Zehn Jahre Keyless-Systeme im Test: Endlich sicher?

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Von Andrea Piechotta

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Seit zehn Jahren nimmt der ADAC die Sicherheit von Keyless-Systemen unter die Lupe. Getestet wurden mittlerweile 850 Fahrzeuge aller wichtigen Hersteller. Stand heute sind gerade einmal 70 Prozent der Autos besser gegen Diebstahl geschützt.

  • 850 Fahrzeuge überprüft

  • Immer noch nicht alle Autos gut vor Diebstahl geschützt

  • Besserer Schutz mit UWB-Technologie

Zehn Jahre ADAC Keyless-Test

Der ADAC testet seit zehn Jahren Keyless-Systeme – mit Erfolg. Autos sind in den letzten zehn Jahren sicherer geworden und besser gegen Diebstahl geschützt. Heute lassen sich eindeutig weniger Autos mit Keyless-Systemen durch sogenannte Relay-Attacken mit einem Funkverlängerer öffnen und starten als noch vor zehn Jahren.

850 Fahrzeuge hat der ADAC mittlerweile überprüft. Wer wissen möchte, ob das eigene Automodell ein sicheres Keyless-System hat, kann das in der unten stehenden Liste nachschauen.

Mittlerweile sind immerhin 70 Prozent der vom ADAC untersuchten Autos besser gegen Autodiebstahl geschützt, doch längst nicht alle Hersteller haben ihre Sicherheitslücken geschlossen. Demnach besteht bei rund 30 Prozent der vom ADAC untersuchten Autos weiterhin Verbesserungsbedarf in puncto Schutz vor Keyless-Diebstahl.

Positiv zu erwähnen ist, dass bereits zwei Jahre nach dem Start der ADAC Tests Jaguar Land Rover der erste Hersteller war, der 2018 besser abgesicherte Fahrzeuge auf den Markt brachte. Dank UWB (Ultra Wide Band) lassen sich diese mit den bisher eingesetzten Funkverlängerern nicht mehr illegal öffnen und starten. Der Volkswagen-Konzern folgte diesem Beispiel 2019 mit den Modellen Audi A3, Seat Leon, Škoda Octavia und VW Golf 8.

Wie sicher sind Keyless-Systeme generell?

ADAC Test Keyless go entwicklung
ADAC Tests zeigen: Autos mit Keyless-Systemen könnten sicherer sein© ADAC/Matthias Zimmermann

Sehr viele Autos haben mittlerweile ein Keyless-System. Das Auto erkennt den Schlüssel bereits, wenn sich der Fahrer oder die Fahrerin in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs befindet, und sperrt die Tür auf. Der Motor lässt sich ebenso einfach per Knopfdruck starten, der "Schlüssel" kann in der Hosentasche bleiben. Keyless-Schließsysteme sind weit verbreitet und gehören oft zur Serienausstattung.

Leider gibt es aber immer noch eine weitverbreitete Sicherheitslücke bei den als Keyless, Keyless Go oder Keyless Entry bekannten Komfort-Schlüsseln. Autodiebe können mit dieser Technik ausgerüstete Fahrzeuge leichter stehlen als solche mit normalem Funkschlüssel. Langfinger müssen sich nur mit einem kleinen Gerät in der Nähe des Autoschlüssels aufhalten und mit einem zweiten Gerät an der Autotür. So "verlängern" sie die Reichweiten der Signale um Hunderte von Metern – und das Auto lässt sich sekundenschnell illegal öffnen und starten.

Ein "Hacken" der Daten des Autos ist dabei gar nicht erforderlich. Dieses Problem wurde bereits 2011 von der Technischen Hochschule ETH Zürich erkannt und öffentlich bekannt gegeben.

Keyless-Sicherheitslücke: Ist Ihr Auto betroffen?

Ob auch Ihr Fahrzeug von der Sicherheitslücke betroffen ist, zeigt folgende Liste der vom ADAC seit 2016 im Autotest überprüften Modelle:

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Ist ein Keyless-Klau möglich? 850 Fahrzeuge wurden vom ADAC überprüft

Keyless bleibt attraktiv für Autodiebe

Zwar bieten inzwischen viele Fahrzeuge Schutz gegen den oben beschriebenen Keyless-Diebstahl, doch wie die kontinuierlichen Tests des ADAC bei mittlerweile 850 Fahrzeugen mit Keyless-Systemen zeigen, konnten immer noch zu viele Fahrzeuge problemlos geöffnet und weggefahren werden.

Der ADAC hat bei allen Modellen, die er von den folgenden Herstellern untersucht hat, bisher keinen Schutz gegen die Keyless-Diebstahlmasche vorgefunden: Aiways, Alfa Romeo, Alpine, BYD, Chevrolet, DS Automobiles, Fiat, Honda, Infinity, Isuzu, Jeep, KGM/SsangYong, Lync & Co, MG, Opel, Subaru und Tesla.

Wichtig zu wissen: Diese Sicherheitslücke bei Keyless-Komfort-Schlüsseln existiert auch, wenn der Schlüssel im Haus liegt oder man ihn unterwegs dabeihat. Läuft der Motor einmal, kann das Auto auch ohne Schlüssel so lange fahren, wie Sprit im Tank oder die Antriebsbatterie noch nicht leer ist.

Autobesitzerinnen und -besitzer von Modellen mit Keyless-Systemen können zudem ein zweites Mal zum Opfer werden. Wird das gestohlene Fahrzeug von der Polizei gefunden und untersucht, gibt es keine Aufbruch- oder sonstigen Diebstahlspuren. Das kann zu Problemen bei der Regulierung des Schadens oder zu dem Verdacht führen, der Besitzer oder die Besitzerin habe den Diebstahl nur vorgetäuscht, um Versicherungsbetrug zu begehen.

Besserer Schutz mit UWB-Technologie möglich

Mit digitaler Funktechnik können Hersteller ihre Keyless-Modelle sicherer machen. Diese Technik verwendet Computerchips mit Ultra-Wide-Band-Technik (UWB) im Schließsystem, mit deren Hilfe aus der Laufzeit der Funksignale präzise die Entfernung des Schlüssels zum Auto ermittelt werden kann. Bei Verwendung der vom ADAC benutzten Funkverlängerung reagiert das Auto dann nicht mehr.

Erfreulicherweise hat Jaguar Land Rover als erster Autohersteller diese Technik in neuen Modellen verbaut. Neben dem Discovery ist laut Herstellerangaben die gleiche Keyless-Technik auch in den Modellen Range Rover, Range Rover Sport (jeweils ab Modelljahr 2018), Jaguar E-Pace und i-Pace verbaut.

Seit 2019 sind zudem immer mehr Automodelle mit UWB geschützt: Von Audi (u.a. A3, Q4 e-tron), Cupra (u.a. Born, Formentor), Seat (Leon), Škoda (u.a. Enyaq, Octavia), Volkswagen (u.a. Golf 8, ID.-Modelle, Caddy, T 7), BMW, Genesis, GWM (Great Wall Motors), Hyundai, Kia, Mercedes und Suzuki gibt es ebenfalls Modelle mit besserem Schutz.

Bewegungssensoren sind nicht sicher

Einige Hersteller setzen bei Keyless-Schließsystemen auf einen Bewegungssensor im Schlüssel. Wird dieser eine gewisse Zeit nicht bewegt, schaltet das Funksignal ab und das Fahrzeug lässt sich nicht mehr illegal öffnen und wegfahren.

Aus Sicht des ADAC ist diese Methode aber nicht ideal, da in der Zeit bis zum Abschalten des Funksignals ein Autodiebstahl trotzdem möglich ist.

So schützen Sie Ihr Auto vor Keyless-Diebstahl

Das ist zu beachten

  • Wer ein Auto mit ungeschütztem Keyless-Schließsystem besitzt, sollte in der Betriebsanleitung nachsehen, ob sich dieses deaktivieren lässt. Dann ist das Auto meist auf diese Weise nicht zu knacken. Man verzichtet dann natürlich auf den Keyless-Komfort.

  • Vor dem Kauf eines Autos den Sicherheitsaspekt bei der Wahl eines Keyless-Systems bedenken.

  • Fahrzeug über Nacht möglichst in einer verschlossenen Garage abstellen.

  • Funkschlüssel innerhalb von Gebäuden nicht in der Nähe von Außentüren, Außenwänden und Fenstern aufbewahren.

Autoschlüssel Schutz: Hilfsmittel

  1. Den Schlüssel in eine Metalldose (Keksdose), ein abschirmendes Etui oder einen Kochtopf zu legen oder ihn in Alufolie zu wickeln kann funktionieren, wenn wirklich alle Strahlen abgeschirmt werden. Am besten ausprobieren.

  2. Elektronische Schutzschaltungen als Nachrüstlösung sollen einen für das Öffnen und Starten wichtigen Stromkreis unterbrechen. Zur Bedienung wird dafür oft ein zusätzliches Keyless-System verwendet – das sich aber genauso leicht umgehen lässt wie das eigentliche Keyless-System.

Das fordert der ADAC

  • Neue Automodelle mit Keyless-Schließsystem müssen zeitgemäß gegen Autodiebstahl gesichert sein. Die Fahrzeughersteller sind hier in der Pflicht.

  • Ein teureres Schließsystem mit Keyless-Technik muss mindestens genauso sicher sein wie ein Standard-System mit normalem Funkschlüssel. Es darf keinesfalls einfacher zu knacken sein.

  • Idealerweise mit einem neutralen Nachweis für die Wirksamkeit der Anti-Diebstahl-Maßnahmen, etwa nach der international anerkannten Common-Criteria-Methode.

  • Wenn die Hersteller als Schutz nur einen Bewegungssensor im Schlüssel verbauen, sollte dieser nach spätestens 5 Minuten Ruhezeit den Schlüssel abschalten.

Lässt sich ein Keyless-System nachrüsten?

Eine Nachrüstung mit Originalteilen wird von den Herstellern nicht unterstützt. Es gibt allerdings freie Anbieter, die für wenige Fahrzeugmodelle von Audi, Seat, Škoda, Mercedes und Volkswagen die jeweiligen Originalteile nachrüsten. Allein die Teilesätze kosten hier schon mehr als 1000 Euro, dazu kommt der zeitaufwendige und daher teure Einbau.

Zudem müssen neue Außentürgriffe verbaut werden sowie Antennen am Unterboden, im Innenraum und im Kofferraum. Auch die Verkabelung ist aufwendig und daher nur etwas für Profis. Ein nachgerüstetes Keyless-System ist dann aber genauso sicher oder unsicher wie das Original ab Werk.

Man findet auch Nachrüstsätze zum Preis von unter 100 Euro. Sie sind meist nur für ältere Modelle geeignet. Damit die Technik funktioniert, muss die Wegfahrsperre des Autos ausgeschaltet werden. Davon rät der ADAC ab, weil dadurch der Versicherungsschutz verloren gehen kann.

Der aufwendige Einbau mit großem Kabelsatz erfordert viel Fachkenntnis über die richtigen Anschlusspunkte. Meist sind keine fahrzeugspezifischen Anleitungen verfügbar, die genau das erleichtern würden.

Schlüsselloser Zugang mit dem Smartphone

Einige Modelle lassen sich mittlerweile auch schlüssellos mit dem Smartphone öffnen, schließen und sogar starten. Dabei wird vielfach ein vollwertiger virtueller Autoschlüssel im Wallet des Smartphones hinterlegt.

Je nach verwendeter Technik genügt es, das Smartphone bei sich zu tragen, um das Auto aufsperren und fahren zu können. Manchmal muss das Smartphone mit seiner Rückseite an eine bestimmte Stelle des Türgriffes gehalten und anschließend an eine markierte Stelle im Innenraum gelegt werden.

Auf Wunsch kann das Smartphone zumeist mit einem eigenen Passwort für das Öffnen des Autos versehen werden. Das ist zwar in der Praxis unkomfortabel, weil vor jedem Auto-Öffnen das Passwort eingegeben werden muss. Der ADAC empfiehlt es jedoch, weil sonst jeder das Smartphone stehlen, damit das Auto öffnen und wegfahren kann.

Aussagen zur Sicherheit lassen sich Stand heute mangels unabhängiger Tests noch nicht treffen.

Wie sicher ist Keyless beim Motorrad?

Seit einigen Jahren findet man Komfort-Schließsysteme (Keyless) auch bei Motorrädern. Zu den wichtigsten Herstellern zählen BMW, Ducati, Harley-Davidson und KTM.

Die Diebstahlsicherheit von Keyless haben ADAC Ingenieure auch bei Motorrädern überprüft. Hierfür wurden praktische Versuche an vier Motorrädern unterschiedlicher Marken mit Keyless-Schließsystemen durchgeführt. Es kamen die gleichen Funkstreckenverlängerer zum Einsatz, die bereits bei den Untersuchungen von Pkw verwendet wurden.

Bei allen vier Motorrädern war es mit den Funkverstärkern möglich, über weite Distanzen zwischen Funkschlüssel und Motorrad das Lenkerschloss zu entriegeln und die Zündung zu aktivieren. Damit ließ sich der Motor starten und die Maschine uneingeschränkt wegfahren. Die Forderungen des ADAC gelten deshalb auch für Motorradhersteller.

ADAC Empfehlung: In jedem Fall das Motorrad immer durch zusätzlichen Diebstahlschutz (z.B. mit einem Bremsscheibenschloss) absichern.

Fachliche Beratung: Arnulf Thiemel/ADAC Technik Zentrum