwarnung, Orange = Risiko für Risikogruppen, Rot = Hitzewelle/Notfall; Stand: 11. August 2026, Quelle: Ministero Salute

Für den Großteil der Städte des Landes gilt bis Ende der Woche Warnstufe Rot – extreme Gefahr für die Gesundheit.

Niedrigwasser am Lago Maggiore und am Po

Die anhaltende Hitze und Trockenheit hat auch Auswirkungen auf Italiens Flüsse und Seen. Am längsten Fluss Italiens, dem Po, messen Behörden an sämtlichen Stationen deutlich niedrigere Wasserstände als sonst um diese Jahreszeit. Der Lago Maggiore in Oberitalien, nach dem Gardasee Italiens zweitgrößter See, nähert sich nach Medienberichten einem historischen Tiefststand. Im nördlichen Teil der Adria wiederum wurden für das Mittelmeer Temperaturen von mehr als 30 Grad gemessen.

Hitze sorgt weiterhin für hohe Waldbrandgefahr

Apulien, Sizilien, Sardinien, Molise, Piemont: Immer mehr italienische Regionen hatten in den vergangenen Wochen teils heftige Waldbrände nach Hitzewellen und niederschlagsarmen Wochen gemeldet. Auch wenn viele Feuer unter Kontrolle sind, ist die Gefahr nicht vorbei. In diesen Regionen gab es bereits größere Feuer:

  • Im Raum Palermo mussten Ende Juli wegen mehrerer Brände Häuser vorsorglich evakuiert werden.

  • Auf Sardinien wurden nach Angaben des Zivilschutzes am Sonntag, 26. Juli, 14 Brände registriert, bis Dienstag, 28. Juli, konnten die Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Die Behörden warnen und verweisen darauf, dass viele Feuer nach ihren Erkenntnissen auf menschliches Handeln zurückgehen – teils durch Fahrlässigkeit, teils durch Brandstiftung.

  • An der südlichen Adriaküste Apuliens, in der Nähe der Stadt Peschici, musste die italienische Küstenwach

    e Touristen und Strandbesucher am Sonntag, 26. Juli, per Schiff in Sicherheit bringen.

  • Auch im benachbarten Molise mussten im Juli wegen eines Waldbrands an der Küste Campingplätze und Strandbäder geräumt werden.

  • In der norditalienischen Region Piemont verursachten Waldbrände in diesem Sommer bereits erhebliche ökologische Schäden.

Satellitendaten des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS geben einen Überblick über Brandherde in ganz Italien (und Europa).

Tipps für Reisende in Italien

Aufgrund der Hitze muss generell mit Wasserknappheit gerechnet werden. Das könnte dazu führen, dass private Pools trocken bleiben, die Strandduschen außer Betrieb genommen werden oder man nur zu bestimmten Uhrzeiten fließend Wasser hat. Engpässe bei der Trinkwasserversorgung in den Urlaubsgebieten dürfte es aber zunächst nicht geben.

Reisende in Waldbrandregionen müssen mit Evakuierungen, gesperrten Straßen (vor allem Landstraßen, mitunter auch Autobahnen), Sichtbeeinträchtigung durch Rauchentwicklung, Einschränkungen im touristischen Angebot und unterbrochenen Bahnverbindungen rechnen.

Es ist möglich, dass Campingplätze oder andere Unterkünfte vorübergehend geschlossen werden müssen. Wer fürchtet, betroffen zu sein, sollte vor Reisebeginn mit der Unterkunft Kontakt aufnehmen und sich über die Situation vor Ort erkundigen.

Auch sind Stromausfälle in den Waldbrandregionen möglich. Neben dem Ausfall von Klimaanlagen und Lüftungssystemen sowie Beeinträchtigungen von WLAN, Mobilfunknetzen und Internetverbindungen können auch Auswirkungen auf Wasserversorgung und Zahlungsverkehr (Geldautomaten, Kartenzahlung) nicht ausgeschlossen werden.

Den Empfehlungen und Anweisungen der Behörden ist unbedingt Folge zu leisten. Waldbrände sind unberechenbar. Die Lage kann sich sehr schnell ändern.

ADAC Auslandsnotruf

ADAC Mitglieder, die in ihrem Urlaub in Not geraten und Hilfe benötigen, können sich an den ADAC Auslandsnotruf (Tel. +49 89 22 22 22 ) wenden. Weitere Kontaktmöglichkeiten zum ADAC finden Sie hier.

Verhaltensregeln zur Vermeidung von Waldbränden

In den besonders betroffenen Waldbrandregionen sollten Reisende besonders vorsichtig sein. Nicht selten werden Waldbrände auch durch Unachtsamkeit ausgelöst.

Naturkatastrophen: Diese Rechte haben Reisende

Pauschalurlauberinnen und -urlauber können kostenlos stornieren, wenn am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Reise erheblich beeinträchtigen.

Waldbrände können solche außergewöhnlichen Umstände sein, allerdings muss die gebuchte Reise auch konkret oder zumindest mit hinreichender Wahrscheinlichkeit von diesen Bränden bzw. den Folgen, wie Rauch in der Luft, betroffen sein. Urlauber können sich hierauf nur berufen, wenn die Reise zeitnah bevorsteht und es in eine Region gehen soll, in der die Waldbrände unmittelbar stattfinden.

Anders sieht es aus, wenn die Reise nicht in Kürze beginnt. Schließlich kann man nicht immer vorhersagen, wann Brände gelöscht sein könnten. Somit lässt sich auch nicht Wochen oder Monate vor Beginn der Reise abschätzen, ob diese erheblich beeinträchtigt wird. Ein kostenloses Storno wäre dann also nicht möglich. Brennt es irgendwo anders im Land, ist dies ebenfalls kein Grund, kostenfrei zurückzutreten. Es empfiehlt sich bei nicht unmittelbar bevorstehenden Reisen, die Entwicklung der Lage im Einzelfall vor Ort weiter zu beobachten.

Hitze oder Angst vor Waldbränden kein Stornogrund

Extreme Hitze allein genügt übrigens nicht, um eine Reise kostenlos zu stornieren. Wird die Reise aus bloßer Angst oder wegen Bedenken abgesagt, muss damit gerechnet werden, dass der Veranstalter Stornokosten verlangt.

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Feuer treten während des Urlaubs auf – was tun?

Treten im Pauschalurlaub die Probleme erst während der Reise auf, kann man den Vertrag unter gewissen Voraussetzungen kündigen und die Heimreise antreten. Hierzu muss aber belegt werden, dass die Reise durch außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird. Muss der Reiseveranstalter aufgrund der vorzeitigen Kündigung der Reisenden Leistungen nicht mehr erbringen, kann er hierfür auch keine Kosten verlangen. Außerdem muss er die Rückreise der Reisenden sicherstellen, wenn diese Teil des Reisevertrags ist. Mögliche Mehrkosten sind vom Reiseveranstalter zu tragen.

Ist die Rückreise wegen außergewöhnlicher Umstände nicht möglich und müssen Reisende länger bleiben, ist der Veranstalter verpflichtet, eine Unterkunft für einen Zeitraum von maximal drei Tagen zu bezahlen. Wer seine Reise fortsetzt, kann den Reisepreis gegenüber dem Reiseveranstalter mindern, wenn ein (nicht unerheblicher) Reisemangel vorliegt, zum Beispiel weil vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erbracht werden.

Waldbrände: Das gilt für Individualreisende

Nach deutschem Recht müssen auch Individualreisende bereits gebuchte Leistungen wie Flug und Unterkunft nicht zahlen, wenn diese nicht erbracht werden. Das kann der Fall sein, wenn die Urlaubsregion, in der sich das Hotel befindet, gesperrt ist. Ist die Unterkunft jedoch zugänglich, ohne dass Reisende sich in Gefahr begeben, sind diese auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Reisende bekommen auch dann ihr Geld zurück, wenn ein kostenfreies Rücktrittsrecht vertraglich vereinbart wurde.

Mit Material von dpa.