Sturzverletzungen: Erste Hilfe bei Bruch, Prellung und Verstauchung

Eine junge Frau liegt am Boden nachdem sie vom Fahrrad gestürzt ist
Ein Sturz kann im Alltag schnell passieren und zu unterschiedlichsten Verletzungen führen © stock.adobe.com/Phovoir

Ob Bluterguss, Prellung oder Bruch: Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sinnvoll sind und ob ärztliche Versorgung notwendig ist, richtet sich nach Art und Schwere der Sturzverletzung.

  • Bei älteren Menschen haben Stürze oft schwerwiegende Folgen

  • Kopfverletzungen können lebensbedrohlich werden

  • Brüche und Verrenkungen müssen immer ärztlich behandelt werden

Ausgerutscht, gestolpert, umgeknickt, vom Rad oder von der Schaukel gefallen: Ein Sturz kann im Alltag schnell passieren. Besonders häufig stürzen kleine Kinder und ältere Menschen. Erstere beim ausgelassenen Spielen und Toben, Letztere aufgrund altersbedingter Veränderungen wie nachlassender Muskelkraft und Reaktionsfähigkeit, Gleichgewichtsproblemen oder Sehbeeinträchtigungen. Im besten Fall reichen nach einem Sturz Pflaster oder tröstende Worte, oft ist aber auch ärztliche Hilfe erforderlich.

Was kann bei einem Sturz passieren?

Ein Sturz kann zahlreiche Verletzungen hervorrufen. Besonders häufig kommt es zu Blutergüssen, Prellungen, Fleischwunden (zum Beispiel Platz- und Schürfwunden) oder Knochenbrüchen. Wie schwerwiegend die Verletzungen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise aus welcher Höhe der Sturz erfolgt ist und wo sich die Verletzung befindet. So ist ein aufgeschlagenes Knie bei einem Kind meist harmlos und mit etwas gutem Zuspruch schnell vergessen. Hingegen kann ein Sturz auf den Kopf schlimmstenfalls ein lebensbedrohliches Schädel-Hirn-Trauma nach sich ziehen.

Grundsätzlich nimmt die Gefahr von ernsthafteren Verletzungen mit dem Alter zu, beispielsweise weil die Knochen brüchiger werden, die Gelenke bereits durch altersbedingten Verschleiß vorgeschädigt sind und die Muskulatur schwächer und somit anfälliger für Verletzungen wird. Auch "kleinere" Stürze, die bei jüngeren Menschen kaum Verletzungen nach sich ziehen, können bei Seniorinnen und Senioren schwerwiegende Folgen haben.

Erste Maßnahmen nach einem Sturz

Nach einem Sturz ist es wichtig, sich zuerst einen Überblick über die entstandenen Verletzungen zu verschaffen. Sprechen Sie die gestürzte Person an und überzeugen Sie sich, dass diese bei Bewusstsein ist. Ist die Person nicht ansprechbar, kontrollieren Sie die Atmung, leiten Sie bei Bedarf Wiederbelebungsmaßnahmen ein und verständigen Sie den Rettungsdienst. Das Gleiche gilt, wenn die Person in einer unnatürlichen Körperhaltung auf dem Boden liegt: In diesem Fall ist ein Bruch wahrscheinlich und eine Verletzung der Wirbelsäule nicht auszuschließen.

Ist die gestürzte Person ansprechbar, fragen Sie sie, ob sie Schmerzen verspürt, und kontrollieren Sie, ob äußerliche Anzeichen einer Verletzung erkennbar sind, beispielsweise Wunden oder Schwellungen. Hat die betroffene Person keine Schmerzen, bewegen Sie vorsichtig die Extremitäten, also Arme und Beine, um sicherzustellen, dass diese frei beweglich sind. Kommt es dabei zu stärkeren Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen, hat der Sturz möglicherweise zu einem Knochenbruch geführt. Verständigen Sie in diesem Fall den Rettungsdienst unter dem Notruf 112.

Deutet nichts auf eine schwerwiegendere Verletzung hin, helfen Sie der gestürzten Person beim Aufstehen. Kontrollieren Sie mit einer einfachen Frage, beispielsweise nach dem Wochentag oder dem Namen eines oder einer Angehörigen, ob die Person Anzeichen von Verwirrung zeigt. Verwirrtheit und Erinnerungslücken sind mögliche Hinweise auf ein Schädel-Hirn-Trauma.

Vorsicht bei Kopfverletzungen

Nach einem Sturz auf den Kopf ist besondere Vorsicht geboten, denn das Ausmaß einer Kopfverletzung reicht von einer harmlosen Schürfwunde bis hin zu einem lebensbedrohlichen Schädel-Hirn-Trauma und lässt sich von außen nicht beurteilen. Selbst wenn keine äußeren Verletzungen sichtbar sind, können Schädel und Gehirn durch den Aufprall ernsthaften Schaden genommen haben.

Zu den typischen Anzeichen einer Schädelverletzung zählen starke Kopfschmerzen, Blutergüsse, Blutungen, Beulen, Schwellungen und Fehlstellungen im Gesicht (zum Beispiel bei einer gebrochenen Nase). Bei einem Schädel-Hirn-Trauma sind sowohl der Schädel als auch das Gehirn betroffen. Warnzeichen für eine Beteiligung des Gehirns sind zum Beispiel:

  • Bewusstlosigkeit

  • anhaltende Kopfschmerzen

  • Orientierungslosigkeit, Gedächtnislücken

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Nackensteifigkeit

  • unterschiedlich große Pupillen

  • Müdigkeit, Schläfrigkeit und Benommenheit

  • unklare Sprache

  • Sehstörungen (zum Beispiel verschwommenes Sehen)

  • Krampfanfälle

  • Wesensveränderungen

  • Austritt einer klaren Flüssigkeit aus Ohr, Nase oder Mund

Beobachten Sie bei einer gestürzten Person entsprechende Symptome, sollten Sie schnellstmöglich den Rettungsdienst (112) verständigen, da Schädel-Hirn-Verletzungen akut lebensbedrohlich sein können. Das Gleiche gilt auch, wenn Sie sich nicht sicher sind, wie schwerwiegend die Kopfverletzung ist. Symptome können unter Umständen erst nach einigen Stunden auftreten, weshalb Betroffene nicht allein bleiben sollten. Verändert sich der Zustand und treten Anzeichen einer Schädel-Hirn-Verletzung auf, alarmieren Sie den Rettungsdienst.

Bei blutenden Kopfwunden ist es sinnvoll, einen sterilen Druckverband anzulegen, sofern der Allgemeinzustand der gestürzten Person stabil und eine Reanimation nicht erforderlich ist. Bringen Sie die Person in Rückenlage und lagern Sie den Oberkörper leicht erhöht, beispielsweise mithilfe eines dicken Kleidungsstücks: Steigt der Hirndruck aufgrund einer schweren Kopfverletzung, lässt er sich auf diese Weise unter Umständen senken.

Gehen Sie dabei mit äußerster Vorsicht vor und bewegen Sie die Person so wenig wie möglich, da nach einem schweren Sturz auch die Wirbelsäule verletzt sein könnte. Bleiben Sie bis zum Eintreffen des Arztes oder der Ärztin bei der Person, beruhigen Sie diese und halten Sie sie nach Möglichkeit mit einer Decke oder einem Kleidungsstück warm.

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Kopfverletzungen bei Kindern

Kopfverletzungen sind bei Babys und Kleinkindern besonders häufig. Das liegt daran, dass ihr Kopf im Verhältnis zum Körper viel größer und schwerer ist als beim Erwachsenen. Ernsthafte Verletzungen wie Brüche oder Schädel-Hirn-Traumata sind glücklicherweise selten. Dennoch sollten Eltern ihr Baby oder Kind nach einem Sturz für 48 Stunden genau beobachten, denn manchmal treten die Symptome einer schwerwiegenden Kopfverletzung zeitverzögert auf. Im Idealfall sollte das Kind in dieser Zeit im elterlichen Schlafzimmer schlafen und alle drei bis vier Stunden vollständig aufgeweckt werden.

Wichtige Hinweise auf eine schwerwiegende Kopfverletzung sind neben den auch bei Erwachsenen typischen Warnzeichen folgende Auffälligkeiten:

  • anhaltendes Weinen oder Wimmern

  • vollständiges Aufwecken des Kindes nicht möglich

  • fehlende Lautäußerungen beim Säugling

  • Teilnahmslosigkeit

  • Trinkunlust

  • Krampfanfälle

Was tun bei Prellungen und Verstauchungen?

Prellungen und Verstauchungen zählen zu den häufigen Verletzungen nach einem Sturz. Eine Verstauchung betrifft immer ein Gelenk und entsteht beim Umknicken oder durch Verdrehen. Dabei wird das Gelenk überdehnt und das umgebende Gewebe, beispielsweise Gelenkkapsel, Muskeln und Bänder, beschädigt. Oft kommt es zu Schwellungen und Blutergüssen. Prellungen hingegen sind die Folge stumpfer Krafteinwirkungen, beispielsweise bei einem Schlag, Stoß oder Aufprall. Die Haut bleibt ebenso wie bei einer Verstauchung intakt, allerdings werden Blutgefäße verletzt, wodurch ein Bluterguss zwischen Knochen und der den Knochen umgebenden Knochenhaut entsteht.

Prellungen und Verstauchungen sind in der Regel nicht gefährlich und heilen innerhalb weniger Wochen von allein ab, sofern keine Bänder gerissen sind. Allerdings können sie stärkere Schmerzen hervorrufen und die Beweglichkeit einschränken.

Die PECH-Regel

Die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Prellungen und Verstauchungen ergeben sich aus der sogenannten PECH-Regel:

P wie Pause: Schonen Sie das betroffene Gelenk oder Körperteil und halten Sie es ruhig.

E wie Eis: Kühlung wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und beugt starken Schwellungen vor. Um lokalen Erfrierungen vorzubeugen, ist es allerdings wichtig, Eiswürfel oder Kühlpacks nie auf die bloße Haut zu legen, sondern sie beispielsweise in ein Handtuch einzuwickeln. Kühlen Sie für zehn Minuten und legen Sie dann eine ebenso lange Kühlpause ein.

C wie Compression: Ein elastischer Druckverband verhindert starke Schwellungen und weitere Einblutungen, sollte aber nicht zu eng sein, um die Durchblutung nicht zu behindern.

H wie Hochlagern: Das Hochlagern des verletzten Körperteils wirkt Schwellungen und Einblutungen entgegen und erleichtert dem Organismus den "Abtransport" von Flüssigkeit aus dem geschwollenen Gewebe.

Offene und geschlossene Knochenbrüche

Einen Knochenbruch zu erkennen ist sogar für Ärztinnen und Ärzte nicht immer leicht. Als sichere Frakturzeichen gelten:

  • erkennbare Fehlstellungen

  • reibende Geräusche bei Bewegung

  • eine unnatürliche Beweglichkeit des betroffenen Körperteils

  • sichtbare Knochenfragmente bei offenen Brüchen

Darüber hinaus gibt es einige Symptome, die zwar auf einen Bruch hinweisen können, aber nicht ausschließlich bei Brüchen auftreten:

  • Der oder die Betroffene nimmt eine Schonhaltung ein.

  • Es kommt zu Bewegungseinschränkungen bis hin zur Bewegungsunfähigkeit.

  • Betroffene haben meist auch in Ruhe starke Schmerzen im Bereich der Bruchstelle.

Bei Verdacht auf einen offenen oder geschlossenen Knochenbruch sollten Sie den Rettungsdienst unter 112 rufen, und Sie selbst können verschiedene Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen:

  • Stellen Sie die gebrochenen Gliedmaßen oder das betroffene Körperteil ruhig, beispielsweise mit einem Dreieckstuch oder durch Umlagern mit Decken oder Kissen. Durch eine erhöhte Lagerung lassen sich unter Umständen stärkere Schwellungen verhindern.

  • Kühlen Sie geschlossene Brüche, legen Sie Eiswürfel und Kühlpacks dabei jedoch nicht direkt auf die Haut, sondern wickeln Sie diese in ein Tuch ein.

  • Entfernen Sie vorsichtig beengende Kleidung und Schmuckstücke wie Ringe oder Armreifen, wenn dies möglich ist.

  • Decken Sie offene Brüche mit einer sterilen Wundauflage ab.

  • Bewegen Sie das gebrochene Körperteil so wenig wie möglich und versuchen Sie unter keinen Umständen, es einzurenken oder in eine "natürliche" Lage zu bringen.

Erste Hilfe bei Verrenkungen

Bei einer Verrenkung oder Luxation springt ein Knochen aus dem Gelenk, Gelenkkopf und Gelenkpfanne werden also voneinander getrennt. Zu einer Verrenkung kommt es in der Regel nur nach einer sehr starken Krafteinwirkung, beispielsweise einem heftigen Aufprall oder Schlag. Betroffene leiden unter starken Schmerzen, in der Regel ist die Beweglichkeit des Gelenks sehr stark eingeschränkt.

Verrenkungen erfordern immer ärztliche Hilfe und sollten schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden, da die Gefahr von Nerven- und Gefäßverletzungen besteht. Sinnvolle Erste-Hilfe-Maßnahmen beschränken sich daher auf einen Notruf und das Ruhigstellen des betroffenen Körperteils. Ersthelfer sollten auf keinen Fall versuchen, das Gelenk selbst einzurenken.

ADAC Notfallpass: Hilfe im Ernstfall

Generelle Informationen zu Ihrem Gesundheitszustand helfen den Rettungskräften bei einem Notfall. Im ADAC Notfallpass können alle relevanten Notfalldaten hinterlegt und zentral in der Wallet-App des Smartphones gespeichert werden:

  • Vorerkrankungen

  • Medikamenten-Allergien

  • Medikationen

  • Blutgruppe

  • Kontaktpersonen (Angehörige, Notfallkontakte, Haus- und Fachärzte)

  • Informationen zu einer Schwangerschaft

  • Informationen zu Implantaten (z. B. Herzschrittmacher)

  • Informationen zu Organspendeausweis, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht

Im ADAC Notfallpass liegen diese Daten sicher verschlüsselt, damit sie bei einem Verlust des Smartphones nicht in falsche Hände gelangen. Der Notfallpass kann in die Rettungskette integriert werden. Im Notfall kann er von den Rettungskräften gescannt und ausgelesen werden. Im Zuge einer Weiterbehandlung im Krankenhaus können die Daten der entsprechenden Klinik zur Verfügung gestellt werden.

Wann zum Arzt

In manchen Fällen ist es nach einem Sturz notwendig, den Rettungsdienst zu verständigen oder einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Das gilt beispielsweise in folgenden Situationen:

  • Bei Kopfverletzungen, insbesondere wenn es Hinweise auf eine Schädel-Hirn-Verletzung gibt, sollte der Rettungsdienst verständigt werden.

  • Die betroffene Person ist nach dem Sturz bewusstlos oder atmet nicht.

  • Es kommt zu starken Blutungen.

  • Die Schmerzen sind sehr stark und lassen kaum Belastung zu.

  • Das betroffene Gelenk ist nach einem Sturz vollständig blockiert oder bei Belastung instabil und wackelig.

  • Es kommt zu sichtbaren Fehlstellungen oder Gefühlsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl oder Kribbeln).

  • Die Beschwerden werden im Lauf der Zeit stärker, kehren zurück oder bleiben über Wochen bestehen.

  • Es kommt zu einer sehr starken Schwellung: Diese kann auf ernsthaftere Verletzungen an Knorpel, Knochen, Bändern und Muskeln hinweisen.

  • Kommt es neben einer Schwellung auch zu einer Rötung und Überwärmung, kann dies ein Anzeichen für eine Entzündung sein.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.