An diesen Symptomen erkennen Sie einen Bandscheibenvorfall

Eine Ärztin erklärt einem älteren Mann einen Bandscheibenvorfall anhand eines Wirbelsäulenmodells
Ein Bandscheibenvorfall kann starke Rückenschmerzen verursachen© Shutterstock/Alexander Raths

Akute Rückenschmerzen, die in das Gesäß oder die Beine ausstrahlen, entstehen oft durch einen Bandscheibenvorfall. Dabei verrutscht eine Bandscheibe und drückt auf die umgebenden Nerven.

  • Ursache sind meistens Verschleißerscheinungen

  • Besonders oft ist die Lendenwirbelsäule betroffen

  • In etwa 80 Prozent der Fälle ist keine Operation erforderlich

Die Bandscheiben liegen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einer knorpeligen Hülle und einem weichen, gallertartigen Kern. Sie wirken wie Stoßdämpfer, die bei Bewegung den Druck auf die Wirbelkörper abfangen. Außerdem schränken sie die Beweglichkeit der einzelnen Wirbelkörper ein und verhindern dadurch, dass die Wirbel sich gegeneinander verschieben.

Durch den natürlichen Alterungsprozess, Überbelastung und Fehlbelastung der Wirbelsäule können die Bandscheiben verschleißen. Sie verlieren ihre Elastizität, werden dünner, spröde und brüchig. Oft reicht dann eine einzige falsche Bewegung, und die vorgeschädigte Bandscheibe verrutscht – es kommt zu einem Bandscheibenvorfall.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) zerreißt zunächst die Knorpelfaserhülle. Durch den Riss wölbt sich der weiche Kern der Bandscheibe nach außen. Drückt er dabei auf das in der Wirbelsäule verlaufende Rückenmark oder die aus der Wirbelsäule austretenden Nerven, werden diese gereizt oder beschädigt. Dadurch kommt es zu den für einen Bandscheibenvorfall typischen Rückenschmerzen.

Wo genau der Rücken bei einem Bandscheibenvorfall schmerzt, hängt von der betroffenen Bandscheibe ab. Alle Teile der Wirbelsäule können betroffen sein, also die Halswirbelsäule (HWS), die Brustwirbelsäule (BWS) und die Lendenwirbelsäule (LWS). Am häufigsten sind Bandscheibenvorfälle im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbel, da hier die Druckbelastung am größten ist. Am seltensten sind Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule.

Bandscheibenvorfälle-Vorwölbung und Vorfall der Bandscheibe
Bei einem Bandscheibenvorfall zerreißt die knorpelige Hülle der Bandscheibe, ihr elastischer Kern wölbt sich nach außen. Bei einer Bandscheibenvorwölbung verlagert sich die gesamte Bandscheibe, ohne dass es zu einem Riss der Hülle kommt© ADAC e.V.

Symptome beim Bandscheibenvorfall

Welche Symptome bei einem Bandscheibenvorfall auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind, ist individuell unterschiedlich. Entscheidend ist unter anderem

  • welcher Teil der Wirbelsäule betroffen ist

  • wie stark die Funktion der Nerven durch den Druck der Bandscheibe beeinträchtigt wird

Kleine Bandscheibenvorfälle verursachen oft keine oder nur geringfügige Beschwerden und werden deshalb nicht immer erkannt. Sie sind jedoch auch nicht behandlungsbedürftig. Größere Bandscheibenvorfälle machen sich meist durch starke, sehr plötzlich auftretende Rückenschmerzen bemerkbar. Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule strahlen diese oft in das Gesäß und die Beine aus, bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule in die Arme, zum Teil auch in die Beine.

Neben Schmerzen kann ein Bandscheibenvorfall auch Missempfindungen in den Gliedmaßen auslösen, beispielsweise ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl. Aber auch schwerwiegende Symptome wie Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen oder Inkontinenz sind möglich. Treten Lähmungen oder Probleme mit Blase oder Darm auf, ist ein Bandscheibenvorfall ein medizinischer Notfall. Um bleibende Schäden zu verhindern, sollten sich Betroffene schnellstmöglich im Krankenhaus behandeln lassen.

Wichtig zu wissen

Plötzlich nachlassende Schmerzen können ein Alarmsignal nach einem Bandscheibenvorfall sein. Der Nerv ist in diesem Fall unter Umständen so stark geschädigt, dass er abzusterben droht. Um bleibende Schäden zu vermeiden, ist es wichtig, den Nerv durch eine Operation rasch zu entlasten.

Ursachen und Risikofaktoren

In den meisten Fällen sind Bandscheibenvorfälle auf einen Verschleiß der Bandscheiben zurückzuführen. Dass das Bandscheibengewebe mit dem Alter immer mehr an Elastizität verliert und spröde wird, ist völlig normal. Bestimmte Faktoren können diesen Prozess jedoch beschleunigen:

  • Starke körperliche Belastungen, beispielsweise im Arbeitsalltag

  • Heben schwerer Lasten

  • Übergewicht

  • Haltungsfehler

  • Sportarten, die mit starken Erschütterungen oder Verdrehungen im Bereich der Wirbelsäule verbunden sind (z.B. Reiten, Mountainbikefahren, Tennis)

  • Wirbelsäulenfehlstellungen

  • Bindegewebsschwäche

  • Eine schwache Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur

Bandscheibenvorfall – was tun?

Eine ärztliche Behandlung ist bei einem Bandscheibenvorfall immer dann sinnvoll, wenn die Symptome länger als etwa drei oder vier Tage andauern. Mit der richtigen Therapie verschwinden diese meistens innerhalb weniger Wochen.

Nichtoperative Behandlung

Solange die Beschwerden sich auf Schmerzen und eine leichte Muskelschwäche beschränken, ist meistens keine Operation erforderlich. Das ist bei etwa 80 Prozent der Betroffenen der Fall.

In der Regel verschreibt die Ärztin oder der Arzt ein Schmerzmittel und gegebenenfalls ein Medikament, dass die Muskeln entspannt. Auch Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen und Akupunktur können bei einem Bandscheibenvorfall die Beschwerden lindern. Ist eine Bandscheibe im Bereich der Lendenwirbelsäule vorgefallen, tut es vielen Betroffenen gut, die Beine im Liegen stufenförmig zu lagern, beispielsweise auf einem quadratischen Polster, einem Hocker oder einem Stuhl. Die Knie bilden dabei mit den Oberschenkeln einen 90-Grad-Winkel, der Rücken liegt flach auf dem Boden.

Sobald die Schmerzen es zulassen, ist es ratsam, wieder den normalen Alltagstätigkeiten nachzugehen. Regelmäßige leichte bis mäßige Bewegung stärkt die Muskeln und Knochen und ist wichtig, um erneuten Beschwerden vorzubeugen. Eine längere Bettruhe ist bei einem Bandscheibenvorfall in der Regel nicht empfehlenswert.

Eine Frau bei einem Physiotherapeuten
Physiotherapie hilft nach einem Bandscheibenvorfall, die Rückenmuskulatur zu stärken© iStock.com/Wavebreakmedia

Wenn die akuten Beschwerden abklingen, sind physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll, um einem weiteren Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Die Übungen stärken die Bauch- und Rückenmuskulatur und entlasten dadurch die Bandscheiben. Außerdem erlernen Betroffene, wie sie ihren Rücken im Alltag schonen können, beispielsweise durch die richtige Körperhaltung oder die korrekte Technik beim Heben schwerer Gegenstände.

Chirurgische Behandlung

Lassen sich die Beschwerden auf diese Weise nicht lindern, kann eine Operation Abhilfe schaffen. Unvermeidlich ist ein operativer Eingriff, wenn Symptome wie Lähmungserscheinungen oder Inkontinenz auftreten.

Es gibt verschiedene Operationsverfahren, darunter auch minimalinvasive Eingriffe, die nur einen kleinen Einschnitt erfordern und häufig ambulant durchgeführt werden können. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt wesentlich vom Schweregrad des Bandscheibenvorfalls ab. Außerdem ist entscheidend, ob eine oder mehrere Bandscheiben betroffen sind.

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Bandscheibenvorfällen vorbeugen

Der altersbedingte Verschleiß der Bandscheiben lässt sich nicht vollständig verhindern. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko für einen Bandscheibenvorfall senken können:

  • Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung der Bandscheiben und verbessert ihre Versorgung mit Nährstoffen. Außerdem stärkt sie die Muskulatur, was die Wirbelsäule und die Bandscheiben entlastet. Besonders geeignet sind Sportarten wie Schwimmen, Nordic Walking oder gezielte Rückenübungen.

  • Körpergewicht reduzieren: Zu viele Kilos belasten den Rücken und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Bandscheibenschäden.

  • Beim Tragen von Lasten ist die richtige Technik entscheidend: Achten Sie beim Aufheben schwerer Gegenstände darauf, den Rücken gerade zu halten, und beugen Sie stattdessen die Beine. Verteilen Sie Einkaufstüten und Ähnliches gleichmäßig auf beide Arme.

  • Eine aufrechte Körperhaltung hilft, Fehlbelastungen der Wirbelsäule zu verhindern.

  • Wenn Sie aus beruflichen Gründen viel sitzen, ist es hilfreich, regelmäßig kurze Pausen einzulegen und währenddessen umherzulaufen. Achten Sie außerdem auf einen ergonomischen Schreibtischstuhl mit einstellbarer Sitzfläche und Rückenlehne.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

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