Tankkosten: Dieselpreis springt auf neues Allzeithoch

Der Krieg in Nahost verursacht Rekordpreise bei Benzin und Diesel. Daran ändert auch das Österreich-Modell – die Preiserhöhung nur einmal am Tag – bislang nichts. Doch es gibt Hoffnung auf eine Wende.
Dieselpreis erreicht weiteres Allzeithoch, Preis für E10 gibt nach
Entspannung am Ölmarkt hat Zapfsäule noch nicht erreicht
ADAC hält die Preisaufschläge für unangemessen
Dieselpreis mit Allzeithoch, E10-Preis sinkt
An den sechs Tagen nach Einführung des sogenannten Österreich-Modells (1. April 2026) hat der Dieselpreis im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Am Dienstag, 7. April, kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 2,447 Euro und lag damit um 0,4 Cent über dem Vortag. Der aus dem März 2022 stammende bisherige Rekordwert wird damit inzwischen um über 12,2 Cent übertroffen.
Die gute Nachricht: Nach elf Anstiegen in Folge wechselt der Preis für E10 die Richtung. Super E10 kostete am Dienstag, 7. April, 2,188 Euro und damit 0,4 Cent weniger als am Vortag. Am Ostermontag, 6. April, erreichte E10 mit 2,192 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres. Zum höchsten E10-Preis aller Zeiten, erreicht am 14. März 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, fehlte da nur noch 1 Cent.
Entspannung am Ölmarkt – an der Zapfsäule noch nicht
Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Irankrieg und einer vorläufigen Freigabe der Straße von Hormus haben die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise deutlich nachgegeben. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent ist aktuell auf circa 95 US-Dollar (rund 81 Euro) abgestürzt. Am Dienstag, 7. April, lag der Ölpreis noch bei 105 US-Dollar.
Wie lange es dauert, bis die Entspannung am Ölmarkt auch die Zapfsäule erreicht, ist allerdings offen. Das Bundeskartellamt hat dabei in der Vergangenheit den sogenannten Rakete-und-Feder-Effekt beobachtet. Er besagt, dass Kostensteigerungen schnell in die Preise einfließen, sinkende Kosten aber nur langsam.
Zum Hintergrund: Ein wesentlicher Grund für den seit Wochen teuren Sprit ist der hohe Ölpreis. Weil der Iran eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker, die Straße von Hormus, blockiert, war der Ölpreis seit Kriegsbeginn dramatisch gestiegen. Zum Vergleich: Am Freitag, 27. Februar, vor dem Beginn des Irankriegs, kostete ein Barrel Rohöl noch rund 72 US-Dollar.
Ölpreis: Entwicklung im Vergleich zur Vorwoche
ADAC: Preisaufschläge sind unangemessen
Die Kraftstoffpreise sind seit Wochen extrem hoch. Der Anstieg vom 1. auf den 2. April ließ sich noch teilweise nachvollziehen, weil auch Rohöl von einem auf den anderen Tag deutlich teurer wurde und sein Preis von 100 auf 110 US-Dollar stieg. Am Osterwochenende gab es diese Entwicklung wegen geschlossener Handelsplätze aber nicht.
Die Befürchtung des ADAC, dass Mineralölkonzerne die einmal tägliche Erhöhungsmöglichkeit für einen Risikozuschlag nutzen könnten, bestätigt sich also zusehends. Dieser Eindruck wird auch durch die jeweiligen Preiserhöhungen um 12 Uhr gestützt. Seit dem 1. April setzen die Mineralölkonzerne ihre Preise stets deutlich herauf.
Diesel hat am Dienstag, 7. April, erstmals im bundesweiten Durchschnitt mehr als 2,50 Euro gekostet. Direkt nach der mittäglichen Erhöhung ermittelte der ADAC für 12.15 Uhr einen Preis von 2,502 Euro pro Liter. Das waren 9 Cent mehr als noch eine halbe Stunde zuvor. Super E10 verteuerte sich um 7,6 Cent auf 2,235 pro Liter. Sowohl die Anstiege als auch die Preise waren etwas höher als am Montag.
Aus Sicht des ADAC hat die Umstellung auf das Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert. Stattdessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert. Die Bezeichnung "Preisbremse" hat es damit nicht verdient, stattdessen ist es eher kontraproduktiv. Der Club fordert vor diesem Hintergrund das Bundeskartellamt sowie die Länderbehörden zum Handeln auf: "Mit der Beweislastumkehr können die Behörden jetzt eingreifen und sollten das auch ohne zu zögern tun."
Österreich-Modell: Preiserhöhung nur einmal am Tag
Entlastung soll seit 1. April die Einführung des Österreich-Modells bringen, bei dem die Spritpreise nur einmal am Tag angehoben, jedoch beliebig oft gesenkt werden dürfen. Die einmalige Preisanhebung erfolgt um 12 Uhr mittags eines jeden Tages. Damit ist der günstigste Zeitpunkt zum Tanken künftig kurz vor 12 Uhr – die bisherige Empfehlung, abends zu tanken, ist infolgedessen überholt.
Nach Überzeugung des ADAC bleibt das Modell ohne ein hartes Eingreifen des Bundeskartellamts sowie der Länderbehörden zahnlos. Die Befürchtungen des Mobilitätsclubs, dass Mineralölkonzerne auf die mangelnde Flexibilität bei Preisanpassungen mit deutlichen Risikoaufschlägen reagieren, haben sich bestätigt. So haben sie jeweils um 12 Uhr die Spritpreise um bis zu 12 Cent bei Diesel und um bis zu 10 Cent bei Super E10 angehoben, obwohl sich der Ölpreis nach wie vor auf einem ähnlichen Niveau bewegt wie vor Einführung der Neuregelung. Die Möglichkeiten, Preise jederzeit nach unten anzupassen, werden unzureichend genutzt.
ADAC: Kartellbehörde muss eingreifen
Aus Sicht des ADAC ist ein Eingreifen der Kartellbehörde dringend erforderlich. ADAC Technik- und Verkehrspräsident Karsten Schulze fordert: "Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird und die Behörden in der Beobachterrolle bleiben." Schulze weiter: "Außerdem muss die Bundesregierung nun endlich bei Entlastungen konkret werden. Andere EU-Staaten haben Maßnahmen längst umgesetzt. Für eine wirksame Reduzierung der Spritpreise ist es erforderlich, den Steueranteil auf Kraftstoffe in dieser Phase hoher Belastungen deutlich zu reduzieren."
ADAC fordert Absenkung der Energiesteuer
Der ADAC spricht sich überdies dafür aus, vorübergehend die Energiesteuer auf Kraftstoffe abzusenken. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für ca. 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Keine Engpässe beim Sprit zu befürchten
Um die Märkte zu beruhigen, geben Deutschland und die anderen 31 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) nun einen Teil der nationalen Ölreserven frei.
Sprit-Engpässe wären laut Bundeswirtschaftsministerium ein absoluter "Worst Case", der nur durch eine anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten, kombiniert mit einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus, entstehen könnte. Derzeit gelangt jedoch weiterhin Rohöl ohne Einschränkungen nach Deutschland und die Lieferketten funktionieren – wenn auch zu deutlich höheren Preisen.
Engpässe gibt es deshalb aktuell nicht. Entspannung könnte nach Ansicht von ADAC Kraftstoffexperten eintreten, wenn die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC+) ab April ihre Fördermengen erhöht. Zusätzlich verfügt Deutschland über strategische Ölreserven, die eine Versorgung für rund 90 Tage selbst ohne jegliche Importe sicherstellen.
Da die Importe bislang allerdings weiterlaufen und die Reserven noch gut gefüllt sind, ist die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert. Sollten sich die globalen Lieferbedingungen verschlechtern, würden die Preise zwar (weiter) stark steigen, gleichzeitig aber wohl auch der Verbrauch von Benzin und Diesel sinken. Deshalb ist davon auszugehen, dass die physische Versorgung – im Gegensatz zum Preisniveau – auch längerfristig stabil bleibt.
Benzinpreis und Dieselpreis im Wochenvergleich
Wie die aktuelle ADAC Auswertung vom Dienstag, 7. April, zeigt, verteuerte sich Diesel gegenüber der Vorwoche um 13,1 Cent je Liter, Super E10 um 8,1 Cent. So kostet Super E10 derzeit 2,188 Euro, vor einer Woche lag der Preis noch bei 2,107 Euro. Für Diesel müssen die Autofahrerinnen und Autofahrer aktuell 2,447 Euro (Vorwoche: 2,316 Euro) bezahlen, so viel wie noch nie. Das bisherige Allzeithoch nach Beginn des Ukraine-Kriegs wurde mit Einführung des Österreich-Modells überschritten und im Laufe der vergangenen Woche an jedem Tag ein Stück weiter nach oben geschraubt.
Hoher Spritpreis: So lässt sich beim Tanken sparen
Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.