Affenpocken in Deutschland: Was man jetzt zum Virus wissen muss

Im Labor werden derzeit weltweit immer mehr Fälle von Affenpocken bei Menschen diagnostiziert
Im Labor werden derzeit weltweit immer mehr Fälle von Affenpocken bei Menschen diagnostiziert© Shutterstock/Arif biswas

Weltweit infizieren sich immer mehr Menschen mit Affenpocken. Längst hat das Virus auch Deutschland erreicht. Was bislang über die Krankheit bekannt ist.

  • Update: WHO beruft Notfallausschuss ein

  • Infektionen in allen Bundesländern

  • Bei den meisten Erkrankten nur milde Symptome

  • Quarantäne-Empfehlung in Deutschland, Quarantäne-Pflicht in Belgien

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt mittlerweile mehr als 5000 Fälle von Affenpocken-Infektionen aus 50 Ländern. Darunter sind Länder wie Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Schweden, Spanien und Tschechien. In Deutschland sind bereits in allen Bundesländern Infektionen aufgetreten – insgesamt sind hierzulande bereits über 1000 Fälle bekannt, Tendenz steigend.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft trotz der steigenden Zahlen vorerst nicht den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Der Affenpocken-Ausbruch wird derzeit nicht als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken ist eine bei Menschen sehr seltene Viruserkrankung. Dabei ist der Name irreführend. Der Erreger wurde erstmals zwar 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen, aber Virologen gehen davon aus, dass der Erreger eigentlich unter Nagetieren und u.a. Eichhörnchen zirkuliert. Ursprünglich stammt das Virus aus West- und Zentralafrika.

Sind Affenpocken gefährlich?

Nach derzeitigem Kenntnisstand: nein. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist gering. Ebenso die Gefahr, tödlich zu erkranken. Die gilt vor allem für die derzeit grassierende westafrikanische Variante. In sehr seltenen Fällen kann die Erkrankung zur Erblindung führen. Narben können als Dauerschäden bleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Das Affenpockenvirus ist vom Tier auf den Menschen und von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Risiko, sich mit dem Affenpockenvirus zu infizieren, ist allerdings sehr gering. Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten und durch sehr engen Körperkontakt. Eine Tröpfcheninfektion durch Niesen, Husten oder Sprechen gilt als unwahrscheinlich.

Gibt es eine Schutzimpfung?

Die Pockenimpfung – bis 1976 verpflichtend in Deutschland durchgeführt – schützt auch vor den Affenpocken. In England und den USA impft man bereits jetzt wieder gegen Pocken. In Deutschland wird die freiwillige Impfung von Kontaktpersonen diskutiert.

Deutschland sorgt mit Impfstoff vor

40.000 Impfdosen des Vakzins Imvanex (in den Vereinigten Staaten gegen Affenpocken zugelassen) stehen in Deutschland zur Verfügung. Vorsorglich wurden weitere 200.000 Dosen Impfstoff bestellt.

Wie kann man sich schützen?

Die Affenpocken sind nur über engen Körperkontakt oder Krusten (die aufgrund des Hautausschlags auftreten und abfallen können) übertragbar.

Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, dem raten Mediziner zu denselben schützenden Maßnahmen, die bereits aus der Corona-Pandemie bekannt sind:

• Abstand halten
• Regelmäßig Hände waschen
• Besondere Husten- und Nieshygiene

Woran erkennt man eine Infektion?

Üblich ist ein pockentypischer Hautausschlag, der im Gesicht beginnt und auf den Körper übergeht. Die Hautveränderungen durchlaufen verschiedene Stadien und letztlich verkrusten die betroffenen Stellen. Weitere Anhaltspunkte können u.a. sein: plötzlich aufkommendes Fieber, Lymphknotenschwellungen.

Derzeit treten bei Infizierten aber nur sehr milde Symptome auf. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Wochen von der Krankheit.

Bei Viruserkrankungen werden vorrangig die Symptome behandelt. Für die Affenpocken-Erkrankung gibt es zudem das Medikament Tecovirimat.

Auch wenn die Krankheit äußerst selten ist: Wer jetzt einen ungewöhnlichen Ausschlag bei sich bemerkt und selbst einen Verdacht auf Affenpocken hegt, sollte zum Arzt gehen.

Muss man in Quarantäne bzw. Isolation?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt eine 21-tägige Selbstisolation für Infizierte und enge Kontaktpersonen.

Dem schließt sich auch Großbritannien an. Laut britischer Gesundheitsbehörde soll insbesondere der Kontakt mit Schwangeren, kleinen Kindern sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem vermieden werden.

In Belgien etwa ist hingegen eine 21-tägige Quarantäne Pflicht für Infizierte.

Regina Ammel
Regina Ammel
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