Tankkosten: Viertes Allzeithoch beim Diesel in Folge!
Von Redaktion

Preisschock an der Tankstelle: Der Krieg in Nahost verursacht Rekordpreise bei Benzin und Diesel. Daran ändert auch das Österreich-Modell – die Preiserhöhung nur einmal am Tag – bislang nichts.
Update: Dieselpreis erreicht weiteres Allzeithoch!
Neue Spritregel ist in Kraft
ADAC hält die Preisaufschläge für unangemessen
Teurer als 2022: Dieselpreis erreicht Allzeithoch!
An den drei Tagen nach Einführung des sogenannten Österreich-Modells (1. April 2026) hat der Dieselpreis im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Am Karsamstag, dem 4. April, kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 2,425 Euro und lag damit 3,4 Cent über dem Vortag. Der aus dem März 2022 stammende, bisherige Rekordwert wird damit inzwischen um 10 Cent übertroffen. Auch Super E10 verteuerte sich weiter und erreichte mit 2,184 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres. Zum höchsten E10-Preis aller Zeiten, erreicht am 14. März 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, fehlen nur noch knapp zwei Cent.
ADAC: Preisaufschläge sind unangemessen
Damit kennen die Kraftstoffpreise weiterhin nur eine Richtung: Nach oben. Der Anstieg vom 1. auf den 2. April ließ sich noch teilweise nachvollziehen, weil auch Rohöl vom einen auf den anderen Tag deutlich teurer wurde und sein Preis von 100 auf 110 Dollar stieg. Am Osterwochenende gab es diese Entwicklung wegen geschlossener Handelsplätze aber nicht.
Die Befürchtung des ADAC, dass Mineralölkonzerne die einmal tägliche Erhöhungsmöglichkeit für einen Risikozuschlag nutzen könnten, bestätigt sich also zusehends.Dieser Eindruck wird auch durch die jeweiligen Preiserhöhungen um 12 Uhr gestützt. Seit dem 1. April setzten die Mineralölkonzerne ihre Preise stets deutlich herauf, in der Spitze um fast 12 Cent für Diesel.
Nach Daten des ADAC lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Super E10 am 5. April um 11.45 Uhr noch bei 2,168 Euro. Um 12.15 Uhr stieg der durchschnittliche Literpreis für diesen Kraftstoff auf 2,239 Euro pro Liter und damit um 7,1 Cent. Diesel war noch stärker betroffen und stieg durchschnittlich um 7,3 Cent von 2,415 Euro pro Liter auf 2,488 Euro.
Aus Sicht des ADAC hat die Umstellung auf das sogenannte Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert. Stattessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert: Den Namen "Preisbremse" hat es damit nicht verdient, stattdessen ist es eher kontraproduktiv. Der Club fordert vor diesem Hintergrund ein das Bundeskartellamtes sowie die Länderbehörden zum Handeln auf: "Mit der Beweislastumkehr können die Behörden jetzt eingreifen und sollten das auch ohne zu zögern tun."
Krieg in Nahost: Warum sind die Spritpreise so hoch?
Ein wesentlicher Grund für den seit Wochen teuren Sprit ist der hohe Ölpreis. Weil der Iran eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker, die Straße von Hormus, blockiert, war der Ölpreis seit Kriegsbeginn dramatisch gestiegen. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent lag Anfang März kurzzeitig sogar bei über 120 US-Dollar und lag am 2. April, dem letzten Handelstag vor den Osterfeiertagen, bei 110 US-Dollar.
Zum Vergleich: Am Freitag, 27. Februar, vor dem Beginn des Irankriegs, kostete ein Barrel Rohöl noch rund 72 US-Dollar.
Ölpreis: Entwicklung im Vergleich zur Vorwoche
Österreich-Modell: Preiserhöhung nur einmal am Tag
Entlastung soll seit 1. April die Einführung des sogenannten Österreich-Modells bringen, bei dem die Spritpreise nur einmal am Tag angehoben, jedoch beliebig oft gesenkt werden dürfen. Die einmalige Preisanhebung erfolgt um 12 Uhr mittags eines jeden Tages. Damit ist der günstigste Zeitpunkt zum Tanken künftig kurz vor 12 Uhr – die bisherige Empfehlung, abends zu tanken, ist damit überholt.
Derzeit zeigt sich aber, dass die Neuregelung das aktuell hohe Preisniveau nicht senkt. Stattdessen führt die geringere Flexibilität von Mineralölkonzernen offenbar eher dazu, dass Unsicherheiten wie ein gegebenenfalls steigender Ölpreis vorweggenommen werden. Inwiefern die Möglichkeit, Preise jederzeit zu senken, genutzt wird, ist fraglich.
Verstöße gegen die neue Regel können übrigens mit einer Geldbuße bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Teil des "Kraftstoffmaßnahmenpakets" ist auch eine Verschärfung des Kartellrechts. Das Bundeskartellamt bekommt mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise.
ADAC fordert Absenkung der Energiesteuer
Der ADAC spricht sich dafür aus, vorübergehend die Energiesteuer auf Kraftstoffe abzusenken. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für ca. 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Keine Engpässe beim Sprit zu befürchten
Um die Märkte zu beruhigen, geben Deutschland und die anderen 31 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) nun einen Teil der nationalen Ölreserven frei.
Sprit-Engpässe wären laut Bundeswirtschaftsministerium ein absoluter "Worst Case", der nur durch eine anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten, kombiniert mit einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus, entstehen könnte. Derzeit gelangt jedoch weiterhin Rohöl ohne Einschränkungen nach Deutschland und die Lieferketten funktionieren – wenn auch zu deutlich höheren Preisen.
Engpässe gibt es deshalb aktuell nicht. Entspannung könnte nach Ansicht von ADAC Kraftstoffexperten eintreten, wenn die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC+) ab April ihre Fördermengen erhöht. Zusätzlich verfügt Deutschland über strategische Ölreserven, die eine Versorgung für rund 90 Tage selbst ohne jegliche Importe sicherstellen.
Da die Importe bislang allerdings weiterlaufen und die Reserven noch gut gefüllt sind, ist die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert. Sollten sich die globalen Lieferbedingungen verschlechtern, würden die Preise zwar (weiter) stark steigen, gleichzeitig aber wohl auch der Verbrauch von Benzin und Diesel sinken. Deshalb ist davon auszugehen, dass die physische Versorgung – im Gegensatz zum Preisniveau – auch längerfristig stabil bleibt.
Benzinpreis und Dieselpreis im Wochenvergleich
Wie die ADAC Auswertung der Spritpreise in Deutschland im Wochenvergleich zeigt, ist der Preis für Diesel-Kraftstoff seit der vergangenen Woche erneut gestiegen. So kostete Super E10 2,107 Euro und Diesel 2,316 Euro.
Gegenüber der Vorwoche ist das ein Anstieg von 3,3 Cent bei Super E10 und ein Anstieg von 2,8 Cent bei Diesel. Die Auswertung im Monatsvergleich zeigt, dass ein Liter Diesel im Monatsmittel 2,164 Euro kostete – nie zuvor war Diesel im Monatsschnitt teurer! Teuerster Diesel-Monat aller Zeiten war bisher der März 2022, kurz nach Beginn des Ukrainekriegs, mit durchschnittlich 2,140 Euro.
Auch Super E10 hat sich zuletzt sehr stark verteuert und kostete im März im Schnitt 2,022 Euro. Damit blieb der Preis zwar noch um 4,7 Cent unter dem des Rekordmonats März 2022, als für einen Liter Super E10 im Schnitt 2,069 zu bezahlen waren. Allerdings war der März damit für Super E10 der drittteuerste Monat aller Zeiten.
Hoher Spritpreis: So lässt sich beim Tanken sparen
Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.