Tankrabatt am 1. Mai: Benzin- und Dieselpreis fallen, aber noch nicht genug
Von Sabrina Doschek

Seit dem 1. Mai um Mitternacht greift der Tankrabatt. Er soll die drastischen Preissteigerungen bei Benzin und Diesel seit Beginn des Irankriegs abmildern. So wirkt er sich an der Zapfsäule aus.
Energiesteuer seit 1. Mai um ca. 14 Cent gesenkt
Benzin- und Dieselpreise sinken über Nacht und springen um 12 Uhr wieder nach oben
Tankrabatt gilt für zwei Monate
Tankrabatt: So wirkt er sich aus
Seit dem 1. Mai greift der Tankrabatt: Der Bund hat die Energiesteuer um ca. 14 Cent gesenkt. Einschließlich des darauf anfallenden Umsatzsteueranteils müsste sich daraus eine Entlastung von 16,7 Cent brutto pro Liter ergeben – gerundet entspricht das den häufig genannten 17 Cent. An den Tankstellen war diese Steuersenkung am 1. Mai um 8 Uhr aber nur zum Teil angekommen. Im Vergleich zum Vortag reduzierte sich der Preis für Super E10 um 10,7 Cent auf 1,976 Cent, der für Diesel um 10,4 Cent auf 2,063 Cent.
Erklären ließ sich das zumindest teilweise damit, dass sich aktuell noch höher versteuerter Kraftstoff in den Tanks befindet. An diesem Wochenende muss die Steuersenkung aber vollständig weitergegeben werden, fordert der ADAC.
Bei der "Österreich-Modell-Preiserhöhung" um 12 Uhr sprangen die Preise dann wieder deutlich nach oben. Super E10 kostete anschließend durchschnittlich 2,076 Cent, Diesel 2,177 Cent. Die Mineralölkonzerne scheinen sich also weiterhin mit Risikoaufschlägen abzusichern.
Aus Sicht des ADAC bestehen aufgrund des bereits überhöhten Preisniveaus sowie der zusätzlichen Energiesteuersenkung aber deutliche Spielräume für Preissenkungen. Insbesondere die hohen Aufschläge des heutigen Tages hält der ADAC für nicht gerechtfertigt, zumal auch der Ölpreis gesunken ist.
Benzinpreis und Dieselpreis im Tagesvergleich
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Durchschnittspreise für Benzin und Diesel im Tagesvergleich. Die Auswirkung des Tankrabatts, der seit dem 1. Mai 2026 gilt, wird hier am 2. Mai sichtbar.
Mit Beginn des Iran-Krieges Anfang März 2026 sind die Benzin- und Dieselpreise massiv in die Höhe geschnellt. Weiter beschleunigt hat sich diese Entwicklung durch die Einführung des sogenannten Österreich-Modells (s. u.) am 1. April. Der Dieselpreis erreichte an jedem der sechs folgenden Tage sogar ein neues Allzeithoch, in der Spitze kostete Diesel 2,447 Euro je Liter. Bei E10 fehlten am 6. April, dem bislang höchsten Stand des Jahres, bei 2,192 Euro je Liter nur noch 1 Cent zum Allzeithoch vom Beginn des Ukraine-Kriegs.
Das Österreich-Modell, eingeführt am 1. April 2026, ist eine Regelung, nach der Mineralölkonzerne nur noch einmal täglich um 12 Uhr die Benzin- und Dieselpreise nach oben anpassen dürfen. Preissenkungen sind jedoch jederzeit möglich.
Benzinpreis und Dieselpreis im Wochenvergleich
In der Woche bis zum 28. April, also vor Einführung des Tankrabatts, wurden Benzin und Diesel teurer. Wie die ADAC Auswertung zeigt, sind die Preise für Diesel gegenüber um 7,1 Cent je Liter und für Super E10 um 4,4 Cent gestiegen.
Ölpreis: Entwicklung im Vergleich zur Vorwoche
Ein Treiber der aktuellen Entwicklung ist der Ölpreis: Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni sprang am Mittwoch, 29. April, zeitweise um bis zu 7 Prozent auf rund 126 US-Dollar. Damit erreichte Brent den höchsten Stand seit Anfang 2022.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat sich der Ölpreis um mehr als 70 Prozent erhöht. Auslöser der jüngsten Preissprünge sind neue, scharfe Drohungen von US‑Präsident Trump in Richtung Iran. Zudem bleibt die für den globalen Öl- und Gastransport zentrale Straße von Hormus weiterhin blockiert – eine Öffnung ist derzeit nicht absehbar.Der Rohölpreis als wichtigster Faktor bei der Bewertung der Kraftstoffpreise lag mit rund 104 US-Dollar (ca. 89 Euro) für die Sorte Brent am Dienstag, 28. April, deutlich über dem Niveau der Vorwoche.
Tankrabatt könnte verzögert bemerkbar sein
Der ADAC begrüßt die befristete Senkung der Energiesteuer um 16,7 Cent, mit der die Bundesregierung eine Forderung des Clubs aufgenommen hat, mahnt jedoch an, dass sich die vollen 16,7 Cent an den Zapfsäulen niederschlagen. Am 1. Mai war die Steuersenkung noch nicht vollumfänglich bei den Kraftstoffpreisen angekommen. Der ADAC fordert, das nachzuholen.
2022, als schon einmal ein Tankrabatt gewährt wurde, sind die Preise ebenfalls nicht sofort in voller Höhe der Steuersenkung gefallen. Ein Grund dürfte sein, dass viele Tankstellen noch Kraftstoff in ihren Tanks lagern, der mit der bisherigen, höheren Energiesteuer eingekauft wurde.
Versorgungsengpässe rund um den 1. Mai sind unwahrscheinlich: Das sei auch beim Tankrabattmodell von 2022 befürchtet worden, aber dann nicht eingetreten.
Hoher Spritpreis: So lässt sich beim Tanken sparen
Die Erfahrungen nach den ersten Wochen des Österreich-Modells zeigen, dass die Spritpreise kurz vor 12 Uhr stark ansteigen und dann bis zum Abend in abnehmender Geschwindigkeit fallen. Nachts gibt es kaum Preisbewegungen. Erst ab dem nächsten Morgen sinken die Preise wieder etwas, bis erneut der Anstieg um 12 Uhr mittags vollzogen wird. Somit ist der günstigste Tankzeitpunkt im Tagesverlauf kurz vor dem einmaligen Erhöhungszeitpunkt am Mittag.
Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.
Mitarbeit: Katharina Dümmer
Mit Material von dpa.