Fitness-Tracker: Werte verstehen und richtig einordnen

Die Fitness-Uhr überträgt Pulswerte direkt an das Smartphone
Die Fitness-Uhr überträgt Pulswerte direkt an das Smartphone© iStock.com/vm

Fitness-Tracker und Smartwatches sind beliebt bei Freizeitsportlern. Neben Schritten und Herzfrequenz können manche Modelle auch den Blutsauerstoff oder ein einfaches EKG aufzeichnen – doch nicht alle Messwerte sind zuverlässig.

  • Schritte und Pulsfrequenz können beim Sport animieren

  • Aussagekraft bestimmter Werte ist mit Vorsicht zu genießen

  • Geräte warnen nicht vor Herzinfarkt

Vom Büroangestellten bis zur Rentnerin nutzen immer mehr Menschen sogenannte Wearables. Einige Funktionen dieser Smartwatches lassen sich medizinisch sinnvoll interpretieren – mit gewissen Einschränkungen.

Was zeigt eine Fitness-Uhr an?

Je nach Hersteller und Modell bieten Smartwatches und Fitness-Armbänder unterschiedliche Funktionen:

  • Zurückgelegte Schritte zählen

  • Herzfrequenz in Ruhe und beim Training aufzeichnen

  • Streckendaten erfassen, etwa beim Wandern oder Radfahren

  • Fitnessdaten wie den VO2max-Wert und den Kalorienverbrauch abschätzen

  • Einen Notruf absetzen

Viele Smartwatches registrieren darüber hinaus anhand der Puls- und Bewegungsdaten Schlafphasen und Schlafqualität. Manche können ein vereinfachtes Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen und somit Hinweise auf mögliche Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern liefern.

Fast alle Modelle lassen sich mit dem Smartphone koppeln. Passende Apps fassen die Messwerte nicht nur zusammen, sondern treffen auch Empfehlungen und Prognosen – zum Beispiel über den Trainingsfortschritt, die Schlafqualität oder den weiblichen Zyklus.

Fitness-Tracker oder Smartwatch?

Während sich bei einem Fitness-Tracker die Funktionen zumeist auf gesundheitsbezogene Daten wie Herzfrequenz und Schritte beschränken, können Smartwatches noch einiges mehr. Als Nutzerin oder Nutzer können Sie eine eigene SIM-Karte einstecken, um mit der Uhr zu telefonieren und Nachrichten zu verschicken. Daneben können Sie beispielsweise einen mit anderen Geräten synchronisierten Kalender führen, Wetterdaten abrufen, bargeldlos bezahlen oder Musik streamen. Smartwatches haben in der Regel einen größeren Bildschirm und sind auch teurer als reine Fitness-Tracker.

Fitness-Tracker – Werte im Überblick

Messwert

Abkürzung

Erklärung/Einheit

Parameter für

Herzfrequenz

HF

HR (heart rate)

Schläge pro Minute, bmp (beats per minute)

Gesundheits- und Trainingszustand in Ruhe und bei Belastung

Herzfrequenz-Variabilität

HFV

HRV (heart rate variability)

Abweichungen der Zeit zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen in Millisekunden (ms)

Grad der Erholung oder Stressbelastung

Atemfrequenz

AF

Atemzüge pro Minute, brpm (breathing rate per minute)

Gesundheits- und Trainingszustand, Schlaftiefe und -qualität

Maximale Sauerstoff-Aufnahme

VO₂max

Sauerstoffmenge, die der Körper bei höchster Belastung aufnehmen kann

Ausdauerleistung des Herz-Kreislauf-Systems

Grundumsatz

BMR (basal metbolic rate)

Kilokalorien pro Tag (kcal/d)

Energieverbrauch des Körpers in Ruhe

Aktivitätsenergie

Aktivitäts-Kalorien

Verbrauchte Kilokalorien (kcal) pro Bewegungseinheit

Energieverbrauch des Körpers bei Aktivität

Blutsauerstoff

sO₂

Sauerstoffsättigung des arteriellen Bluts

Atemfunktion und Versorgung der Körperzellen

Häufige Werte auf Smartwatch und Fitness-Tracker

Wie genau sind Werte auf der Smartwatch?

Die angezeigten Daten sind Mess- oder Schätzwerte. Sie können eine Orientierung bieten und bestimmte Trends anzeigen. Eine ärztliche oder sportmedizinische Untersuchung ersetzen sie jedoch nicht. Wie genau die Werte sind, hängt sowohl vom jeweiligen Modell als auch vom einzelnen Messwert ab:

Wie sinnvoll ist eine Fitness-Uhr?

Aus gesundheitlicher Sicht bieten Smartwatches und Fitnessuhren einige sinnvolle Funktionen. Sie geben zum Beispiel regelmäßige Bewegungsimpulse, können an Medikamenteneinnahmen erinnern, auf Atemaussetzer im Schlaf hinweisen oder beim Sport den Trainingsfortschritt erfassen. Ein allzeit aktiver Schrittzähler motiviert viele Menschen dazu, öfter die Treppe zu nehmen oder kürzere Strecken zu Fuß zurückzulegen. Auch in Studien zeigt sich, dass Fitness-Tracker dabei helfen können, körperlich aktiver und gesünder zu leben.

Wer zu Herzrasen und Herzstolpern (Palpitationen) neigt, hat jederzeit ein kleines Gerät am Handgelenk, das Herzrhythmusstörungen erkennen oder Entwarnung geben kann. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie bewertet Wearables als potenziell sinnvoll, um eine diagnostische Lücke in der Früherkennung von Herzrhythmusstörungen zu schließen. Die Diagnose stellt aber letztlich immer die Ärztin oder der Arzt mithilfe eines Langzeit-EKGs und weiterführenden Untersuchungen.

Keine Herzinfarkt-Erkennung

Bei Herzerkrankungen haben Smartwatches und Fitness-Tracker ihre Grenzen: Sie sind nicht in der Lage, Durchblutungsstörungen des Herzens oder einen Herzinfarkt zu erkennen. Bei Symptomen wie Atemnot, Schmerzen und Engegefühl in der Brust wählen Sie sofort die Notrufnummer 112.

Akute oder chronische Erkrankungen können Fitness-Tracker und Smartwatches nicht erkennen. Im Zweifel sowie bei konkreten Symptomen und Schmerzen sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen.

ADAC Notfallpass: Hilfe im Ernstfall

Generelle Informationen zu Ihrem Gesundheitszustand helfen den Rettungskräften bei einem Notfall. Im ADAC Notfallpass können alle relevanten Notfalldaten hinterlegt und zentral in der Wallet-App des Smartphones oder der Smartwatch gespeichert werden:

  • Vorerkrankungen

  • Medikamenten-Allergien

  • Medikationen

  • Blutgruppe

  • Kontaktpersonen (Angehörige, Notfallkontakte, Haus- und Fachärzte)

  • Informationen zu einer Schwangerschaft

  • Informationen zu Implantaten (z. B. Herzschrittmacher)

  • Informationen zu Organspendeausweis, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht

Im ADAC Notfallpass liegen diese Daten sicher verschlüsselt, damit sie bei einem Verlust von Smartphone oder Smartwatch nicht in falsche Hände gelangen. Der Notfallpass kann in die Rettungskette integriert werden. Im Notfall kann er von den Rettungskräften gescannt und ausgelesen werden. Im Zuge einer Weiterbehandlung im Krankenhaus können die Daten der entsprechenden Klinik zur Verfügung gestellt werden.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.