Hitzewelle in Deutschland: Tipps für Autofahrer und Reisende
Von Lorenzo Walcher

Deutschland steckt in einer extremen Hitzewelle – mit Folgen für Reisende: Autobahnen reißen auf, Züge fallen aus, Events werden abgesagt. Worauf Autofahrende und Urlauber jetzt achten sollten.
Hitzeschäden auf zahlreichen Autobahnen, Bahn rät von Reisen ab
Regen und Unwetter ab Montag, 29. Juni, erwartet
Wasserknappheit und Waldbrandgefahr durch extreme Hitze
Tipps für Auto- und Motorradreisende
Deutschland im Ausnahmezustand: Die anhaltende Hitze belastet nicht nur Menschen, sondern zunehmend auch Infrastruktur und Natur – mit spürbaren Folgen für Reisende.
Gesundheitsrisiko Hitze: Wie Sie sich schützen
Hitzewelle verschärft sich: Bis zu 42 Grad am Sonntag
Es ist eine extreme Hitzephase: Am Samstag, 27. Juni, wurden in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,5 Grad gemessen – die höchste Temperatur, die jemals in Deutschland registriert wurde. Am Sonntag, 28. Juni, ziehen die Temperaturen voraussichtlich noch weiter an. Im Osten und Südosten sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) 39 bis 41 Grad voraus, in der Lausitz bis 42 Grad. In den übrigen Teilen Deutschlands werden 32 bis 38 Grad erwartet – nur an der Küste könnte es kühler werden.
Regen und Unwetter ab Montag erwartet
Ab Montag, 29. Juni, wird Deutschland dann vermutlich endlich abgekühlt: Nach der Rekord-Hitzewelle wird eine Regenfront erwartet, die für deutlich sinkende Temperaturen sorgen wird. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Schauern und teils unwetterartigen Gewittern. Besonders betroffen sollen der Westen, Süden und Osten Deutschlands sein: Vor allem im Osten müssen die Menschen bis Dienstag, 30. Juni, mit heftigem Starkregen, Gewittern, Hagel und stürmischen Böen rechnen.
Hitze-Folgen im Verkehr: Autobahnen gesperrt, Gefahr durch Blow-ups

Auf Autobahnen kann es durch die Extremhitze zu sogenannten Blow-ups kommen, bei denen die Fahrbahndecke plötzlich aufplatzt. Seit Donnerstagvormittag, 25. Juni, gibt es eine Sperrung wegen Hitzeschäden auf der A2 Richtung Hannover. Zwischen Burg-Ost und Burg-Zentrum ist die Autobahn in dieser Richtung bis voraussichtlich Sonntagnachmittag, 28. Juni, gesperrt. Hitzegeschädigt ist zudem der Abschnitt zwischen Ziesar und Wollin (Potsdam-Mittelmark) in Fahrtrichtung Potsdam.
Aufgrund eines Hitzeschadens ist die A1 bei Wittlich aktuell gesperrt. Auf der A93 kam es zwischen Weiden-Süd und Luhe Wildenau in Richtung Regensburg ebenfalls zu Blow-ups. Der linke Fahrstreifen muss bis voraussichtlich kommende Woche gesperrt werden, so die Autobahn GmbH. Zudem sind auf der bayerischen A9 bei Ingolstadt in beiden Richtungen Reparaturarbeiten infolge von Blow-ups nötig.
Auch auf der A10 wurden Hitzeschäden festgestellt. Dort ist zwischen Berlin-Marzahn und Hellersdorf in Richtung Frankfurt (Oder) der linke Fahrstreifen dicht. Auf der A7 im Süden Hamburgs bleibt auf Höhe Marmstorf ebenfalls ein Fahrstreifen in Richtung Norden über das Wochenende gesperrt. Zudem ist die Fahrbahn zwischen den Anschlussstelle Bad Fallingbostel und Dorfmark aufgeplatzt. Ein Fahrstreifen wurde dicht gemacht. Wegen eines weiteren Blow-ups ist die A14 zwischen dem Kreuz Magdeburg und der Anschlussstelle Dahlenwarsleben gesperrt.
Auf der A48 in Rheinland-Pfalz ist an der Rheinbrücke bei Bendorf in Richtung Trier die Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h reduziert worden. Auch auf der A3 bei Wiesbaden dürfen zwischen dem Mönchhofdreieck und dem Wiesbadener Kreuz in Richtung Köln maximal 80 km/h gefahren werden.
Bereits am dritten Juni-Wochenende war es auf der A1 und der A13 zu Verkehrsbehinderungen durch Hitzeschäden gekommen. Die Autobahn GmbH rät Autofahrenden: "Bei hohen Temperaturen bitte besonders aufmerksam fahren und die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung unbedingt einhalten. Wer Schäden an der Fahrbahn bemerkt, sollte diese umgehend der Polizei melden."
Alle Sperrungen, Baustellen und aktuelle Verkehrsinformationen finden Sie hier.
Bahn rät von Reisen ab, Tickets können erstattet werden
Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen raten wegen der Hitze am Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. Zuvor hatte die Bahn erstmals eine "Hitze-Sonderkulanz" eingeführt. Fahrgäste können Tickets, die bis zum 23. Juni gekauft wurden, noch bis einschließlich 30. Juni stornieren und erhalten den Fahrpreis zurück – das gilt auch für Spar- und Supersparpreis-Tickets.
Die anhaltende Hitzewelle stellt eine Belastungsprobe für die Bahn-Infrastruktur dar. Direkte Sonneneinstrahlung setzt insbesondere Weichen sowie Leit- und Sicherheitstechnik zu und hatte bereits im vergangenen Jahr Ausfälle und Verspätungen zur Folge.
Wegen Hitze: Zahlreiche Events abgesagt

Zahlreiche Sport- und Kulturveranstaltungen wurden wegen der Hitze bereits abgesagt oder verschoben. Dazu zählt auch der Hamburger Halbmarathon, der am Sonntag stattfinden sollte. Außerdem haben unter anderem der Württembergische Fußballverband und der Bayerische Fußball-Verband den Spielbetrieb am Wochenende weitgehend gestoppt; ähnliche Maßnahmen wurden auch in Sachsen veranlasst. Am Freitag, 26. Juni, erklärte der Veranstalter des Ironman Frankfurt, dass man die Rad- und Laufstrecke des Wettkampfs verkürzen werde.
Auch viele Festivals, Stadtfeste und Konzerte finden hitzebedingt nicht statt. Im Ruhrgebiet sind das geplante Konzert von Sänger Jan Delay am Freitag und das Sunset Beach Festival am Halterner Stausee am Samstag kurzfristig abgesagt worden. Das Stuttgarter Kessel-Festival auf dem Cannstatter Wasen wurde wegen der extremen Temperaturen abgebrochen.
Vorsicht: Sport kann bei Hitze gefährlich werden. Wer joggen oder Rad fahren möchte, sollte die Mittags- und frühen Abendstunden meiden und möglichst in klimatisierten Räumen trainieren. Wichtig: Durch übermäßiges Schwitzen verliert der Körper sowohl Wasser als auch Mineralien (Elektrolyte). Bei Muskelkrämpfen sollten Sie daher nicht nur Wasser, sondern auch elektrolythaltige Flüssigkeiten wie Sportgetränke zu sich nehmen.
Wasserknappheit und Waldbrandgefahr: Erste Städte reagieren
Die Hitze lässt die Waldbrandgefahr in vielen Regionen deutlich steigen. In der südlichen Landeshälfte sowie im Osten und Nordosten gilt vielerorts Warnstufe 4 oder 5 (hohe bzw. höchste Gefahr).
Auf die Trockenheit reagieren Städte und Regionen mit Einschränkungen: In Dresden und Stuttgart ist die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Seen aktuell verboten – Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. Auch andernorts gelten bereits Auflagen, etwa in der Region Hannover, in Salzgitter und im Landkreis Goslar. Dort ist die Wasserentnahme oder Bewässerung teilweise eingeschränkt.
Zusätzlich haben zahlreiche Städte, darunter Frankfurt am Main, Stuttgart und Chemnitz, Grillverbote erlassen. In Teilen Bayerns wird die Lage aus der Luft überwacht, um Brände frühzeitig zu erkennen.
Hitzewelle: Das sollten Autofahrer beachten

Autofahrende sollten auf die Hitze vorbereitet sein: Mit an Bord müssen ausreichend kühle Getränke sein, zudem sollten trotz Klimaanlage besonders viele Pausen eingeplant werden. Wer sein Auto parken muss, sollte es unbedingt im Schatten abstellen oder zumindest eine Sonnenschutzfolie außen am Auto anbringen.
Gerade geparkte Autos werden schnell zur lebensgefährlichen Hitzefalle: Schon nach kurzer Zeit steigen die Temperaturen im Innenraum stark an. Besonders Kinder und Tiere sind hoch gefährdet, selbst wenige Minuten können kritisch sein.

Hinzu kommt: Nicht nur die Luft wird heiß. Oberflächen wie Lenkrad, Gurtschlösser oder Kindersitze können sich auf bis zu 80 Grad erhitzen. Es drohen Verbrennungen schon beim Berühren. Deshalb müssen auch empfindliche Gegenstände, etwa Handys oder Feuerzeuge, aus dem Auto entfernt werden. Hier lesen Sie, was der beste Sonnenschutz bei Hitze im Auto ist.
Für Motorradfahrende wird Hitze ebenfalls zur Belastung: Im Stau droht Überhitzung für Mensch und Maschine, Durchschlängeln im Verkehr ist in Deutschland aber trotzdem verboten. Tipps gegen die Hitze und warum zu wenig Schutzkleidung nicht nur gefährlich ist, sondern auch im Versicherungsfall Konsequenzen bedeuten kann, lesen Sie hier:
Ob Auto oder Motorrad: Vor Fahrtantritt unbedingt den Reifendruck messen. Ein zu niedriger Reifenfülldruck ist bei hohen Temperaturen dringend zu vermeiden. Der zu gering befüllte Reifen verformt sich sonst während der Fahrt übermäßig, und dabei entsteht Hitze, die in Kombination mit den hohen Asphalttemperaturen zu einem Reifenplatzer führen kann.
Hitze in Europa: Ausfälle und Schutzmaßnahmen

Die extreme Hitze zeigt auch in anderen europäischen Ländern deutliche Folgen. Großbritannien meldet die höchste Juni-Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen, in Frankreich wurden in Paris bereits 40,9 Grad gemessen. Die Belastung für die Infrastruktur wächst: Im Nordwesten Frankreichs waren zeitweise 68.000 Haushalte ohne Strom, nachdem ein Transformator ausgefallen war. Zudem sind in Frankreich mittlerweile drei Atomreaktoren abgeschaltet worden, damit sich das ohnehin bereits sehr warme Wasser nicht weiter durch das Kühlwasser der Reaktoren erwärmt. In der Region Nouvelle-Aquitaine stellte die Staatsbahn SNCF den Regionalverkehr vorübergehend ein, auch andernorts kommt es zu Einschränkungen im Bahnverkehr.
Gleichzeitig reagieren viele Städte mit Schutzmaßnahmen auf die hohe Belastung. In Basel haben Senioren aktuell freien Eintritt in klimatisierte Museen, Barcelona richtet spezielle Kühlräume ein. In Spanien müssen Restaurants ihre Außenbereiche schließen, wenn Beschäftigte dort nicht ausreichend vor der Hitze geschützt werden können.
Mit Material von dpa.