Spritpreise: Leichte Entspannung, aber noch keine Entwarnung
Von Sabrina Doschek

Der Krieg in Nahost hat Rekordpreise bei Benzin und Diesel verursacht. Jetzt hat die Bundesregierung Entlastung und die Senkung der Energiesteuer verkündet. Erstmals ist leichte Entspannung am Kraftstoffmarkt zu verzeichnen, aber noch keine Entwarnung. Die Spritpreise im Tages- und Wochenverlauf.
Ölpreis rangiert wie in der Vorwoche bei etwa 95 US-Dollar
Dieselpreis sinkt gegenüber Vorwoche um 16,1 Cent je Liter, Preis für Super E10 um 8,1 Cent
Diesel in Nordrhein-Westfalen, E10 in Bremen und im Saarland am günstigsten
Bundesregierung einigt sich auf Entlastung und senkt Energiesteuer um 17 Cent
Tagesverlauf: Dieselpreis und E10-Preis sinken nur langsam
An den sechs Tagen nach Einführung des sogenannten Österreich-Modells (1. April 2026) hatte der Dieselpreis im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Zuletzt sind, erstmals seit fast zwei Wochen, sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel etwas billiger geworden.
Am Mittwoch, 15. April, kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 2,237 Euro – 4,9 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für Super E10 ist ebenfalls zurückgegangen: Ein Liter kostete am Mittwoch, 15. April, im Durchschnitt 2,089 Euro.
Am Ostermontag, 6. April, erreichte E10 mit 2,192 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres. Zum höchsten E10-Preis aller Zeiten, am 14. März 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, fehlte an diesem Tag nur noch 1 Cent.
Ölpreis: Entwicklung im Vergleich zur Vorwoche
Der Rohölpreis als maßgebliche Größe zur Bewertung der Kraftstoffpreise rangiert wie in der Vorwoche bei etwa 95 US-Dollar (ca. 81 Euro). Damals wurde der zweiwöchige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran verkündet. Als Folge war der Ölpreis im Tagesverlauf um bis zu 15 Prozent abgestürzt und schloss auf einem ähnlichen Niveau wie derzeit. Erst mit Verzögerung kam dies auch bei den Preisen an den Zapfsäulen an – der sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt, ein schneller, starker Preisanstieg der Spritpreise, auf den ein langsamer Rückgang folgt.
Benzinpreis und Dieselpreis im Wochenvergleich
Leichte Entspannung am Kraftstoffmarkt, aber noch lange keine Entwarnung – so könnte man die Entwicklung der Kraftstoffpreise während der vergangenen Woche bewerten. Wie die aktuelle ADAC Auswertung vom Dienstag, 14. April, zeigt, ist der Preis für Diesel gegenüber der Vorwoche um 16,1 Cent je Liter, Super E10 um 8,1 Cent gesunken. So kostete Super E10 am Dienstag, 14. April, 2,107 Euro, vor einer Woche lag der Preis noch bei 2,188 Euro. Für Diesel mussten die Autofahrerinnen und Autofahrer am Dienstag 2,286 Euro (Vorwoche: 2,447 Euro) bezahlen.
Diesel in NRW, E10 in Bremen und im Saarland am günstigsten
Die Autofahrerinnen und Autofahrer in Bayern und Brandenburg müssen aktuell deutschlandweit die höchsten Preise beim Tanken bezahlen. Brandenburg weist die höchsten Benzinpreise auf, Bayern ist dagegen beim Diesel am teuersten. Das ist das Ergebnis der aktuellen ADAC Auswertung der Kraftstoffpreise in den 16 deutschen Bundesländern. Am günstigsten tankt man E10 momentan in Bremen und im Saarland, Diesel in Nordrhein-Westfalen.
Bundesregierung beschließt Entlastungsmaßnahmen
Angesichts der stark gestiegenen Spritpreise hat die Koalition am Montag, 13. April, Entlastungsmaßnahmen beschlossen. So soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für einen Zeitraum von zwei Monaten um rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden. Zudem soll es Arbeitgebern ermöglicht werden, eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zu zahlen. Eine ähnliche Prämie gab es in der Corona-Pandemie.
Die schwarz-rote Koalition drückt beim geplanten Steuernachlass aufs Tempo: Union und SPD wollen den Gesetzesentwurf schon am Donnerstag, 16. April, in den Bundestag einbringen. Die Entlastung soll dann vom 1. Mai bis Ende Juni gelten und könnte bei voller Weitergabe an den Zapfsäulen rund 1,6 Milliarden Euro ausmachen.
ADAC begrüßt Energiesteuer-Senkung
Der ADAC begrüßt die befristete Senkung der Energiesteuer um 17 Cent, mit der die Bundesregierung eine Forderung des ADAC aufgenommen hat.
Gleichzeitig fordert der Mobilitätsclub, dass diese Senkung auch bei den Autofahrenden ankommt: "Es muss sichergestellt sein, dass sich die vollen 17 Cent an den Zapfsäulen niederschlagen", sagt ADAC Verkehrs- und Technikpräsident Karsten Schulze. Mineralölkonzerne müssten nachweisen, dass Preise angemessen sind und Steuersenkungen weitergegeben würden. "Dazu muss auch die angekündigte Verschärfung des Kartellrechts umgesetzt werden, so dass das Bundeskartellamt Zugriff auf relevante Daten erhält", so Schulze.
Österreich-Modell kontraproduktiv
Nach Ansicht des ADAC kann der aktuelle Preisrückgang der Spritpreise lediglich eine erste Korrektur der zuletzt stark überzogenen Kraftstoffpreise darstellen. Die Preise waren seit Inkrafttreten des sogenannten Österreich-Modells immer weiter gestiegen, ohne dass der Ölpreis eine hinreichende Rechtfertigung geboten hätte. Das Österreich-Modell wurde am 1. April eingeführt: Die Spritpreise dürfen nur einmal am Tag (immer um 12 Uhr mittags) angehoben, jedoch beliebig oft gesenkt werden.
Hinzu kommt, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar zugelegt hat, was Rohöl rechnerisch günstiger macht, da dieses in US-Dollar gehandelt wird. Der ADAC erklärt die zuletzt stark gestiegenen Spritpreise unter anderem mit der begrenzten Preisregelung. Weil die Mineralölkonzerne ihre Preise nur einmal am Tag erhöhen dürfen, schlagen sie zu diesem Zeitpunkt Sicherheitszuschläge auf, um mögliche Risiken auszugleichen.
Keine Engpässe beim Sprit zu befürchten
Um die Märkte zu beruhigen, gaben Deutschland und die anderen 31 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) einen Teil der nationalen Ölreserven frei.
Sprit-Engpässe wären laut Bundeswirtschaftsministerium ein absoluter "Worst Case", der nur durch eine anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten, kombiniert mit einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus, entstehen könnte. Derzeit gelangt jedoch weiterhin Rohöl ohne Einschränkungen nach Deutschland und die Lieferketten funktionieren – wenn auch zu deutlich höheren Preisen.
Engpässe gibt es deshalb aktuell nicht. Entspannung könnte nach Ansicht von ADAC Kraftstoffexperten eintreten, wenn die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC+) ab April ihre Fördermengen erhöht. Zusätzlich verfügt Deutschland über strategische Ölreserven, die eine Versorgung für rund 90 Tage selbst ohne jegliche Importe sicherstellen.
Da die Importe bislang allerdings weiterlaufen und die Reserven noch gut gefüllt sind, ist die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert. Sollten sich die globalen Lieferbedingungen verschlechtern, würden die Preise zwar (weiter) stark steigen, gleichzeitig aber wohl auch der Verbrauch von Benzin und Diesel sinken. Deshalb ist davon auszugehen, dass die physische Versorgung – im Gegensatz zum Preisniveau – auch längerfristig stabil bleibt.
Hoher Spritpreis: So lässt sich beim Tanken sparen
Die Erfahrungen nach den ersten beiden Wochen des Österreich-Modells zeigen, dass die Spritpreise kurz vor 12 Uhr stark ansteigen und dann bis zum Abend in abnehmender Geschwindigkeit fallen. Nachts gibt es kaum Preisbewegungen. Erst ab dem nächsten Morgen sinken die Preise wieder etwas, bis erneut der Anstieg um 12 Uhr mittags vollzogen wird. Somit ist der günstigste Tankzeitpunkt im Tagesverlauf kurz vor dem einmaligen Erhöhungszeitpunkt am Mittag.
Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.
Mitarbeit: Katharina Dümmer
Mit Material von dpa.