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- mifold Grab-and-Go -

Was taugt der Notkindersitz?


Der „mifold Grab-and-Go“ wird in den sozialen Medien teilweise stark beworben, unter anderem damit, dass er leicht und zusammenklappbar sei und deshalb besonders platzsparend untergebracht und mitgenommen werden könne. Dies beruht auch auf der Werbung seines Herstellers, der mit Hinweis auf die einschlägige Zulassung mit der Aussage wirbt, dass sein Sitz mehr als 10x kleiner als ein gewöhnlicher Kindersitz sei, aber genauso sicher.

Was steckt hinter dieser Werbung, haben wir uns gefragt, und diesen als innovativ beworbenen Kindersitz mit den üblichen Kindersitzen verglichen, die eine Rückenlehne, bzw. Rückenstütze haben. Hierbei galten die standardisierten Testkriterien wie bei einem Kindersitztest (siehe ADAC Kindersitztest im Reiter „Methodik & Hintergrund).

Fazit

Der mifold Grab-and-Go kann für Kinder von 15 kg bis 36 kg verwendet werden und hat eine Zulassung nach UN ECE Reg. 44/04. Wie der ADAC in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich bei diesem Sitz um einen Zweitsitz, der nur zum Einsatz kommen soll, wenn ein regulärer Kindersitz mit Rückenstütze nicht zur Verfügung steht. Ferner ist es dem Hersteller wichtig darauf hinzuweisen, dass der mifold Grab-and-Go für Kinder unter 4 Jahren unabhängig von deren Gewicht nicht verwendet werden darf. Das Kind sitzt nicht – wie auf einer klassischen Sitzerhöhung – um einige Zentimeter erhöht, sondern auf einer sehr flachen, zusammenklappbaren Unterlage. Becken- und Schultergurt werden durch die an der Unterlage angebrachten Führungen nach unten gezogen.


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Beschreibung

Faltbarer Kindersitz, der sehr wenig Platz benötigt. Das Kind sitzt nicht – wie auf einer klassischen Sitzerhöhung – um einige Zentimeter erhöht, sondern auf einer sehr flachen, zusammenklappbaren Unterlage. Becken- und Schultergurt werden durch die an der Unterlage angebrachten Führungen nach unten gezogen.


Zulassung Gewichtsklasse: II / III 

Für Kinder von 15 bis 36 kg (nach Herstellererst ab 4 bis 12 Jahre) 

Sitzerhöher ohne Rückenlehne 

Sitzgewicht: 0,7 kg

Montage im FahrzeugIn Fahrtrichtung mit 3-Punkt-Fahrzeuggurt

  • Bedienung und Ergonomie
    Soweit es die Kategorien Bedienung und Ergonomie anbelangt, wechseln sich Licht und Schatten beim mifold Grab-and-Go ab. Mit einer guten Beinauflage, einer guten Sicht für das Kind nach außen, einer günstigen Sitzposition, einem sehr geringen Platzbedarf und einem sehr guten Platzangebot, braucht sich der hier besprochene Sitz in der Kategorie Ergonomie vor keinem Wettbewerber zu verstecken und erzielt ein mit „gut“ zu bewertendes Ergebnis. Er kann daher auch leicht in ein Kraftfahrzeug eingebaut werden. So einfach der Einbau aber auch ist, schwierig wird es erst, wenn sich nun auch ein Kind auf den hier in Rede stehenden Kindersitz hinsetzt. Denn das Anschnallen des Kindes ist aufgrund der engen unteren Gurtführungen aufwändiger. Auch mussten wir feststellen, dass bei der Verwendung dieses Notsitzes im Vergleich zu anderen Sitzen eine erhöhte Gefahr der Fehlbedienung besteht.
  • Schadstoffe
    Auch wenn der mifold Grab-and-Go wie viele seiner Mitbewerber mit einer sehr guten Verarbeitung und einer sehr geringen Schadstoffbelastung auf sich aufmerksam machen kann, zeigt er doch seine Schwächen in der Sicherheit.

  • Frontalaufprall
    Beim Frontalcrash konnte der der mifold Grab-and-Go die Note „ausreichend“ erzielen. Mit dem mifold Grab-and-Go wurden Frontalaufpralltests mit Q3- und dem Q10-Dummy durchgeführt. Ein Q3-Dummy repräsentiert ein Kind mit einem Gewicht von 15 kg – nach den Angaben des Herstellers gegenüber dem ADAC e.V. können Kinder ab diesem Gewicht den mifold Grab-and-Go benützen, sofern sie auch vier Jahre oder älter sind. Der Beckengurt rutschte bei dem Test nicht nach oben in den Bauchraum, er verblieb auf der Hüfte des Dummies und das Risiko einer inneren Verletzung wurde reduziert.

  • Seitenaufprall
    Der mifold Grab-and-Go ist ein faltbarer Kindersitz. Wie auch bei herkömmlichen Sitzerhöhungen fehlt konstruktionsbedingt eine Rückenlehne und damit ein zusätzlicher Seitenaufprallschutz. Weil der mifold Grab-and-Go keine Rückenlehne hat, gibt es rechts und links vom Kopf des Kindes keinen zusätzlichen Schutz. Daher leistet der mifold Grab-and-Go beim Seitencrash im Vergleich zur Nichtverwendung einen Kindersitzes überhaupt keinen zusätzlichen Beitrag zur Sicherheit eines Kindes. In der Kategorie „Schutz beim Seitenaufprall“ war der mifold Grab-and-Go daher der einzige Kindersitz, der mit der Note „mangelhaft“ benotet werden musste. Nach den Testkriterien des ADAC e.V. schlägt eine mangelhafte Bewertung der Sicherheit, der Bedienung, oder des Schadstoffgehalts direkt auf das Gesamturteil durch.

  • Standfestigkeit/Gurtverlauf

    Ein „befriedigend“ erzielte der mifold Grab-and-Go bei der Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz und beim Gurtverlauf. Im Vergleich mit einem herkömmlichen Kindersitz mit Rückenlehne ist der Verlauf des Quergurtes aber ein anderer, er liegt vor allem näher am Hals, wie man den folgenden Bildern entnehmen kann.


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Alles in allem kann man aufgrund der Testergebnisse nachvollziehen, warum der mifold Grab-and-Go bei seiner amtlichen Zertifizierung die Zulassungsvoraussetzungen nach UN ECE Reg. 44 in den Gewichtsklassen II und III erfüllt hat. Die Klasse II gilt für Kinder mit einem Körpergewicht von 15 kg bis 25 kg. Die Klasse III gilt für Kinder mit einem Körpergewicht von 22 kg bis 36 kg.

Hinzuweisen ist allerdings noch darauf, dass der Normgeber im Februar 2017 die Zulassungsvoraussetzungen erhöht hat. Kindersitze, die nicht über eine Rückenlehne verfügen, dürfen seitdem nur noch in der Klasse III zugelassen werden. Die Zertifizierung des mifold Grab-and-Go bleibt nach unserer Einschätzung davon unberührt. Aufgrund der hohen Bedeutung einer Rückenlehne auch bei einem Seitenaufprallschutz begrüßt der ADAC e.V. die Entscheidung des Normgebers, Kindersitze ohne Rückenlehne nur noch für Kinder ab 22 kg zuzulassen.


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