Elektroautos: Drohen wegen der Energiekrise Fahrverbote im Winter?

Blackout-Angst: Müssen Elektroautos in der Schweiz bald stehen bleiben?
Blackout-Angst: Müssen Elektroautos in der Schweiz bald stehen bleiben? © imago images/Geisser

Dass der Strom im Winter der Energiekrise knapp wird, befürchten viele Menschen. Ein Land in Europa erwägt jetzt sogar ein Fahrverbot für Elektroautos. Das sind die Pläne.

  • Die Schweiz plant Tempo 100 statt 120 für E-Autos

  • Zusätzliche Fahrverbote für nicht zwingend notwendige private Fahrten

  • Sind diese Szenarien in Deutschland ebenfalls möglich?

In der Schweiz ist die Sorge vor einem Strommangel groß. Zwar erzeugt das Land viel Energie aus Wasserkraft, es ist jedoch auch auf Strom-Importe aus Deutschland und Frankreich angewiesen. Um einen Blackout zu vermeiden, könnten auch Elektroautos von Einschränkungen betroffen sein. Hierzu diskutiert die Schweiz einen Entwurf der "Verordnung über Beschränkungen und Verbote der Verwendung elektrischer Energie".

Schweiz erwägt Fahrverbote für Elektroautos

Sollte es aufgrund der allgemeinen Energiekrise zu einer Stromknappheit kommen, könnten zwei Maßnahmen greifen:

  • Tempolimit auf nationalen Straßen von 100 km/h: Da in der Schweiz die Anzahl der Elektroautos stetig steigt, nimmt auch das Sparpotenzial zu, das mit einem Tempolimit umgesetzt werden kann, heißt es in dem Entwurf. Zudem wird damit Mineralöl gespart, welches für Notstromaggregate, Zweistoffanlagen etc. genutzt werden kann. Es muss auch weniger getankt werden, was wiederum den Stromverbrauch senkt.

  • Fahrverbot für Elektroautos: In einer schweren fortdauernden Mangellage, die in vier Eskalationsstufen gestaffelt ist, könnte in Stufe 3 die private Nutzung von Elektroautos auf zwingend notwendige Fahrten begrenzt werden. Erlaubt wäre die Nutzung für Fahrten wie Einkäufe, Arztbesuche und für die Berufsausübung.

Blackout-Angst: Fahrverbote auch in Deutschland?

Fahrverbote für E-Autos, wie sie in der Schweiz auch nur als eine letzte Maßnahme diskutiert werden, sind nach Ansicht von ADAC Energiefachleuten nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragbar. Dazu sind die Rahmenbedingungen in den beiden Ländern zu verschieden: Deutschland exportierte im Jahr 2019 etwa deutlich mehr Strom als es importierte. Auch die aktuelle Energiekrise ändert nichts daran, dass Deutschland über einen Mix aus Grundlastkraftwerken und erneuerbaren Energien grundsätzlich gut aufgestellt ist.

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht die Stromversorgung in Deutschland im Winter als gesichert an. Es seien keine Blackout-Szenarien wegen einer Unterversorgung der Kapazitäten zu befürchten, sagte der Grünen-Politiker zuletzt. Es seien alle Kapazitäten am Netz. Deutschland sei sogar in der Lage, Frankreich mit Strom auszuhelfen. "Die Verfügbarkeit von Energie für die elektrische Stromerzeugung ist für diesen Winter gesichert", sagte Habeck. 

Nach Ansicht des ADAC müssen jetzt aber der Netzausbau und die Digitalisierung des Stromnetzes weiter mit Hochdruck vorangetrieben werden. Auf die Flexibilisierung der Erzeugung (durch Erneuerbare Energien) muss es eine Flexibilisierung des Verbrauchs geben.

ADAC Tipp für E-Auto-Besitzer

Halterinnen und Halter von Elektroautos können dies unterstützen, indem sie ihre Fahrzeuge zu Zeiten von schwacher Stromnachfrage laden – zum Beispiel in der Nacht. In der Zukunft können auch Techniken wie das bidirektionale Laden helfen, das Stromnetz bei schwankender Erzeugung zu stabilisieren.