Riesenzecke: Invasive Art breitet sich aus

Eine Hyalomma rufipes Zecke liegt neben einer gemeiner Holzbock-Zecke suf einem Millimeterpapier
Mit einer Größe von bis zu 2 Zentimetern überragt die Riesenzecke (rechts) den Gemeinen Holzbock deutlich© dpa/Fabian Sommer

Sie kann ihre Opfer gezielt verfolgen und Krankheiten übertragen: Die Riesenzecke der Gattung Hyalomma breitet sich in Europa aus, derzeit insbesondere in Norditalien. Das sollten Sie über das Spinnentier wissen.

  • Riesenzecke kann bis zu 2 Zentimeter groß werden

  • In Deutschland noch eher selten

  • Überträger des Krim-Kongo-Fiebers

Die Zeckenpopulationen in Europa dehnen sich immer weiter aus. Neben dem weit verbreiteten Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), der Borreliose und FSME übertragen kann, findet man in Deutschland mittlerweile auch invasive Arten von Riesenzecken wie Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes.

Normalerweise sind sie in ganzjährig trockenen, warmen Gegenden heimisch und gelangen als Larven mit Zugvögeln in nördlichere Breiten. Durch die klimatischen Veränderungen könnten sie sich aber auch hierzulande ansiedeln, so die Prognose des Robert Koch-Instituts (RKI). Bisher sind sie in Deutschland sehr selten: Jährlich werden zwischen 2 und etwa 20 Riesenzecken vom RKI erfasst.

"Hyalomma-Zecken können sich auch in Deutschland ansiedeln, derzeit gibt es jedoch keine Hinweise, dass sie den Gemeinen Holzbock verdrängen", sagt Prof. Dr. Emil Reisinger, Infektiologe und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock sowie Mitglied im ADAC Ärztekollegium.

Riesenzecke in Norditalien

Die Riesenzecke Hyalomma rufipes findet man vornehmlich in Asien sowie in Gebieten südlich der Sahara und am Roten Meer. Hyalomma marginatum ist mittlerweile auch im südlichen Mittelmeerraum verbreitet. Aktuell wird aus der Provinz Triest eine größere Ansiedlung in Norditalien vermeldet. Im Triester Karst gäbe es eine Riesenzecken-Population "in beträchtlichem Ausmaß", so das Triester Stadtmuseum für Naturgeschichte. Die felsige Landschaft bietet ideale Bedingungen für die invasiven Spinnentiere, die sonnige Steinflächen mit kurzen Gräsern bevorzugen.

So erkennt man eine Hyalomma-Zecke

Eine Riesen-Zecke der Gattung Hyalomma marginatum
Auffällig sind die gestreiften Beine der Riesenzecke© Robert Koch-Institut

Zecken der Gattung Hyalomma unterscheiden sich zum einen in ihrem Äußeren von heimischen Arten. Signifikant ist ihre Größe von bis zu 2 Zentimetern im vollgesogenen Zustand, die ihr den Titel "Riesenzecke" eingebracht hat. Mit ihren flinken gestreiften Beinen kann sie potenzielle Opfer über mehrere Meter ansteuern. Und das gezielt, denn anders als beispielsweise der Gemeine Holzbock haben Hyalomma-Zecken Augen und können ihre Beute ins Visier nehmen.

Wer eine Riesenzecke findet, kann sie – mit einem Klebestreifen auf Papier befestigt – zur Dokumentation an das Robert Koch-Institut senden: Robert Koch-Institut, ZBS 1, Stichwort "Zecke", Seestraße 10, 13353 Berlin.

Überträger von Krankheitserregern

Hyalomma-Zecken können Fleckfieber und Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber (CCHF) übertragen. Wie eine Untersuchung der Universität Hohenheim ergab, ist fast jede zweite in Deutschland gefundene Riesenzecke mit dem Fleckfieber-Erreger infiziert. Bis dato wurde aber lediglich ein Verdachtsfall nach einem Zeckenstich erfasst; eine Infektion mit Krim-Kongo-Fieber ist hierzulande nicht dokumentiert.

Fleckfieber kann Symptome wie Hautausschlag, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber auslösen und wird mit Antibiotika behandelt. Der Krankheitsverlauf ist meist mild.

Bei einer Infektion mit Krim-Kongo-Fieber können nur die Symptome wie hohes Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und grippeähnliche Krankheitssymptome behandelt werden. Kommt es zu einem hämorrhagischen Verlauf mit Blutungen, kann die Krankheit zum Tod führen (ca. 30 bis 40 Prozent der Fälle). "Die Wahrscheinlichkeit, sich in Mitteleuropa nach dem Stich einer Hyalomma-Zecke mit dem Krim-Kongo-Virus zu infizieren, ist derzeit sehr gering", erklärt Prof. Dr. Reisinger. "Völlig ausschließen kann man sie aber nicht."

Weder gegen Fleckfieber noch gegen Krim-Kongo-Fieber steht ein Impfstoff zur Verfügung.

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So schützen Sie sich vor Riesenzecken

Wer in der Natur unterwegs ist, sollte sich langärmelige Oberteile und lange Hosen, bevorzugt in hellen Farben anziehen. Geschlossene Schuhe und Socken sind ebenfalls ratsam, wenn Sie viel im Gras oder auf stark bewachsenen Wegen laufen. "In Wiesen und im Wald kann man die Hosenbeine in die Socken stecken, damit die Zecken nicht an die Haut gelangen können", empfiehlt Prof. Dr. Reisinger.

Ein Zeckenschutzmittel zum Auftragen auf Haut oder Kleidung kann zusätzlich schützen. "Diese Mittel haben aber eine eingeschränkte Wirkung, da Zecken am Körper wandern bis sie eine geeignete Einstichstelle gefunden haben", so der Mediziner. "Wer seinen Körper nach dem Aufenthalt im Freien inspiziert, kann wandernde Zecken am Körper noch vor dem Stich finden und entfernen." Suchen Sie Ihren Körper also am besten genau ab – insbesondere in den Achseln, Kniekehlen, am Kopf, Bauchnabel sowie im Genitalbereich.

Wer eine Zecke entdeckt, sollte sie so schnell wie möglich entfernen, am besten mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte. Bei neu auftretenden Krankheitssymptomen sollten Sie ärztlichen Rat einholen und dabei auf den Zeckenstich hinweisen, auch wenn dieser bereits Tage oder Wochen zurückliegt. "Wenn innerhalb einiger Tage rund um den Einstich eine Rötung oder eine Schwellung entsteht oder andere Symptome wie beispielsweise Fieber auftreten, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen", rät Prof. Dr. Reisinger.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Emil Reisinger, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock, Internist, Infektiologe, Tropen- und Labormediziner sowie Mitglied des ADAC Ärztekollegiums.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Mit Material von dpa