Affenpocken in Deutschland: Was man jetzt zum Virus wissen muss

Im Labor werden weltweit Fälle von Affenpocken bei Menschen diagnostiziert
Im Labor werden weltweit Fälle von Affenpocken bei Menschen diagnostiziert© Shutterstock/Arif biswas

Weltweit infizieren sich Menschen mit Affenpocken. Rund drei Monate nach dem ersten nachgewiesenen Fall ist die Zahl der entdeckten Erkrankungen in Deutschland auf über 3500 gestiegen. Was über die Krankheit bekannt ist.

  • WHO stuft Affenpocken als internationale Notlage ein

  • Infektionen in allen Bundesländern

  • Bei den meisten Erkrankten nur milde Symptome

  • Quarantäne-Empfehlung in Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt mittlerweile mehr als 64.000 Fälle von Affenpocken-Infektionen weltweit. In Deutschland sind in allen Bundesländern Infektionen aufgetreten – insgesamt sind hierzulande über 3500 Fälle bekannt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat reagiert und den Ausbruch des Virus als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft. Die Einstufung der WHO hat keine direkten praktischen Auswirkungen. Sie soll vor allem die Regierungen der Mitgliedsländer dazu bewegen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Verbreitung einzudämmen. 

Was sind Affenpocken?

Affenpocken ist eine bei Menschen sehr seltene Viruserkrankung. Dabei ist der Name irreführend. Der Erreger wurde erstmals zwar 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen, aber Virologen gehen davon aus, dass der Erreger eigentlich unter Nagetieren und u.a. Eichhörnchen zirkuliert. Ursprünglich stammt das Virus aus West- und Zentralafrika. Die WHO nennt die neuen Varianten nur noch "Clade I" und "Clade II".

Sind Affenpocken gefährlich?

Die Krankheit gilt zu 99 Prozent als ungefährlich. In sehr seltenen Fällen kann die Erkrankung zur Erblindung führen. Narben können als Dauerschäden bleiben.

Mediziner gehen - trotz einiger Todesfälle - davon aus, dass die Krankheit in den allermeisten Fällen unkompliziert verläuft.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Das Affenpockenvirus ist vom Tier auf den Menschen und von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Risiko, sich mit dem Affenpockenvirus zu infizieren, ist allerdings gering. Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten und durch engen Körperkontakt. Auch eine Tröpfcheninfektion durch Niesen, Husten oder Sprechen ist möglich. Ebenso wie eine Infektion durch Kontakt mit kontaminierter Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gegenstände wie Essgeschirr.

Gibt es eine Schutzimpfung?

Die Pockenimpfung – bis 1976 verpflichtend in Deutschland durchgeführt – schützt auch vor den Affenpocken. In England und den USA impft man bereits jetzt wieder gegen Pocken.

Deutschland sorgt mit Impfstoff vor

40.000 Impfdosen des Vakzins Imvanex (in den Vereinigten Staaten gegen Affenpocken zugelassen) stehen in Deutschland zur Verfügung. Vorsorglich wurden weitere 200.000 Dosen Impfstoff bestellt. Manche Bundesländer haben bereits mit der Impfung begonnen.

Die Ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt die Impfung für bestimmte Risikogruppen und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten haben.

Wie kann man sich schützen?

Die Affenpocken sind nur über engen Körperkontakt oder Krusten (die aufgrund des Hautausschlags auftreten und abfallen können) übertragbar.

Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, dem raten Mediziner zu denselben schützenden Maßnahmen, die bereits aus der Corona-Pandemie bekannt sind:

  • Abstand halten

  • Regelmäßig Hände waschen

  • Besondere Husten- und Nieshygiene

Woran erkennt man eine Infektion?

Üblich ist ein pockentypischer Hautausschlag, der im Gesicht beginnt und auf den Körper übergeht. Die Hautveränderungen durchlaufen verschiedene Stadien und letztlich verkrusten die betroffenen Stellen. Weitere Anhaltspunkte können unter anderem sein: plötzlich aufkommendes Fieber und Lymphknotenschwellungen.

Derzeit treten bei Infizierten aber nur sehr milde Symptome auf. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Wochen von der Krankheit.

Bei Viruserkrankungen werden vorrangig die Symptome behandelt. Für die Affenpocken-Erkrankung gibt es zudem das Medikament Tecovirimat.

Auch wenn die Krankheit äußerst selten ist: Wer jetzt einen ungewöhnlichen Ausschlag bei sich bemerkt und selbst einen Verdacht auf Affenpocken hegt, sollte zum Arzt gehen.

Muss man in Quarantäne bzw. Isolation?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt eine 21-tägige Selbstisolation für Infizierte und enge Kontaktpersonen.

Dem schließt sich auch Großbritannien an. Laut britischer Gesundheitsbehörde soll insbesondere der Kontakt mit Schwangeren, kleinen Kindern sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem vermieden werden.

In Belgien etwa ist hingegen eine 21-tägige Quarantäne Pflicht für Infizierte.

Regina Ammel
Regina Ammel
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