Quallenstiche: Wie Sie sie erkennen und was zu tun ist

Frau unter Wasser mit Quallen im blauen Ozean
Wenn die Qualle sticht, ruft das häufig unangenehme Hautreaktionen hervor © iStock.com/Nuture

Quallen sind in allen Meeren anzutreffen und können unangenehme Stiche verursachen. Lesen Sie hier, wie Sie Quallenstiche erkennen und was Sie tun können.

  • Nicht alle Quallenarten verursachen schmerzhafte Stiche

  • Symptome sind oft schmerzhafter, juckender Hautausschlag

  • Im schlimmsten Fall droht Herz-Kreislauf-Versagen

In den Meeren tummeln sich viele verschiedene Arten von Quallen, auch an beliebten Badestränden von Nord- und Ostsee oder Mittelmeer. Manche dieser Nesseltiere sind für den Menschen harmlos, andere hingegen gefährlich. Sie fangen ihre Beute mithilfe von Tentakeln, in denen sich die namensgebenden Nesselzellen befinden. Bei Berührung injizieren Quallen mit hohem Druck ein Gift (Toxin) in die Haut. Diese Stiche (seltener auch als Bisse bezeichnet) verursachen teilweise äußerst schmerzhafte, in sehr seltenen Fällen auch lebensbedrohliche Symptome.

Was tun nach einem Quallenstich?

Grundsätzlich ist es ratsam, nach einem Quallenstich umgehend Hilfe zu rufen, beispielsweise bei der Strandwacht oder dem ärztlichen Notdienst. Sie haben in der Regel Erfahrung im Umgang mit Quallenstichen. Bis Unterstützung eintrifft, sind folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen zu empfehlen:

  • Als Erstes gilt: raus aus dem Wasser. Bitten Sie gegebenenfalls um Unterstützung.

  • Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren und sich möglichst wenig zu bewegen, um die Verteilung des Giftes zu verlangsamen.

  • Waschen Sie in der Haut verbliebene Tentakel mit Meerwasser ab. Nutzen Sie dazu kein Trink- oder Süßwasser und versuchen Sie nicht, sie mit einem Handtuch abzureiben. Intakte Nesselzellen werden dadurch aktiviert und können ihr Gift abgeben.

  • Entfernen Sie verbliebene Tentakel nicht mit den Fingern. Nutzen Sie dazu eine Pinzette oder andere Hilfsmittel wie eine Kreditkarte. Versuchen Sie, den betroffenen Körperbereich möglichst wenig zu bewegen und auch die Tentakel nur, um sie abzuziehen.

Auch der Stich von vermeintlich harmlosen Quallenarten kann zu allergischen Reaktionen führen, die unter Umständen einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Wenn Kreislauf- oder Atembeschwerden auftreten oder die Schmerzen nicht nachlassen, ist deshalb in jedem Fall schnelle ärztliche Hilfe beziehungsweise das Aufsuchen eines Krankenhauses notwendig.

Quallenkontakt: Hilfsmittel

  • Essig bei Quallenstich: Bei einigen Quallenarten verhindert Essig (4 bis 6 Prozent Säure) erwiesenermaßen, dass das Gift der Nesselzellen abgegeben wird. Das ist zum Beispiel bei der in Nord- und Ostsee vorkommenden gelben Nesselqualle (Cyanea capillata) der Fall. Bei anderen, beispielsweise der vorwiegend in wärmeren Meeren heimischen Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), hat Essig aber sogar den gegenteiligen Effekt. Wenn die Quallenart nicht bekannt ist, bietet sich immer Meerwasser an, um Tentakel abzuwaschen. Es hat bei den Stichen der meisten Arten weder positive noch negative Effekte auf die Funktion der Nesseln, weshalb es die Situation also zumindest nicht verschlimmern kann.

Feuerqualle

Der Begriff "Feuerqualle" bezeichnet keine bestimmte Quallenart, sondern verschiedene Spezies, die unangenehm brennende Verletzungen verursachen. In der Nord- und Ostsee ist damit häufig die gelbe Nesselqualle (Cyanea capillata) gemeint, im Mittelmeer hingegen die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca).

  • Heißes Bad: Da einige Quallen hitzeempfindliche Giftstoffe injizieren, lassen sich unter Umständen durch Baden in heißem Wasser (konstante Temperatur von etwa 42 bis 45 °C) oder entsprechende Wärmepackungen die Toxine deaktivieren. Aus diesem Grund ist es nach der bestmöglichen Entfernung der Tentakel ratsam, die betroffenen Hautstellen für etwa 30 bis 45 Minuten (oder bis die Beschwerden merklich nachlassen) entsprechend heiß zu baden.

  • Kühlen bei Quallenkontakt: Das Auflegen eines Kühlelements kann zwar die Durchblutung einschränken und dadurch die Verteilung des Toxins und Symptome wie Schwellungen vermindern, gleichzeitig führt es in manchen Fällen jedoch dazu, dass eventuell noch verbleibende Nesselzellen vermehrt Gift abgeben. Das gilt insbesondere, wenn die Fangarme bisher nicht entfernt wurden und durch ein Kühlelement Druck auf sie ausgeübt wird. Diese Maßnahme kommt daher erst infrage, wenn die Tentakel möglichst vollständig entfernt sind, und gilt eher als zweite Wahl, wenn ausreichend heißes Wasser nicht verfügbar ist.

  • Cremes und Medikamente: Salben mit Kortison oder Antihistaminika sind in der Regel in Apotheken erhältlich und lindern den Juckreiz eines Quallenstichs in vielen Fällen. Auch kühlende Brandsalben oder Cremes verschaffen unter Umständen Linderung. Daneben können Entzündungshemmer wie Ibuprofen sowie Antihistaminika einen positiven Effekt haben.

  • Hilfsmittel, die besser vermieden werden: Häufig ist zu lesen, dass Quallenstiche mit Urin oder Alkohol behandelt werden sollen. Studien zufolge haben sie aber keine oder eher negative Effekte, weshalb nicht empfohlen wird, sie anzuwenden.

Gegen das Gift der australischen Seewespe (Chironex fleckeri) stehen Gegengifte zur Verfügung.

Wie lassen sich Quallenstiche vermeiden?

An Meer und Strand gibt es keinen absoluten Schutz vor Quallen. Ein paar Tipps, wie Sie das Risiko für eine unerfreuliche Begegnung mit einem dieser Nesseltiere deutlich reduzieren:

  • Informieren Sie sich im Vorfeld, ob an den Badestränden, die Sie besuchen möchten, vermehrt Quallen vorkommen und ob es eventuell ein Warnsystem gibt.

  • Strandabschnitte, die häufig von Quallen besucht werden, sind in vielen Fällen mit Warnschildern ausgewiesen. Vermeiden Sie es, in diesen Gewässern baden zu gehen.

  • Einige Strände sind mit Netzen abgesperrt, die Quallen fernhalten sollen. Innerhalb dieser Gebiete ist das Risiko, gestochen zu werden, gering.

  • Tragen Sie wasserfeste Schuhe oder Sandalen, wenn Sie am Wasser spazieren gehen.

  • Beim Baden können beispielsweise Neoprenanzüge vor Stichen an bedeckten Stellen schützen. Vergessen Sie nicht, im Wasser auch Ihre Augen mit einer Schwimm- oder Taucherbrille zu schützen.

  • Tote Quallen oder abgetrennte Tentakel können immer noch zu Stichen führen und sollten deshalb gemieden werden. Vermeiden Sie jeglichen Hautkontakt.

Wie sehen Quallenstiche aus?

Nach einem Quallenstich kommt es in der Regel innerhalb weniger Minuten zu brennenden, teilweise starken Schmerzen an den betroffenen Stellen. Es bilden sich häufig rote Schwellungen auf der Haut, an deren Muster sich nachvollziehen lässt, wo die Berührung mit den Tentakeln stattgefunden hat. Im weiteren Verlauf können nach dem Stich mancher Quallenarten auch betroffene Hautareale absterben (Nekrosen).

Weitere Symptome: Die Teile der Haut, die mit dem Nesselgift in Kontakt gekommen sind, jucken meist stark. Bei solchen allergischen Reaktionen auf das Quallengift können sich die Auswirkungen auf den ganzen Körper ausweiten. Gegebenenfalls kommt es dann zu Fieber, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme), Blutdruckabfall, Atemnot, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen.

Nachdem die Hautentzündung abgeheilt ist, kommt es häufig zwei bis zehn Tage später erneut zu Juckreiz und den oben beschriebenen Symptomen an der Kontaktstelle, teilweise bilden sich kleine Eiterbläschen. Spätfolgen eines Quallenstichs wie Empfindungsstörungen, die durch die Entzündung der Haut entstehen, oder Juckreiz können über Monate hinweg bestehen bleiben. Auch Hautnekrosen heilen in der Regel nur langwierig und häufig unter Narbenbildung ab.

Welche Symptome genau auftreten und wie lange sie anhalten, ist letztlich unter anderem von der jeweiligen Quallenart, der Reaktion der jeweiligen Person, aber auch der Größe des betroffenen Hautareals und der injizierten Giftmenge abhängig.

Quallenberührung: Was passiert?

Auf den Tentakeln von Quallen finden sich Abertausende Nesselzellen, mit denen die Tiere ihre Beute fangen. Das Innere dieser Zellen enthält eine Kapsel, die unter anderem eine Art vorgespannten Schlauch enthält. Kommt die Nesselzelle mit etwas in Berührung, wird dieser Schlauch explosionsartig nach außen geschossen, durchdringt dabei die Haut von Beutetieren (oder des Menschen) und entlädt dabei seine Toxine.

Nicht bei allen Quallenarten sind die Nesselzellen in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen, deshalb gelten nicht alle Spezies als gefährlich oder "giftig" (obwohl alle Arten Toxine produzieren).

Wie wirkt Quallengift?

Es gibt viele unterschiedliche Quallengifte und nur die wenigsten von ihnen sind genauer untersucht. Die meisten bestehen aus einer Mischung von Eiweißen (Proteinen), die Zellen oder ihre Membranen auflösen (zytolytisch) oder giftig auf oder über die Nervenzellen wirken (neurotoxisch). Meist sind Entzündungen und allergische Reaktionen die Folge. Die Toxine der vor Australien vorkommenden Würfelquallen ("Seewespe") können daneben auch innerhalb weniger Minuten schwere Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben und zum Tode führen.

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Wann ist ein Quallenstich gefährlich?

Ein Quallenstich sollte immer ernst genommen werden. Wenn die Symptome wie Schmerzen oder Juckreiz sehr stark sind, lange anhalten oder sich auf den ganzen Körper ausweiten (z. B. mit Schwindel, Krankheitsgefühl, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen oder Ähnlichem), empfiehlt es sich, einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen.

Nicht immer kann die Qualle, mit deren Tentakeln ein Kontakt bestand, gesehen und noch seltener identifiziert werden. In Regionen, in denen bekanntermaßen gefährliche Arten vorkommen (zum Beispiel vor Australien), empfiehlt sich deshalb auch beim bloßen Verdacht umgehend ein Besuch bei medizinischem Fachpersonal.

Wo sind welche Quallen gefährlich?

Die Nesselzellen der meisten Quallen in Nord- und Ostsee können die menschliche Haut nicht durchdringen und sind deshalb harmlos. Hier kommt aber die gelbe Nessel- oder Haarqualle (Cyanea capillata) vor, die zu unangenehmen Stichen führen kann. Einige Exemplare haben bis zu 30 Meter lange Tentakel und können einen maximalen Schirmdurchmesser von über zwei Metern erreichen. Damit gehört diese Quallenart zu den größten der Welt.

Daneben können an Deutschlands Küsten die Stiche der blauen Nesselqualle (Cyanea lamarckii) und der Kompassqualle (Chryasora hysoscella) unangenehme Folgen haben, die teilweise eine Behandlung erfordern.

Die Quallen des Mittelmeers gelten im Großen und Ganzen als moderat "giftig" beziehungsweise gefährlich. Zu den bedeutenden Vertretern zählen:

  • Leuchtqualle (Pelagia noctiluca)

  • Lungenqualle (Rhizostoma pulmo)

  • Portugiesische Galeere (Physalia physalis), die streng genommen keine Qualle ist, sondern eine Seeblase. Sie besitzt aber ebenfalls Nesselzellen und kann unangenehm stechen. Die Tiere treten in allen warmen Weltmeeren auf, sind im Mittelmeer jedoch selten. Vereinzelt gab es Sichtungen an der Südostküste Spaniens, um die Balearen und Malta.

Als eine der giftigsten und gefährlichsten Quallen gilt die "Seewespe", die zu den Würfelquallen gehört und insbesondere an der Nord- und Ostküste Australiens vorkommt.

Daneben gibt es auf der Welt noch viele andere Quallen, die Menschen stechen können. Am besten ist es, sich im Vorfeld oder vor Ort über die dort vorkommenden Quallenarten zu informieren.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.