Auto-Desinfektion nach der Reparatur - wer zahlt die Kosten?

Nach der Reparatur muss das Auto wegen Corona desinfiziert werden.
Nach der Reparatur muss das Auto wegen Corona desinfiziert werden.© Shutterstock/Nattakorn_Maneerat

Viele Werkstätten desinfizieren seit der Corona-Pandemie zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden die Fahrzeuge. ADAC Clubjuristen erklären, wann man die Kosten dafür tragen muss und was bei einem Haftpflichtschaden gilt.

  • Kosten für Desinfektion schon bei Auftragserteilung klären

  • Unverschuldeter Unfall: Gerichte bei Desinfektionskosten uneinig

  • Bundesgerichtshof muss über Kosten für Desinfektion entscheiden

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Werkstattaufträge. Wer muss die Kosten für eine Desinfektion des Autos nach Abschluss der Arbeiten bezahlen? Eine abschließende Klärung dieser Frage durch den Bundesgerichtshof steht noch aus.

Desinfektion wegen Corona: Was die Werkstatt verlangen darf

Wichtig zu wissen: Arbeiten, die nicht Teil des Reparaturauftrags sind und damit nicht zum Vertrag gehören, darf Ihnen die Werkstatt nicht einfach in Rechnung stellen. Will die Werkstatt Geld für eine Leistung, muss sie beweisen, dass ein Auftrag für die durchgeführten Arbeiten vorliegt. Das ist nur dann der Fall, wenn die Werkstatt Sie vorab über die anstehenden Arbeiten informiert hat und Sie mit der Durchführung einverstanden waren.

Nur wenn der Vertrag sehr pauschal formuliert wird (zum Beispiel bei einer allgemeinen Fahrzeug-Inspektion oder einem Sommerservice) müssen Sie möglicherweise auch Leistungen bezahlen, die zwar nicht ausdrücklich beauftragt wurden, aber bei Ausführung dieser Arbeiten üblicherweise anfallen. Ob dazu auch Desinfektionskosten zählen, ist umstritten.

Tipp der ADAC-Clubjuristen: Klären Sie die Durchführung einer Desinfektion und die Kosten mit der Werkstatt – am besten schon vor Erteilung des Werkstattauftrags.

Unverschuldeter Unfall: Wer zahlt die Desinfektion?

Ihr Auto muss nach einem unverschuldeten Unfall zur Reparatur oder Begutachtung in die Werkstatt. Hier ist streitig, ob und in welchem Umfang die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die Desinfektionskosten bezahlen muss. Die Gerichte nehmen aktuell überwiegend eine Erstattungspflicht an. Die ADAC Clubjuristen stellen aktuelle Urteile vor.

Landgericht Stuttgart: Desinfektionskosten als Pauschale erstattungsfähig

Nach einem fremdverschuldeten Unfall musste die Klägerin ihr Fahrzeug in der Werkstatt für 6.446,78 Euro reparieren lassen. Auf der Rechnung standen auch 57,30 Euro für die Auto-Desinfektion nach Reparatur. Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers wollte diese Kosten allerdings nicht erstatten. Das LG Stuttgart ist der Ansicht, dass der Unfallgeschädigte in Zeiten der Corona-Pandemie eine Desinfektion der wesentlichen Kontaktflächen vor Abholung des Fahrzeugs erwarten dürfe. Allerdings schätzt es die hierfür anfallenden Kosten auf pauschal 25 Euro, die Haftpflichtversicherung musste nur diese Pauschale bezahlen (Urteil vom 21.7.2021, Az.: 13 S 25/21).

Landgericht Aachen spricht konkrete Kosten für Desinfektion zu

Das Landgericht Aachen verurteilte den Haftpflichtversicherer eines Unfallverursachers zur Zahlung von Desinfektionskosten in Höhe von 44,19 € brutto (Urteil vom 21.10.2021, Az.: 4 O 63/21).

Amtsgericht Wolfratshausen: Corona-Desinfektion nach Reparatur muss erstattet werden

Das Amtsgericht Wolfratshausen hat entschieden, dass eine Werkstatt eine Corona-Desinfektion zwar nach, nicht aber zusätzlich vor der Reparatur berechnen darf.

Nach einem unverschuldeten Autounfall ließ der Geschädigte seinen Wagen in der Werkstatt reparieren. Neben den Reparaturkosten waren in der Rechnung auch 70 Euro für die Desinfektion des Autos aufgeführt. Die Werkstatt hatte das Auto bei der Annahme und vor der Rückgabe an den Kunden desinfiziert, um Corona-Risiken auszuschließen.

Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers musste am Ende nur die Kosten für die Desinfektion vor Rückgabe des Autos zahlen. Die Desinfektion nach der Annahme des Fahrzeugs sei eine reine interne Arbeitsschutzmaßnahme, die unter die Allgemeinkosten falle und dem Kunden nicht in Rechnung gestellt werden könne, so das Gericht (Urteil vom 15.12.2020, Az.: 1 C 687/20).