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Teure Schäden drohen

Falsch getankt – was tun?

Wer versehentlich Benzin statt Diesel tankt, kann einen tausende Euro teuren Motorschaden provozieren. Auch Diesel anstelle von Benzin ist bei modernen Motoren gefährlich.

Wo liegen die Ursachen für die steigende Zahl von Fehlbetankungen? Was sollen Fahrzeughersteller und Tankstellen dagegen unternehmen?


  • Warum wird falsch getankt?

    Allein im vergangenen Jahr ist die ADAC-Straßenwacht rund 5000 Mal wegen Fehlbetankung ausgerückt. Darüber hinaus gab es eine Vielzahl von Anfragen zu diesem Thema. Die Ursachen dafür sind:

    • immer mehr Spritsorten an einer Zapfsäule („Multi-Dispenser“) anstelle der früher üblichen räumlichen Trennung von Benzin und Diesel

    • Benzin-Zapfpistole passt häufig auch in Diesel-Einfüllstutzen

    • moderne Dieselmotoren am Geräusch oft nur schwer von Benzinern zu unterscheiden

    • Werbeaufkleber auf den Zapfpistolen oft größer als die Sortenbezeichnung

    • leicht zu verwechselnde Produktbezeichnungen (die Premiumsorten wie beispielsweise „V-Power“ sowie „Ultimate“ gibt es sowohl als Benzin wie auch als Diesel)

    • kleine oder fehlende Beschriftung des Tankdeckels mit der Spritsorte

    • Unachtsamkeit der Autofahrer

    Der ADAC hat mehrere hundert aktuelle Fahrzeugmodelle untersucht:
    Bis auf einige Modelle von Audi, BMW, Ford, LandRover, Peugeot und VW konnten alle Dieselfahrzeuge irrtümlich mit Benzin betankt werden (aufgrund der Zapfpistole mit kleinerem Durchmesser).

    Bei folgenden Benzinern war – im Gegensatz zu den anderen untersuchten Modellen – irrtümlich sogar Diesel einzufüllen: 

    • aktuelle Modelle von: Lexus, Mazda, Mercedes-Benz, Nissan, Opel, Seat, Skoda, Subaru, Toyota und Volkswagen
    • ältere Modelle: Chrysler 300 C, Citroen C1 und C4, Lexus IS 250 und RX 400H, Mazda 5, Mitsubishi Colt, Nissan 350 Z Roadster, Peugeot 107, Seat Toledo II, Skoda Octavia II, Smart forfour-Brabus, Toyota Aygo, VW Golf V

    Besondere Vorsicht ist beim Tanken aus Ersatz-Kanistern geboten:
    Diese haben zumeist kleine Einfüllrüssel, die sowohl in Benzin- als auch Diesel-Tankstutzen passen. In einem solchen Fall sollte man sicher gehen, dass auch wirklich der richtige Treibstoff eingefüllt wird. Im Zweifelsfall lieber einen anderen Kanister benutzen und neu betanken.


  • Benzin E10 statt Benzin E5 getankt?

    Unbedenklich, wenn Fahrzeug grundsätzlich für E10 freigegeben ist (siehe www.adac.de/e10). Andernfalls kann bereits eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 zu ernsten, nachhaltigen Schäden führen. 

    Im Falle einer Fehlbetankung mit E10 sollten grundsätzlich die Hinweise des Fahrzeugherstellers beachtet werden. Nach Einschätzung des ADAC kann es jedoch ausreichen, unverzüglich den Tank mit einer ethanolarmen Kraftstoffsorte (am besten Super Plus) aufzufüllen, um damit wieder ein möglichst unkritisches Ethanol-Mischungsverhältnis zu erreichen. 

    Wurde der Tank hingegen randvoll mit E10 aufgefüllt, ist das Abpumpen des Kraftstoffes – je nach Fahrzeugherstellermaßgabe – erforderlich.


  • Benzin statt Diesel getankt?
    • Auch bei kleinen Mengen falschem Sprit im Tank Motor nicht mehr anlassen bzw. sofort anhalten und Motor ausschalten
    • in der Betriebsanleitung nachsehen: Handelt es sich um ein älteres Dieselfahrzeug (Wirbel- oder Vorkammer-Diesel, nicht Direkteinspritzer), so sind einige wenige Liter Benzin zusammen mit einer Diesel-Restmenge meist nicht schädlich
    • anders hingegen bei den Common-Rail- und Pumpe-Düse-Triebwerken (seit etwa 2000 am Markt): Motor auf keinen Fall anlassen. Dann nach Herstellervorschrift vorgehen. Wenn der Motor nicht mit falschem Sprit im Tank gestartet wurde, reicht unter Umständen das Abpumpen des Benzin-Diesel-Gemisches aus dem Tank. Ist der Motor jedoch schon gelaufen, kann ein Austausch des gesamten Einspritzsystems einschließlich Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und Tank erforderlich sein. Das kostet bis zu mehreren tausend Euro. Eine solch teure Reparatur ist zwingend erforderlich, wenn sich bereits Späne im Kraftstoffsystem gebildet haben. Denn selbst wenn der Motor noch läuft, haben die Teile der Hochdruck-Einspritzanlage bereits Schaden genommen, weil Benzin sofort den dringend benötigten Diesel-Schmierfilm abwischt. Dies zeigt sich danach oft durch einen Pumpen-Totalschaden

    Weit verbreitet ist der Irrglaube, etwas Benzin im Diesel schade nicht und könne im Winter sogar als Fließverbesserer benutzt werden. Dies gilt heute nicht mehr. Grundsätzlich sollte im Winter bei keinem Fahrzeug Normalbenzin als Fließverbesserer zugemischt werden. Wenn die Temperaturen tatsächlich einmal so tief fallen sollten, dass auch Winterdiesel „versulzt“, dann unbedingt strikt nach Bedienungsanleitung des Fahrzeuges vorgehen.


  • Diesel statt Benzin getankt?
    • Auch bei kleinen Mengen Motor nicht mehr anlassen bzw. sofort anhalten und Motor ausschalten
    • in der Betriebsanleitung nachsehen. Wenn dort kein Hinweis zu finden ist, Werkstatt des Fahrzeugherstellers anrufen. Je nach Motor und Menge des falschen Kraftstoffs kann man entweder vorsichtig weiter fahren (und immer wieder richtigen Sprit nachtanken) oder aber muss den Tank leer pumpen lassen. Schäden an der Einspritzanlage sind nicht auszuschließen. 

  • Normalbenzin statt Super oder Super Plus getankt?
    • Motor abstellen und in der Betriebsanleitung nachsehen
    • meist kann auf ein Abpumpen verzichtet werden, wenn man dem Motor keine hohe Leistung abverlangt (keine Höchstgeschwindigkeit, Bergauffahrt, Anhängelast) und alsbald Benzin der richtigen Güte nachtankt; Bedienungsanleitung beachten

  • Nachrüst-Angebote
    Am Markt werden zahlreiche Nachrüstprodukte angeboten. Sofern diese nur eine akustische Warnung beim Öffnen des Tankdeckels ausgeben, ist das wenig hilfreich.

    Nachrüstbare Klappen für den Tankdeckel (z. B. SoloDiesel, OnlyDiesel, X-CAP) müssen die geltenden gesetzlichen Vorschriften (z. B. 70/221/EWG) bezüglich Dampfdichtigkeit, Auslaufsicherheit auch nach Überschlag etc. erfüllen. Ungeklärt ist bislang, ob es durch die Verlängerung des Hebelarms (Zapfpistole kann sich nicht mehr an der Karosserie abstützen) zu Schäden am Tankstutzen (Rissbildung etc.) kommen kann.


  • ADAC Forderungen
    • Zapfpistolen und -säulen deutlich kennzeichnen 
    • verschiedene Markenbezeichnungen für Benzin- und Diesel-Produkte einführen 
    • klare Beschriftung des Tankdeckels und der Tankklappe 
    • Schutz gegen Fehlbetankung (u.a. bei manchen Modellen von Audi, BMW, Ford und LandRover und Peugeot)


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